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29. August 2011, 12:01 Uhr

Kauder bestellt 2000 Schirme

Mit den Schirmen ist das in Berlin so eine Sache. Euro-Rettungsschirme sind unbeliebt. Regenschirme sind nützlich. Und das brachte Unionsfraktionschef Volker Kauder auf eine Idee. Von Hans Peter Schütz

 
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Schirmherr: Unionsfraktionschef Volker Kauder© Fabrizio Bensch/REUTERS

Mit Außenminister Guido Westerwelle geht es politisch steil bergab. Das hat nach Einschätzung vieler FDP-Experten auch damit zu tun, dass sein langjähriger Vertrauter und Vordenker Martin Biesel, zuletzt Staatssekretär im Auswärtigen Amt, gegangen ist. Biesel stieg resigniert aus, als Westerwelle als FDP-Chef abserviert wurde. Jetzt hebt Biesel im Gegensatz zu seinem Ex-Chef beruflich ab: Er wird von November an Chef-Lobbyist der Fluglinie Air-Berlin. Mit seinem künftigen Chef Harmut Mehdorn dürfte er ein bald ein gutes Team bilden.

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Nur mühsam, wenn überhaupt, lässt sich die CDU/CSU-Bundestagsfraktion auf Angela Merkels Pläne ein, den Euro-Rettungsschirm zu erweitern. Die Dame verstehe nichts von Führung, einen Kompass habe sie ohnehin nicht, schimpfte Altkanzler Helmut Kohl lautstark dieser Tage. Wie man Merkels Führung abschirmt, will jetzt der CDU/CSU-Fraktionsvorsitzende Volker Kauder vormachen. Er hat bei einem Hersteller 2000 Regenschirme, in den Farben Schwarz-Rot-Gold bespannt, bestellt. Aufgedruckt ist der Schriftzug CDU/CSU-Fraktion. Was Kauder ein bisschen zu denken gibt, war die Tatsache, dass neben chinesischen auch zahlreiche deutsche Hersteller den Großauftrag abgelehnt haben. Wollten sie nicht mithelfen bei der Wählerwerbung der Union? Immerhin scheuen sich auch einige von stern.de befragte Bundestagsabgeordnete zu versprechen, ab Weihnachten, wenn die Schirme zur Verfügung stehen, darunter zu schlüpfen. Weil der Euro-Rettungsschirm bis dahin bewiesen hat, dass er keinen Schutz bietet? Kauder selbst, wird ihn auf jeden Fall zuhause im Wahlkreis aufspannen. "Dieser Schirm wird ein Hit. Das garantiere ich." Bald werde es für die CDU/CSU-Schirme sogar einen grauen Markt geben, sagt er. Wir sagen: Wenigstens einer, der uneingeschränkt an die Schirmherrschaft der Kanzlerin glaubt.

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Großes Entzücken im Berliner Wahlkampf löst derzeit der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit aus, indem er Hunderte von - dornenfreien! - Rosen verteilt. Im Normalfall schmelzen die beschenkten Damen förmlich dahin, wenn sie sehen, wer sie da beglückt. In einem Fall aber gab es jetzt ein kleines Problem. Die beglückte Dame fragte: "Wie soll ich die Rose meinem Mann erklären?" Die Antwort von "Wowi ": "Sagen Sie ihm, dass sie von Klaus Wowereit stammt. Dann dürfte es keinerlei Probleme mehr damit geben." Beide Seiten lachten fröhlich und verstanden sich sogleich: Bekanntlich ist Wowereit - "und das ist auch gut so" - dem anderen Geschlecht nur platonisch zugeneigt.

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Verteidigungsminister Thomas de Maizière ist jetzt von seinen Wählern im Wahlkreis scharf kritisiert worden. Bei fast allen öffentlichen Terminen trete er mit der Hand in der Hosentasche an, etwa als er die ersten Freiwilligen der Bundeswehr nach der Abschaffung der Wehrpflicht begrüßt habe. Es sei eine klare "Missachtung", mit seinem Gegenüber mit den Händen in der Hosentasche zu sprechen, teilte ein aufrechter Sachse dem Minister mit. Offenbar beherrsche de Maizière "nicht die einfachsten Regeln des Miteinanders". Im Verteidigungsressort stand man in der Protokollabteilung daraufhin sofort stramm: "Ja, ja", teilte ein Mitarbeiter stern.de süffisant mit, "wir schicken ihn jetzt drei Wochen auf die Benimmschule".

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Wer Interviews mit Politikern liest, sollte etwas beachten, was Gregor Gysi, Fraktionsvorsitzender der Linkspartei im Bundestag, beim Tag der offenen Türen in Berlin enthüllt hat. Im Haus der Bundespressekonferenz durften Besucher Journalist spielen und Fragen stellen. Gysi verriet den Bürgern: "Bevor Politiker Fragen beantworten, quatschen sie erstmal lange, damit sie nicht zu viele Fragen beantworten müssen." Eigentlich hätte Gysi auch sagen können: Viele Politiker antworten lange auf Fragen und sagen nichts, weil sie nichts zu sagen haben.

Von Hans Peter Schütz
 
 
Berlin vertraulich!

Homo politicus Hans Peter Schütz notiert in seiner wöchentlichen Kolumne den manchmal keineswegs politisch korrekten Tratsch hinter den Kulissen des politischen Berlins für stern.de.

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