In touch mit Steinbrück

7. August 2013, 20:32 Uhr

Die SPD läutet die heiße Phase des Wahlkampfs ein. Mit einem Zelt vor dem Hamburger Michel. Dort soll der Wähler auf Tuchfühlung mit dem Kandidaten gehen. Sagt die SPD-Generalsekretärin. Von Hans Peter Schütz

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Die Generalin und der Kandidat: Nahles verspricht, man werde im Wahlkampf einen neuen Steinbrück erleben.©

Länger als eine Stunde spricht Andrea Nahles am Mittwoch bereits über die Planung der "heißen" Phase des SPD-Wahlkampfs, doch nur einmal sind bis dahin die Wörtchen "unser SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück" gefallen. Einmal! Stimmt also, was die renommierte "Frankfurter Allgemeine Zeitung" zum Wochenauftakt behauptet hat? Dass nämlich Peer Steinbrück von seiner eigenen Partei auffallend häufig "SPD-Spitzenkandidat", aber nur selten "Kanzlerkandidat" genannt werde.

Auf die Frage von stern.de, ob das denn stimme, explodiert die Generalsekretärin beinahe. "Das ist mir noch nie selbst aufgefallen", schimpft sie, und fügt ziemlich zornig hinzu: Mit der "FAZ" muss ich doch mal ein ernstes Wort reden." Energisch betont sie: "Peer ist unser Kanzlerkandidat!" Tatsache ist, dass in den Unterlagen, die die SPD nun an die Berliner Journalisten zur Planung der jetzt beginnenden Wahlkampfphase verteilt, stets vom "Kanzlerkandidat der SPD, Peer Steinbrück" die Rede ist.

Aber die eigentliche, die zentrale Botschaft der Andrea Nahles lautet: Nichts ist verloren, wir kämpfen in bester Stimmung gegen Angela Merkel.

"Das Ding ist für Merkel noch lange nicht gelaufen"

Inhaltlich, organisatorisch und visuell tritt die SPD dabei mit neuen Konzepten an. Und im Blick darauf gibt sich Nahles optimistisch. "Die Stimmung geht nach oben. Das Ding ist für Merkel noch lange nicht gelaufen." Bekanntlich, so erklärt Nahles ihren Optimismus, entscheiden sich 30 Prozent der Wähler erst in den letzten 72 Stunden vor dem Gang an die Wahlurne, wem sie ihr Kreuzchen geben. Bei den Landtagswahlen in Niedersachsen und Schleswig-Holstein sei die Entscheidung bei den Wählern erst ganz, ganz spät gefallen. Soll heißen: Entgegen der Prognosen habe die SPD in beiden Ländern doch noch gewonnen.

Der Appell der Generalin an die Genossen passt zu dieser Linie, auf der die SPD versucht, einen bisher überaus pannenreichen Wahlkampf in seiner letzten Phase doch noch zu drehen: "Hebt Euch ein bisschen Kraft für die letzten acht Tage auf!" Sie ruft zum Wahlkampf bis 18 Uhr am Wahlsonntag auf. "Das muss bis zur letzten Sekunde laufen". Und stehe irgendwo am Wahlsonntag irgendwo ein Schützenfest auf dem Programm, dann könne man dort die Menschen noch immer von der SPD überzeugen.

Wie die Schlussphase des SPD-Wahlkampfs inhaltlich läuft, steht inzwischen fest. Zum SPD-Programm sind 10.000 Wahlberechtigte in einer Bürgerabstimmung befragt worden. Die Rangfolge der Themen, die sie für entscheidend wichtig halten. Erstens: Mindestlohn von 8,50 Euro. Zweitens: Beteiligung der Spekulanten und Banken an den Schäden, die sie in der Finanzkrise angerichtet haben. Drittens: Höhere Steuern für Reiche. Viertens: Mehr und bessere Kitaplätze statt Betreuungsgeld. Und Fünftens: Regulierung des Finanzmarkts.

"Klartext Open Air" an 19 Tagen

Daran will sich die SPD orientieren auch bei der inhaltlichen Präsentation ihres Programms, wobei sie auf ganz neue Organisationsformen setzt. Am kommenden Samstag startet SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück seine "Klartext Open Air-Tour", die ihn an 19 Abenden durch die ganze Republik führen wird. In der Regel tritt er dabei als Solist auf, mit Ausnahme einer Veranstaltung 72 Stunden vor der Wahl, bei der ihn SPD-Chef Sigmar Gabriel, Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier und der Berliner Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit begleiten.

"Klartext Open Air" läuft unter einem riesigen SPD-Schirm, der in Hamburg beispielsweise auf der Michelwiese aufgestellt wird. Darunter dürfen Bürger ohne parteipolitische Vorauswahl Platz nehmen, müssen sich eine kurze Rede Steinbrücks anhören und können ihn dann im "Dialog auf Augenhöhe" befragen. Die SPD "will damit Nähe zu unseren Spitzenpolitikern herstellen, Politik vom Sockel holen." Ziel ist auch, dass Steinbrück quer durch die Republik "regionale Fußabdrücke" hinterlässt.

"Mit dem Kandidaten auf Tuchfühlung"

Parallel dazu präsentiert die SPD eine neue Form des Straßenwahlkampfs: Statt der bisher üblichen Infostände richtet sie in 95 Wahlkreisen sogenannten "Dialogboxen" ein, wo sie Fragen der Bürger beantwortet. Damit soll der "Tür-zu-Tür-Wahlkampf" fortgesetzt werden, der nach Auskunft von Nahles "hervorragend" läuft.

Mit einem Großereignis in Berlin würdigt die SPD am 17. und 18. August in Berlin ihren 150. Geburtstag. Sie lädt ein zu einem "Deutschlandfest" in Form eines großen Open Air Festivals mit viel Musik, die von Stars wie Konstantin Wecker oder Roland Kaiser geboten wird. Wer zeitig genug kommt, kann mit Peer Steinbrück diskutieren, der wiederum auf der Haupttribüne nahe dem Brandenburger Tor reden wird. Für die Chance, mit Steinbrück "auf Tuchfühlung zu gehen", so Nahles, haben sich bereits 14.000 Interessenten zum SPD-Geburtstagsfest und zum Frühstück mit den SPD-Promis angemeldet.

"Sie erleben jetzt Steinbrück ganz anders"

Um zu belegen, dass die Bundestagswahl noch überhaupt nicht gelaufen ist, hat die SPD jetzt von der Forschungsgruppe Wahlen Analysen der politischen Stimmung erstellen lassen. Sie belegen nach SPD-Interpretation, dass es durchaus noch eine rot-grüne Chance gibt, zum schwarz-gelben Lager aufzuschließen, wenn nicht sogar dieses zu übertreffen. Nahles selbst erkennt bereits auch einen ganz neuen SPD-Kanzlerkandidaten, den sie gerne auch so nennt: "Sie erleben jetzt Steinbrück als Kanzlerkandidat ganz anders. Deutlich spürbar ist mehr Selbstbewusstsein als bisher." Sie gehe jedenfalls gerne in den Wahlkampf mit ihm.

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