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NBA: Basket Case - NBA Allerlei

Die Besitzer streiten untereinander und handeln sich Rekordstrafen ein. Die Spieler sind ratlos und fliehen weiter aus den USA. Der Basket Case hat sich das Chaos angeschaut - und nach weiteren bunten Geschichten rund um die Liga gesucht.

Die Europameisterschaft in Litauen ist vorbei und damit wohl auch die letzte Möglichkeit, in diesem Jahr noch NBA-Stars Basketball spielen zu sehen. Deshalb schaut der Basket Case heute auf den neuesten Stand der Verhandlungen zwischen den Team-Besitzern und den Spielern, den möglichen Mavericks-Kader für die nächste Saison sowie – den Weltfrieden.

In zwei Wochen sollte sie eigentlich beginnen, die Pre-Season der NBA - zunächst mit den Trainingscamps der Teams, später dann mit den ersten Vorbereitungsspielen, am Ende vom Tip-Off zur Saison 2011/12 sollte Spiel der Dallas Mavericks gegen die Chicago Bulls stehen.

Teambesitzer untereinander uneins

Dass daraus zumindest zu den angedachten Daten wohl nichts werden würde, war den meisten Fans früh klar. Trotzdem hielt sich immer eine vage Hoffnung, die Panik vor einem Saisonausfall könnte bei den beiden Verhandlungsparteien für eine plötzliche Kehrtwende hin zur Kompromissbereitschaft und letzten Endes einer schnellen Einigung führen. Aber nichts von den spärlichen Informationen, die man aus den Verhandlungen erfährt, unterstützt diese Hoffnung.

Zumal sich jetzt wohl auch die Teambesitzer untereinander mehr und mehr in die Haare zu kriegen scheinen. Dabei geht es um das Prinzip des Revenue Sharing, was übersetzt bedeutet: Teams aus kleineren Märkten, wie zum Beispiel Charlotte, Utah, Milwaukee oder Minnesota haben es natürlich schwerer, Gewinne zu generieren. Deshalb sollen nach dem Willen der kleinen Teams die Teams aus den großen Märkten wie Los Angeles, Chicago, Boston und New York Teile ihrer Gewinne in einen Topf bezahlen, aus dem dann Teile der Verluste der “Small Market Teams“ beglichen werden können.

Schließlich wird das Geld ja mit dem großen Gesamtprodukt NBA verdient. Da eine solche Liga aber natürlich keine sonderlich soziale Organisation ist, haben die Besitzer größerer Teams wenig Verständnis für die Forderungen und verweisen ihrerseits auf ihre hohen Gehaltskosten. Womit man dann bei dem Problem wäre, um das es ja eigentlich geht, nämlich den Arbeitsvertrag zwischen Spielern und Besitzern.

Terry sieht die Spieler gerüstet

Es wird also viel gestritten und wenig konstruktiv geredet. Jason Terry, Dirk Nowitzkis Mannschaftskamerad bei den Dallas Mavericks und als Mitglied der Spielergewerkschaft an den ersten Verhandlungsrunden beteiligt, sagte vor einigen Tagen auf einer Pressekonferenz:

"Ich möchte unbedingt wieder spielen. Aber im Moment sieht es absolut nicht gut aus. Es ist ein langwieriger Prozess und wenn sich beide Seiten nicht bewegen, dauert es eben noch viel länger, zu verhandeln. Nur weil es für einen pünktlichen Saisonbeginn fünf vor zwölf ist, wollen wir (die Spieler) nicht voreilig irgendwelche Verträge unterschreiben, dank derer wir dann zwar spielen könnten, die uns aber langfristig schaden würden. Die Besitzer bewegen sich zur Zeit gar nicht, und wir halten als Gewerkschaft fest zusammen."

Zumindest um seine NBA-Kollegen, die wie Terry selber wohl auch vorübergehend arbeitslos sein werden, macht sich der Guard des Meisters keine Sorgen. “Billy Hunter (Präsident der Spielergewerkschaft) hat uns alle jahrelang auf eine solche Situation vorbereitet. Uns wurde immer gesagt, wir sollen vernünftig mit unserem Geld umgehen und ich glaube, es wird kaum Spieler in der Liga geben, die während eines Lockouts in finanzielle Schwierigkeiten kommen. Und falls es doch passiert, können die meisten ja einfach im Ausland weiter Basketball spielen."

Die Dallas Mavericks 20......12?

Jason Terry gab außerdem an, seine Karriere in Dallas bei den Mavericks beenden zu wollen, was in Anbetracht der Verdienste des “Jet“ für die Franchise in Stein gemeißelt zu sein scheint. Aber wer wird in der nächsten Saison noch im Kader der Mavericks stehen?

Rudy Fernandez vielleicht nicht. Nachdem der Spanier, der im Sommer erst per Trade aus Portland geholt wurde, sich bei der Europameisterschaft mit dem spanischen Team den Titel sichern konnte, unterschrieb er, wie vorher bereits gemunkelt wurde, einen gut dotierten Vertrag bei Real Madrid. Zwar hat Fernandez, der bei der EM 8.2 Punkte pro Spiel, eine Trefferquote von 50 Prozent sowie Platz zehn in der Steal-Rangliste erreichte, eine Ausstiegsklausel, hat aber bereits gesagt, sogar darum kämpfen zu wollen, die Saison in Spanien zu spielen – sollte es bei Madrid gut laufen.

J.J. Barea hingegen hat sich ganz klar zu den Mavericks bekannt. Zwar grenzte er die Chancen auf eine Vertragsunterzeichnung bei den Texanern in Falle eines Lockout-Endes auf "75 Prozent" ein, beteuerte aber durchgehend, sich sehr wohl zu fühlen und mit den Mavericks die Titelverteidigung angehen zu wollen. Und ebenso geht es ja auch Tyson Chandler, der eins der entscheidenden Puzzlestücke der Meisterschaft war. Unter einem neuen CBA wird wohl sowieso kaum ein Team genug Geld frei haben, um Chandler einen umwerfenden neuen Vertrag anzubieten. Und Mavs-Besitzer Mark Cuban wird sich sicherlich nicht lumpen lassen und das Geld fair zwischen Barea und Chandler aufteilen.

Und so wird Dallas mit einer eingespielten, harmonierenden und trotz Meisterschaft sicherlich bestens motivierten Mannschaft an das Unternehmen Titelverteidigung gehen - vor allem bei einer verkürzten Saison sicherlich keine unmögliche Aufgabe.

Kobe auf den Spuren seines Vaters

Ruhig war es um die Auslandspläne von Kobe Bryant geworden, nachdem ein vermeintlicher Deal mit Besiktas Istanbul nicht zustande gekommen war. Nun hat sich der italienische Verein Virtus Bologna zu Wort gemeldet und bekannt gegeben, dass man sich in Verhandlungen mit Bryants Agenten befinde; ob allerdings nur für einen Gastauftritt, um das Marketing anzukurbeln, oder tatsächlich für einen länger befristeten Vertrag scheint bisher unklar.

Sinn machen würde es allemal, hatte doch Bryants Vater in den achtziger Jahren lange selber in Italien Basketball gespielt, unter anderem an der Seite des heutigen Knicks-Trainers Mike D'Antoni. Aus seiner Jugend spricht Bryant nach wie vor fließend Italienisch, und auch die Liebe zum Fußball, die Bryant nie müde wird zu erwähnen, ist ihm erhalten geblieben. Und der kolportierte Verdienst von 650.000 Dollar pro Monat wäre als Ausgleich für ein entgangenes NBA-Rekordgehalt von über 25 Millionen Dollar ja zumindest auch ein guter Anfang. Mit Streetball wird es wohl kaum so viel werden – aber dazu später noch mehr.

China, Air Jordan und ein Ende der Tanzstunden

Eine asiatische Außenstelle ihres Teams in China können die Denver Nuggets aufmachen. Nachdem bereits J.R. Smith und Wilson Chandler Verträge im Reich der Mitte unterschrieben hatten, die es ihnen selbst bei erfolgreichem Abschluss der CBA-Verhandlungen nicht gestatten würden, in die NBA zurück zu kehren, folgt ihnen nun mit Kenyon Martin der nächste Ex-Nugget.

Martin, in der letzten Saison in Denver für 9 Punkte und 6 Rebounds gut, unterschrieb bei den Xinjiang Flying Tigers einen Jahresvertrag. Alle drei Spieler sind seit dem Ende der Saison Free Agents und damit bis auf Optionen vertragslos, die einzige Möglichkeit für Spieler, sich in China verpflichten zu lassen. Danilo Galinari, der in Italien anheuert, und Ty Lawson, der in Litauen unterschrieben hat, komplettieren das Nuggets-Aufgebot auf Reisen.

Mehr reisen, weniger reden – das wäre sicher auch eine gute Idee für Michael Jordan, den Besitzer der Charlotte Bobcats und seines Zeichens besten Basketballer aller Zeiten. Während eines Interviews mit einer australischen Zeitung schaffte er es lange Zeit, sich nicht zur Liga zu Äußern – irgendwann hatte er sich aber so in Rage geplaudert, dass er kein Thema, sei es die CBA-Verhandlungen oder seinen australischen Center Andrew Bogut, aussparen mochte.

Schönes Interview, könnte man denken. Doch die Liga sah das anders und verdonnerte Jordan zu einem Bußgeld von 100.000 Dollar - schließlich ist jegliche Stellungnahme zu Team- und Liga-Themen während der Verhandlungen strengstens verboten.

Schließlich sollte in dieser Basketball-freien Zeit auch noch Zeit für Meldungen abseits vom Ball bleiben: Ron Artest, oder seit einer Woche eben offiziell Metta World Peace, hat sich bei der amerikanischen Prominenten-Tanzsendung “Dancing with the Stars“ bereits als erster Kandidat aus dem Rennen verabschiedet. Scheinbar reichten dem Lakers-Forward die Stimmen der kalifornischen Fans nicht aus, um seine doch eher tolpatschigen Tanzschritte zu kompensieren, wie Chefjuror Len Goodman süffisant zum Besten gab.

Drew vs. Goodman, Teil 2

Und zu guter Letzt noch eine erfreuliche Nachricht für die Freunde des gepflegten Streetballs: Nachdem besonders Kevin Durant in den Parks von Washington und New York für viel Aufsehen gesorgt hatte, kommt es nun zum zweiten Teil des Showdowns der Drew League und der Goodman League.

Beim ersten Spiel hatten sich diverse NBA-Stars aus den beiden Städten Washington und Los Angeles ein heißes Duell in einem Park in der Hauptstadt geliefert, bei dem am Ende Durant's Mannen auf ihrem heimischen Court mit 135:134 die Oberhand behielten. Nun haben die Macher der in L.A. beheimateten Drew League also zur Revanche aufgerufen, und nicht nur werden alle Stars der ersten Partie mit an Bord sein, das Drew-Team peilt sogar noch hochkarätige Unterstützung an.

Neben Trevor Ariza und Dorell Wright soll auch Kobe Bryant mit von der Partie sein. “Wir wollten ihn bereits für das erste Spiel in Washington in unserem Team haben. Nachdem er in einem Spiel unserer Liga 43 Punkte gemacht hatte, schien er ja bestens in Form zu sein. Warten wir ab, wenn er Lust hat, zu spielen, ist er bei uns jederzeit willkommen“, so der Commissioner der Drew League, Dino Smiley. Aber selbst ohne Bryant sollte das am 9. Oktober stattfindende Match ein Kracher werden – und genau aus dem Grund eventuell sogar weltweit im Internet zu sehen sein.

Für heute war es das mal wieder vom Basket Case. Wie alle Fans hoffe auch ich weiterhin auf eine Saison, pünktlich, verspätet oder eben nur mit halb so vielen Spielen wie geplant – es wäre alles schöner als ein Jahr lang auf Basketball zu verzichten!

Oliver Stein

sportal.de / sportal

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