Die unheilige Allianz von Tuareg und Islamisten

18. Januar 2013, 20:26 Uhr

Die halbe Welt ist sich einig: Der Einsatz Frankreichs in Mali kam rechtzeitig. Gegen wen kämpfen die Franzosen dort? Und was hat der einäugige Terrorist Moktar Belmoktar aus Algerien damit zu tun? Von Niels Kruse

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Ein ehemaliger al-Kaida-Kämpfer mit neuer Terrorgruppe: Moktar Belmoktar, genannt "der Einäugige"©

Das Geiseldrama in der Wüste ist noch nicht beendet, da kündigen die islamistischen Täter bereits die nächsten Aktionen an. Algerier sollen sich von ausländischen Einrichtungen fernhalten, lässt die "Brigade der Unterzeichner mit Blut" vielsagend ausrichten. Der rabiate Name allein macht wenig Hoffnung, dass künftige Terrorakte opferschonender ausgehen werden als das Blutbad auf dem Wüstengasfeld. Im Zweifel wird dafür der Kopf der Organisation sorgen, der in seiner Skrupelosigkeit sogar den Salafisten von al Kaida zu weit gegangen war. Sein Name: Moktar Belmoktar, genannt "der Einäugige".

Glaubt man den vielen, wenn auch ungenannten, Quellen, dann wurde der Algerier erst vor wenigen Monaten als einer der Führer der Gruppe "al Kaida im Maghreb" abgesetzt. Er sei von "rechten Pfad" abgekommen, heißt es. Hintergrund soll die Art und Weise gewesen sein, wie er Geld für Waffen besorgt hatte: mit Hilfe von Drogenschmuggel, Diebstahl, Schutzgelderpressung und so weiter und so fort. Seine einträglichen Geschäfte mit illegalen Zigaretten hatten ihn den Beinamen "Mr. Malboro" eingebracht. Etwas koranfester hätten sich die radikalen Moslems seine Geldbeschaffung offenbar doch gewünscht.

Steinzeitislamismus ohne Musik, Alkohol und Tabak

"Brigade der Unterzeichner mit Blut" ist eine von diversen Organisationen, die seit Jahren die Sahel- und Saharazone unsicher machen. Und enge Verbindung zu den Rebellen unterhalten, die im Norden Malis Angst und Schrecken verbreiten. Zu Tausenden fliehen die Bewohner in die malische Hauptstadt Bamako. Sie berichten von barbarischen Eiferern, die einfachen Dieben die Hände abhaken, junge Mädchen mit alten Männern verheiraten, Alkohol, Musik und Tabak verbieten und den eigentlich toleranten Muslimen Malis erbarmungslos ihren Steinzeitislam aufzwingen.

Seit einer Woche eilt Frankreich dem Rumpfstaat zur Hilfe, um den endgültigen Zerfall des Landes zu stoppen, die Herrschaft der Islamisten zu beenden und damit eine mögliche neue Brutstätte des Terrorismus zu verhindern. Zu viel erinnert an Afghanistan unter der Taliban-Herrschaft. Oder an Somalia.

Iyyad ag Ghali - ein alter Bekannter Berlins

Eines der anderen bekannten Gesichter der Gotteskrieger ist ein guter Bekannter der deutschen Regierung. Iyyad ag Ghali. Vermutlich 58 Jahre alt, Kopf der gefürchteten Islamistengruppe Ansar Dine, wo er "der Stratege" genannt wird. Als 2003 in Mali 14 Menschen entführt wurden, darunter neun Deutsche, war ag Ghali der entscheidende Vermittler zwischen den Gangstern und dem Außenministerium in Berlin. Ehrhart vermutet, dass der Kontakt seitdem nicht mehr abgerissen ist. Was bei der aktuellen Auseinandersetzung hilfreich sein dürfte. "Denn militärisch allein wird der Konflikt nicht zu lösen sein, es muss vor allem eine politische Lösung her", sagte Hans-Georg Ehrhart vom Hamburger Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik stern.de.

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