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17. Mai 2007, 12:54 Uhr

Mädchen wegen Liebe zu Tode gesteinigt

Es ist eine furchtbare Tat: Im Irak wurde ein 17-jähriges Mädchen auf grausame Art von einem Mob zu Tode gesteinigt. Ihr Verbrechen: Sie liebte den falschen Mann. Das Video der Hinrichtung tauchte im Internet auf, Bilder nun auch in englischen Zeitungen. Von Cornelia Fuchs

Bevor sie ihren Kopf mit Steinen einschlugen, haben sie ihr den Rock ausgezogen. Halbnackt lag die 17-jährige Du'a Khalil Aswad in ihrem eigenen Blut, nach 30 Minuten war sie von ihren Qualen erlöst. Sie starb Anfang April im nordirakischen Bashika in einem Hagel aus Betonklötzen und Flüchen. Die Männer um sie herum jubelten, als ihr Flehen um Gnade aufhörte. Ihr Körper wurde herumgeschubst wie ein Flickenteppich. Und wie eine letzte Form des Triumphes wurde dieser Akt auch noch gefilmt und das verwackelte Video ins Internet gestellt.

Youtube und Googlevideo haben die 30-minütige Tortur inzwischen gelöscht. Bilder der gequälten Du'a tauchen jetzt in englischen Zeitungen auf, Amnesty International hat eine Kampagne gegen Ehrenmorde gestartet und heute gedenken in London hunderte Demonstranten der jungen Frau, die einen so furchtbaren Tod sterben musste.

Du'as Verbrechen war der falsche Mann an ihrer Seite. Das Mädchen aus einer jezidischen Familie war mit einem sunnitischen Jungen weggelaufen. Er soll ihre große Liebe gewesen sein. Er wurde ihr Todesurteil.

Etwa 500.000 Jezidi leben im Norden Iraks, ihre Religion ist eine Mischung aus islamischen und persischen Elementen mit dem starken Glauben an Reinheit. Die Gemeinschaft verbietet, vor Ungläubigen zu beten, ganz zu schweigen davon, sie zu heiraten. Die Jezidis werden von den islamischen Sunniten als Teufelsanbeter verunglimpft, weil sie an die Existenz der sieben Engel glauben und auch den gefallenen Erzengel als göttliches Wesen definieren.

Als Du'a sich in ihren sunnitischen Freund verliebt, muss sie gewusst haben, dass ihre Liebe keine Zukunft haben kann. Nicht, wenn sie bei ihrer Familie bleibt. Sie sollen sich einige Zeit heimlich getroffen haben. Dann sind sie zusammen weggelaufen, nicht weit, sie blieben in ihrer Heimatstadt Bashika. Du'as Familie schaltete die Polizei ein, die sie wenige Tage später fand. Du'a wurde verhaftet und in ein Gefängnis gebracht, sagt Diana Nammi, eine kurdische Frauenrechtlerin. Angeblich soll der Polizei von der Familie des Mädchens versichert worden sein, dass ihr kein Leid geschehe, wenn sie wieder nach Hause kommen würde.

Mit diesem Flyer, das ein Bild des gesteinigten Mädchens zeigt, rufen Menschenrechtsorganisationen zu Protesten auf

Was dann geschah, ist umstritten. Einige sagen, ein Mob habe sich Zugang zum Haus der Familie verschafft und das Mädchen herausgeholt. Nammi ist überzeugt, dass der Onkel als Vorsteher der Familie das Mädchen verraten und ausgeliefert habe, um die Ehre der Familie wiederherzustellen. Als Du'a aus dem Haus gezerrt wurde, warteten dort hunderte Männer, darunter angeblich auch Polizisten, die tatenlos zusahen, wie sie zu Tode gesteinigt, getrampelt und geprügelt wurde. Neun Männer, darunter Familienmitglieder, warfen sie zu Boden, traten ihr zwischen die Beine und ließen sie schließlich leblos liegen.

Zwei Männer wurden festgenommen, sie sollen inzwischen wieder entlassen worden sein. Du'as Freund hielt sich einige Tage versteckt, er soll jedoch nicht weiter in Gefahr sein. Zwei Wochen nach dem Tod von Du'a wurde ein Bus mit jezidischen und christlichen Arbeitern auf dem Weg von einer Weberei zurück nach Bashiki von bewaffneten Männern angehalten, die Christen wurden aus dem Bus getrieben und die 23 jezidischen Männer an eine Wand gestellt und erschossen. Dies soll ein Racheakt der Sunniten gewesen sein.

Du'a ist in einem anonymen Grab bei Bashika bestattet. Ihr Körper wurde später exhumiert und nach Angaben von Frauenrechtlerinnen in Mosul auf ihre Jungfernschaft untersucht. Laut Berichten haben die Forensiker herausgefunden, dass Du'a "unschuldig" war, ihr Hymen war noch intakt. Nach irakischem Gesetz ist die Höchststrafe für Ehrenmorde sechs Monate Haft.

Von Cornelia Fuchs
 
 
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