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12. September 2011, 18:51 Uhr

Viel Gerede, meist um nichts!

Zwei Mal "Beckmann", zwei Mal "Anne Will", zwei Euro-Debatten, keine über die FDP - und jetzt das Jauch-Debüt: Was hat die Talk-Offensive gebracht? Von Bernd Gäbler

 
Medienkolumne, Talk, Talkshow, Plasberg, Jauch,

Sie alle talken im Ersten: Frank Plasberg, Sandra Maischberger, Günther Jauch, Anne Will und Reinhold Beckmann (v.l.)© ARD/Marco Grob

So verständlich und spannend wie Günther Jauch soll ja kein anderer Fernsehmensch in Deutschland etwas vermitteln können. Aber was genau denn eigentlich? Viel gelernt haben wir jedenfalls nicht über die USA, den Terror und den Krieg in Afghanistan. Oder was genau war das Thema am 11. September im Berliner Gasometer? Egal. Letztlich ging es wohl doch hauptsächlich darum, wie Günther Jauch seine erste Sendung als zentraler ARD-Talker hinbekommt. Wie wohl? Solide natürlich. Er beherrscht unterschiedliche Tonlagen von sachlich bis emotional. Einmal hat er sogar einen kleinen Witz auf Kosten der SPD gemacht. Dennoch war er eher ein Simon Rolfes des Talk-Gewerbes als ein eleganter Mesut Özil. Jauch spielte auf Sicherheit. Viel Tiefgang war da nicht. Vieles wurde nur angerissen. Bohrendes Nachfragen gab es nicht.

Oft hatte der Talk die Anmutung von stern TV, was wahrscheinlich auch daran lag, dass die in Einspielfilmen vorgestellten Gäste sofort danach befragt wurden.

Sicher war es eine gute redaktionelle Idee, mit Marcy Borders, der "Dust Lady" von 9/11, zu beginnen. Nicht rasend originell war es hingegen, Peter Struck und Jürgen Todenhöfer als zentrale Kontrahenten zu präsentieren. Die hatten schon häufiger in Print und TV miteinander gestritten - diesmal taten sie es recht verhalten. Kundigere Kritiker der US-Politik als Elke Heidenreich wären denkbar gewesen, während es durchaus überraschend war, Jürgen Klinsmann als Ethnologe des "American way of life" einzuladen. Sein mitten aus dem Leben gegriffenes "Der Amerikaner schaut immer nach vorn" wirkte dennoch etwas arg banal.

An stern TV erinnerte auch die Sitte, jeden informativen Einspielfilm mit Musik zu untermalen. Die Angehörigen eines in Afghanistan gefallenen deutschen Soldaten mit "Geboren um zu leben" zu unterlegen - das war zu viel "Emo-Schiene".

Natürlich ist es zu früh für die Antwort auf die Frage, ob Günther Jauch außer für die Quotenbilanz auch inhaltlich ein großer Gewinn für die ARD sein wird. Lassen wir ihn Langstrecke laufen und warten ab, wie es sein wird, wenn er auch einmal ein komplizierteres Thema behandeln wird.

Und die anderen?

Was haben Plasberg, Will und Beckmann auf ihren neuen Sendeplätzen zu Stande gebracht? Zunächst ist zu konstatieren: so überbordend wie die ARD glaubt, ist das Zuschauerinteresse nicht. Gerade zweimal gelang ein zweistelliger Marktanteil. Eigentlich war kaum eine Talk-Sendung im ersten Angang signifikant stärker als das vorherige Programm an gleicher Stelle.

Die auf ihrem Sendeplatz verbliebene Sandra Maischberger schielte beim Debüt mit Charlotte Roche als Gast zu offenkundig auf den Publikumserfolg. Heraus kam eigentlich nur, dass Sex doch auch irgendwie Spaß machen sollte. In der zweiten Sendung verhandelte sie die Euro-Krise zu offenkundig nur mit zweitrangiger Besetzung, auch wenn ARD-Börsenfrau Anja Kohl als populär gilt und der Hedgefond-Manager Karsten Schröder seine TV-Tauglichkeit schon bei Plasberg bewiesen hatte.

Völlig ruhig und unbeeindruckt zieht lediglich Maybrit Illner im ZDF ihre Talk-Bahn. Sie hat es klassisch gehalten, über die Euro-Krise gesprochen, mit dem SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel den bedeutendsten Politiker eingeladen, der in die erste Talk-Session kam. Dazu gesellten sich Susanne Schmidt, die schon bei Plasberg dasselbe Thema diskutiert hatte und Wolfgang Bosbach von der CDU, was diesmal sogar einen Sinn hatte, da er schon fast als Wortführer einer sanften innerfraktionellen Kritik gelten kann. Das war alles solide, politisch, normal. Knapp zwölf Prozent Marktanteil waren der Lohn.

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