Bundesliga-Vorschau Nervenkitzel im Abstiegskampf


An der Spitze scheint alles entschieden. Im Bundesliga-Endspurt verspricht dafür der Kampf gegen den Abstieg Nervenkitzel und Hochspannung wie selten zuvor. Die Hälfte der Liga muss noch zittern.

Die Meisterschaft scheint entschieden, aber der Endspurt im Abstiegskampf der 41. Bundesliga-Saison verspricht Nervenkitzel und Hochspannung wie selten zuvor. Um den Klassenverbleib muss vor dem 26. Spieltag vom Tabellenneunten Hansa Rostock (31 Punkte) bis zum fast abgeschlagenen Schlusslicht 1. FC Köln (17) noch mehr als die halbe Liga zittern.

Köln letzte Chance

An das Prinzip Hoffnung und die Motivationskunst von Wolfgang Overath klammern sich die Kölner vor dem nächsten "Endspiel" beim SC Freiburg. "Von mir wird niemand ein Wort zur Zweiten Liga hören. So lange der Klassenerhalt rechnerisch möglich ist, rede ich über nichts anderes", erklärt Overath unermüdlich.

Hertha Hoffnung in der BayArena

Hertha-Manager Dieter Hoeneß glaubt, durch das 1:1 gegen den FC Bayern München den Dreh gefunden zu haben, um aus dem Tabellen-Keller zu kommen. "Das kann die Initialzündung gewesen sein", sagte er vor der Partie bei Bayer Leverkusen. Die Fakten sprechen aber eher für einen neuen Dämpfer: Sieben von neun Gastspielen verloren die Berliner, der letzte Sieg in der BayArena gelang am 2. Mai 1998.

96 im Abwärtssog

Eine ähnliche Negativserie haben die auf Platz 16 abgestürzten Hannoveraner gegen Borussia Dortmund. Die Westfalen gewannen bei den Niedersachsen fünf Mal hintereinander. «Die Spieler sind mit Freude und Leidenschaft dabei», hofft der noch sieglose neue 96-Trainer Ewald Lienen auf die Wende.

Die Spiele des 26. SPieltags

Hansa Rostock

VfL Wolfsburg

Bayern München

Borussia Mönchengladbach

Bayer Leverkusen

Hertha BSC

SC Freiburg

1. FC Köln

Eintracht Frankfurt

TSV 1860 München

Hannover 96

Borussia Dortmund

VfL Bochum

FC Schalke 04

Hamburger SV

1. FC Kaiserslautern

VfB Stuttgart

Werder Bremen

Reimann mit Walkie-Talkie auf Tribüne

Während er zu den Profis einen guten Draht hat, wird Eintracht Frankfurts Chefcoach Willi Reimann, der wegen seiner Schiedsrichter- Attacke für fünf Partien aus dem Stadion-Inneren verbannt ist, seine Spieler per Walkie-Talkie antreiben. "Wir wollen keine Medienshow", begründet Frankfurts Clubchef Heribert Bruchhagen, warum Reimann gegen 1860 München im TV-Studio und nicht auf der Tribüne sitzen will.

Jara an alter Wirkungsstäte

Pikant ist auch der Auftritt Kurt Jaras mit dem 1. FC Kaiserslautern beim Hamburger SV. Schließlich war er dort am 9. Spieltag nach einem 0:4 in der Pfalz rausgeflogen. "Es ist für meine Mannschaft, aber nicht für mich ein besonderes Spiel", meinte Jara.

Im Duell der Tabellennachbarn Rostock (9.) und Wolfsburg (10.) könnte ein Fehltritt eine enorme Sogwirkung nach unten haben. "Noch besteht Abstand nach unten, aber das kann sich schnell ändern", weiß "Wölfe"-Trainer Jürgen Röber, der schon sechs Niederlagen in acht Rückrundenspielen verdauen musste und auswärts erst einmal gewann.

Der Kampf um die UEFA-Plätze

Mit Dortmund, Leverkusen, Bochum und Schalke vier West-Clubs um zwei UEFA-Cup-Plätze. Zum Schlüsselspiel könnte dabei das Ruhrderby zwischen dem Tabellenfünften VfL Bochum und Schalke 04 (7.) werden. Denn im Fall eines Heimsiegs würde das Team von VfL- Coach Peter Neururer den «Königsblauen» mit einem Acht-Punkte-Abstand enteilen. Deshalb zettelte Schalkes Sportmanager Andreas Müller schon vor dem Anpfiff ein großes Ballyhoo an: "Es wird Zeit, dass wir Neururer seine große Klappe stopfen."

Hitzfelds Wunderrhetorik

Ganz oben will einer die Langweile nicht akzeptieren. Zumindest rhetorisch hat Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld eine gewisse Meisterschaft erreicht. Trotz des Elf-Punkte-Abstands zu Liga-Souverän Werder Bremen hält er den Glauben an das sportliche Wunder mit Worten weiter wach. "Wir wollen das schier Unmögliche noch wahr machen", sagte der zuletzt in die Kritik geratene Coach vor der Begegnung mit Borussia Mönchengladbach. Die Erfolgsserie der seit 16 Spielen ungeschlagenen Bremer zermürbe, "aber nur eine Niederlage - und in den Köpfen meiner Spieler würde es wieder hellwach werden".

... oder macht es Stuttgart noch spannend?

Ausgeschlossen ist dies nicht. Schließlich sorgte der VfB Stuttgart, der am Sonntag den Meister in spe empfängt, am 18. Oktober 2003 für die letzte Bundesliga-Niederlage der Bremer. "Auch wenn der erste Platz für uns nicht mehr zu erreichen ist, wollen wir gewinnen", sagte VfB-Coach Felix Magath, "gerne hätte ich gesagt, damit die Liga wieder spannender wird. Aber das verbietet sich jetzt."Dafür wäre für die Schwaben ein Sieg im Kampf mit dem FC Bayern um den direkten Sprung in die Champions League wichtig.

Andreas Schirmer/DPA DPA

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