30. Oktober 2012, 07:30 Uhr

Kuhns Triumph beflügelt Grüne

Lokal handeln, bundesweit Erfolg haben: Fritz Kuhns Sieg in Stuttgart lässt die Grünen in der Wählergunst steigen. Schwarz-Gelb und Rot-Grün liegen damit nun gleichauf - obwohl die SPD schwächelt.

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Sein Erfolg hat eine positive Wirkung über Baden-Württemberg hinaus: Fritz Kuhn, neuer Oberbürgermeister von Stuttgart©

Der Wahlsieg der Grünen bei der Oberbürgermeisterwahl in Stuttgart beschert der Partei auch bundesweit einen Sympathieschub. Im stern-RTL-Wahltrend steigen die Grünen im Vergleich zur Vorwoche um 3 Punkte auf 15 Prozent. Es ist ihr bester Wert seit acht Monaten. Die SPD, die beim zweiten Wahlgang in Stuttgart nicht mehr angetreten war, fällt in der bundesweiten Stimmung um 1 Punkt auf 26 Prozent. Sie liegt damit wieder auf dem Niveau vor der Nominierung von Peer Steinbrück zum Kanzlerkandidaten. Auch die Linke verliert 1 Punkt, sie rutscht auf 8 Prozent.

Die Werte der übrigen Parteien bleiben stabil. Der Union wollen unverändert 38 Prozent der Wähler ihre Stimme geben, der FDP erneut nur 3 Prozent, den Piraten 5 Prozent. Auf "sonstige Parteien" entfallen 5 Prozent (-1).

Mit jeweils zusammen 41 Prozent liegen Union und FDP sowie SPD und Grüne in der Wählergunst gleichauf.

SPD leidet unter starken Grünen

Nach Ansicht von Forsa-Chef Manfred Güllner hat unter dem Erstarken der Grünen vor allem die SPD zu leiden. Dem stern sagte er: "In Baden-Württemberg muss die SPD aufpassen, dass sie als Juniorpartner der Grünen nicht unter die Räder kommt. In Stuttgart ist sie schon fast nicht mehr existent." Auch bundesweit müsse die SPD achtgeben, dass sie sich nicht zu sehr mit den Grünen "verbrüdere und verschwestere". Sonst wählten viele lieber gleich das Original. Unions-Wähler würden dagegen nicht zu den Grünen überlaufen. Güllner: "Bundesweit gibt es diesen Trend nicht. Auch in Stuttgart bekam die CDU ähnlich viele Stimmen wie bei der letzten Landtagswahl."

Bei den Grünen selbst trudeln dieser Tage die Abstimmungsbriefe der Basis ein. Die 60.000 Mitglieder sind aufgerufen, das Spitzenduo für die kommende Bundestagswahl zu bestimmen - und damit auch den Kurs der Partei festzulegen. Zur Wahl stehen neben den Fraktionschefs Jürgen Trittin und Renate Künast auch Parteichefin Claudia Roth, Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt sowie elf weitere, weniger bekannte Grünen-Politiker. Vom kommenden Sonnabend an sollen die Stimmen ausgezählt werden.

Trittin gilt als unangefochten. Nach einer stern-Umfrage würden die Bundesbürger an seiner Seite am liebsten Renate Künast sehen, 28 Prozent der Befragten sprachen sich für sie aus. Claudia Roth ist ihr mit 25 Prozent dicht auf den Fersen. 16 Prozent erklärten, Katrin Göring-Eckardt sei als Spitzenkandidatin am ehesten geeignet. Bei den Wählern der Grünen ergibt sich eine ähnliche Rangfolge: Hier sind 44 Prozent für Künast, 32 Prozent für Roth und 18 Prozent für Göring-Eckhardt. Spätestens am 9. November will der Parteivorstand das Ergebnis der Urabstimmung bekanntgeben. Auf der Bundesdelegiertenkonferenz vom 16. bis 18. November in Hannover könnte das Spitzenteam dann offiziell gekürt werden.

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Matthias Weber
 
 
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