24. Mai 2008, 08:09 Uhr

Die unerwünschte Kommunistin

Hochgestecktes Haar, hochgeschlossene Kleidung, ernster Blick: Sahra Wagenknecht, die "schöne Kommunistin" der Linkspartei, könnte als Rosa-Luxemburg-Double auftreten. Eigentlich wollte sie sich nun zur stellvertretenden Parteivorsitzenden wählen lassen. Doch die Parteiführung wollte sie nicht. Ein stern.de-Interview. Von Lutz Kinkel

Marx-geschult: Sahra Wagenknecht, 38, Wortführerin der "Kommunistischen Plattform" der Linkspartei©

Hummer! Immer noch geht es um Hummer. Sahra Wagenknecht, 38, Europaabgeordnete und Sprecherin der "Kommunistischen Plattform" der Linkspartei, wurde im Dezember 2007 in Brüssel bei einem Hummer-Essen fotografiert. Sie ließ die Kamera von ihrer Assistentin abholen und löschte eigenhändig die Bilder. Angeblich, weil sie sich auf den Fotos nicht gefallen habe. Mutmaßlich, weil eine Hummer-essende Kommunistin in Öffentlichkeit nicht sonderlich glaubwürdig ankommt.

Wie aus der Zeit gefallen

In einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" konterte sie den Vorwurf mit dem Schlachtruf "Hummer für alle." Im kurzen Vorgespräch zum stern.de-Videointerview im "Café Einstein" spricht Wagenknecht von einer "Lappalie". Sie könne nicht verstehen, warum der Hummer so breiten Raum einnehme. Was die Frage aufwirft: Ist ihr das Affärchen immer noch peinlich, oder versteht sie die Mechanismen der Mediengesellschaft nicht?

Sahra Wagenknecht wirkt wie aus der Zeit gefallen. Ihr Äußeres - hochgesteckte Haare, hochgeschlossenes Kleid, ernster Blick - gemahnt an Rosa Luxemburg, die legendäre Arbeiterführerin, die 1919 ermordet wurde. Von Wagenknecht ist bekannt, dass sie als Jugendliche intensiv Goethe las, um sich mit 18 Jahren der Gesamtausgabe von Karl Marx und Friedrich Engels zu widmen. Kurz vor der Wende trat sie in die SED ein, mittlerweile repräsentiert sie das schrumpfende Häufchen Kommunisten in der Linkspartei. Vielleicht ist sie eine unzeitgemäße rote Bildungsbürgerin, die, von Marx geschult, in langen strategischen Linien denkt, in denen Hummer tatsächlich keine Rolle spielen. Vielleicht ist die Rosa-Luxemburg-Verkleidung aber auch kalkulierte Inszenierung, ein Selbstmarketing in der Mediengesellschaft. Vermutlich stimmt beides.

Lafontaine und Wagenknecht

Auf dem bevorstehenden Parteitag der Linken in Cottbus wollte Wagenknecht ursprünglich als stellvertretende Vorsitzende kandidieren. Doch die Führungsspitze, vor allem Lothar Bisky und Gregor Gysi, zwang sie, ihre Kandidatur fallen zu lassen. Eine Frau, die die Systemfrage stellt und auf Opposition beharrt, passt nicht mehr zur Strategie der Linkspartei. Oskar Lafontaine will das Saarland erobern, dort Ministerpräsident werden, auch in Thüringen wollen die Linken 2009 den Landeschef stellen. Das aber geht nur mit Hilfe der SPD - die Sahra Wagenknecht im stern.de-Interview als "neoliberal" klassifiziert. Sie will mit den Sozialdemokraten nicht paktieren, also will die Parteispitze der Linkspartei nicht mit ihr paktieren.

Welche Rolle spielte Lafontaine dabei? Es wurde immer wieder gemunkelt, er habe sie zur stellvertretenden Parteivorsitzenden promovieren wollen. In Hintergrundgesprächen sagten Parteifunktionäre das exakte Gegenteil - demnach grauste es Lafontaine vor einem Machtzuwachs der Kommunistin. Sahra Wagenknecht selbst hält sich bedeckt. Auch auf mehrfache Nachfrage will sie ihr Verhältnis zu Lafontaine nicht erläutern. Sie will nicht über Personen sprechen. Sondern über Inhalte. Natürlich.

Die Inhalte: Wagenknecht hält den bundesrepublikanischen Kapitalismus für Ausbeuterei. Sie sagt, die DDR sei das sozialere System gewesen. Wäre sie an der Regierung, würde sie Industrien verstaatlichen, darunter die Energieunternehmen. Eine staatlich gelenkte und strikt regulierte Wirtschaft scheint ihr bessere soziale Perspektiven zu versprechen als die soziale Marktwirtschaft. Sind ihre Vorstellungen noch im Rahmen des Gundgesetzes? Sahra Wagenknecht beteuert nicht nur, dass es so sei. Sie sagt, die Linkspartei sei die einzige verfassungstreue Partei, alle anderen würden das Sozialstaatsgebot mit Füßen treten. Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) sieht das anders. Als er den Verfassungsschutzbericht vorstellte, sagte er, man müsse die Linkspartei auch künftig von Verfassungsschützern beobachten lassen. Ein Grund: Sahra Wagenknechts "Kommunistische Plattform".

 
 
KOMMENTARE (10 von 26)
 
Administrator (26.05.2008, 10:23 Uhr)
@klaus-dieter
Lieber User,
wir haben keinen Kommentar von Ihnen gelöscht.
Der erste Beitrag vom 24.5., 08:51, ist sichtbar.
Viele Grüße,
Ihre stern.de-Admins
klaus-dieter (24.05.2008, 14:53 Uhr)
Der Stern ist wirklich BRAUN
Mein Kommentar, er war der erste, wurde rausgenommen...........ich hatte Frau Sahra nach China eingeladen, um ihre Ideen zu verwirklichen..........in diesem SCHEIXX Deutschland wird alles zensiert, auch so eine billige Zeitschrift wie STERN.
Pamela_1971 (24.05.2008, 13:29 Uhr)
@ sublucem
Sie haben Recht - das ganze ist eigentlich völlig off-topic. Aber Nazis schaffen es, von jedem beliebigen Thema irgendwie über drei Ecken auf ihre beiden Hauptthemen: "die Ausländer", oder "die Juden" zu kommen ;-)
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"Es ist halt immer nur das Gleiche/Einmal erzählen würde reichen/ Tja, die Menschen, die nur ein Thema haben/Stellen keine Fragen/Stellen niemals Fragen".
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(BUT ALIVE, "Menschen die nur ein Thema haben").
mupfeline (24.05.2008, 13:26 Uhr)
@Sublucem
LOL - musst Dich nicht entschuldigen. Ich bin Inländerin - ich entschuldige mich auch nicht für alles.
Zurück zum Artikel. Es geht darum dass Frau Wagenknecht die Industrien verstaatlichen möchte - hatten wir schon, endete in einer großen Pleite. Sie möcht Deutschland aus der Nato rausholen und strikte Neutralität verordnen - finde ich erst Recht nicht gut. Eingebunden in die Nato bedeutet auch "keinen Blödsinn" mehr zu machen. Und das ganze sozialpolitsche Programm dass die DDR aufgelegt hatte und das Frau Wagenknecht so toll findet war schlicht und einfach eine gigantisch überblähte Seifenblase die platzte weil nicht finanzierbar.
Der Sozialismus und der Kommunismus von Frau Wagenknecht stellen m. E. das WIR in den Vordergrund und in den Mittelpunkt. Der Mensch ist aber ein Einzelwesen und wird zuerst das ICH in den Mittelpunkt stellen.
Pamela_1971 (24.05.2008, 13:10 Uhr)
@ German_by_nature
Lustig: Sie fordern hier offen einen "nationalen Sozialismus", betrachten es aber als "diffamierend", wenn sie als Nazi bezeichnet werden.
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Was Sie da schreiben, ist leicht zu widerlegen: Die miesesten Lohnbedingungen gibt es in Deutschland bekanntlich in Landstrichen, in denen es so gut wie gar keine "Ausländer" gibt, vor allem in Ostdeutschland. Da liegt der MigrantInnenanteil z.T. im Promillebereich, und das ist das deutsche Lohndumping-Paradies Nr. 1, wo die Bezahlung z.T. nur die Hälfte des Lohns in Westdeutschland beträgt, wo es wiederum einen um ein vielfaches höheren MigrantInnen-Anteil gibt. Es gibt also überhaupt keinen Zusammenhang zwischen Lohnniveau und MigrantInnenanteil.
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Aber, was wollen Sie damit eigentlich überhaupt andeuten? Dass McDonalds höhere Löhne zahlen würde, wenn es keine "Ausländer" gäbe?
Sublucem (24.05.2008, 13:03 Uhr)
Erklärt mir eines
Wie schaffen wir es, von der "Linken" in Richtung "Ausländer" zu kommen - und zwar regelmäßig wenn es um Politik geht? Ich bin Ausländer, muss ich mich jetzt für alles, was geschieht, entschuldigen?
German_by_nature (24.05.2008, 12:33 Uhr)
@ Pamela
Erst einmal habe ich "eine nicht unwesentliche Verantwortung" geschrieben.
Migranten, speziell schlecht ausgebildete "Neuankömmlinge" haben gar keine andere Wahl als sich dem kapitalistischem System billigst anzubieten. Beispiel: Man möge sich einmal mit offenen Augen die kulturelle Vielfalt bei einigen Fast-Food Ketten mit amerikanischen Ursprung anschauen. Wer glaubt tatsächlich das es Zufall ist, dass kaum Deutsche dort arbeiten. Gleiches gilt im Bereich der Gebäudereinigung. Auch dort herrscht eine überproportionale kulturelle Vielfalt, auch Zufall? Das Bild auf deutschen Baustellen, wirkt auch eher wir der Turmbau zu Babel, ist das auch Zufall?
Und wie ich schon sagte, diese Metapher mit den wandernden Arbeitsameisen ist nicht diskreditierend, sondern versinnbildlicht was das globale Kapital mit Arbeitern macht. Ein gutes Beispiel ist z.B. China - hier sind es zwar chinesische wandernde Arbeitsameisen - aber auch folgt der einfache Arbeiter dem Druck und der Verlockung des Kapitals um entsprechend ausgebeutet zu werden.
Und um diesen entgegen zuwirken bedarf es eines nationalen, demokratischen Sozialismus.
Die permanente Diffamierung als Nazi nutzt sich langsam ab.
Pamela_1971 (24.05.2008, 12:32 Uhr)
@ mupfeline
Ich habe das Thema "migrantische Ameisen" nicht auf den Tisch gebracht - sondern "German by nature". Ich habe dazu nur etwas geschrieben, weil ich, die immerhin selbst zur Hälfte migrantische Vorfahren hat und zahlreiche migrantische Freunde/Freundinnen, hier derartige rassistische Hetze nicht unwidersprochen hinnehmen kann und will.
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Zur Linkspartei kann man stehen wie man will, ich werde bestimmt niemanden der/die einfach nur die Linkspartei ablehnt, als Nazi bezeichnen. Ich bin ja schließlich kein Mitglied o.ä. dieser Partei, sondern stehe ihr einfach nur aufgrund derer sozialpolitischen Tendenz inhaltlich näher als CDU, CSU, FDP & Co.
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Aber wer hier im Stern-Forum notorisch Nazi-Propaganda betreibt, und keine Gelegenheit auslässt um rassistische Stimmung zu machen, ausländerfeindliche Hetze zu verbreiten, und sogar für die NPD penetrant Wahlwerbung zu machen, den darf man wohl mit gutem Recht als dass bezeichnen, was er/sie nunmal ist. Gemeint war damit nur und ausschließlich der/die NutzerIn "German by nature".
mupfeline (24.05.2008, 12:15 Uhr)
@Pamela71
Geht es in diesem Artikel eigentlich nicht um Frau Wagenknecht und ihre abstrusen Ideen!? Aber natürlich ist es praktischer alle die nicht für die Linken sind als Nazis abzustempeln und in die rechte Ecke zu stellen. Was für eine jämmerliche Vorstellung von Demokratie und Meinungsfreiheit ist das eigentlich?
Nun, ich kann mit Fug und Recht sagen ich habe, nein ich hatte, 35 lange Jahre Gelegenheit die Linken zu erleben - als DDR-Bürgerin blieb mir nichts anderes übrig. Mein Fazit über diese politische Gruppierung und deren "Repräsentanten": Ich würde diesen Leuten noch nicht einmal das Datum glauben - geschweige denn etwas anderes!
arniston (24.05.2008, 11:35 Uhr)
wo ??
wo ist mein artikel geblieben,
schade nach schröder und die fischer bleibt , dachte ich, keine schande offen,auch mein wort nicht, dachte ich
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