. .
Politik in Deutschland
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
15. Dezember 2008, 13:46 Uhr

Streit um NPD-Verbot

Nach dem Attentat auf den Passauer Polizeichef Alois Mannichl will der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer nochmals ein Verbot der NPD prüfen. Was sagen die anderen Parteien dazu? Und: Könnte ein Verbot Gewaltakte wie in Passau tatsächlich verhindern? Von Tiemo Rink und Mandy Schünemann

NPD, Verbot, Rechtsextremismus, Passau, Anschlag, Messer

Nach dem Anschlag auf den Passauer Polizei-Chef diskutiert die Politik ein neues NPD-Verbotsverfahren© Uwe Meinhold/ddp

Horst Seehofer macht sich in den eigenen Reihen zurzeit keine Freunde: Nach dem Mordanschlag an den Passauer Polizeichef will der bayrische Ministerpräsident ein neues NPD-Verbotsverfahren prüfen. Der 52-jährige Alois Mannichl wurde am Samstagabend an der Tür seines Privathauses von einem glatzköpfigen Mann mit rechtsextremen Parolen beschimpft und niedergestochen. Das Messer verfehlte nur knapp sein Herz. Innenminister Joachim Herrmann sprach von einer neuen Dimension rechtsextremistischer Gewalt.

Jürgen Gehb, rechtspolitischer Sprecher der Unionsfraktion, hält von einem erneuten Verfahren jedoch nur wenig. Denn Gehb hat den Misserfolg bereits vor Augen. "Wenn das Verbotsverfahren scheitert, kriegen die Leute aus der rechtsextremistischen Szene neuen Aufschub", sagt er im Gespräch mit stern.de. "Das ist kontraproduktiv." Zudem habe das eine mit dem anderen nichts zu tun. Selbst wenn das Verbotsverfahren Erfolg hätte, ließen sich dadurch Anschläge wie in Passau nicht verhindern. "Schon jetzt ist das Töten von Menschen strafbar, unabhängig ob der Täter mit Stiefel und Glatze oder im Nadelstreifanzug daherkommt", so Gehb. Es sei auch nicht hilfreich, jetzt neue Gesetze zu fordern.

NPD-Verbot "die richtige Idee"

Anders als Gehb vom konservativen Koalitionspartner denkt die sozialdemokratische Bundestagsabgeordnete Lale Akgün über ein neues Verbotsverfahren. Im Gespräch mit stern.de sagt die Abgeordnete: "Ich war vor einigen Jahren gegen ein NPD-Verbot, mittlerweile bin ich sehr dafür." Die Rechtsextremisten würden das demokratische System ausnutzen. "Das damalige Verbotsverfahren ist an Fehlern gescheitert, die Idee als solche war aber richtig", so Akgün weiter. Vor allem die Infiltration der NPD mit V-Männern hatte im März 2003 dazu geführt, dass das Bundesverfassungsgericht das Verbotsverfahren aus Verfahrensgründen einstellte.

Grüne und FDP gegen NPD-Verbot

Um die NPD tatsächlich verbieten lassen zu können, müssten die einzelnen Landesämter des Verfassungsschutzes wohl erst ihre Agenten aus der rechtsextremen Partei abziehen. Der Nachteil: Die Überwachung der Partei wäre - sollte ein erneutes Verbotsverfahren scheitern - zukünftig wesentlich schwieriger. Auch aus diesem Grund ist Monika Lazar, Bundestagsabgeordnete der Grünen, im Gespräch mit stern.de gegen ein neues Verbotsverfahren: "Eine Demokratie muss es auch aushalten, dass es Parteien wie die NPD gibt. Die Wähler haben die einfache Möglichkeit, die NPD nicht zu wählen. Damit wäre sie bedeutungslos." Eine neue Debatte um ein NPD-Verbot sei "nicht zielführend". Stattdessen sei es wichtiger, den Handlungsspielraum der Rechtsextremen durch "Bildung und Prävention" immer weiter einzugrenzen.

Gegen ein NPD-Verbot ist auch Max Stadler, Innenexperte der FDP, dessen Wahlkreis in Passau liegt. Er fordert, "dass junge Menschen für die Demokratie und den Rechtsstaat begeistert werden". Außerdem plädiert er dafür, Aussteigerprogramme weiterzuführen. "Jeder einzelne Träger, der aus der Szene herausgeholt wird, ist ein Zugewinn von Sicherheit", so Stadler zu stern.de. Unabhängig davon sei es nötig, konsequent gegen rechtsextreme Straftaten vorzugehen. Wenn die Täter gefasst sind, werde das Gerichtsverfahren zeigen, "dass der Rechtsstaat wehrhaft ist". Für Stadler sind die Ereignisse vom Wochenende unbegreiflich. "Die Region hier ist entsetzt", sagt er. Ein NPD-Verbotsverfahren würde an der Situation aber nichts ändern.

Rechtsextreme Morde nicht neu

Anders als Grüne und Liberale fordert die Linkspartei schon seit längerem ein Verbot der NPD. Als Grundvoraussetzung dafür "müssten zunächst die V-Männer wenigstens aus der Parteiführung der NPD abgezogen werden", sagt die linke Bundestagsabgeordnete Ulla Jelpke zu stern.de. Eine neue Qualität rechtsextremer Übergriffe kann Jelpke, deren eigenes Wahlkreisbüro auch schon öfter Ziel von rechtsextremen Anschlägen war, beim Angriff vom Wochenende jedoch nicht erkennen: "Es hat leider auch in der Vergangenheit immer wieder tödliche Übergriffe von Neonazis gegeben. Ich würde mir wünschen, dass die Erregung genau so groß wäre, wenn Migranten, Behinderte, Obdachlose oder Linke von Neonazis ermordet werden."

Konrad Freiberg, Bundesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP), ist prinzipiell für ein neues Verfahren. Allerdings solle der Aufschrei nicht erst dann kommen, wenn ein neuer Fall bekannt werde. Für Freiburg belegt das Attentat auf Mannichl, dass sich die Opfergruppe verändert hat. "Früher wurde auf Polizisten Rücksicht genommen. Jetzt hat sich die Situation völlig verändert", so Freiberg. "Es stellt sich heraus, dass Polizisten Hauptopfer rechter Gewalt geworden sind." Um Rechtsextreme wirksamer zu bekämpfen, fehle vor allem das Personal.

Mut gegen rechte Gewalt...

Mut gegen rechte Gewalt... ... ist eine gemeinsame Aktion des stern und der Antonio-Amadeu-Stiftung. Sie berichtet über Aktionen und Projekte gegen Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus. Mit der Aktion will der stern einen Beitrag für mehr Zivilcourage leisten.

Von Tiemo Rink und Mandy Schünemann
 
 
KOMMENTARE (10 von 34)
 
SethusCalvisius (16.12.2008, 17:38 Uhr)
@Watschdog39
Dann sagen Sie mir, welche dieser angeblichen NPD- Forderungen nicht der Wahrheit entsprechen und warum diese Partei dann nicht verhindert, dass diese Informationen so im Internet zu finden sind. Sie erwarten ja wohl nicht im Ernst, dass ich hier das gesamte NPD-Programm ungekürzt wiedergebe?
.
Zu dem Zitat "Bei Demonstrationen und Konfrontationen haben sich die Rechten bisher auffallend in Angriffen auf die Polizei zurückgehalten." kann ich nur ergänzen, dass Polizisten tatsächlich nicht zu den bevorzugten Opfern rechter Gewalttäter zählen, im Gegensatz zu Ausländern oder Obdachlosen.
dreicon (16.12.2008, 12:40 Uhr)
@watchdog39
Wenn es sich einer einfach macht, dann Sie. Es kann wirklich nicht sein, daß eine Partei die das "Führerprinzip" verinnerlicht und propagiert, zur Überwindung der von ihr gehaßten Demokratie demokratische Rechte für sich reklamiert. Das gilt auch für offensichtliche Symphatiesanten.
Watschdog39 (16.12.2008, 08:03 Uhr)
SethusCalvisius
Du machst es dir sehr einfach, etwas zu kürzen, aus dem Zusammenhang zu reißen und dann auch noch mit eigener Denkweise gewürzt hier als "Wahrheit" wiederzugeben.
Es steht Jedem hier frei; und das sollte auch wirklich jeder tun, der hier diskutiert, die Website der einzelnen Parteien zu besuchen und sich deren Programme anzusehen.
WISSEN ist die Grundlage für Diskussionen; hier scheint es als ob nur die Meinung von Medien wiedergegeben werden. Vorsicht, auch hier muss man sich informieren, wer dahinter steht, wer deren Meinung lenkt.
Watschdog39 (16.12.2008, 07:38 Uhr)
Demokratie
ist,auch die Meinung des Anderen zu tolerieren. Hier geben eine Menge Leute Kommentare ab, die von einem völlig undemokratischen Denken zeugen.
Die Forderung eine zugelassene Partei zu verbieten ist genau das was diese Leute eigentlich doch bekämpfen wollen; oder sehe ich das falsch?
Den Täter in der rechten Szene zu suchen ist leicht nach den angeblichen Worten (wer hat die gehört?).Nachdem sich nun hereusstellt das die Tatwaffe dem Opfer gehört kann Vorsatz nicht mehr angenommen werden. Das Ganze wird nun etwas suspekt, es erinnert mich im Verlauf doch sehr an den Brand in Ludwigshafen. Allgemeine Hysterie, geschürt von den Medien, profilierungssüchtige Politiker, der Zentralrat der Juden sagt mal wieder wie er sich unser Land vorstellt und zum Schluß stellt sich heraus, hier hat einer ganz privat und ohne politischen Hintergrund (oder wird man schon etwas finden) den eifrigen Nazijäger angegriffen.
Interessant war der Satz eines Sprechers der Polizei:
""Bei Demonstrationen und Konfrontationen haben sich die Rechten bisher auffallend in Angriffen auf die Polizei zurückgehalten. Daher ist dieser Angriff eine völlig neue Dimension.""
Hierzu muss man ja wohl nicht mehr sagen.
Eines noch zum Ende:
Egal, welche politische Meinung jemand hat, er versucht für sich und sein soziales Umfeld das bestmögliche zu erreichen. Erst wenn es um Interessengruppen und hier um Geld geht sind Meinungen bedeutungslos.
Benkku (16.12.2008, 06:51 Uhr)
Geht nach hinten los.
Ob die CSU im Falle eines NPD-Verbotes vom äußerst rechten Rand profitieren kann, fragt sich. Verbot und Bekämpfung machen den international vernetzten Verein erst richtig stark und vorallem unkontrollierbarer.
gmathol (16.12.2008, 01:00 Uhr)
Auch die der NPD nahestehenden Parteien...
...wie CSU/CDU/Gruene gehoeren dann verboten.
Necro (16.12.2008, 00:31 Uhr)
@SethusCalvisius
Besser haette man es nicht sagen koennen. Ich stimm Ihnen 100% zu.
SethusCalvisius (16.12.2008, 00:27 Uhr)
Forderungen
- Alle Lebensbereiche, sei es in der Wirtschaft, der Politik oder in der Kultur, sollen ausschließlich deutschnational orientiert werden.
- Ausweisung der nichtdeutschen Bevölkerung aus der Bundesrepublik,
- Wiedereinführung der Deutschen Mark
- Austritt Deutschlands aus der NATO
- Austritt Deutschlands aus der EU
- Abschaffung des Asylrechts.
- Wiedereinführung der Todesstrafe
- Rückverschiebung der deutsch-polnischen Grenze
- Wiederherstellung der Staatsgrenzen Deutschlands auf dem Stand von Ende 1937.
Das ist nur ein kleiner Ausschnitt der Forderungen, die die NPD vertritt. Die gleiche NPD übrigens, die von rechtsextremen Gruppierungen nicht so richtig ernst genommen wird, da sie zu "bürgerlich" ist.
.
Trotzdem: Ein Verbot dieser Partei macht keinen Sinn. Wir müssen woanders ansetzen:
Wir dürfen nicht zulassen, dass junge Leute schon in jungen Jahren durch Arbeitslosigkeit u.ä. aus unserer Gesellschaft ausgegrenzt werden. Dann fänden die rechtsradikalen Parolen auch keinen Nährboden mehr.
Auch wenn man das ja nicht sagen darf: Auch der Nationalsozialismus ist ja nicht plötzlich vom Himmel gefallen. Wenn es in Deutschland vorher gestimmt hätte, hätten auch die NS-Demagogen keine Chance gehabt.
horst.pachulke (15.12.2008, 23:19 Uhr)
Neue Qualität recher Gewalt - bei über 100 Toten rechtslastiger Gewalt seit der Wiedervereinigung?
Schlechter Witz. Aber vielleicht hat Seehofe ja recht & die Amtshengste lernen es erst, wenn die Hörren anfangen wie die RAF: Dass die "bösen Linken" inzwischen weitestgehend wenigstens das Leben achten, die "Rechten" das jedoch noch lernen müssen.

"Straftäter rechts" fangen oft erst richtig an zu treten, wenn ihr Opfer am Boden liegt - worin sie sich übrigens nicht allzusehr von gewissen U-Bahn-Tätern unterscheiden.
"Straftäter links" hören dann auf. Wenn das Opfer am Boden liegt.
SLCentral (15.12.2008, 21:47 Uhr)
Zusatz
Meine Oma, die Deportation von Westukraine nach Kasachstan in Viehwagons erlebt hat und Siedlung unter der Komendetur bis 1955 (d.h. man dürfte das Dorf nicht länger als 24h. verlassen)
und
mein Großvater, der noch nie in einem Krieg war, aber dafür bis 1955 im Arbeitslager für die Sünden der anderen gearbeitet hat und jetzt wird ihnen vorgeworfen, dass sie ja nicht für Deutschland gearbeitet haben.
Die beiden haben noch NIE jemanden gehasst oder verurteilt und sagen etwas was alle Komentatoren hier verbindet und zwar:
Jeder hat seine EIGENE Wahrheit.
Ich finde, dass da etwas dran ist.
MEHR ZUM ARTIKEL
Anschlag auf Polizeichef Festgenommene in Passau wieder frei

Rasche Ernüchterung nach dem schnellen Fahndungserfolg: Die beiden nach dem Mordversuch an dem Passauer Polizeidirektor Alois Mannichl festgenommenen Neonazis sind wieder auf freiem Fuß. Sie gelten nicht mehr als tatverdächtig - die Polizei tappt wieder im Dunkeln. mehr...

Attentat mit Messer Neonazi attackiert Passauer Polizeichef

"Viele Grüße vom nationalen Widerstand!" Die Parole wird Alois Mannichl kaum noch wahrgenommen haben, als er hilflos vor seinem Haus lag. Ein mutmaßlicher Neonazi hatte den Polizeichef von Passau zuvor durch einen Messerstich lebensgefährlich verletzt. Bayerns Innenminister spricht von einer "Eskalation der Gewalt". mehr...

Attentat auf Polizei-Chef Erklärter Feind der Neonazis

Sie treffen sich in "Traudls Café". Im niederbayerischen Fürstenzell sind Neonazis nicht gern gesehen, aber präsent. Die rechtsextremen Straftaten nehmen in der Region zu. Nun traf es den Polizei-Chef von Passau. Alois Mannichl lebt in Fürstenzell und ist eine Hass-Figur der Rechten. Alles deutet darauf hin, dass ihm seine Haltung beinahe zum Verhängnis geworden wäre. mehr...

Razzia in Bundesgeschäftsstelle NPD-Politiker soll Bundestag getäuscht haben

Neuer Verdacht gegen Erwin Kemna: Der schon wegen Untreue verurteilte frühere Schatzmeister der rechtsextremen NPD soll dem Bundestag falsche Rechenschaftsberichte vorgelegt haben. Ermittler durchsuchten daher die NPD-Bundesgeschäftsstelle in Berlin. mehr...

Dresden Rechtsextreme prügeln sich im Landtag

Im sächsischen Landtag ist es zu "Tätlichkeiten" zwischen zwei Rechtsextremen gekommen, wie ein Fraktionssprecher der NPD bestätigt hat. Demnach soll ein verbaler Schlagabtausch zwischen dem Abgeordneten Jürgen Gansel und dem Fraktionsberater Peter Naumann ausgeartet sein. mehr...

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (23/2012)
Rettet die Liebe