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25. Januar 2010, 07:38 Uhr

Der faulige Atem des Arbeitsmarkts

Der Fall Schlecker hat gezeigt, wie manche Unternehmer Leiharbeit dazu missbrauchen, Lohndumping zu betreiben. Lobbyisten bemühten sich in Anne Wills ARD-Talkrunde um Schadensbegrenzung. Von Roman Heflik

Anne Will, Schlecker, Gerster, Arbeitsplätze, Lohndumping

Keine Antwort auf die Frage "Faire Arbeitsplätze Fehlanzeige?": Anne Will© ARD/NDR

Atmen, das ist ein schönes Wort. Da denkt man an: mal tief Luft holen, sich entspannen, einfach mal leben. Daran dachte wohl auch Florian Gerster, ehemaliger Chef der Bundesagentur für Arbeit. Gerster ist heute Präsident des Arbeitgeberverband Neue Brief- und Zustelldienste und damit Chef-Lobbyist für private Niedriglohn-Postdienste wie PIN und TNT. Die Leiharbeit, erklärte Gerster den anderen Talkgästen von Anne Will gleich mehrmals, sei nötig für den "atmenden Arbeitsmarkt". In Boom-Zeiten könnten Arbeitgeber schnell und unkompliziert Mitarbeiter einstellen, die sie nach getaner Arbeit wieder zu ihren Leiharbeitsfirmen zurückschicken könnten. Einatmen, ausatmen. Das klingt ruhig und friedlich, so ganz anders als der Titel der Sendung, "Methode Schlecker - Faire Arbeitsplätze Fehlanzeige?"

Da konnte Achim Neumann, bei der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi für Schlecker zuständig, nur den Kopf schütteln: "Was bei Schlecker gerade passiert, hat aber mit einem atmenden Arbeitsmarkt nichts zu tun." Auch Schlecker beschäftigt Leiharbeiter: Zuerst feuerte das Unternehmen Hunderte Mitarbeiter, um sie dann über eine zuvor selbst gegründete Leiharbeitsfirma zu schlechteren Konditionen wieder einzustellen.

Ex-Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin ging die Leiharbeitsfirmen aggressiv an: "Theoretisch mag Zeitarbeit der Abfederung von Produktionsspitzen dienen. Aber in Wirklichkeit wird damit Schmutzkonkurrenz nach unten betrieben." Die Arbeitgeber würden die niedrigen Stundenlöhne und den schwachen rechtlichen Status der Leiharbeiter bloß missbrauchen, um damit ihre Stammbelegschaft unter Druck zu setzen.

"Problematisches" Verhalten von Schlecker

"Problematisch" sei das Verhalten von Schlecker, räumte der sonst so schneidige Gerster ein. Und wagte sogar die Aussage: "Ein Unternehmer, der auch in normalen Zeiten Leiharbeiter oder geringfügig Beschäftigte nimmt, statt Personal einzustellen, ist ein schlechter Unternehmer."

Schließlich durfte auch Peter Mumme, Präsident des Arbeitgeberverbandes Mittelständischer Personaldienstleister (AMP) zu Wort kommen. Von den Vorgängen bei Schleckers Leiharbeitsfirma Meniar, bis Dezember Mitglied im AMP, will Mumme erst aus den Medien erfahren haben. Sein eigenes Zeitarbeitsunternehmen habe schon tausende Menschen mittels Zeitarbeit in gute Arbeit gebracht, bei ihm würden Mitarbeiter menschlich behandelt werden: "Das Wort Leiharbeit vermeide ich, ich spreche lieber von Mitarbeitern."

Einen Knacks bekam diese Menschlichkeit allerdings durch einen kleinen eingespielten Beitrag. Da wurde aus einem Schreiben zitiert, das Munnes Unternehmen an entliehene Mitarbeiter gerichtet hatte und das sich wie ein Drohbrief liest: Jeder solle sich klarmachen, heißt es, dass der "Missbrauch von Krankenscheinen" und das Verweigern von Überstunden die Gefahr von Arbeitslosigkeit vergrößere. Mumme geriet sichtlich ins Schwimmen: Der Ton des Schreibens sei wohl falsch gewesen, gab er kleinlaut zu. Aber bei besagtem Projekt sei der Krankenstand einfach zu hoch gewesen.

Nur eine Richtung für Leiharbeiter-Löhne

Florian Gerster bat, man möge doch bedenken, dass Leiharbeit Arbeitsplätze geschaffen habe: Zwei von drei Leiharbeitern vorher arbeitslos gewesen seien. Außerdem, so Gersters These, verhindere die Leiharbeit, dass Druck auf die Stammbelegschaften und auf deren Kündigungsschutzregeln ausgeübt werde. Die Leiharbeitsfirmen als Retter der festen Stellen?

Doch während die Zuschauer noch auf diesem Argument zu kauen hatten, schoss sich Gerster argumentativ selbst ins Bein. Er hatte nach einem Beleg für das doppelbödige Spiel der Gewerkschaften gesucht: Einerseits würden sie Zeitarbeit nach außen ablehnen, andererseits selbst aktiv fördern, beschwerte sich Gerster. So habe beispielsweise die IG Metall die Produktion des Touran in Deutschland halten wollen und dafür auf dem Werksgelände gewissermaßen ein eigenes Werk gegründet, in dem 20 Prozent niedrigere Löhne gezahlt worden seien. Gersters Beispiel ist kein Ruhmesblatt für die Gewerkschaft, doch sie zeigt eben auch - je leichter es wird, Leiharbeiter in einer Volkswirtschaft einzusetzen, desto eher kennen die Löhne nur eine Richtung: abwärts. Man könnte auch sagen: Unter dem enormen Lohndruck nach unten atmet der Arbeitsmarkt nur noch faulige Luft aus, und keine frische mehr ein.

Darauf hätte man Gerster durchaus festnageln können oder auch darauf, was ein Leiharbeiter nun eigentlich verdienen soll – hätten sich Will und ihr Team nicht so viel vorgenommen. Wie bei jeder Sendung wurde ein Betroffener interviewt, ein 26-jähriger ehemaliger TNT-Briefträger, der zwar kein Zeitarbeiter war, sich aber bei einem Stundenlohn von 7,60 Euro auch ausgebeutet fühlte und deswegen gekündigt hatte. Perspektive: Arbeitslosigkeit. Dann peitschte die Redaktion noch zwei Einspieler-Filme über Gewerkschaften und deren Lohnforderungen sowie über preisbewusste Konsumenten durchs Programm. Fazit: Irgendwie scheinen alle irgendwo ein bisschen an den Missständen und Ungerechtigkeiten im Arbeitsmarkt mitschuldig zu sein.

Was das nun noch mit Schlecker und Leiharbeit zu tun hatte, darüber dürften allerdings nur die wenigsten Zuschauer den Überblick behalten haben. Und die Frage, wer denn nun wie für faire Arbeitsbedingungen sorgen könnte, bleibt wohl fürs Erste weiter ungeklärt.

Von Roman Heflik
 
 
KOMMENTARE (10 von 64)
 
Ironiko (27.01.2010, 10:50 Uhr)
Herr Mumme
Ich habe 20 Jahre in leitender Position in der Zeitarbeit gearbeitet. Die Auswirkungen der Deregulierung der Zeitarbeit habe ich "hautnah" miterlebt. Zu den Äußerungen des Herrn Mumme:
1.
In seinem Unternehmen gibt es Mitarbeiter die das 10 jährige Jubiläum feiern.

Gratulation, Herr Mumme, aber widerspricht das nicht dem eigentlichen Sinn der Zeitarbeit? Diese war zur WIEDEREINGLIEDERUNG von Arbeitssuchenden und zur ÜBERBRÜCKUNG von Arbeitslosigkeit gedacht! Sollte das wirklich 10 Jahre und länger dauern???
2.
In Frankreich übernehmen die Zeitarbeitsfirmen keine Arbeitgeberpflichten - die Leiharbeiter werden Einsatzbezogen eingestellt. Nach Beendigung des Einsatz sind sie arbeitslos. Nur deshalb erhalten die Leiharbeitnehmer in Frankreich 15% mehr Lohn wie die Festangestellten.

Zu Ihrer Information, Herr Mumme : Genau so läuft das hier in Deutschland. Die Leiharbeitnehmer werden zum großen Teil mit befristeten Verträgen eingestellt. Die arbeitsvertragliche Vereinbarung : "das Arbeitsverhältniss ist befristet bis zum ??.??.?? und endet spätestens mit Beendigung des Einsatzes bei Firma SOWIESO", ist für Sie, Herr Mumme, mit Sicherheit nichts Neues! Sollte es dennoch vorkommen, das ein Leiharbeiter keinen Einsatz hat und das Arbeitsverhältniss versehentlich nicht sofort aufgelöst werden kann, muss der Leiharbeitnehmer seine Gleitzeitstunden abbauen oder seinen Urlaub nehmen. Die Verpflichtung zur Bezahlung von WARTEZEIT ist für die Zeitarbeitsunternhemen mit den Arbeitsmarktreformen ab 2004 aufgehoben worden!

Ich könnte endlos weitermachen. An dieser Stelle nur soviel : Das was SCHLECKER macht ist in den Industriebetrieben schon längst normal. Kein Gesetz spricht im Moment dagegen.

Ich bin aus der Zeitarbeitsbranche ausgestiegen. Im April wird mein Buch DER TAGELÖHNER veröffentlicht. Da pack ich aus was in der Branche wirklich abgeht!

Wollux (25.01.2010, 21:26 Uhr)
Zeitverschwendung
Ich sehe mich durch die Kommentare in diesem Blog darin bestätigt, mir die Sendungen von Frau Will und Herrn Plasberg nicht mehr anzuschauen. Die Textbausteine der Lobbyvertreter kann ich inzwischen singen und immer wenn es mal spannend wird, kommt ein Einspieler. Ich lese jetzt hier, dass sich da nichts geändert hat.

Da lobe ich mir doch schriftliche Berichte und Kommentierungen, die ich als Leser selbst wieder zitieren und kommentieren kann. Seit ich zu Hause Zugang zum Internet habe, ist mir Politik im Fernsehen in der Regel zu langatmig und zu sprunghaft, und ich vertue nur meine Zeit in der Hoffnung das da noch was interessantes oder brauchbares kommt - und meistens kommt da eben nix!
Daisan (25.01.2010, 20:07 Uhr)
Sehr geehrter Administrator,
wenn Sie sagen, daß meine Form der Darstellung aufgrund der gewählten Adjektive sinngemäss "beleidigend" hart ist, so haben Sie formal Recht. Das ist eine Seite der Medaille. Die andere ist, daß Herr Gerster auffällig oft ein Forum in den Medien zur Verfügung gestellt bekommt, in denen er (ich verzichte jetzt auf Adjektive!) vor allem durch die Journaille selbst nur schwach bzw. nicht widersprochen fast ungehindert seine Sicht der Dinge zum Besten gibt - die sich immer wieder bestenfalls halbwahr und (freundlich ausgedrückt) als unzutreffend erweist.

Es tut mir leid, daß ich nicht anders kann, als die Adjektive zu nennen, die Sie so anstössig fanden - aber jemand, der bestversorgt als Industrielobbyist von oben herab den Leuten predigt, 6 Euro Lohn in der Stunde würden nicht als Armut gelten und (sinngemäss) zumutbar, kann sich nur (sofern die Menschen, denen er das erzählt, nicht bereits hirntot sind) Unmut, Widerspruch und wütende Reaktionen einhandeln.

Ich gebe im übrigen auch Ihnen, den Medien ein nicht unerhebliches Maß an Schuld, daß der neoliberale Ungeist das gesellschaftliche Klima besonders in den letzten 15 Jahren so sehr vergiftet hat.

Medien haben eine hohe Wirkungsmacht und diese haben sie (auch der Stern) willfährig in die Dienste der neoliberalen Sache gestellt. Die Ergebnisse sind bekannt - Deutschland hat sich in den letzten Jahren zum Schlechteren verändert. Und das nicht, weil auf einmal die Menschen schlechter geworden wären, sondern weil die sogenannten "Eliten" mit unsäglich schlechtem Beispiel vorangehen.

Vielleicht müssen wir gar nicht mehr solange darauf warten, daß die Leute einfach mal kollektiv 4 Tage zuhause bleiben. Keiner erscheint zur Arbeit, alles ist ruhig und jeder sagt sich einfach mal: "Heute nicht." Ein ganzes Volk kann die Obrigkeit aus Regierung und Wirtschaft nicht entlassen, aber das Volk die Obrigkeit.

Natürlich klingt das erst mal unwahrscheinlich, aber man muss wissen daß viele etwas zu verlieren haben.
Solange sie noch nichts verloren haben, halten sie still, aber sobald sie etwas verloren haben ist es mit der Stille vorbei.

Da wird von Seiten der Obrigkeit ein riskantes Spiel gespielt, denn es trifft nicht nur die ungebildeten, sondern inzwischen auch Leute aus der Mittelschicht, gut ausgebildet, mit Häuschen oder Eigentumswohnung Frau und Kind(ern).

Gerster und Konsorten sollten nicht unterschätzen wie negativ seine Parolen bei nicht unerheblichen Teilen der Bevölkerung ankommen.

Eingedenk dessen sind die gewählten Adjektive durchaus verwendbar, aber aus Gründen der "Forenhygiene" werde ich mich diesbezüglich ein wenig zurückhalten.

Beste Grüsse

Daisan
Louyi (25.01.2010, 19:38 Uhr)
die karawane zieht weiter - Nachtrag
auch das "Handelsblatt" nimmt nun zu der Sendung Stellung ?immerhin.
http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/schlecker-bei-anne-will-denn-sie-wissen-nicht-was-der-andere-meint;2518166
....und die sogenannten ?diesmal nicht vorhandenen wirtschaftshörigen, Superliberalen ?alles dem staunenenden,offensichtlich von Betriebswirtschaft nichts verstehenen Laien erklärenden Überguru - Wirtschaftsexperten, zugunsten Gerster, Mumme, Henkel, Hundt; Rogwowski und Co. und ihren vordersten Fürsprecher und Lobbyisten ?Namens H.W.Sinn, (IFo Instit.) blieben vorsorglich in ihrem Schützengraben.

Wenigstens gibt?s für alle solcher Spezies auch irgendwann mal einen richtigen Dämpfer. Wenn möglich am effizientesten demnächst -wenn nicht schon jedem Bürger/Arbeitnehmer der Idealismus und der Schneid billig abgekauft ?auf der Strasse! Die letzten Wahlen hat leider nur die Falschen ermuntert ? so weiterzumachen und die Wirklichkeit beschwichtigen wie bisher.

http://www.fh-wuerzburg.de/professoren/bwl/brodbeck/sachzw.pdf

Gute Nacht deutschland ?schon verdächtig nahe einer Bananenrepuplik. Wenn nicht schon mittendrin.

http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/nabu-auszeichnung-dinosaurier-ueben-sich-in-solidaritaet;2518203
dreicon (25.01.2010, 17:14 Uhr)
@Turmsicht (25.01.2010, 16:52 Uhr)
Eine Frage möchte ich gerne aus meiner Sicht beantworten.

Die Preisgestaltung unserer Modernen wurde mit Sicherheit nicht zum Wohle des Verbrauchers so organisiert. Betreiber von "Tante-Emma-Läden" jeder Sparte versuchten nicht, sich Wettbewerbsvorteile durch Kostensenkung um jeden Preis zu verschaffen.

Nein, es waren die Verdrängungsstrategien derer, die dem Einzelnen den bescheidenen Erfolg nicht gönnten. Es war nicht mehr erwünscht, daß sich die Gesellschaft autark versorgte. Konzentration durch Übernahmen, Wachstum um jeden Preis sollten die Gesellschaft letztlich abhängig von den Anbietern machen. Und dies ist gelungen. Nicht zuletzt die idiotischen Öffnungszeiten im Einzelhandel, welche ebenfalls nur Verdrängungsinstrumente waren, offenbaren diesen wirtschaftspolitischen Unfug.

Es ist nicht so, daß der Geiz der breiten Masse für einen angeblich immer geringeren Spielraum für Entlohnung verantwortlich ist. Wenn heute vorhanden, dann wurde er vielen als "Werbegag" aufgeschwätzt. Heute sind wir soweit, daß eine angenommene Bereitschaft, auch mehr zu bezahlen, ausschließlich der Gewinnmaximierung, und nicht der Entlohnung zu Gute kommen würde.
dreicon (25.01.2010, 16:55 Uhr)
Die Verarmung breiter Bevölkerungs-
schichten durch Zeitarbeit, Lohndumping usw. widerspricht elementarsten Regeln des Wirtschaftens. Wurde früher von "Wirtschaftskreisläufen" gesprochen, werden heute gerne "Einbahnstraßen" befahren.

Wenn die eigene Bevölkerung pekuniär nicht mehr in der Lage ist, den Absatz der heimischen Anbieter zu gewährleisten, muß der Export dies richten.

Glaubt jemand, daß dies bis in alle Ewigkeit funktioniert? Und was dann, wenn der Punkt erreicht ist?

Ach so, dann werden die heutigen "Wirtschaftslenker" nicht mehr hier sein. Lassen wir es also unsere Kinder, Enkel und Urenkel ausbaden. Hauptsache unser Shareholder Value floriert.

Früher ging die Menschheit sorgsamer mit Ihrer Zukunft um.
Turmsicht (25.01.2010, 16:52 Uhr)
Anne Will verliert den Durchblick
Irgendwie schafft es die Moderatorin einfach nicht, bei schwierigen sozialpolitischen Themen die entscheidenden Punkte für den Zuschauer so aufzubereiten, dass aus einem niveaulosen Talk eine sinnreiche Veranstaltung wird. Das fängt schon mit der Auswahl von Diskutanten und Gästen an. Dabei wird es immer mehr Mode, ausgewiesene Lobbyisten anzuheuern, die an einer sachlichen Diskussion überhaupt kein Interesse haben. Manchmal fehlt ihnen einfach auch die charakterliche Eignung. Ausgerechnet Florian Gerster, geschasster Präsident der Agentur für Arbeit, unsauberer Abrechnungen verdächtigt, bekannt für Geldgier und Luxus, soll zu drängenden politischen Fragen unserer Gesellschaft Stellung nehmen. Schon im letzten "Hart aber Fair" überließ Plasberg die Schleichwerbung dem Ex-Betrüger Schneider, der sich dem Publikum als kompetenter Bauberater vorstellen durfte, der nach wie vor sehr gefragt sei. Das alles hat mit ernsthaften Polit-Talk wirklich nichts mehr zu tun, und die Öffentlich-Rechtlichen haben allen Grund, ihre Formate von Grund auf zu renovieren. In der aktuellen Form tragen sie nur zur Volksverdummung und weiterem Politikverdruss bei - vielleicht sogar gewollt?
Louyi (25.01.2010, 16:49 Uhr)
Die Karawane zieht weiter Herr F.Gerster und Co?
Wollte man bei Anne Will nicht über die (vielfältigen) Ausbeutungsmethoden von Schlecker ?damit zum Multimilliardär geworden, reden? Jetzt erst, weil dieser Feudal Discounterfürst ? noch eine Nummer mehr draufsattelte als seine Gesinnungsgenossen Aldi,Lidl,KIK und Co. Mit seiner perfiden Outsourcing Zeitarbeitsfirma -Variante jetzt den Bogen überspannte? Nun ist ist dieser mal wieder aufgefallen! Seit vielen Jahren ist dieser skrupellose Unternehmer mit Mitarbeiterschickanen und Arbeitsrechts-Verletzungen in den Schlagzeilen. Der Drogerie-Discounter- Patriarch wurde bereits im Jahre 1998 per Strafbefehl durch das Stuttgarter Landgericht zu einer Freiheitsstrafe von je zehn Monaten auf Bewährung und zu einer Geldstrafe in Höhe von einer Million Euro verurteilt, weil den Schlecker-Beschäftigten vorgetäuscht worden war, sie würden nach Tarif bezahlt werden. Tatsächlich lagen die Löhne niedriger, was das Gericht als Betrug wertete. siehe:
http://daserste.ndr.de/panorama/media/panoramaschlecker100.pdf

http://daserste.ndr.de/panorama/media/panoramaschlecker100.pdf

http://de.wikipedia.org/wiki/Anton_Schlecker
Inwischen sind die Methoden weit verbreitet. Die Discounter-Variante MA Auslagerung in Zeitarbeitsfirmen ist nur eine weiteres perfides Bausteinchen noch mehr zu verdienen. Davon gibts immer mehr Unternehmen. Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern- der Gesellschaft gleich Null. Wieso auch ? neo- Superkapitalismus ist In in Deutschland. Und die die nichts mehr haben ?bereits in H4 sind lt. deren Verteidiger nur neidisch. Diese Strategie scheint zu funktionieren. Lidl, Aldi, KIK, inkl. Schlecker ?und viele Billig- Effizenz Nachahmer und ihre PR Lobbyisten sagen einfach danke, expandieren dieses System mit tausenden von Läden weiter wie bisher. So generiert man zu einem der reichsten Menschen Deutschlands bzw. des Globus.
http://www.meudalismus.dr-wo.de/

Florian Gerster und seinesgleichen (ex Wi-Mi. Clement war der gleiche ?jetzt bei Adecco ZA- Unternehmen) versuchen wieder alles kleinzukochen. Die Wirklichkeit in unserer Arbeitswelt sieht längst anders aus als diese Polit Vips wahrnehmen wollen. Soche Läden wie Schlecker und Co. gehören längst dicht gemacht. Den Unternehmen- i.d.R. meist große Konzerne und Multimilliardär ?Patriarchen inkl. ihr Unternehmens-Konzept- deren prozentualen Personalkosten von gerade 4 -8%)(siehe Infos) überprüft. Diese Unternehmen wissen genau warum die Löhne und Arbeitsbedingungen so mieß sind.
In Deutschland kann man offensichtlich ohne Probleme mit einfachsten Mitteln und undurchsichtigen, skupelosen Unternehmenskonzepten ein Unternehmen gründen, das so ausgelegt sind ? dass diese mit Arbeitssklaven ähnlichen Zuständen, imensen Druck, geringsten Personalkosten ?am besten noch für Umsonst (durch unbezahlte Überstunden ?indirekte H4 -Zuschüsse Transferleistungen/ des Staates inkl. externe Zeitarbeitsunternehmen ) betriebswirtschaftlich einkalkuliert sind, um am Markt (gut) existieren zu können. Also zuende gedacht, (mit etwas Startkapital) am schnellsten, ohne Verantwortung und Moral, der richtige Zeitpunkt, der Politiker und deren Lobby ala Gerster und Co. der rekrutierten blauäugigen MA, ausschließlich auf deren Kosten reich zu werden. Wenn das die ?innovativen? StartUp-Unternehmen TNT, Pin und Co,ect.) sein sollen, als einen guten, fairen Arbeitsplatz ?ohne Ausbeutung zu finden;dann gute Nacht Deutschland. Das unerschöpfliche Reservour von Arbeitslosen in unserem Land macht es leider möglich. Zeitarbeiter sind nebst den schlechten Löhnen übrigens die Ersten die auch ohne soziale Absicherung ganz flexibel wieder entlassen werden. Siehe dazu ein Selbsterfahrungsbericht eines investigativen Journalisten während eines ganzen Jahres:
http://www.buecher.de/shop/fachbuecher/arm-durch-arbeit/breitscheidel-markus/products_products/detail/prod_id/23836711/
Wenn es auch jeder Politiker abstreitet, der Staat ist aus diesen Gründen von solchen Unternehmen ab einer bestimmten Größe X erpressbar geworden. Dafür gibt?s immer mehr Firmen egal zu welchen Bedingungen mit Stundenlöhnen von. 4 ?6 Euro - Hauptsache die Arbeitslosenstatistik und das Geschwafel über die Menge von Firmengründungen, bzw. des Stopps der Unternehmenspleiten stimmt. Unter welchen Voraussetzungen scheint nicht zu interessieren - obwohl schon längst (wie beim Bankencrash) Systemrelevant !

Ach ja übrigens Herr Gerster - Mumme und Co.:
Geiz macht arm > (und Zeitarbeit auch)
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-38546660.html

Ob mit Zeitarbeitsfirmen -ohne Auftragsspitzen oder mit -
es fragt sich was zuerst da war - das Lohndumping.die Ausbeutung der MA in Unternehmen, der Gier und Unmoral und dann die Verbrauchergier weil nichts mehr verdient wird -oder genau umgekehrt. Ich denke mal ersteres mit absoluter Sicherheit -der Konsument gleichzeitig auch meist Arbeitnehmer wurde ledichlich dazu benutzt und manipuliert zugunsten des Warenabsatzes und Überflusses. bei dem immer die gleichen profitieren.

Solche Diskussionen im Fernsehen haben leider viel zu wenig ernsthaft mit allem Nachdruck den Kern des komplexen Problems in Deutschland im Auge ? ist eher Entertainment- und die Karawane zieht weiter. Die ernsthaften Diskussionen und Aktionen für Veränderungen sind ganz irgendwo anders. Schade ?in Anbetracht der Möglichkeiten des Massenmediums Fernsehen. Denn auch in diesem Genre ist nicht alles Gold was glänzt.

@ endbenutzer
gebe Dir Recht.
Friedmann ist zwar bei der CDU ...aber er redet Tacheles.. und sei es gegen die Überzeugung und Meinungsmache und Verdummungstaktik gegen die Bürger von seine eigenen Parteigenossen. Von ihm sollte es mehr (im Fernsehen) geben ?statt Einheits gesülze und friede Freude Eierkuchen von A.Will und Co.
http://mediencenter.n24.de/?deepLink=screen/listScreen/search/Studio%20Friedman

http://www.scribd.com/doc/20259510/Die-Dilettanten-Wie-unfaehig-unsere-Politiker-wirklich-sind-08-2009
laketahoe (25.01.2010, 16:05 Uhr)
Weichspülgang mit Will
Den wirklich großen und wichtigen Thema ist Ane Will aus meiner Sicht nicht gewachsen. Oder, Sie will es so, wie es die gestrige Diskussion mal wieder gezeigt hat. Nichts wird von A bis Z durchbesprochen, alles nur angerissen. Ubequeme Beiträge werden abgeschnitten. Ich wünschte mir für dieses und ähnlich wichtige Themen auch einen Moderator wie Michel Freidmann, der auch dann noch Tacheles redet, wenn der übliche Gegenwind der Interessenvertreter weht.

Alles andere ist verschenkte Zeit, die teuer bezahlt werden muss.

Sehr gut hier unter all den (größtenteils guten) Posts finde ich jenes, in dem richtigerweise beschrieben wird, dass Zeitarbeit, deren Fan ich gewiss nicht bin, überall anders gerecht bezahlt wird und als Instrument funktioniert. Das entspricht auch mienem Kenntnissstand. Und es deckt sich leider mit dem Bild, das ich von einem leider anwachsenden Teil der Deutschen Wirtschftsunternehmen habe: Die Kuh muss unentwegt gemolken werden, auch wenn sie schon tot ist......

Früher gehörte es zu den Tugenden, Unternehmen gut und solide (durch Nachhaltigkeit erfolgreich) zu führen. Heute werden Lieferanten und Mitarbeiter ausgequetscht .... dabei ist es aus unternehmerischer Sicht das Dümmste, mit schlecht behandelten Mitarbeitern sehr erfolgreich sein zu wollen......

Fazit: Anne Will hat schon mit ihrer Nachwahlrunde bewiesen, wie wenig Tiefgang von ihrer Redaktion offenbar gewünscht sein dürfte. Da wurde der weltbekannten Politikkoryphäe Patricia Riekel und dem beinahe Bundespräsident, Günter Jauch breiter Raum für deren Meinungen und Orakelsprüche eingeräumt...während der wirklich politische, kluge Kopf Claus Peymann, nur kurz drankam .... aber wer will denn von einer Anne Will verlangen, dass sie mit Gästen seines geistigen Kalibers richtig gut umzugehen vermag.........
whismerh2 (25.01.2010, 15:40 Uhr)
liebe admis
wenn eine Herr Gerster, nur was von angebelichen Vorteilen auf einer Talkrunde
daher redet, ohne auch auf die Nachteile
eingehen zu wollen, ist das einseitig, eiskalt und windig, da gibt es nichts zu verschönern, und wenn wie von vielen postern bemerkt, diese Verursacher über sozial schwache abfällige Aüsserungen von sich geben, wird weniger Wind darum gemacht.
Fakt ist, zur Ausnutzung der Zeitarbeit zum Wohle der Konzerne sind Türen und Tore geöffnet worden, und da ein Herr Gerster es schön Reden wie er will, er kennt die Situation und sagt bewusst die Unwahrheit, bzw. verschweigt einiges bewusst.
Aber bei seinen Bezügen ist es ja leicht über diese Ungerechjtigkeit dicke Reden zu schwingen.
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