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Fußball-Bundesliga: Bayern zum Siegen verdammt

Am 10. Spieltag der Fußball-Bundesliga (ab 15.30 im stern.de-Liveticker) ist ein Sieg für den FC Bayern gegen Frankfurt Pflicht. Gewinnen muss auch Stuttgart in Hannover, um nicht in den Abstiegskampf gezogen zu werden. Wegen eines Derbys herrscht im Rheinland Alarmstufe Rot.

Trainer Louis van Gaal angezählt und die Champions-League-Versager in der Pflicht: Fußball-Rekordmeister Bayern München ist vor dem Doppelpack gegen Eintracht Frankfurt in der Bundesliga am Samstag (ab 15.30 Uhr im stern.de-Liveticker) sowie im Achtelfinale des DFB-Pokals am Mittwoch zum Siegen verdammt. Bei einer weiteren Pleite droht das Bayern-Gelände an der Säbener Straße zum Pulverfass zu werden. "Das ist im Fußball immer so. Es geht nur um die Ergebnisse, vor allem bei einer Spitzenmannschaft. Und ich bin auch weiter davon überzeugt, dass meine Mannschaft Leistung bringen will", sagte van Gaal auf der Pressekonferenz am Freitag und fügte mit Blick auf die Kritik an seinen Charaktereigenschaften hinzu: "Wir leben in einer Welt, die mehr auf Personen als auf Fakten bezogen ist. Das ist schade."

Unter Druck stehen auch Markus Babbel mit dem VfB Stuttgart bei Hannover 96, Borussia Mönchengladbach und der 1. FC Köln vor dem nicht nur sportlich brisanten rheinischen Derby und Schlusslicht Hertha BSC Berlin, bei dem Coach Friedhelm Funkel die Serie von acht Niederlagen gegen Meister VfL Wolfsburg endlich beenden will. Zum Tag der Verfolger wird der Sonntag mit dem Duell zwischen Schalke 04 und dem Hamburger SV sowie dem Gastspiel von Werder Bremen beim Drittletzten VfL Bochum (ab 17.30 Uhr im stern.de-Liveticker).

Schonfrist für van Gaal abgelaufen

Bei den Bayern ist die Schonfrist für van Gaal offensichtlich abgelaufen. `Er weiß, dass wir Erfolg haben müssen´, sagte Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge, nimmt nach dem 1:2 bei Girondins Bordeaux aber vor allem die schwächelnden Stars in die Verantwortung: `Nun ist eine Reaktion der Mannschaft gefragt. Es bedarf jetzt Siege.´ Sollte auch gegen Frankfurt kein `Dreier´ gelingen, wäre der Kontakt zur Spitze endgültig abgerissen. Hoffnung gibt zumindest Neuzugang Arjen Robben, der nach seiner Knie-Operation in den Kader zurückkehrt.

Dagegen fehlen weiter die verletzten Franck Ribery und Ivica Olic. Nationalstürmer Mario Gomez muss wohl erneut auf der Ersatzbank Platz nehmen. Bei der Eintracht kann Trainer Michael Skibbe bis auf seinen angeschlagenen griechischen Stürmer Ioannis Amanatidis aus dem Vollen schöpfen. Landsmann Nikos Liberopoulos, der beim Training mit einem Plastik-Dummy zusammengeknallt war, wird trotz einer genähten Fleischwunde am Schienbein auflaufen.

"Es ist höchste Zeit, dass wir wieder gewinnen"

Der Vfb Stuttgart hofft in Hannover endlich auf einen Schritt aus der Krise. "Ich fordere von den Spielern, dass sie die Situation annehmen, ihre Chancen nutzen und keine Angst haben", sagte der in der Kritik stehende VfB-Teamchef Babbel, der vier Tage nach dem 1:3 in der Champions League gegen den FC Sevilla von einem weiteren Tiefschlag nichts wissen will. "Ich kann mich nicht erinnern, dass ich irgendwann drei Mal in Folge verloren habe", gab Babbel zu Protokoll. Auch er weiß: "Es ist höchste Zeit, dass wir wieder gewinnen." Öffentlich genießt Babbel weiter das Vertrauen der Klubführung. Laut Manager Horst Heldt gebe es "kein Ultimatum für den Trainer", der ohne die Nationalspieler Cacau und Khedira auskommen muss.

Verzweiflung bei Hertha, "Wolf" Grafite bekommt Sonderurlaub

Verzweiflung herrscht indes bei der Hertha, die selbst in der Europa League gegen den SC Heerenveen mit 0:1 verlor. Funkel, der den freien Fall als Nachfolger von Lucien Favre bei drei Pleiten aus drei Spielen noch nicht stoppen konnte, hat eine einfach Marschrichtung ausgegeben: "Kämpfen, kämpfen, kämpfen!" Wie verunsichert die Berliner sind, zeigt der Anspruch von Fabian Lustenberger ans Spiel gegen die Wölfe: "Am besten stellen wir uns 90 Minuten hinten rein und machen dann irgendwie ein Tor", meinte der wieder genesene Schweizer. Hoffnung gibt aber die mögliche Rückkehr von Torhüter Jaroslav Drobny.

Die Wolfsburger wollen nach dem 0:0 in der Champions League gegen Besiktas Istanbul auf Tuchfühlung zur Spitze bleiben. Im Spiel bei Hertha BSC fehlt den Wölfen Torjäger Grafite, der von Coach Armin Veh einen Sonderurlaub verordnet bekam. "Grafite muss jetzt schnell seinen Kopf freibekommen. Das funktioniert am besten, wenn er ein paar Tage in einem anderen Umfeld ist", begründete Veh seine Maßnahme.

Alkohol-Verbot in Mönchengladbach

Auch 1899 Hoffenheim will gegen Aufsteiger Nürnberg wieder in Richtung Tabellenspitze schielen. `Ich hoffe, dass das Team aus den beiden Niederlagen in Bremen und Mainz gelernt hat´, sagte Trainer Ralf Rangnick. Im DFB-Pokal hatte Hoffenheim mit 1:0 in Nürnberg gewonnen. Zum Duell der bislang starken Aufsteiger kommt es zwischen dem FSV Mainz 05 und dem SC Freiburg.

Ein Bundesliga-Novum gibt es in Mönchengladbach. Mit einem strikten Alkoholverbot soll am Samstag eventuellen Ausschreitungen im Rahmen des rheinischen Derbys zwischen der Borussia und dem 1. FC Köln vorgebeugt werden. Die Verfügung von Mönchengladbachs Oberbürgermeister Norbert Bude, die auch das Mitführen und die Benutzung von Gläsern oder Glasflaschen einschließt, gilt zwischen 9.00 und 15.30 Uhr für insgesamt 142 Straßen der Stadt und wird von 1000 Polizisten überwacht. Sportlich zeigt bei der Borussia die Formkurve nach unten, während der FC zuletzt vier Punkte aus zwei Spielen holte und dabei sogar ohne Gegentor blieb. „In Gladbach wollen wir nachlegen“, sagte Nationalstürmer Lukas Podolski.

Sonntag ist der Tag der Verfolger

Die finanziell angeschlagenen Schalker wollen ihren Höhenflug unter Trainer-Manager Felix Magath auch gegen Hamburg fortsetzen. Magath sieht die Knappen zwar "noch nicht als Spitzenteam", doch Platz drei nach neun Spielen sprechen eine andere Sprache. Der HSV hat beim 1:0 in der Europa League bei Celtic Glasgow gezeigt, dass er trotz der zahlreichen Verletzten auf Erfolgskurs bleibt. Auch in Schalke gilt für den Tabellenzweiten das Motto: Weiter durchmogeln.

Bei Werder Bremen kann Tim Wiese am Sonntag einen vereinsinternen Rekord aufstellen. Der Schlussmann ist seit 619 Minuten ohne Gegentor in der Fußball-Bundesliga. Hält er in den ersten 22 Minuten der Auswärtspartie beim VfL Bochum seinen Kasten sauber, ist die bisherige Bestmarke von Oliver Reck von vor 21 Jahren geknackt. Eine Veränderung in der Startelf ist im Vergleich zum Europa-League-Spiel bei Austria Wien (2:2) möglich. Tim Borowski könnte sich Hoffnungen auf einen Einsatz von Beginn an machen. Für den VfL Bochum kehrt Stammkeeper Philipp Heerwagen nach sechswöchiger Verletzungspause ins Tor zurück.

DPA/sid/feh

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