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Fußball: Die Spieler des Monats Februar

Unsere besten Spieler des Monats Februar in den vier großen europäischen Ligen sind wieder ein bunter Haufen. Cristiano Ronaldo hat das Duell gegen seinen ewigen Rivalen für sich entschieden, die beiden Sieger in England und Italien liegen über 16 Jahre auseinander. Und dann wäre da noch ein Österreicher.

Zum fünften Mal küren wir die Spieler des Monats in den vier großen europäischen Ligen in England, Spanien, Italien und Deutschland. Unabhängig von Notensystemen stellt unsere Redaktion eine Vorauswahl zusammen und legt sich dann aufgrund von individueller Stärke, statistischen Werten, der Bedeutung für das jeweilige Team und dem Mannschaftserfolg fest.

Für die heutige Ausgabe fiel die Wahl in England und Spanien auf zwei Spieler von absoluten Meisterschaftsfavoriten, in der Serie A und der Bundesliga konnten sich jeweils Akteure von Mittelfeld-Teams durchsetzen.

Bundesliga: Martin Harnik (VfB Stuttgart)

Es wird nicht allzu häufig vorkommen, dass ein Österreicher zum Spieler des Monats in der Bundesliga gewählt wird. Martin Harnik hat im Februar aber einen unglaublichen Lauf hingelegt, der ihn auch deutlich über die potentiellen Konkurrenten aus Mönchengladbach und Dortmund stellt – der BVB begeistert derzeit ohnehin eher im Kollektiv.

Dabei begann die Rückrunde für den Piefke, wie sich Harnik wegen seiner deutschen Mutter und der Kindheit in Norddeutschland selbst nennt, eher unerfreulich. Nach zwei schwächeren Auftritten gegen Schalke und Mönchengladbach setzte ihn Trainer Bruno Labbadia in Leverkusen auf die Bank. "Der Martin hat eine Pause und einen Tritt gebraucht", hatte Labbadia seinen Schritt begründet – und sollte Recht behalten.

Denn als Joker in Leverkusen fand Harnik zurück in die Erfolgsspur, sein spätes Tor sicherte einen Zähler bei der Werkself. Es folgten drei Treffer beim 5:0-Erfolg gegen Hertha BSC, bei der 2:4-Pleite in Hannover traf Harnik ebenfalls und nach den beiden Treffern gegen Freiburg steht Harnik mittlerweile bei 13 Saisontoren und sechs Assists.

In Österreich wird Harnik immer mehr zum Topstar, vor dem Länderspiel gegen Finnland konzentrierte sich das mediale Interesse sehr stark auf den Stuttgarter, der in der Winterpause seinen Vertrag beim VfB bis 2016 verlängern durfte. "Ich bin ein Typ, der Sicherheit braucht", will Harnik seinen Lauf auch als Dankeschön für das Vertrauen in seine Person verstanden wissen. Harnik weiß aber auch, dass wieder andere Zeiten kommen werden. "Ich bin nach wie vor in der Lage, aus zwei Metern am leeren Tor vorbeizuschießen", sagte er in seiner Heimat gegenüber derstandard.at.

Premier League: Paul Scholes (Manchester United)

Der Fußball in der Premier League schreibt gerade nur selten positive Schlagzeilen. In der Champions League droht ein Viertelfinale ohne englische Beteiligung, gegen Luis Suarez und John Terry gibt es Rassismus-Vorwürfe, Terry verlor deshalb die Kapitänsbinde in der Nationalmannschaft und daraufhin trat Fabio Capello als Nationalcoach zurück.

Bei Manchester United ist nach einem sportlich turbulentem Jahreswechsel dagegen wieder Ruhe eingekehrt. Dafür verantwortlich sind auch zwei Spieler, die schon stramm auf die 40 zugehen. Ryan Giggs absolvierte gerade sein 900. Pflichtspiel für die Red Devils, erzielte dabei auch noch ein Tor – dem Waliser sind die 39 Jahre nicht anzumerken.

Eine noch wichtigere Rolle für United nimmt derzeit aber Paul Scholes ein. Der 37-Jährige hatte seine Karriere bereits beendet, doch als Trainer Sir Alex Ferguson das Ungleichgewicht im Mittelfeld von United erkannte, reaktivierte er Scholes einfach im Januar. Seitdem sind die Red Devils in der Premier League ungeschlagen und liegen wieder punktgleich mit Manchester City an der Tabellenspitze. Scholes mag nicht mehr der Schnellste sein, er zieht aber im Mittelfeld immer noch geschickt die Fäden und glänzt sogar wieder als Torschütze. Ein Hoch auf die Routine im roten Trikot.

Primera División: Cristiano Ronaldo (Real Madrid)

Und wieder wird es keine endgültige Antwort auf die Frage geben, ob denn nun Lionel Messi oder Cristiano Ronaldo der bessere Fußballer ist. Im Rennen um den Titel des Spieler des Monats in Spanien nahmen die beiden besten Offensivspieler des Planeten aber wieder ordentlich Fahrt auf, die Kollegen der Marca machten nach der Oscar-Verleihung ihre Titelgeschichte unter der Überschrift "The Artists" auf und huldigten so dem atemberaubenden Duell.

Wir haben uns letztlich für Ronaldo entschieden, weil Real Madrid alle vier Liga-Spiele im Februar gewinnen konnte und Messi gegen Osasuna einen ziemlich schwachen Auftritt hinlegte. Doch eigentlich waren Ronaldo und Messi nahezu gleichauf, das beweist auch das Rennen um den Goldenen Schuh in Europa, wo Ronaldo (29 Saisontore) mit zwei Punkten knapp vor Messi (28) führt.

Nach seinem Hackentor gegen Rayo Vallecano – es war bereits sein drittes im Real-Trikot – und dem fulminanten Fernschuss gegen Santander beginnen für Ronaldo nun aber die entscheidenden Wochen und Monate. Der Vorsprung in der Primera División beträgt weiterhin zehn Punkte auf den FC Barcelona, die Meisterschaft darf Real niemals mehr aus der Hand geben. Und in der Champions League müssen die Königlichen keinen Gegner fürchten – vor allem wenn Ronaldo auch dort die wichtigen Treffer erzielt.

Serie A: Fabio Borini (AS Rom)

In Italien elektrisiert – gerade nach dem turbulenten Duell am vergangenen Spieltag – der Titelkampf zwischen Juventus Turin und dem AC Mailand die Massen. Doch auch in den Niederungen der Tabelle passieren derzeit spannende Dinge, so spielte sich mit Fabio Borini ein Youngster so stark in den Vordergrund, dass er von Nationaltrainer Cesare Prandelli für das Freundschaftsspiel gegen die USA nominiert wurde.

Der 20-jährige Stürmer ging für seine Karriere einen mittlerweile nicht mehr ganz unüblichen Weg, denn im Alter von 16 verließ er seinen Heimatclub FC Bologna und wechselte zum FC Chelsea nach London. Dort wurde er weiter ausgebildet, in den eineinhalb Jahren im Profikader konnte sich Borini aber nicht durchsetzen. Per Leihgeschäft ging es zu Swansea City, wo er mit sechs Treffern durchaus einen Anteil am Aufstieg in die Premier League hatte.

Danach zog es ihn wieder in die Heimat, doch nach nur einem Spiel beim FC Parma, wo er zuvor einen Fünfjahresvertrag unterschrieben hatte, wurde er erneut verliehen. Die Roma war nun seine neue Heimat und hier fand Borini, nach einer Eingewöhnungsphase als Joker, sein Glück. Der Februar war der bisher stärkste Monat seiner Karriere. Gegen Cagliari, Ex-Club Parma und Bergamo erzielte Borini jeweils einen Treffer, die Krönung war aber der Doppelpack gegen das kriselnde Inter.

Bei der Nominierung für die Squadra Azzurra profitierte Borini auch vom neuen Ehrenkodex in der italienischen Nationalmannschaft. Weil Mario Balotelli (Tätlichkeit) und Pablo Osvaldo (Revanchefoul) in ihren Clubs nach Roten Karten gesperrt fehlten, verordnete Prandelli beiden eine Denkpause und machte so den Weg für Borini frei. Der gilt übrigens als bodenständig und geerdet, auch wenn er sich beim Jubeln bereits ein Markenzeichen zugelegt hat.

Borini feiert mit seiner linken Hand zwischen den Zähnen, die ein Messer symbolisieren soll. "Ich habe den Jubel mit Freunden einstudiert, als ich in London einen schwierigen persönlichen Moment hatte", erzählte Borini in verschiedenen italienischen Medien. "Er ist ein Symbol, dass mich repräsentiert und ich mache es, um zu zeigen, dass ich einer bin der nicht einfach aufgibt."

Marcus Krämer

sportal.de / sportal

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