5. Februar 2011, 13:23 Uhr

Was die Revolte mit Israel macht

Die arabische Welt steht in Flammen: Tunesien, Ägypten, Jordanien - überall wanken die Regierungen. Und mittendrin Israel. Dort geht die Angst um, Iran und die Hamas könnten am Ende die Gewinner sein. Von Niels Kruse

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Kalte Freundschaft: Israels Ministerpräsident Netanjahu (l.) und Ägyptens Staatschef Mubarak©

Der Sturm der Revolte tobt über dem Nahen Osten und es ist noch nicht absehbar, welche politische Landschaft er hinterlassen wird. Während sich in Tunesien ein demokratisches Happy End andeutet, träumt der Iran bereits großspurig von einem "islamischen Erwachen" in der Region. Und in Ägypten, wo die Proteste nun ihren Höhepunkt erreichen, scheint alles möglich: Von einer gemäßigten Regierung über eine Militärherrschaft bis hin zu einem islamistischen Regime. Eines aber steht jetzt schon fest: Für das kleine und isolierte Israel wird nach dem arabischen Aufruhr nichts mehr so sein wie bisher.

Der frühere Botschafter der USA in Israel, Martin Indyk, sieht eine "historische Wende" in der Region: "In Ägypten und im Nahen Osten liegt die Revolution in der Luft", sagt der Nahost-Experte vom Brookings-Institut in Washington. "Wir begeben uns auf unerforschtes Gelände." Diese Ungewissheit betrachtet Israel mit Sorge. Bislang waren die meisten Nachbarn zwar feindlich gesinnt, aber halbwegs stabil und berechenbar, doch das ändert sich gerade. Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu sagte nun: "Israel ist eine Demokratie und setzt sich für liberale und demokratische Werte im Nahen Osten ein. Wenn es jedoch extremistischen Kräften erlaubt wird, demokratische Prozesse zur Machtergreifung auszunutzen, um dann anti-demokratische Ziele voranzutreiben, dann wird der Ausgang schlecht für den Frieden und schlecht für die Demokratie sein."

Keine Kritik an Mubarak aus Jerusalem

Das Land am Nil ist bislang der einzige Verbündete Israels in der Region, Husni Mubarak und Vizepräsident Omar Suleiman sind die letzten "großen Freunde". Es ist eine kühle Partnerschaft, die die beiden Staaten verbindet, aber eine verlässliche. Vor allem auch, weil der Diktator unerbittlich sämtliche radikalen Kräfte unterdrückt - und sich etwa offen gegen die im Gazastreifen regierende Hamas stellt. Muss Mubarak gehen, dann verliert Israel seine stabile Rückendeckung. Kritische Töne aus Jerusalem am ägyptischen Staatschef sind deshalb so gut wie gar nicht zu hören.

Ein weiteres Problem: Mubarak ist auch für die Palästinenser, die, von Lippenbekenntnissen abgesehen, von der arabischen Welt weitgehend ignoriert werden, ebenfalls eine der wenigen starken Schultern, die Halt versprechen. Der Abgang des moderaten Lagers könnte die arabische Welt insgesamt schwächen und Palästinenserpräsident Mahmud Abbas isolieren. Zumal im Westjordanland viele Palästinenser über die harte Hand der Autonomiebehörde, über willkürliche Festnahmen und Polizeifolter klagen. Doch die Machthaber in Ramallah sind einer der wenigen Garanten dafür, dass die Spannungen zwischen Israelis und Palästinensern nicht zunehmen. "Die Palästinenserbehörde ist eindeutig besorgt über die Entwicklungen in Ägypten", sagt der palästinensische Politikexperte Hani Masri.

"Israelische Besatzung ist größte Sorge unseres Volks"

Palästinensische Kommentatoren rechnen jedoch nicht damit, dass der Funke des Widerstands gegen die eigene Führung auf die Palästinensergebiete überspringen wird. "Die politische Situation in Palästina ist anders als in arabischen Ländern", sagt der palästinensische Arbeitsminister Ahmed Madschdalani. "Wir leben unter israelischer Besatzung, und dies ist die größte Sorge des palästinensischen Volks."

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