. .
Politik im Ausland
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
15. Februar 2007, 07:00 Uhr

Gesprächsangebot Irans abgelehnt

Immer schärfer werden die Vorwürfe der US-Regierung gegen den Iran, immer mächtiger die Drohkulisse. Ausgerechnet jetzt tauchen zwei unscheinbare Blatt Papier auf, die hochnotpeinlich für Bush und seine Kriegsberater sind. Denn sie zeigen: es gab ein ernsthaftes Gesprächsangebot des Iran an die USA. Doch Washington wollte nicht. Von Katja Gloger, Washington

Rasselt mit den Säbeln gegenüber dem Iran: US-pRäsident George W. Bush© Charles Dharapak/AP

Es sind nur zwei Blatt Papier, eng beschrieben, sie tragen weder Stempel noch Unterschrift. Es sind zwei unscheinbare Blatt Papier, doch sie verursachen gerade so viel Wirbel in Washington, dass sie dabei auch Außenministerin Condoleezza Rice in Bedrängnis bringen. "Schweizer Memo" nennt man das kurze, aber inhaltsreiche Dokument, das vor knapp vier Jahren aus dem Iran in die USA übermittelt wurde. Ein Dokument von möglicherweise historischer Bedeutung. Denn es handelte sich um ein Angebot, abgesegnet von der höchsten iranischen Führung. Ein Angebot über direkte Verhandlungen zwischen beiden Ländern, zum ersten Mal seit über 20 Jahren. Gespräche über die großen Probleme. Auch über das iranische Atomprogramm, sogar über eine mögliche Anerkennung Israels. Der Deal? Eine Art Bestandsgarantie des iranischen Regimes durch die USA. Es war eine Einladung zu einer umfangreichen Einigung, zu einem "Grand Bargain". Sie wurde nicht angenommen. Man schaltete vielmehr um auf Konfrontation. In Teheran. Und in Washington.

Dabei wäre es vielleicht eine einzigartige Chance gewesen. Im April 2003, die USA sind gerade siegreich in Bagdad einmarschiert, trifft sich Tim Guldiman, Schweizer Botschafter in Teheran, mit einem hohen iranischen Diplomaten. Jeder in Teheran weiß: der Schweizer Botschafter ist der Verbindungsmann zwischen Iran und den USA, über ihn halten die beiden Länder inoffiziell Kontakt, sie haben ja keine diplomatischen Beziehungen. Aber immerhin: sie haben den "Schweizer Kanal".

Iraner signalisierten Gesprächsbereitschaft

Im Siegesrausch des Frühjahrs 2003 ist die Bush-Regierung überzeugt, man könne bald den gesamten Nahen Osten "befreien", vielleicht auch den Iran. Gut möglich, dass man in Teheran davor berechtigte Sorge hat. Außerdem: die beiden Länder haben schon bei dem Krieg gegen die Taliban und al-Quaida in Afghanistan zusammengearbeitet.

An diesem Apriltag skizzieren die beiden Gesprächspartner eine Agenda für eine diplomatische Wende, eine "roadmap" für mögliche direkte Gespräche. Der Iraner ist nicht irgendwer - Sadeq Kharrazi ist Botschafter in Paris, ein Neffe des agierenden Außenministers, vor allem aber ist er familiär ziemlich eng verbandelt mit dem obersten geistlichen Führer des Iran, mit Ayatollah Ali Chamenei.

Einen Monat später trifft man sich wieder. Kharrazi hat offenbar gute Nachrichten: er habe das Papier in mehreren, mehrstündigen Gesprächen sowohl mit dem damaligen Präsidenten Chatami als auch mit Ayatollah Chamenei diskutiert. Beide hätten die meisten Punkte akzeptiert. Der Entwurf sollte die Grundlage für bilaterale Gespräche mit den Amerikanern sein. Und die könnten schon bald beginnen, signalisierten die Iraner.

Auch Rice soll das Papier gekannt haben

Am 4. Mai 2003 wird das "Schweizer Memo" ans US-Außenministerium gefaxt, macht von dort aus schnell die Runde, erreicht auch den CIA-Nahostexperten Flynt Leverett. Er macht sich für das Papier stark, sorgt dafür, dass es auch Außenminister Colin Powell erreicht. Leverett, der zwei Jahre lang als Nahost-Direktor im Nationalen Sicherheitsrat arbeitete, ist überzeugt, dass es auch auf dem Schreibtisch der damaligen Nationalen Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice landete.

Und was wurde draus? Nichts.

Außenminister Colin Powell konnte - oder wollte - sich bei Bush nicht durchsetzen. "Ich konnte das Dokument im Weißen Haus nicht verkaufen", soll er gesagt haben. Und Präsident Bush? Der hatte den Iran ja zum Bestandteil seiner "Achse des Bösen" erklärt - und zwar auf Anraten von Condoleezza Rice, wie das Magazin "Newsweek" berichtet.

Rechtfertigung des Säbelrasselns

Doch in diesen Tagen taucht das "Schweizer Memo" wieder auf. Wird auf hochkarätigen Konferenzen diskutiert, und auf einmal muss sich sogar Condoleezza Rice von Abgeordneten des Kongresses fragen lassen, was sie vom Angebot aus Teheran wusste. Warum reagierte man nicht? "Ich kann mich gar nicht erinnern, dass ich so etwas jemals gesehen habe", verteidigte sie sich schwach. "Das Angebot wurde ihr sicher vorgelegt", sagt der ehemalige Nahost- Direktor Flynt Leverett. "Alles Andere wäre absolut undenkbar. Der Vorschlag war ernst, er wurde von den höchsten Stellen im Iran befürwortet, es war der konkrete Plan für eine mögliche Annäherung. Nein, wir wissen nicht, ob Gespräche zum Erfolg geführt hätten. Wir wissen auch nicht, ob die iranische Führung wirklich zu Kompromissen bereit gewesen wäre. Doch wir haben es erst gar nicht versucht."

Und so ist allein die Existenz des Papiers hochnotpeinlich für die US-Regierung. Will sie doch der Welt gerade beweisen, dass man mit dem Iran eigentlich gar nicht verhandeln kann. Immer lauter rasseln die Säbel, jeden Tag wird über iranische Schandtaten im Irak berichtet. Über Terrorkommandos der Al-Quds Brigaden etwa, die im Irak aktiv sind, angeblich mit Unterstützung der iranischen Regierung. Über den Einsatz besonderer, panzerknackender Sprengsätze, so genannter EPT, aus iranischer Produktion, denen schon 170 US-Soldaten zum Opfer gefallen seien. US-Truppen im Irak sind angewiesen, auch gegen Iraner vorzugehen und iranische Agenten zu töten. Dem "heimlichen Krieg gegen den Iran" widmet das Magazin Newsweek seine Titelgeschichte, und das konservative Wall Street Journal kommentiert: "Wir dürfen nicht zulassen, dass Teheran Unterstützung dabei leistet, wenn unsere Soldaten im Irak getötet werden. Dies ist als feindlicher Akt zu betrachten." Präsident Bush gab am Mittwoch sogar eine Pressekonferenz zum Thema: "Ich werde etwas dagegen unternehmen", sagte er.

Papier für die Nachwelt

"So legt die Bush-Regierung den Grundstein für die politische Legitimation eventueller militärischer Handlungen", sagt ein ehemaliger hochrangiger CIA-Offizier. " Und ich kann nur hoffen, dass ich Unrecht habe."

Es sind nur zwei unscheinbare Seiten Papier, sie werden in den staatlichen Archiven abgelegt. Und so wird auch das "Schweizer Memo" eines Tages Zeugnis geben von der unrühmlichen Geschichte des George W. Bush, 43. Präsident der Vereinigten Staaten.

Von Katja Gloger, Washington
 
 
KOMMENTARE (4 von 4)
 
Samostojatel (15.02.2007, 11:52 Uhr)
Im Rausch der Erfolge!
Budch war im Rausch der Erfolge, aber jetzt ist alles zu spät.
Herr Busch verlass bitte die gesamte Nachostregion und bitte nimm Israel auch mit, und gründe Staat-Israel in Kalifornien. Sonst wird Ihnen später noch teuerer als jetzt das Problem-Israel zu lösen.
derweltbuerger (15.02.2007, 11:26 Uhr)
Wenn eine Regierung gefährlich ist...
dann ist es diese amerikanische! Washington ist einfach überhaupt nicht an Gesprächen interessiert und war es auch nie - spätestens seit dem 11. September. Offensichtlich war das schon lange. Mit Ländern wie Nordkorea, an denen Amerika keine Interessen hat, wird schließlich auch verhandelt.
Europa sollte sich mehr einmischen in den Konflikt zwischen den USA und dem Iran und seinerseits als aktiver Vermittler auftreten und falls die USA trotzdem von einem Angriff nicht absehen können, sich voll auf die Seite des Irans schlagen, ihm notfalls bei der Verteidigung helfen. So verlangt es das Völkerrecht!
Es ist unglaublich, was Bush & Co. in den paar Jahren Amtszeit alles zerstört haben. Diese Wunden werden noch lange brauchen bis sie heilen - wenn es dafür nicht schon zu spät ist.
Dieses Einschleimen Europas bei der amerikanischen Regierung muss aufhören!
tagora-sagittara (15.02.2007, 09:14 Uhr)
Natürlich...
muss aman den ganzen Zusammenhang erkennen, will man verstehen warum das "Memo" verschwand.
Die Erdölreserven Amerikas sind leider entdlich. Als Sadam Kuweit angriff, musste Amerika unter allen Mittel die Reserven schützen. Der Prozess nach dem 11.September, war der Auslöser, das Problem an der Wurzel zu bekämpfen, sprich Sadam auszuschalten und bei der Gelegenheit die irakischen Erdölquellen einzuverleiben und bis heute zu plündern. Nächster Kandidat der Vernichtung währe nun Iran und seine Quellen. Zur Zeit weht aber den Herren Kriegsgewinnlern in Amerika ein scharfer Wind ins Gesicht. Man sieht, daß man nicht mehr ungestört agieren kann und die Bevölkerung Amerika`s, die schließlich das Kanonenfutter massgeblich liefert, will auch nicht mehr mitspielen.
Herr Bush, sie haben ein Problem!!
wallerer (15.02.2007, 08:30 Uhr)
Erstaunt es wirklich .....
... irgend jemanden ? Erinnert sich niemand mehr an die Rede Powell's vor der UNO bezüglich gefundener Verstecke von Massenvernichtungwaffen im Irak ?
Wirklich erstaunlich ist nur eines - Mr. President und sein Kabinett sind nach wie vor in der Lage, Gesetze zu erlassen ! So wie nun "Tribunale" (nein, Gerichtsverhandlung kann man dies nun wirklich nicht nennen !) zugelassen wurden, die ausdrücklich auch erzwungene (!!!!!) Geständnisse zulassen.
Die USA - eine Demokratie ?
MEHR ZUM ARTIKEL
Wesley Clark Ex-US-General befürchtet Iran-Krieg

Droht ein weiterer Krieg am Golf? Die USA und der Iran steuern nach Ansicht des ehemaligen US-Generals Wesley Clark direkt auf einen solchen zu. Denn US-Präsident Bush setze auf Eskalation, sagte Clark im stern.de-Interview. "Ich fürchte, es wird zu einer militärischen Konfrontation mit dem Iran kommen." mehr...

Irak US-Geheimdienste warnen vor weiterer Eskalation

Die Sicherheitslage im Irak drohe sich noch weiter zu verschlechtern, heißt es in einem gemeinsamen Bericht der 16 US-Geheimdienste. US-Präsident George W. Bush will beim US-Kongress weitere 100 Milliarden Dollar für das Engagement im Irak und Afghanistan beantragen. mehr...

US-Präsident Bush in der Isolierzelle

US-Präsident Bush wollte mit seiner Rede zur Lage der Nation eigentlich alle Welt von seiner Irak-Politik überzeugen. Doch das Gegenteil ist der Fall: Die oppositionellen Demokraten griffen Bush heftig an, und auch in Deutschland gibt es offene Kritik. mehr...

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (23/2012)
Rettet die Liebe