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12. Juli 2010, 15:37 Uhr

Was Steffen Seibert als neuer Regierungssprecher verdient

Für Steffen Seibert, ZDF, lohnt es sich, in die Dienste von Angela Merkel, CDU, zu treten. Er hat zunächst mehr Geld und später bessere Aussichten. Von Hans Peter Schütz

 
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Demnächst "Verkäufer": ZDF-Moderator Steffen Seibert© Rico Rossival/DDP

Steffen Seibert also! Beachtlich lange gedauert hat das spekulative Geraune, wer vom nächsten Monat an als Regierungssprecher amtieren wird, wenn Ulrich Wilhelm zum Bayerischen Rundfunk zurückkehrt, um dort die Intendanz zu übernehmen. Seibert, der neue Chefverkäufer der Kanzlerin, hat bislang über die ZDF-Nachrichten die Republik informiert - und keiner hat gemerkt, wie nahe er Angela Merkels Herzen steht. Die Verbindung ist auch deswegen bemerkenswert, weil Seibert öffentlich bekannte, in der Vergangenheit auch mal SPD oder Grüne gewählt zu haben. Viele kennen, nur wenige wissen näheres über ihn. In den neuen Job mitbringen muss er einen ganzen Rucksack mit Fähigkeiten: "Unerschütterliche Ruhe, großes Wissen, Humor, schnelle Reaktionsfähigkeit, Kenntnis der Gesetze, unter der die journalistische Arbeit steht, und jederzeit Hilfsbereitschaft." So zumindest hat einmal Felix von Eckardt, Spitzname "Bundespressechef" und einst bester Verkäufer der Politik von Konrad Adenauer, das Anforderungsprofil für einen Regierungssprecher beschrieben.

Daran erinnert hat jetzt ausgerechnet Klaus Bölling, der in der Berliner Journaille ebenfalls als überaus erfolgreicher und kollegialer Regierungssprecher während der sozialliberalen Koalition von Kanzler Helmut Schmidt von 1974 bis 1982 gilt. Bölling verbindet mit Seibert eine vielfach ähnliche Karriere. Auch er war Journalist und Moderator im öffentlich-rechtlichen Mediensystem, berichtete ebenfalls wie Seibert zeitweilig als Korrespondent aus Washington.

*

Einige Kollegen des neuen Regierungssprechers reagierten eher mäßig begeistert auf Merkels Entscheidung. Vielleicht spielte da auch ein bisschen Brotneid mit. Als Leiter des Bundespresseamts im Range eines Staatssekretärs verdient Seibert rund 11.500 Euro im Monat, gut 3000 mehr als bisher. Und wenn er den Job erfolgreich stemmt, ist weitere Karriere im ZDF-System garantiert, da darin alle hochrangigen Personalentscheidungen unter massivem Einfluss der Parteien stehen. Garantiert dürfte die CDU einen erfolgreichen Ex-Regierungssprecher mindestens mit dem Posten eines Chefredakteurs belohnen. Mediale Karriere lässt sich als Regierungssprecher durchaus machen: Ulrich Wilhelm ist das beste Beispiel. Er ist nun Chef des Bayerischen Rundfunks.

Dass die Suche nach seinem Nachfolger sich so beschwerlich gestaltet hat, hing vermutlich eng damit zusammen, dass ein guter "Verkauf" dieser eher wortschwachen Bundeskanzlerin einen hoch talentierten Wortkünstler voraussetzt. Otto Hauser jedenfalls, lange Jahre für die CDU als Abgeordneter im Bundestag und zuletzt als Parlamentarischer Staatssekretär Regierungssprecher von Bundeskanzler Helmut Kohl, sprach offen aus, was andere vermutlich nur dezent gedacht haben. Auf die Frage von stern.de, ob er denn kein Heimweh nach dem Sprecher-Job habe, antwortete er grimmig-erregt: "Für diese Kanzlerin spreche ich ganz bestimmt nicht!" Allerdings, "wenn Kohl zurückkäme, würde ich es mir überlegen."

*

Endlich geschafft. Jetzt kann es mit Schwarz-Gelb in Berlin nur noch aufwärts gehen: Angela Merkel, Birgit Homburger und Volker Kauder duzen sich neuerdings allesamt. Hat ja ziemlich lange gedauert, vor allem der Duzi-Prozeß zwischen der FDP-Fraktionsvorsitzenden und der Kanzlerin soll ein eher schwieriger Vorgang persönlicher Annäherung gewesen sein. Dass Merkel jetzt zu ihrem ersten Good-Will-Besuch bei der FDP-Bundestagsfraktion weilte, hat die Sache erleichtert. Gemeinsam besichtigte das schwarz-gelbe Trio diese Woche auch das Fußballspiel Deutschland gegen Spanien, das von der Ex-Fußballfrau Homburger fachmännisch kommentiert wurde. FDP-Chef Guido Westerwelle saß nicht dabei, was Homburger nicht traurig stimmte: "Der versteht sowieso nichts vom Fußball." Und von Politik? Darüber wurde an diesem Abend nach zuverlässigen Berichten nicht geredet.

*

Aber andernorts. Die schwarz-gelbe Elf spielt bekanntlich bei den Männern nur halbwegs harmonisch zusammen. Verdeckte Fouls sind eher selten, meist grätschen die Herren unter voller Missachtung der Koalitionsregeln öffentlich einander in die Beine - wie jetzt mal wieder der CSU-Ausputzer Markus Söder gegen den freidemokratischen Flügelstürmer Philipp Rösler. Allenfalls sehr bedingt tauglich, so Söder, sei dessen Gesundheitssystem. Die schwarz-gelben Frauen - immerhin 70 Koalitionsmitglieder - hingegen trafen sich jetzt zwecks Förderung des Teamgeists zu einer Party. Für die künftige Politik gab dabei die schwarze Spielführerin Rita Pawelski die Devise aus, "den Ball flach halten und sich gegenseitig zuspielen". Und sich nicht so zu produzieren, wie dies "eine Handvoll Stinkstiefel" bei den Männern ständig praktiziere. CDU/CSU-Fraktionschef Volker Kauder beobachtete die Frauen-Partie aufmerksam und räumte hinterher beeindruckt ein: "Die Stimmung bei den Frauen unserer Fraktionen ist gut."

Von Hans Peter Schütz
 
 
KOMMENTARE (10 von 44)
 
albert90 (14.07.2010, 16:59 Uhr)
Steffen Seibert ist für mich gestorben....
und wenn er jetzt auf dem Bildschirm ershceint- schalt ich zumindest um, wenn nicht sogar aus!
Ich habe ihn immer als Nachrichtenmann gemocht- ob als Korrespondenten, als Wahlberichterstatter, als Nachrichten-um-19.00 Uhr oder 21.45Uhr-Mann.

Aber als Regierungssprecher? Niemals werde ich das akzeptieren!
Wie kann er sich von dieser erbärmlichen Regierung vor den Karren spannen lassen?
Offensichltich ists die Kohle die ihn reizt- schwafel-schwafel wird er das bestimmt nie zugeben.

Ich bin so enttäuscht.
eurocrimi (13.07.2010, 17:47 Uhr)
CDU FDP und die Siebe des Sokrates
ist es die Wahrheit
wer glaubt es
wem nuetzt es
rockyciano (13.07.2010, 11:43 Uhr)
Auch mit dem Kurier
der Kanzlerin, wird deren Politik nicht glaubwürdiger oder ??!!
Terrypol (13.07.2010, 08:57 Uhr)
Z D F !
Es war bei Beginn des ZDF kein Geheimnis, dass die Oberschicht dort eindeutig Kaminschwarz war und das ist bis heute so geblieben.
Man denke nur an die Intendanten, die alle so "konservativ" und "schwarz" waren (sind), dass man sie nicht erkennen könnte, wenn sie keine helle Farben tragen würden!
Obwohl doch die Sender eigentlich unparteiisch besetzt sein und senden sollten;
denn der Gebührenzahler ist der eigentliche Herr im Haus!
Und das sind wir doch Alle, egal ob schwarz, rot, gelb grün oder auch noch röter!
OttoB (12.07.2010, 18:49 Uhr)
@Farbenseher (12.07.2010, 15:19 Uhr)
ich bin ganz Ihrer Meinung.
OttoB (12.07.2010, 18:38 Uhr)
@Tempelhofer
Jetzt ist es mir klar sie informieren sich gar nicht über die Medien denn dann wüßten sie das nach dem Fall der Mauer in der BRD die Abkürzung gebräuchlich ist.
Vor dem Fall war es richtig wir hießen nicht BRD das war der Ausdruck der DDR.
Aber seit dem Fall brauchen alle Medien diesen Begriff.
Also so lange lesen sie keine Zeitung mehr, na dann ist mir ihre komische Meinung klar.
Sie bekommen einen Text vorgesetzt den sie nicht verstehen und dafür bekommen sie Geld.
Danke für die Aufklärung.
winn111 (12.07.2010, 18:35 Uhr)
@auwei
sie haben Recht, aber im ZDF gibt es 2 Sendungen,die ich gern sehe. !, Länderspiegel mit dem Hammer der Woche über die Unfähighkeit unserer Politik und 2. Politbarometer. Inzwischen gibt es aber so viel Informationen im Netz, dass ich das ZDF eigentlich nicht mehr brauche. Die könnten ja jetzt wie ARTE ein Spezisender für Opern in holländisch werden. Das wäre zumindest eine Hommage an NL und dort kann man das Programm auch landesweit empfangen.
auwei (12.07.2010, 18:14 Uhr)
@win111
Das ZDF ist einst als öffentlich-rechtlicher Omma-Unterhaltungssender von den Konservativen gestartet worden, um der "roten" ARD etwas entgegenzusetzen. Seither hat sich eigentlich nicht viel getan - außer dass sich die Welt ringsum verändert hat. Das alte Problem der Konservativen...
winn111 (12.07.2010, 18:11 Uhr)
dafür gibts mehr Schleichwerbung im ZDF
und nicht mal der Wetterbericht stimmt im ZDF und Kahn macht weiter seine ätzende Werbung für Fonds, die sich niemand leisten kann. Ich denke, ZDF heisst zweitbeste dusselige Fernsehunterhaltung.
winn111 (12.07.2010, 17:44 Uhr)
@knuffiman
herrliche Antwort, aber ich glaube nicht, dass ich mich dafür hergegeben hätte. Das passt einfach nicht zu meiner Lebensweisheit. Ich denke manchmal, irgendwo muss es ja noch Zuverlässigkeit und Vertrauen geben, aber wenn ein sonst so symphatischer Mensch wie Seibert die Fronten wechselt, um sich zum Sprachrohr einer so verlogenen Politik macht, dann hat er mehr verloren, als nur meine Achtung. Er hätte auch so seine Chancen im Beruf gehabt, aber jetzt hat er in meinen Augen jede Glaubwürdigkeit verloren. Ich denke, als anerkannter Nachrichtensprecher des ZDFs hatte er schon eine Position, um die ihn viele beneiden und viele enttäuscht, die gedacht haben, im ZDF würde es neutrale Nachrichtensprecher geben, aber seit dem Gezerre um Brender ist mir klar,dass die Politiker überall die schmutzigen Finger drin haben.
Berlin vertraulich!

Homo politicus Hans Peter Schütz notiert in seiner wöchentlichen Kolumne den manchmal keineswegs politisch korrekten Tratsch hinter den Kulissen des politischen Berlins für stern.de.

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