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19. Juni 2010, 09:46 Uhr

Hannelore Kraft macht alles richtig

Sie hat lange gezögert, jetzt ist es raus: Es wird in NRW zu einer rot-grünen Minderheitsregierung kommen. Damit hat Hannelore Kraft alles richtig gemacht - sie kann nun den Bund auf ihre politische Linie zwingen. Ein Kommentar von Hans Peter Schütz

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Künftige Ministerpräsidentin Hannelore Kraft: Sie wird nun eine einflussreiche politische Figur in Deutschland sein© Mark Keppler/APN

Wer auch immer Hannelore Kraft den Rat zum Salto rückwärts samt dreifacher Schraube in der Koalitionsfrage gegeben hat, es war der einzig vernünftige Tipp. Und zwar landespolitisch wie bundespolitisch. Statt an der Seite des ausgewachsenen Wahlverlierers Jürgen Rüttgers in einer Großen Koalition herum manövrieren zu müssen, kann sie in einer rot-grünen Minderheitsregierung zumindest teilweise jene landespolitischen Akzente setzen, mit denen sie ihren Wahlkampf bestritten hat und für die sie gewählt worden ist. Ganz obenan: eine neue Schulpolitik.

Dass der koalitionspolitische Kurswechsel auch vom SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel im Hintergrund massiv gefördert worden ist, dürfte sicher sein. Schwarz-Gelb verliert damit zunächst einmal die Machtposition im Bundesrat. Dort könnte die Verlängerung der Laufzeiten der Atommeiler zumindest verzögert werden. Und erhebliche Teile des sozialschiefen Sparpakets der Bundesregierung lassen sich dort stoppen. Mit anderen Worten: Sozialdemokraten und Grüne werden die Bundesregierung in der Länderkammer weiterhin locker als handlungsunfähig vorführen oder auf ihre politische Linie zwingen.

Neuwahlen sind nicht zu fürchten

Wie lange die Minderheitsregierung Kraft amtiert, ist eine sekundäre Frage. Vor Neuwahlen muss sie sich nicht fürchten. Ihre grünen Partner kommen thematisch selbstsicher daher. Ganz im Gegensatz zur FDP, die mal wieder an der Fünf-Prozent-Marke herumkrebst. Die CDU wiederum dürfte davor zittern, weil ihre Berliner Parteigenossen mannigfach Gründe liefern, noch weniger Kreuzchen bei ihr zu machen als vor der letzten Landtagswahl.

Insofern halten sich die Risiken für Kraft in Grenzen. Auf eine Minderheitsregierung als Dauerlösung dürfte sie ohnehin nicht spekulieren. Aber sie besitzt entscheidenden Einfluss auf den ihr politisch genehmen Zeitpunkt von Neuwahlen. Als Juniorpartnerin an der Seite eines Jürgen Rüttgers hätte ihre SPD nur noch verlieren können - zum Vorteil der Grünen und der Linkspartei. Und wer weiß, ob die Liberalen in NRW jetzt nicht doch noch einmal gründlicher über die Frage einer Ampel-Koalition nachdenken, als ihnen das vom FDP-Bundesvorsitzenden Guido Westerwelle bislang erlaubt worden ist.

Absurde Vorwürfe an Kraft und die Linke

Völlig absurd ist der Vorwurf an Kraft, die lasse sich jetzt, weil zügellos machthungrig, von der angeblich verfassungswidrigen NRW-Linkspartei an die Macht schieben. Die Linkspartei rund um Düsseldorf ist zwar ein reichlich chaotischer Verein. Der Vorwurf der Verfassungswidrigkeit stützt sich indes auf ein Gutachten des Landesverfassungsschutzes, das vor allem an der Verfassungstreue der Verfassungsschützer zweifeln lässt. Die behaupten schließlich, die Linkspartei benutze verdächtig oft das Wörtchen "rational" in der Beschreibung ihrer politischen Positionen. Man wünscht sich, dass diese Verfassungsschützer endlich mal selbst rational urteilen.

Ein Ministerpräsident, der sich wie Rüttgers auf derart irrationale Verfassungsschützer stützt, der gehört in der Tat dringend abgelöst. Durch wen und in welcher Form auch immer. Notfalls durch eine Minderheitsregierung.

Ein Kommentar von Hans Peter Schütz
 
 
KOMMENTARE (10 von 47)
 
Onzapintada (21.06.2010, 02:55 Uhr)
Die Gesellschaft . . .
kann sich die Geldelite nicht mehr leisten.

Bisherige Transferleistungen an die Oberschicht, genannt Bankenrettung, in Deutschland seit 2008:
650 Milliarden Euro (das Doppelte des Bundeshaushalts)

Bei der sogenannten Bankenrettung handelt es sich tatsaechlich um die Rettung des Vermögens und der Macht der kleinen Geldelite mit dem Geld der Mittelschicht (Die Banken sind dabei in erster Linie nur Verrechnungsinstitutionen; das Geld fließt per Saldo fast komplett an die Oberschicht).

Als erste Rate im derzeitigen Bundeshaushalt von der Mittelschicht aufzubringen: 80 Milliarden Euro

Glaube aber niemand, dass sich dadurch der Restbetrag verringern würde: Die nächste Blase platzt bestimmt.
schlusi09 (20.06.2010, 03:02 Uhr)
@johann58
Ich nag Dich und deine Meinung;-)))
Terrypol (19.06.2010, 15:41 Uhr)
Hannelore (mit) Kraft voraus...!
Was die Frau Kraft und die SPD mit den Grünen vorhaben, entspricht genau den Verfassungsrechtlichen Vorgaben!
Eine Stimme fehlt zur absoluten Merheit im Parlament.
cdu und f d p haben insgesamt 10 Stimmen weniger!
Ergo... ran den Spreck für die alte Tante SPD und die Grünen, aber auch besser machen, nicht nur reden und dabei den "kleinen Mann" nicht vergessen, ansonsten schlägt das Zustimmungspendel leicht wieder um!
Siehe großmaul westerwelle mit seinem Lautsprecher Lindner, wenn Neuwahlen wären, dann könnte man denen am Straßenrand zuwinken und Tschüss auf Nimmerwiedersehen sagen!
H.P. Schütz hat es bestens kommentiert, das muss man auch mal sagen, so wie im TV am FreitagAbend!
Johann58 (19.06.2010, 15:05 Uhr)
@tannebaum
der Sozialstaat ist laengst an einem Punkt angelangt, der ihn in Frage stellt. Eine gesunde Gesellschaft ertraegt einen gewissen Prozentsatz an Menschen, die auf Kosten der Allgemeinheit leben.

Unsere Gesellschaft ist aber schon lange nicht mehr gesund. Das liegt im Wesentlichen daran, dass die Politik aufgehoert hat der Gesellschaft Rahmenbedingungen zu schaffen, bei denen es sich lohnt unter anderem unternehmerisch taetig zu sein.

Die Kohlsche Politik war als erste Regierung Deutschlands hier Vorreiter, indem sie alles das in die Wege geleitet hat woran wir heute darben. Es waren Kohls bluehende Landschaften, die unbezahlbar sind und uns den Soli gebracht haben, es war die Ausweitung der Geringfuegig Beschaeftigten, bei denen man aus einem sozialversicherungspflichtigen Job 3 pauschalbesteuerte Minijobs gemacht hat, Es war die in den 90zigern begonnene Verlagerung von Arbeitsplaetzen in Billiglaender.

Heute wird auf Hartz IV geschimpft, mit Recht aber ohne sich um die Gruende zu bemuehen wodurch das ALG II entstanden ist. Das ist ein uralter Hut, das ist keine Erfindung Schroeders, nur der Name ist neu. Schon vor 40 Jahren konnte man von Sozialamt leben.

Was mir aber bei Ihren Kommentaren nicht gefaellt, ist dass sie das politische Spektrum, welches die Demokratie zum ueberleben braucht einschraenken wollen. Wir brauchen die Gruenen, wir brauchen die Linke, wir brauchen Parteien und Querdenker, die die etablierten auf Trab halten und Sie verteufeln genau die.

Die Sozialkassen koennen nur voll sein bzw. gefuellt werden indem es ausreichend sozialversicherungspflichtige Arbeit gibt und das erreicht man nicht wie schwarz/gelb mit Steuergeschenken fuer Hotels und zusaetzlichen Belastungen fuer diejenigen, die sowieso mit dem xistenzminimum kaempfen.
MeikJaeger (19.06.2010, 12:08 Uhr)
Die Chaos- und Endzeitregierung von Merkel
hat doch auch ihr Gutes. Schreihals Westerwelle wird in das Unter5Prozent-Schneckenhaus zurückbefördert in das er hineingehört, Mutti als Freizeitpolitikerin wird als Rosstäuscherin des Jahrhunderts entlarvt und man weiss endlich, wo es hingeht. In die gegenteilige Richtung von CDU FDP. Auch da wird das Paradies nicht liegen, aber so dumm wie Westerwelle Rüttgers und Merkel werden sie es nicht treiben.
tannebaum (19.06.2010, 11:16 Uhr)
@johann
ich bin ein großer fan eines sozialstaates und vor allem dafür, dass er erhalten bleibt.

er muss die schwachen, kranken, behinderten schützen. er muss denen einen übergang bieten, die eine zeitlang durch schicksalschläge (tod, arbeitslosigkeit, etc.) ausfallen.

um dieses aber zu bewahren, müssen alle anderen aktiv mithelfen und mitarbeiten. es ist pflicht aller anderen, sich so gut wie möglich zu bilden, einen job zu suchen und alles zu unternehmen, dass sie sich selbst versorgen können.

aber genau das passiert seit 40 jahren immer weniger. und das kostet den einzahlern die zukunfz, während die nehmer, teilweise seit generationen, sich völlig asozial verhalten. das ist keine solidargemeinschaft, dass ist pures ausnutzen.

der schaden in den sozialkassen ist viel höher als jedes blödes rettungspaket. nicht das ich nicht für höhrere steuern bei reichen wäre. auch banken sollten den beitrag leisten. aber vor alem müssen wir auch unser sozialsystem reformieren und verändern. denn so gehts vor die hunde.

es kann nicht sein, dass ein teil der gesellschaft der anderen beim arbeiten zuschaut.
und kommen sie mir nicht mit dem argument, es gibt keine arbeit für diese leute. da die meist ihre schule selbst abgebrochen haben oder die hauptschule mit ach und krach absolvierten, ist die schuld für das versagen nur bei denen selbst zu suchen. damit müssen die dann auch alleine klarkommen. pech gehabt!

hingegen kranke und behinderte nichts dafür können und geschützt und versorgt werden müssen.
mikelmd (19.06.2010, 07:08 Uhr)
Der Anfang vom Ende...
Nun ist es geschafft, NRW hat eine Chance zum Neuanfang! Sicher waren die Geburtswehen sehr lang, aber für die SPD stand viel auf dem Spiel.
Für die CDU ist es auch im Bund der Anfang vom Ende, die sich selbst nicht zu schade war den MP stellen zu wollen und das obwohl Rüttgers die Wahl verloren hat. Aber genau diese Arroganz ist in der CDU mittlerweile weit verbreitet. In vielen Landesverbänden rumort es, viele verlassen die Partei nur die Führung will nichts merken! Bei uns in Sachsen Anhalt sind im nächsten Jahr Landtagswahlen und der ?Spitzenkandidat? hat bis heute keine Idee zum eigenständigen Profil. SPD und Grüne werden der CDU jetzt im Bundesrat den Rest besorgen.
jomimo (19.06.2010, 05:18 Uhr)
Nach dem, was über
Heide Simonis geschrieben, aber nicht gelesen und ungern veröffentlicht wurde,
will ich zu Fr. Kraft nun nichts mehr sagen.

Wir in S-H haben eine aufrichtige MP verloren, ersetzt durch einen PHC, den die meisten lieber beim Reitturnier sähen als im Landtag.

Aber es ist noch ein Stegner da ....
jomimo (19.06.2010, 01:51 Uhr)
Heide Simonis
war einmal eine starke MP in S-H.

Sie hatte den Plan, von der ständigen Verbeamtung endlich abzulassen.
Zuerst sollten Lehrer nicht mehr beamtet werden, weil sie das auch garnicht sein müssen.

Schon begann das Geschrei :
dann müssen wir ja für angestellte Lehrer die anteiligen Sozialbeiträge zahlen etc. !!!
Nun, für beamtete Lehrer zahlen die Bundesländer wirklich gut in Form von Pensionen.
Die Pensionlasten fressen allen Ländern bald die Haare vom Kopf.

Aber die Idee einer MP wurde mangels Weitsicht und Reformwillen verworfen.

Schöner noch, diese MP, ausgewiesene Finanzexpertin, wurde reduziert auf ihren Schmuck, ihre Hüte und ihre Hobbies.

Und wenn dieser Beitrag nicht erscheint, werde ich die Admins von Stern juristisch belangen wegen parteinahme und verdunkelung von Historie.


tannebaum (19.06.2010, 00:01 Uhr)
@Johann58
sie schreiben wahrlich sehr häufig faktenlosen müll, aber ich würde alles tun und und dafür kämpfen, dass sie es morgen auch noch tun können... denn ich bin demokrat und liebe die freie meinungsäusserung. ein umstand, den links- und rechtsradikale nicht mögen und daher bekämpfen. aber genau ich zähle dazu nicht, denn einseitige meinungen machen doof.

aber wie gesagt, auch wenn sie den größten unsinn schreiben, ich wäre einer der kämpfer, dass es so bleiben kann. auch wenn ihre einseitigkeit schon sehr ermüdent sein kann.

ich habe sie nirgends gemeldet und ihr albernes, affektiertes verhalten ändert daran auch nichts. ich gehe davon aus, dass sie nicht nur ihre meinung, sondern dazu weitere unflätigkeiten, abgegeben haben. und der stern wird darüber gestolpert sein. aber sicher nicht ich...

wenn sie also wieder private, anzügliche dummheiten von sich geben, dann steckt hinter deren löschung nicht ich. daran sind dann wohl sie alleine schuld. denn freie meinungsäusserung ist das eine, aber anstand, manieren und beherrschung etwas anderes. und davon haben sie leider zu wenig von zu hause mitbekommen. auch wenn es nur indirekt nicht ihre schuld ist. wären sie aber intelligent und bemüht, hätten sie längst versucht, diesen makel von sich aus zu beheben...

ein schönes wochennede noch.
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