
"Jörg Asmussen muss mich korrigieren": Finanzminister Peer Steinbrück und sein wichtigster Mann vor der Bundespressekonferenz in Berlin© Alina Novopashina/DPA
Allerdings schätzen längst nicht alle die Schattenmänner so wie Merkel und Steinbrück. Viele Abgeordnete glauben, dass Brandstifter zum Feuerlöschen geholt wurden. Vor allem Asmussen steht in der Kritik. Keiner hat sich einst in rot-grüner Zeit so eingesetzt für freie Finanzmärkte wie er. Außerdem gibt es da einige, nun ja, delikate persönliche Verquickungen. Asmussens Lebensgefährtin lobbyiert ausgerechnet für die Deutsche Börse. Im Ministerium bearbeitet er deshalb nichts, was mit der Börse zu tun hat. Ganz korrekt. Seine Feinde, und davon hat der smarte Staatssekretär einige, kreiden ihm die vermeintlich große Nähe trotzdem an, ebenso wie sein Versagen als Aufsichtsratsmitglied der Pleitebank IKB.
Nicht zuletzt werfen FDP, Linke und Grüne Asmussen vor, er habe die drohende Pleite beim Immobilienfinanzierer HRE nicht rechtzeitig erkannt oder zu spät gehandelt. "Im Frühjahr 2008 gab es noch keine Anzeichen dafür, dass die HRE gefährdet sein könnte", verteidigt sich Asmussen. Die Opposition verlangt dennoch seinen Rauswurf und lässt ihn vor dem HRE-Untersuchungsausschuss antreten. Da muss er mal richtig raus aus dem Schatten.
Es mag auch eine Rolle spielen, dass sich selbst Abgeordnete der Großen Koalition von den Nebenregenten schlecht informiert oder übergangen fühlen. "Meist müssen wir den Beamten die Details mühsam aus der Nase ziehen", klagt SPD-Haushälter Carsten Schneider. Tatsächlich treten Asmussen und Co. nur nach außen samtpfötig auf. Jens Weidmann erklärte Parlamentariern mal, wie das Soffin-Gesetz geändert und formuliert werden sollte, bis einem Abgeordneten der Kragen platzte: "Aber noch machen wir die Gesetze, oder?" Walther Otremba vertrat Exwirtschaftsminister Michael Glos oft in internen Runden. Einmal fragte Kanzleramtschef Thomas de Maizière, warum Glos nicht gekommen sei, worauf Otremba antwortete: "Ich bin Glos."
Jörg Asmussen hat noch etwas Zeit, bevor er zur Kanzlerin fährt. Er redet über die Banken, wie sie weltweit immer mehr Geld abschreiben. Zahlen fliegen durch den Raum. 2000, 3000, 4000 Milliarden Dollar. Er sagt, dass man beim Krisenmanagement auch das Risiko eingehen müsse, Fehler zu machen: "Die Lösung der Krise steht in keinem Lehrbuch." Er braucht Sparringspartner, wenn er nachdenkt. Dann telefoniert er mit Weidmann oder Weber, fachsimpelt mit ihnen über "Bad Banks", "Bondholder" und "Triple-A-Ratings".
Asmussen ist ein fixer Junge, der sich nach oben geboxt hat. Drei Minister hat er schon überlebt. Der "Jörgi", wie ihn Freunde nennen, weiß, wann er selbstbewusst sein darf und wann er flexibel sein muss. Geht es ihm zu langsam, ruft er lang gedienten Beamten zu: "Kinder, so geht das nicht. Macht mal voran." Einer, der ihn oft erlebt hat, sagt: "Der ist kein Herzensfänger."
In seinem Büro hängt ein Spruch von Henry Ford: "Das Geheimnis des Erfolges ist, den Standpunkt des anderen zu verstehen." Der klassische Ministerialbeamte meidet Politiker, weil er sie für überfordert hält. Asmussen traf sich früh mit SPD-Abgeordneten, ging zu CDU und CSU, Grünen und Liberalen. CDU-Finanzexperte Otto Bernhardt schwärmt: "Wenn ich mit der SPD zu einem Kompromiss kommen will, dann rede ich häufig mit Asmussen. Der setzt ihn in der SPD durch."
Übernommen aus ...
Stern
Ausgabe 32/2009