. .
Politik in Deutschland
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
4. November 2007, 18:01 Uhr

Kuschelkurs oder Koalitionskrach

Bahnprivatisierung, Mindestlohn, Arbeitslosengeld für Ältere - gleich mehrere Reizthemen haben die Stimmung zwischen SPD und CDU aufgeheizt. Mit Spannung wird vor der Koalitionsrunde auf die SPD geschaut: Kann sie ihre Parteitagsbeschlüsse gegen die widerwillige CDU durchsetzen?

SPD-Chef Kurt Beck versuchte beim Parteitag in Hamburg, die Richtung vorzugeben. Jetzt muss er sich mit den Parteitags-Beschlüssen in der Koalitionsrunde durchsetzen© John MacDougal/AFP

Begleitet von massiven gegenseitigen Attacken kommen die Spitzen von Union und SPD heute zu einer weiteren Koalitionsrunde zusammen. Bei dem Treffen am Abend im Kanzleramt stehen vor allem die von der Union scharf kritisierten Beschlüsse des SPD-Parteitages im Mittelpunkt, in denen zahlreiche Unionspolitiker eine Abkehr vom Reformkurs und von Koalitionsvereinbarungen sehen. Bundeskanzlerin Angela Merkel lehnte im Vorfeld des Treffens einen Politikwechsel ab und warnte, das Erreichte aufs Spiel zu setzen. "Wir dürfen das Erreichte nicht aufs Spiel setzen", sagte Merkel der "Welt am Sonntag". Nicht alles, was auf den ersten Blick gut ankomme, sei auch gut für Deutschland." Vorrang habe eine Politik für Arbeitsplätze, Wachstum und solide Finanzen. Union und SPD warfen sich am Wochenende gegenseitig vor, Abmachungen nicht einzuhalten. Unionspolitiker warnten die SPD davor, die Koalition zu gefährden.

Merkel sieht Voraussetzung für Mindestlohn nicht erfüllt

Hauptstreitpunkte sind unter anderem die Einführung eines Post-Mindestlohns und die Bahn-Privatisierung. Arbeitsminister Franz Müntefering hatte am Freitag seinen Verordnungsentwurf für den Mindestlohn bei Briefdiensten vorgelegt. Der Minister übersandte den Entwurf an die Fraktionsvorsitzenden und die Arbeitsmarkt- und Wirtschaftsexperten von Union und SPD. Darin werden die vom Arbeitgeberverband Postdienste (AGV) und der Gewerkschaft Verdi vereinbarten Mindestlöhne von acht Euro bis 9,80 Euro für die ganze Branche ab 1. Januar 2008 für allgemeinverbindlich erklärt. Für die Verordnung muss die Ausweitung des Entsendegesetzes auf die Briefdienste verabschiedet werden. Bundeskanzlerin Angela Merkel, erklärte aber bereits, dass sie die Voraussetzungen für einen Post-Mindestlohn nicht erfüllt sehe.

In punkto Bahnprivatisierung sieht CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer kaum noch Chancen für die Privatisierung. "Der Beschluss des SPD-Parteitags hat eine Lösung äußerst schwer gemacht", sagte er der "Welt am Sonntag". Die Sozialdemokraten hätten Tiefensee handlungsunfähig gemacht. Der Minister sei "politisch jetzt völlig entkernt", sagte Ramsauer. Im NDR versicherte er, an der CSU solle die Bahnprivatisierung nicht scheitern. Aber wenn die SPD alles "verrammelt und vermauert, dann muss man dieses Projekt auf die nächste Legislaturperiode verlagern". Die SPD besteht nach ihrem Parteitag auf der Ausgabe stimmrechtloser Vorzugsaktien, die auch als Volksaktien bezeichnet werden. Damit sollen unerwünschte Finanzinvestoren abgeschreckt werden. Die Union will das nicht mitmachen. Mit dem Börsengang will die Bahn frisches Kapital für den Ausbau des Netzes und die Expansion im Ausland einnehmen.

Beidseitige Bedenken zur Finanzierung

Als weitere Streitthemen stehen die längere Zahlungen des Abeitslosengeldes I an ältere Arbeitslose, die von der SPD- wie auch von Unionspolitikern geforderte Wiedereinführung der Pendlerpauschale ab dem ersten. Kilometer sowie das Betreuungsgeld auf der Tagesordnung. Sowohl Merkel als auch Finanzminister Peer Steinbrück haben Bedenken zur Finanzierung verschiedener Punkte angemeldet und erklärt, die Koalition dürfe den Kurs der Konsolidierung nicht verlassen.

DPA/Reuters
 
 
KOMMENTARE (1 von 1)
 
iovialis (04.11.2007, 20:22 Uhr)
Vorrang haben Arbeitsplätze, Wachstum und solide Finanzen
Das sind mal wieder geniale Zielsetzungen. Das mit dem Wachstum ist nicht weiter schwer, das macht die Wirtschaft selbst (wenn man sie läßt); das mit den soliden Finanzen hängt mit dem Wirtschaftswachstum zusammen.
ABER: Arbeitsplätze entstehen nicht durch Wachstum - im Gegenteil, die werden dadurch "vernichtet".
Mindestlohn wirkt dem genauso entgegen - besser wäre ein garantiertes Einkommen (Grundeinkommen). Damit das die soliden Finanzen nicht stört und Verwaltungskosten verursacht, macht man es bedingungslos.
Die CDU hat da sogar was durch Althaus auf Lager und kuckt drum, daß das was wird... aber Grundeinkommen ist nicht gleich Grundeinkommen. Zur Erklärung:
http://www.iovialis.org/download
MEHR ZUM ARTIKEL
Bahn-Privatisierung Transnet unterstützt nun SPD-Modell

Die Gewerkschaft Transnet will die Pläne zur Bahnprivatisierung nicht mehr unterstützen, wenn sich die große Koalition nicht auf das von der SPD angestrebte Volksaktien-Modell einigt. Transnet würde sich dann dafür stark machen, dass der Konzern in Bundesbesitz bleibt. mehr...

Arbeitslosengeld I SPD-Plan ist viel teurer als gedacht

Das könnte teuer werden: Nicht 800 Millionen Euro -wie von der SPD angegeben - sondern rund drei Milliarden Euro würde die längere Zahlung des Arbeitslosengeldes I kosten. Mit dieser Berechnung heizt die Bundesagentur für Arbeit den Streit innerhalb der Koalition über die längere Zahlung des ALG I weiter an. mehr...

Besuch bei Briefträgern Kurt Beck auf Mission Mindestlohn

Weil die SPD ihre Anhänger vor der Flucht zur Linkspartei abhalten will, hat sie die Durchsetzung von Mindestlöhnen zur Chefsache gemacht - wider die vermeintlich garstige Union. Am Freitag begab sich auch Parteichef Kurt Beck auf Mission Mindestlohn: In einem Post-Betrieb in Köln-West. mehr...

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (23/2012)
Rettet die Liebe