Auf der Flucht vor Amerika

4. Dezember 2013, 10:00 Uhr

NSA-Whistleblower Edward Snowden ist der meistgesuchte Mann der Welt. Die Britin Sarah Harrison war monatelang an seiner Seite. Im stern spricht sie nun über ihre gemeinsame Flucht. Von Frauke Hunfeld und Andrea Rungg

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Wikileaks-Mitarbeiterin Sarah Harrison ist der Link zwischen den beiden berühmtesten digitalen Dissidenten der Welt: Edward Snowden und Julian Assange.©

Wieder einmal hatte sie niemand erkannt. Als Wikileaks-Mitarbeiterin Sarah Harrison vor einem Monat in Berlin landete, blieb sie unbehelligt, obwohl ihr Gesicht mitunter täglich in den Nachrichten auftauchte.

Sie war die Frau an seiner Seite. Die junge Wikileaks-Mitarbeiterin Sarah Harrison lotste den Whistleblower Edward Snowden von Hongkong aus nach Moskau. Das ursprüngliche Ziel war Lateinamerika. "Wir haben ziemlich getüftelt. Wir wollten nicht über ein westeuropäisches Land fliegen, und ein Umsteigen in den USA, was für die Mehrheit der Verbindungen nötig gewesen wäre, war natürlich auch keine Option", sagt sie in einem Interview mit dem stern. "Und dann war die Entscheidung auch abhängig von den möglichen Fluggesellschaften - wem gehört das Flugzeug, mit dem wir fliegen, wer hat möglicherweise die Macht, eine Abweichung der Route zu erzwingen."

Nach Hause kann sie nicht

40 Tage und Nächte verbrachte Harrison mit Amerikas Staatsfeind Nummer eins im Transitbereich und begleitete ihn dann zu seinem geheimen Aufenthaltsort in Russland. Jetzt hat sie Moskau verlassen, aber nach Hause kann sie nicht. "Unsere Anwälte haben davon abgeraten", sagt sie. Die britischen Terrorgesetze seien sehr weit gefasst. "Wenn sie mich zum Beispiel an einem britischen Flughafen oder einem Seehafen festsetzen, gilt noch mal anderes Recht. Ich habe nicht die Möglichkeit zu schweigen, schon das gilt als Verbrechen."

Im stern-Interview erzählt die couragierte 31-jährige Britin von der dramatischen Flucht, von den Tagen im Transit, vom Verlust der Heimat und von Angst und Mut. Harrison arbeitet seit 2010 für die Enthüllungsplattform Wikileaks. Der Gründer und enge Freund Harrisons, Julian Assange, sitzt immer noch im Exil in der ecuadorianischen Botschaft in London.

"Ich bereue nichts"

Sarah Harrison ist nun der Link zwischen den beiden berühmtesten digitalen Dissidenten der Welt. "Eigentlich kann ich gleich mit einer Zielscheibe auf dem Kopf herumlaufen", sagt sie. Unterkriegen lässt sie sich allerdings nicht. Im Gegenteil: "Ich bereue nichts. Und ich liebe einen guten Fight".

Das ganze Interview ab Donnerstag im stern

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