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31. Mai 2010, 16:25 Uhr

Bundespräsident für 30 Tage

Er rückt aus dem Rathaus des kleinsten Bundeslandes unvermittelt ins Rampenlicht: Bremens Bürgermeister Jens Böhrnsen ist für kurze Zeit Staatsoberhaupt. Er will dabei aber nur Aufgaben übernehmen, die unbedingt nötig sind.

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Bundespräsident auf Zeit: Jens Böhrnsen übernimmt als Bundesratspräsident gemäß Verfassung die Amtsgeschäfte© Sören Stache/DPA

Er regiert bedächtig und lächelt verhalten - Jens Böhrnsen hat sich in Bremen in fünf Jahren Amtszeit als Regierungschef der leisen Töne profiliert. Zwei Wochen vor dem 61. Geburtstag kommt auf den früheren Richter und SPD-Politiker eine neue Bewährungsprobe zu: Nach dem Rücktritt von Bundespräsident Horst Köhler muss Böhrnsen jetzt kommissarisch zusätzlich die Amtsgeschäfte des höchsten Repräsentaten des deutschen Staates übernehmen. Es wird eine Amtszeit von höchstens 30 Tagen, denn innerhalb dieser Frist muss die Bundesversammlung zusammengerufen und ein Nachfolger für Köhler gewählt werden. Und er wird sein Amt in der kurzen Zeit ausfüllen, wie es seine Art ist: zurückhaltend. Böhrnsen wird nur unaufschiebbare Aufgaben übernehmen, Auslandsreisen wie etwa zur Fußball-WM in Südafrika schließt er aus.

Seit Oktober ist Böhrnsen Präsident des Bundesrats. Laut Artikel 57 des Grundgesetzes vertritt dieser den Bundespräsidenten "bei vorzeitiger Erledigung des Amtes". Der SPD-Politiker sagte in einer ersten Reaktion, er sei "als Bürger und Bremer" traurig über den Schritt Köhlers. Seine Rolle als Bundesratspräsident wird der saarländische Ministerpräsident Peter Müller (CDU) übernehmen. Die Doppelfunktion ist nicht erlaubt.

Bremer in Reinkultur

Böhrnsen ist ein Bremer in Reinkultur: Er wurde am 12. Juni 1949 in Bremen im ärmlichen Stadtteil Gröpelingen geboren und ist in Bremen-Walle zur Schule gegangen. Er lebt heute im Stadtteil Burglesum. Bei Bürgerschaftswahl 2003 holte die SPD mit dem enorm beliebten Henning Scherf an der Spitze 42,3 Prozent. Doch im Herbst 2005 zog Scherf den Schlussstrich unter seine politische Karriere. Zwei Sozialdemokraten stritten um das Erbe: der frühere Manager des Fußball-Bundesligaclubs SV Werder Bremen und Bildungssenator, Willi Lemke, sowie Jens Böhrnsen, damals Vorsitzender der SPD-Bürgerschaftsfraktion.

Böhrnsen setzte sich in einer Abstimmung der SPD-Basis haushoch durch. Der Jurist aus ur-sozialdemokratischem Haus wusste die Partei zu begeistern. Seit 1995 war Böhrnsen in der Bürgerschaft, seit 1999 an der Fraktionsspitze und dabei nicht zimperlich im Umgang mit dem Koalitionspartner CDU. Das trug zu seiner innerparteilichen Beliebtheit bei.

Seit 2005 Bremer Bürgermeister

Am 8. November 2005 wurde Böhrnsen von der Bürgerschaft zum Bürgermeister gewählt. Anders als Scherf stoppte er den Kuschelkurs mit dem damaligen Koalitionspartner CDU. 2007 trat Böhrnsen als Spitzenkandidat an und holte mit nur noch 36,8 Prozent das zweitschlechteste Ergebnis der SPD im kleinsten Bundesland. Doch Böhrnsen bildete eine rot-grüne Koalition und regierte weiter.

Bei den Bürgern ist er anerkannt, aber nicht so geliebt wie sein Vorgänger Scherf. Politisch sind ihm die Hände gebunden durch die hohe Verschuldung des Landes, was für große Projekte kaum Raum lässt.

DSDS aus Bremer Rathaus verbannt

Die ruhige Art von Böhrnsen bedeutet aber nicht, dass er Konflikten aus dem Weg geht: 2008 trat er Schlagerproduzent Dieter Bohlen kräftig auf die Füße. Bohlen wollte für die RTL-Show "Deutschland sucht den Superstar" (DSDS) ein Casting im schönen alten Bremer Rathaus veranstalten. Böhrnsen lehnte ab und sagte, in der Sendung würden die Kandidaten mit Häme, Spott und Beleidigungen überzogen und lächerlich gemacht. "DSDS" sei unerwünscht. Bohlen reagierte verärgert.

Persönlich hatte Böhrnsen ein schweres Schicksal zu tragen: Seine Ehefrau war im März 2007 nach zehn Jahren Ehe überraschend an einer Hirnblutung gestorben. Anderthalb Jahre spät fand er eine neue Partnerin, eine drei Jahre jüngere Schulleiterin. Seine beiden erwachsenen Söhne studieren.

Claus-Peter Tiemann/APN
 
 
KOMMENTARE (5 von 5)
 
Prologo (01.06.2010, 00:05 Uhr)
@n8g8, Richtig, ....

....aber der deutsche notorische Nichtwähler merkt das erst, wenn er seinen Kasten Bier am Hindukusch mit dem Esel abholen muss, oder?

MfG,
T.
leisegang (31.05.2010, 23:42 Uhr)
Wahl zwischen Wahrheit Köhler oder Lüge Merkel
Bei Köhlers Aussage gab es nichts miss zu verstehen, also gab es nur zwei möglichkeiten: entweder er bleibt bei seiner Aussage und bleibt im Amt und stellt die Lüge der CDU/FDP/Merkel/SPD auf den Tisch und in den Fokus der Öffentlichkeit und läßt damit die amtierende Partei endgültig im grellen Licht der Verlogenheit, oder er leugnet eine nicht mehr zu revidierende eigene aussage und tritt ab. Damit ist die Lüge seiner Partei halbwegs gerettet.
n8g8 (31.05.2010, 22:42 Uhr)
Köhler hat die Wahrheit gesagt
Und genau deshalb, weil er richtigerweise die Wirtschaftsinteressen bei der nationalen Kriegsführung als REALES Motiv betonte, hat er gleichzeitig von einer verfassungswidrigen Kriegsführung hierzulande gesprochen.
Meine Meinung:
Köhler ist wegen der Äußerung von Trittin zurückgetreten. Denn der hat wiederum anlässlich der Köhleräußerungen die Wahrheit gesprochen, bedauerlicherweise offensichtlich ohne selbst zu wissen, dass er und die überwiegende Mehrheit des Bundestages parlamentarisch eben solche völkerrechts- und grundgesetzwidrigen, weil wirtschaftsinteressengesteuerte Kriege willfährig abgenickt haben!!!
Vorläufiges Fazit: Wer Pazifist ist, kann derzeit nur die Linke wählen. Ansonsten haut sich der Wähler weiter selbst immer wieder in die Pfanne und lässt n weiteres völkerrechtswidriges Ei auf sich braten. Friedensliebe darf man jedoch nicht mit Masochismus verwechseln. Das müssen Trittin und die vielen anderen Kriegstreiber erst noch lernen.
jetrabbit (31.05.2010, 19:10 Uhr)
die ganze debatte beruht auf
der unklarheit/unehrlichkeit des wehrauftrags... warum deutsche soldaten sich im ausland befinden. die unklarheit/unehrlichkeit der regierung offen zu sein ist der grund dieses problems.
ps. bitte keine belehrung über die definition von terroristen, 9/11, religion, politik,etc... da habe ich meine eigene persönliche meinung.
Prologo (31.05.2010, 19:06 Uhr)
Die Auflösungserscheinungen unter Merkels Regierung,....

....sind unübersehbar geworden, und auch das Tempo erhöht sich drastisch.

Herr Köhler hat genau das Richtige getan, denn Aussitzer Merkel und HotelVizekanzler Westerwelle haben das getan, was sie immer tun, zur Unterstützung von Köhler, nichts, oder?

Das Bild, was Deutschland dadurch in der Weltöffentlichkeit inzwischen abgibt, gleicht einem deutschen Irrenhaus, unter der Anstaltleitung einer Chaosregierung Merkel, oder?

Das deutsche Volk hat 60 Jahre lang mühevoll den guten Ruf Deutschland nach dem 2 Weltkrieg aufgebaut,....

.....und Frau Merkel und Herr Westerwelle brauchten nur ein Jahr, um diesen guten Ruf wieder zu ruinieren, eine Schande ist das für Deutschland, oder?

Nicht Herr Köhler hätte zurücktreten sollen, sondern diejenigen, die dieses Chaos angerichtet haben, und wer ist das wohl?

Richtig....die ................, oder??

MfG,
T.
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