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10. Oktober 2005, 07:39 Uhr

Pakistan bittet um Hilfe

Nach dem Erdbeben in Kaschmir schätzt man die Zahl der Toten inzwischen auf bis zu 40.000, 2,5 Millionen Menschen wurden obdachlos. Weil die internationalen Hilfsaktionen noch nicht alle Menschen erreicht haben, kam es in Pakistan zu Plünderungen.

Die pakistanische Armee evakuiert mit Hubschraubern Verletzte aus Muzaffarabad© Mian Khursheed/Reuters

Zwei Tage nach dem verheerenden Erdbeben in Südasien wird das Ausmaß der Katastrophe immer erschreckender. Der Sprecher des pakistanischen Präsidenten Pervez Musharraf, Generalmajor Schaukat Sultan, rechnet nach pakistanischen Medienberichten vom Montag mit möglicherweise mehr als 41.000 Toten. Etwa ebenso viele Menschen seien verletzt worden. Hilfsorganisationen schätzten unterdessen, dass rund 2,5 Millionen Menschen durch das Beben der Stärke 7,6 obdachlos wurden. Der Erdstoß hatte am Samstag weite Landstriche im Norden Pakistans und Indiens verwüstet.

Auch im indischen Teil kamen mehrere hundert Menschen ums Leben. Es ist die schwerste Naturkatastrophe in der Geschichte Pakistans. Der pakistanische Staatspräsident General Pervez Musharraf bat die internationale Gemeinschaft um Hilfe. Pakistan brauche dringend Medizin, Zelte, Transporthubschrauber und Finanzhilfe, sagte Musharraf, der selbst zu einer Reise in das Katastrophengebiet aufbrach. Die Überlebenden seien nun dringend auf Lebensmittel, Trinkwasser, Medikamente, Decken und Zelte angewiesen, hieß es. Mindestens 200.000 winterfeste Zelte würden gebraucht.

Präsidentensprecher Sultan sagte dem US-Fernsehsender CNN, dass bis zum Abend alle betroffenen Regionen von Hilfsmannschaften erreicht werden sollten. Es seien inzwischen schon viele Erdrutsche beseitigt worden, die Straßen ins Katastrophengebiet blockiert hatten. Musharraf appellierte an die Weltgemeinschaft, seinem Land Transporthubschrauber zur Verfügung zu stellen. Nur die Helikopter könnten die dringend benötigten Hilfsgüter in die Katastrophenregion bringen. Kein Transportflugzeug könne in den Gebirgen der Himalaya-Ausläufer landen. Inzwischen schickten die USA acht Hubschrauber in die Region und kündigten ebenfalls weitere Unterstützung an.

Übver zwei Millionen Menschen wurden durch das Beben obdachlos und kampierten im Freien© B. K. Bangash/AP

In den vom Erdbeben heimgesuchten Gebieten Pakistans ist es am Montag zu Plünderungen gekommen, wie Bewohner berichteten. Grund ist, dass die inzwischen angelaufene Hilfe hat viele Menschen noch nicht erreicht und es daher an Essen mangelt. Wie es hieß, begannen die Menschen, leere Wohnungen und auch Tankstellen zu plündern. In der Hauptstadt der pakistanischen Provinz Kaschmir, in Muzaffarabad, verteidigten Ladenbesitzer ihre Geschäfte.

Auch die indische Regierung bot dem langjährigen Rivalen Pakistan Unterstützung an. Indien werde alle Hilfe zur Verfügung stellen, die Pakistan für geeignet halte, erklärte Ministerpräsident Manmohan Singh in einem Schreiben an Musharraf. Auch andere Länder, darunter Deutschland, die Schweiz, die Türkei, Japan und internationale Organisationen wie die Vereinten Nationen sicherten Hilfe zu. Sie setzten Helfer und Ärzte in Marsch. Papst Benedikt XVI. rief am Sonntag zu einer "raschen und großzügigen" Hilfe für die Opfer des Erdbebens in Südasien auf. Das Innenministerium in Islamabad bestätigte am Sonntag zunächst 19.136 Tote in Kaschmir und Nordwestpakistan, mehr als 42.000 Menschen wurden verletzt.

In der Provinzhauptstadt Muzaffarabad habe es 11.000 Tote gegeben, sagte Innenminister Aftab Khan Sherpao. "Wir haben es mit der schwersten Katastrophe in der Geschichte Pakistans zu tun", sagte Generalmajor Shaukat Sultan. Zahlreiche Überlebende mussten in Pakistan die Nacht bei Eiseskälte unter freiem Himmel verbringen.

In der pakistanischen Stadt Balakot lagen am Sonntag Tote auf den Straßen. Einwohner suchten mit bloßen Händen nach Überlebenden unter den Trümmern der eingestürzten Häuser. Trotz sofortiger Hilfsangebote aus aller Welt blieben die Bewohner im Katastrophengebiet zumindest an den ersten beiden Tagen ohne Unterstützung von außen. Pakistanische Militärhubschrauber brachten Hilfsgüter und Truppen in einige Regionen; in Balakot trafen sie aber bis Sonntag nicht ein. Das Beben brachte auch ein zehngeschossiges Hochhaus der pakistanischen Hauptstadt Islamabad zum Einsturz, mindestens 24 Menschen kamen darin ums Leben. Am Tag danach bargen Einsatzkräfte zwei verschüttete Bewohner, eine Frau und einen Jungen. Die beiden seien außer Lebensgefahr, sagte ein Klinikarzt.

Auch im indischen Teil Kaschmirs gab es viele Opfer. Dort sollen 465 Menschen getötet und mehr als 900 verletzt worden sein. Der Erdstoß erschütterte die Region am Samstagmorgen kurz vor 9 Uhr Ortszeit. Das Zentrum lag rund 100 Kilometer nordöstlich von Islamabad. Hochhäuser schwankten etwa eine Minute lang. Menschen liefen in Panik auf die Straßen. Telefonverbindungen brachen zusammen. Stundenlang kam es zu Nachbeben. Krankenhäuser brachten ihre Patienten ins Freie, weil sie den Einsturz ihrer Gebäude fürchteten.

Das Epizentrum lag nur rund 95 Kilometer von Pakistans Hauptstadt Islamabad entfernt und richtete auch dort schwere Zerstörungen an. Nach Angaben eines führenden pakistanischen Meteorologen war es das schwerste Erdbeben in der Region seit 100 Jahren. Die amerikanische Erdbebenwarte zählte in den 24 Stunden nach dem ersten Erdstoß 22 Nachbeben, darunter eines mit der Stärke 6,2.

Spenden für die Erdbebenopfer Deutsches Rotes Kreuz (DRK) Bank für Sozialwirtschaft (BLZ 370 205 00), Kontonummer 41 41 41, Stichwort: Erdbeben Pakistan

Diakonie Katastrophenhilfe Postbank Stuttgart (BLZ 600 100 70), Kontonummer 502 707, Stichwort: Pakistan Erdbeben

UNICEF Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen Bank für Sozialwirtschaft (BLZ 370 205 00), Kontonummer 300 000, Stichwort: Erdbeben Asien

Oxfam Deutschland e. V. Bank für Sozialwirtschaft Köln (BLZ 370 205 00), Kontonummer 80 90 500, Stichwort: Erdbeben Kaschmir

World-Vision Postbank Frankfurt (BLZ 500 100 60), Kontonummer 66601, Stichwort: Erdbeben-Hilfe in Asien

AP/DPA
 
 
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