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7. Januar 2010, 20:47 Uhr

Obamas Lizenz zum Töten

Die USA verfolgen Terroristen erbarmungsloser denn je: Unbemannte Flugzeuge jagen und töten sie auch außerhalb der Kriegsschauplätze. Fast unbemerkt treibt der US-Präsident die Strategie voran. Von Sabine Muscat und Britta Petersen

USA, töten, Obama, CIA, Terroristen

US-Präsident Barack Obama soll im vergangenen Jahr 53 Drohnenangriffe befohlen haben© Mandel Ngan/AFP

Einen Hinterhalt hat hier keiner erwartet. Es gibt nichts außer Treibsand und Dünen. "Leeres Viertel" nennen die Beduinenstämme diese riesige Fläche, die sich von den Gebirgsausläufern des Oman quer durch den Jemen erstreckt und von dort nach Norden bis in die Mitte Saudi-Arabiens.

Die Menschen in dem Jeep, die dieses Niemandsland durchqueren, haben allen Grund, sich unbeobachtet zu fühlen. Aber sie täuschen sich. Über ihren Köpfen kreisen Drohnen. Seit Wochen schon.

Es ist der 3. November 2002, als die ferngesteuerten Roboter ihr Ziel perfekt im Visier haben. Etwa 160 Kilometer von der jemenitischen Hauptstadt Sanaa entfernt, feuert schließlich eine RQ1-Predator-Drohne eine Hellfire-Rakete ab. In dem Toyota-Geländewagen sterben sechs Menschen, allesamt mutmaßliche Terrorbosse von al Kaida - darunter Abu Ali al-Harithi, der als Drahtzieher des Anschlags auf das amerikanische Kriegsschiff USS "Cole" im Oktober 2000 gilt.

Die unbemerkte Eskalation

Wer genau die Rakete von wo abfeuerte, ist bis heute nicht bekannt. Ein CIA-Mitarbeiter im ostafrikanischen Dschibuti könnte es gewesen sein oder jemand in der Zentrale des US-Auslandsgeheimdiensts in Langley, Bundesstaat Virginia. Es wird wohl ein Geheimnis bleiben.

Sicher aber ist eines: Was damals ein spektakulärer Einzelfall war, ist heute Routine, ein Pfeiler der amerikanischen Strategie im Kampf gegen den Terror. Und in jüngster Zeit hat diese Strategie an neuer Dynamik gewonnen: Die USA gehen auf Jagd, rund um den Globus, und sie töten jene, die sie für böse halten.

Ausgerechnet US-Präsident Barack Obama , der Friedensnobelpreisträger, treibt sie voran: 53 Drohnenangriffe haben Forscher von der New America Foundation 2009 allein in Pakistan gezählt, 51 von ihnen hat Obama befohlen. Sein Vorgänger George W. Bush hatte 2008 nur 34 solcher Operationen angeordnet.

Auch rhetorisch wird aufgerüstet: Der Jemen gilt als neue Front. Und nach dem versuchten Anschlag eines Nigerianers auf ein Flugzeug klang Obama fast wie sein Vorgänger: "Wir werden jedes Element unserer nationalen Macht nutzen, um die gewalttätigen Extremisten, die uns bedrohen, unschädlich zu machen und zu besiegen", versprach er. "Egal ob sie von Afghanistan, Pakistan, dem Jemen, Somalia oder irgendwo sonst Anschläge auf unsere Heimat USA planen."

Neue Technik, neue Ziele

Wie ernst er es meint, demonstrierten die Amerikaner bereits vor Weihnachten. Allein im Dezember wurden im Jemen mehr als 30 mutmaßliche al-Kaida-Anhänger aus der Luft getötet - in Rahmen eines jemenitischen Militäreinsatzes zwar, aber sehr wahrscheinlich mithilfe der USA. Unter den Toten soll der radikale Prediger Anwar al-Awlaki gewesen sein. Mit diesem hatte der Attentäter Kontakt, der im November auf dem US-Militärstützpunkt Fort Hood 13 Kameraden erschoss.

Die Ausweitung der Kampfzone, die gezielte Tötung mittels unbemannter Systeme aus der Luft, hat schleichend eingesetzt: 1998, nach dem Bombenattentat auf die US-Botschaft in Tansania, ordnete die Regierung von Bill Clinton zwei Vergeltungsangriffe auf ein al-Kaida-Camp in Afghanistan und auf ein Waffenlager im Sudan an - damals tat sie noch ihr Bestes, den Eindruck zu vermitteln, dass einzelne Personen getötet werden sollten.

Nach dem 11. September war es mit der Zurückhaltung vorbei. Nur wenige Tage nach den Terroranschlägen gab Präsident George W. Bush der CIA das Recht, Mitglieder von al Kaida zu töten. Der Kongress nickte ein Autorisierungsgesetz ab.

Seither ist der Antiterrorkampf nicht mehr auf die offiziellen Militäreinsätze im Irak oder in Afghanistan beschränkt, sondern wird an einer parallelen Front von der CIA geführt. Eine Zäsur markiert dabei jener Angriff gegen Abu Ali al-Harithi, der 2002 im Jemen getötet wurde: Er fand das erste Mal außerhalb des Militäreinsatzes in Afghanistan statt. Die Obama-Regierung hat an diesem Vorgehen nichts geändert, im Gegenteil.

7000 unbemannte Luftsysteme hat das Pentagon derzeit - und die Vorgabe im Verteidigungshaushalt ist klar: Die Ausgaben für konventionelle Kampfjets wie die F-22 wurden zurückgefahren, das Drohnenprogramm deutlich ausgeweitet. "Ein Drittel aller künftig angeschafften Flugzeuge wird unbemannt sein. Und in diesem Jahr werden erstmals mehr Operatoren für unbemannte Flugzeuge ausgebildet als Kampfpiloten", prophezeit P.W. Singer vom Forschungsinstitut Brookings, der ein Buch über Roboterkriege des 21. Jahrhunderts geschrieben hat.

Dieser Artikel... ist erschienen in der Financial Times Deutschland.

Seite 1: Obamas Lizenz zum Töten
Seite 2: Intransparente Kriegführung
 
 
KOMMENTARE (10 von 11)
 
Administrator (08.01.2010, 08:51 Uhr)
Liebe User,
wir haben an dieser Stelle eine ganze Reihe von Kommentaren löschen müssen, da diese gegen unsere Regeln verstoßen haben. Betroffen sind auch die sich beziehenden Antworten auf derlei Kommentare.

Dis Debatte wird jetzt geschlossen.

Herzliche Grüße,

Ihre stern.de-Admins
allesklar (08.01.2010, 07:23 Uhr)
11:23 PM
Time to go to sleep in the USA.

Lasst mich noch eines Andenken:

Tatsache ist doch das OBL Amerika hasst, weil diese in die Belange der Arabischen Staaten eingegriffen haben und ganz klar auf juedischer seite stehen und Araber nur fuer Oel haben wollen. Das nach 911 ein Preasident der VERUECKT WAR und Kriege angezettel hat die KEINER wollte und das auch nach 8 jahren keine Loesung in Sicht ist - Amerika sehr viel Leben und Geld kostete - und das andere laender klar vom vorgehen der Amis profitieren.

Die Amis sind weit weg von der realen welt weil diese wie England auf einer Insel leben - durch Weltmeere getrennt und nur Canada und Mexico als Nachbarn lennen. Nichtsdesto - weniger sind genau diese Amis liebenswert - weil hier brillante leute in einfachen jobs arbeiten - da hier ein Studium richtig geld kostet und es kein Bafoeg gibt wie fuer manche schnarchnasen in D. Nachdem ich in 30 laendern der erde gearbeitet habe - wuerde ich mich NICHT MEHR ueber die engstirnigkeit der deutschen - die alles perfekt haben wollen ohne dafuer etwas zu leisten.

Ich gruesse ausdruecklich die Deutschen soldaten die in Afghanistan ihren Dienst leisten - OBWOHL - und diese wissen es auch - diese nur 10% des Feuers abbekommen wie die Amerikaner oder Briten. Es waere schoen wenn auch D endlich mal nachdenkt - AUCH DER STERN - bevor sie etwas bloedsinniges nachbloeken...
DasBertl (08.01.2010, 00:32 Uhr)
Meinungsfreiheit?
Die sollte für jeden gelten.... außer für diejenigen, die beabsichtigen, sie abzuschaffen....
SLCentral (08.01.2010, 00:11 Uhr)
Muss jetzt aber aufpassen,
nicht, dass ich noch im Guatonamo lande. Oder amerikanische Privatarmeen Hand in Hand mit der CIA noch Jagd auf mich machen ohne deutschen Behörden zu informieren.

Habe gehört, die sind da zur Zeit etwas sensibel. Und manche "FREIE" Meinungsäußerung kann schon mal die Existenz kosten.
SLCentral (08.01.2010, 00:04 Uhr)
Aus einem russichen Forum,
- Und das sind die, die uns verbieten möchten in der Nase zu bohren.

(Aus einem russichen Witz, als ein Junge seine Eltern beim Geschlechtsverkehr erwischt)

:)
SLCentral (07.01.2010, 23:55 Uhr)
Sovjet Afghanistan
Auf russischen Foren lese ich oft die nun endlich demokratisch erlaubte Meinung mancher Russländer, dass das russiche Volk die FREIHEITLIEBENDEN Afghanen nach Kräften wirtschaftlich unterstützen muss - nach Vorbild der USA vor ca. 30 Jahren :) . Z.B. mit Waffenlieferungen usw.

Denke, dass es keine schlechte Idee von den Russen ist. Schließlich muss man sich bei den Amerikanern noch bedanken für ihre wunderbaren Stinger-Raketen mit dennen die sovjetischen Hubschrauber eins nach dem anderen vom Himmel geholt wurden.

Aber die Mehrheit der Meinungen geht dahin, dass man lieber die Amerikaner unterstützen sollte, dass sie ja nicht auf die Idee kommen aufzuhören ihre menschliche und wirtschaftliche Recourcen für den Kreuzzug auszugeben.

!!!! Lustig ist, dass beide Meinungen ironisch gemeint sind!!!

Und ich zu meinem Teil weiß wer der lachende Dritte ist.
ikaron (07.01.2010, 23:54 Uhr)
Was denn?
Auf der einen Seite beschwert sich der Stern, dass Obama eine Verhandlung mit Terroristen in Erwägung zieht, auf der anderen Seite wird ein hartes Vorgehen ebenso verurteilt. was wollt ihr denn?
Sollen noch mehr sterben? Soldaten wie Unschuldige?
Terroristen fliegen in Wolkenkratzer und sprengen sich mit Unschuldigen Zivilisten in Volleyball-Stadien in die Luft, überfallen Hotels in Mumbai und die Liste kan man weiter und weiter führen.
Hier werden die Drahtzieher ohne Kollateralschäden gezielt ausgeschaltet, besser kann es doch nicht sein.
Schlimm finde ich nur die meisten der antiamerikanischen Kommentare hier, Ihnen allen wäre es wohl lieber wenn wir Resolutionen an den Höhleneingang von Osama kleben würden.
chatahootchee (07.01.2010, 22:09 Uhr)
@BROESELBUB
Friedensnobelpreis an BHO war eine Komikereinlage, aber lieber sehe ich Drohnen fliegen als Piloten einer Gefahr auszusetzen.

Und zur Verkommenheit - da kann ich auch sagen: Deutschland hat seinen Kanibalen; also sind alle Deutsche Kanibalen?
horst.pachulke (07.01.2010, 21:57 Uhr)
"Die Terooristen"
Manch Terrorist macht sich des Terrorwohnens und -lebens schuldig.
Unsere Art des zweierlei Maß ist schon zum Brechen. Wegen derlei Praktiken zog die westliche Welt mit schmetternden Trompeten in den Krieg. Unser Glück ist, dass die Kriegsgegner keine schlagkräftige Armee haben. Sonst würden wir in unseren Kellern hocken und die Einschläge der "Vergeltungsaktionen" zählen.
Mir tun die Menschen sehr Leid, die dies gerade tun; obwohl sie die Glücklicheren sind, da sie es immerhin noch rechtzeitig in den Keller geschafft haben.
Für doofes Helden- und Law and Order-Geseiere habe ich keinen Nerv übrig.
Wer das ablässt und damit diesen Wahnsinn auch nur im Ansatz rechtfertigt, hat meines Erachtens einfach nur ein Rad ab.
Er möge doch bitte mit seinen Vorfahren sprechen. Denen, die selbst ihre Jugend in Kellern verbracht haben.
joergely (07.01.2010, 21:51 Uhr)
So lange
konservative Islamisten glauben, die Wahrheit gepachtet zu haben und das Recht zu haben, alle die das nicht akzeptieren mit allen Mitteln zu bekämpfen, wird dieser "bullshit" nicht enden! Die Mehrheit in den "islamischen" Staaten will einfach nur in Frieden leben und hat kein Verständnis für Al Kaida und Co. Eigentlich deren Problem, würden die Extremisten nicht mich und meine Familie latent bedrohen! Fazit: Besser Obama hilft mir, meine Familie zu schützen, als ob ich dies ganz allein tun müsste! Wer angreift, hat mit den Konsequenzen zu leben!! Die haben schließlich den (angeblich heiligen) Krieg erklärt, nicht wir! Sie sind nur nicht gewillt sich mal die Geschichte der christliche
Kirche anzuschauen, die mit ähnlichen Mitteln letztendlich gescheitert ist.
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