Weniger Neuinfektionen und weniger Todesfälle: Der Kampf gegen Aids macht laut Vereinten Nationen bedeutende Fortschritte. Zudem vermelden US-Wissenschaftler einen Durchbruch bei der Entwicklung eines Aids-Medikaments.

Epidemie gestoppt, Wende eingeleitet: UNAIDS-Chef Michel Sidibe zeichnet ein positives Bild vom weltweiten Kampf gegen Aids© Anja Niedringhaus/AP
Zum ersten Mal seit dem Ausbruch der Aids-Epidemie in den 80er Jahren ist die Zahl der Infizierten nach Angaben der Vereinten Nationen zurückgegangen. Im vergangenen Jahr sei die Zahl leicht auf schätzungsweise 33,3 Millionen Menschen zurückgegangen, teilten die UN am Dienstag in Genf mit. Man habe die Ausbreitung der Epidemie gestoppt und eine Wende eingeleitet, sagte der geschäftsführende Direktor der Hilfsorganisation UNAIDS, Michel Sidibe.
Dem UNAIDS-Bericht zufolge ist die Zahl der Neuinfektionen seit 1999, als die Krankheit ihren Höhepunkt erreicht hatte, weltweit um 19 Prozent zurückgegangen. Insbesondere in Schwarzafrika sieht die Organisation große Erfolge: Dort sei die Zahl der Neuinfektionen von 2001 bis 2009 in 22 Ländern sogar um über ein Viertel gesunken. In Äthiopien, Nigeria, Südafrika, Sambia und Simbabwe - den Ländern der Sub-Sahara, in denen die Epidemie am schlimmsten ist - habe sich die Gesamtlage stabilisiert oder verbessert.
Mit der Aussage des Papstes, in "begründeten Einzelfällen" seien Kondome zulässig, zeigte sich Sidibe zufrieden. "Das ist positiv und für den Vatikan ein Schritt vorwärts", sagte der UNAIDS-Chef. Bislang hatte die katholische Kirche die Ansicht vertreten, dass auch zur Vorbeugung von Aids in keinem Fall Kondome benutzt werden dürfen.
"Weniger Menschen stecken sich an, weniger Menschen sterben", sagte Sidibe. Allerdings seien die Neuinfektionen auch in sieben Ländern um über 25 Prozent gestiegen, fünf davon in Osteuropa und Zentralasien. Die Ukraine hat von allen Ländern Europas und Zentralasiens den höchsten Anteil von HIV-Infizierten. Hier hat sich die Zahl der Neuinfizierten seit 2001 mehr als verdoppelt. Aber auch in den reichen Ländern nimmt die Aids-Epidemie nicht ab. In Nordamerika und in Westeuropa steckten sich im vergangenen Jahr 100.000 Menschen mit dem HI-Virus an. 2001 waren es 97.000.
In Deutschland leben rund 70.000 Menschen mit dem Virus. Das Robert Koch-Institut (RKI) geht davon aus, dass diese Zahl in den kommenden Jahren kontinuierlich steigen wird, da die Infektionszahlen deutlich höher liegen als die Todesfallzahlen. Im Jahr 2010 hätten sich rund 3000 Deutsche mit HIV angesteckt, 550 Menschen seien im gleichen Jahr an Aids gestorben, teilte das RKI mit.