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9. September 2009, 16:49 Uhr

Heute Trend, morgen Dammbruch?

Die Linkspartei hat im stern-RTL-Wahltrend dramatisch zugelegt. Wegen der Landtagswahlen, wegen Afghanistan. Aber vor allem, weil Merkel und Steinmeier nur mit Wort-Watte um sich werfen. Ein Kommentar von Hans Peter Schütz

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Oskar Lafontaine auf einer Kundgebung in Berlin© Thomas Peter/Reuters

Selbst in den Reihen der Linkspartei reiben sich viele ungläubig die Augen beim Blick auf die jüngsten Umfragen. Wir dürfen nicht übermütig werden, warnt Uli Maurer, ihr Parlamentarischer Geschäftsführer im Bundestag. Leicht wäre es ja möglich. Im stern-RTL-Wahltrend rauf um vier Prozentpunkte auf die Ziffer 14, die auch von der FDP erreicht wird. Bei der Demoskopin Renate Köcher in der FAZ zwei Prozentpunkte rauf auf 11,5.

Alles nur Luftsprünge der Linkspartei, angeregt durch ihre Wahlerfolge im Saarland, in Thüringen und Sachsen? Beflügelt durch die Sondersitzung des Bundestags zum Thema Afghanistan, wo die Linkspartei als einzige eine klare Position besetzt hält, während alle anderen Parteien sich in dieser schwierigen außenpolitischen Frage weiterhin im Niemandsland vager Stellungsnahmen bewegen?

Wähler haben Wortwatte satt

So simpel dürfen sich die konkurrierenden Parteien die Analyse nicht machen. Denn es läuft derzeit eine massive Wählerflucht in Richtung Linkspartei. Viele politisch interessierte Bundesbürger haben es satt bis obenhin, mit einem Wahlkampf ohne Leidenschaft und voller Leerformeln bedient zu werden. Noch immer nennt sich die Hälfte der Bundesbürger politisch interessiert, aber sie bekommen keine Themen mehr geliefert, an denen sich dieses Interesse festmachen könnte.

Wer sich die beiden TV-Sendungen "Wahlarena" mit Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier zugemutet hat, wurde mit Wortwatte aus dem Mund der wichtigsten Repräsentanten der beiden Noch-Volksparteien eingedeckt, denen jeder harte politische Kern fehlte. Weshalb der SPD-Kanzlerkandidat bei seinen Antworten auf zahme Fragen dennoch schwitzte, als säße er in Sauna, ist unbegreiflich. Und auch die Kanzlerin drückte sich unverändert vor jeder bindenden konkreten Festlegung auf die politische Zukunft nach dem Wahltag.

Nicht alle Wähler sind mit Horst Schlämmer, Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier hinreichend für ihre Wahlentscheidung bedient. Vor allem die SPD muss endlich zur Kenntnis nehmen, dass die Hemmschwelle ihrer bisherigen Wähler, zur Linkspartei zu wechseln, tagtäglich sinkt. Gewiss nicht, weil sie davon überzeugt wären, dass die Linken ein rundum plausibles Programm böten. Aber im Bewusstsein darüber, dass sie wenigstens dort nicht mit völlig unverbindlichen politischen Phrasen eingenebelt werden. Der SPD wird es nicht gelingen, wieder Wähler zurück zu holen, die im Zorn über die profilose Rolle der regierenden Genossen in den vergangenen Jahren der Großen Koalition ins andere linke Lager oder in die Wahlverweigerung geflüchtet sind.

Nicht auszuschließen ist, dass sich dieser Trend zur Linkspartei am Ende noch als Dammbruch entpuppt, der sie in der Dreier-Gruppe der kleinen Parteien zur Größten macht. Noch zögern vermutlich viele Sympathisanten der Linkspartei, sich öffentlich zu bekennen. Im Schutz der Wahlkabinen könnte es sehr viel mehr Wählern leicht fallen. Schon jetzt bekennen sich SPD-Bundestagsabgeordnete zu einer derartigen Racheaktion gegen ihre Führung, wenn ihnen zuverlässiges Stillschweigen zugesichert wird.

Ein Kommentar von Hans Peter Schütz
 
 
KOMMENTARE (10 von 94)
 
universal1909 (11.09.2009, 14:06 Uhr)
Stimmungsmache des Kaffeesatzlesers von Forsa
Da verweise ich einfach auf diesen Link:
http://www.nachdenkseiten.de/?p=4185
ganzbaf (11.09.2009, 08:54 Uhr)
So viel Sozialismus...
wie ihn unser Grundgesetz in Artikel 14/15 von uns fordert, muß einfach sein...;-)
Das haben ALLE etablierten Parteine in Deutschland vergessen. In den letzten 10 Jahren sogar die SPD.

Ansichtssache (11.09.2009, 08:32 Uhr)
Zitat vom Spiegelartikel
muss es natürlich heißen.
Ansichtssache (11.09.2009, 08:30 Uhr)
Besonders der Auszug hier
ist sehr interessant:
Zitat vom Spielartikel: " In den Akten über den Regimekritiker Robert Havemann und dessen Frau Katja waren die Rechercheure auf ein Passfoto der jungen Merkel gestoßen. Das Bild fand sich in einer Foto-Sammlung von Personen, die bei der Annäherung an das Havemann-Grundstück in Grünheide bei Berlin erfasst worden waren." Zitat Ende.
Ansichtssache (11.09.2009, 08:25 Uhr)
@lazarus06 (10.09.2009, 22:35 Uhr)
auf eine Stellungnahme der Frau Merkel dazu,
wäre ich "dankbar" ;-)
lazarus06 (10.09.2009, 22:35 Uhr)
..damit der Wahlkampf nicht zu schlaefrig wird
...sollte sich die Waehlerschaft vielleicht einmal eingehender mit Vergangenheit der Amtsinhaberin befassen:
Deutsche Kanzlerin Merkel ein Stasi-Spitzel ?
Sankt Gallen/Berlin (29.05.2008) - Die Deutsche Kanzlerin soll als Stasi - Mitarbeiterin an Bespitzelungen des ehemaligen DDR Regimekritikers Robert Havemanns, im Jahr 1980 teilgenommen haben.
Robert Havemann erhielt 1965 ein Berufsverbot und wurde am 1. April 1966 aus der Akademie der Wissenschaften der DDR ausgeschlossen der auch Angela Merkel angehörte.. In den Folgejahren wurden von ihm zahlreiche SED-kritische Publikationen in Form von Zeitungsbeiträgen und Büchern (unter anderem Fragen Antworten Fragen; Robert Havemann: Ein deutscher Kommunist; Morgen) veröffentlicht.
1976 protestierte er gegen die Ausbürgerung des DDR-kritischen Liedermachers Wolf Biermann. Er tat dies in Form eines Briefes, den er an den Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker gerichtet hatte und ließ den Brief im westdeutschen Nachrichtenmagazin Der Spiegel veröffentlichen. Im Jahr 1976 verhängte das Kreisgericht Fürstenwalde einen unbefristeten Hausarrest gegen Havemann (auf seinem Grundstück in Grünheide). Sein Haus und seine Familie (und auch die Familie seines Freundes Jürgen Fuchs, die er 1975 in sein Gartenhaus aufnahm) wurden rund um die Uhr von der Stasi überwacht.
Jugendliche im Alter von Angela Merkel haben die Stasiobservation am Grundstück rund um die Uhr übernommen. Zeitweise wurden bis zu 200 Stasiagenten auf das Grundstück angesetzt und ausser Hausarrest hatte Havemann seit 1976 mit einem gekappten Telefonanschluss zu leben. Die Überwachung kostete 740 000 DDR Mark.
Vor einigen Jahren plante man, in der Redaktion des Westdeutschen Rundfunks, den Bericht ? Im Auge der Macht- die Bilder der Stasi? und wollte über die Stasiarbeit recherchieren.
Die Redakteure stiessen dabei auf ein Foto, dass eine junge Frau, die sich um 1980 in dieser Zeit dem Grundstück der Familie Havemann in Grünheide bei Berlin näherte: Auf dem Foto soll ANGELA MERKEL zu sehen sein, die sich dem Grundstück Havemann in der Zeit der Observation und der Isolation von Havemann näherte.
Das vom WDR gefundene Merkel.Bild durfte nicht gesendet werden, weil Angela Merkel die Ausstrahlung des Fotos im WDR Film untersagt hatte.
Die Doku des WDR gibt es hier:
http://www.lernzeit.de/sendung.phtml?detail=612797
der entsprechende Vorabbericht des Spiegels und als Quellennachweis
http://www.spiegel.de/spiegel/vorab/0,1518,377389,00.html
alko (10.09.2009, 21:11 Uhr)
Dammbruch
Warum nicht ?,Ob 15 % Linke und 20 %
SPD oder 25 % SPD und 10 % Linke ist doch egal. Das Stimmenpotential der
Umverteiler bleibt gleich. Zwei Drittel der Gesellschaft kommen zurecht und eben
ein Drittel nicht. Das ist in allen Staats-
und Gesellschaftsformen gleich. Die zurecht kommen müssen also nur mal lernen wohin sie gehören. Lernen die grünen und und Salonsozis am Besten,
wenn ihnen rot-blutrot mal richtig an die
Kohle geht, dann ist Schluss mit lustig
und Ende mit Gutmenschentum. Die die wirklich was zu verlieren haben, haben sowieso schon längst ein Bein draussen und ziehen dann einfach das andere und Arbeitsplätze nach..
Laramie (10.09.2009, 17:09 Uhr)
Vielen Dank
Vielen Dank für diesen Artikel, Es ist der erste seit langer Zeit der nicht die ganzen Neoliberalen Phrasen nachbetet die heute auch im Stern so IN geworden sind
Margrit1 (10.09.2009, 14:24 Uhr)
mad double F

genau so sit es.
Es sit eine Schande von der detuschen Presse, dass sie die ganzen Jahre geschwiegen haben zu Merkels Vergangenheit
Davion (10.09.2009, 12:00 Uhr)
Glückwunsch...
zu diesem gelungenen Artikel.

Ich habe mich mal durch die Kommentare gehangelt und konnte mir ein Lachen kaum verkneifen.

Als Sozialdemokrat wähle ich die Linke! Da die SPD sich von allen sozialdemokratischen Idealen verabschiedet hat und sich entschieden hat, einen aussichtslosen Kampf auf dem Feld der Union/FDP zu führen, bleibt einem nichts anderes mehr übrig die einzige Partei zu wählen, die noch sozialdemokratische Positionen vertritt. Auch ich bin nicht mit jedem Kleinkram einverstanden, der bei der Linken kritisiert und vorgeschlagen wird, aber im Großen und Ganzen kann ich mich mit deren Inhalten identifizieren.

Was mich hier zum Lachen brachte, ist einfach die Lächerlichkeit mancher "Anti-Links-Kommentare". Es kommt mir so vor, als hätten einige in der Springer-Redaktion gerade nichts zu tun *g*

Hier einige spontane Thesen von mir:
- Die Angst vor einer neuen sozialistischen Diktatur ist unbegründet. Die Linke ist eine aus verschiedensten linken Strömungen bestehende Partei, in der die alten SED Kader eine machtlose Minderheit darstellen. Gerade im Westen besteht die Basis aus enttäuschten Sozialdemokraten und Gewerkschaftlern. Diese müssen sich vielleicht mal mit einigen Sektierern rumschlagen, ich sehe aber nicht, warum das für die Regierungsfähigkeit der Linken ein Problem sein sollte. Ich kann verstehen, dass gerade die Opfer der SED-Diktatur eine tiefe Abneigung gegen die Linke empfinden, da diese eben immer noch an die SED Vergangenheit erinnert. Ich habe allerdings den Eindruck, dass diese Partei sich sehr intensiv und kritisch mit jener Vergangenheit auseinandersetzt. Frage: Wo sind denn in der Hinsicht die Bemühungen der ehemaligen Blockflöten von CDU und FDP zu erkennen? Hat nicht der gerade abgewählte Herr Althaus nur Wochen vor der Revolution ein flammendes Plädoyer für die Stärkung des Marxismus an den DDR Schulen gehalten?

- Deutschland braucht eine demokratische Alternative jenseits von schwarz-gelb und großer Koalition. Das werden auch konservative Demokraten einsehen, weil sonst jeglicher demokratischer Wettbewerb zum Erliegen kommt. Nur eine starke Linke kann das auf Dauer garantieren, da die SPD nur so einsehen wird, dass ihre Politik der Ausgrenzung das Gegenteil erzeugt von dem, was sie beabsichtigt.

Ich bin sehr gespannt, was Tempelhofer noch so einfällt. Vielleicht versucht er es mal mit inhaltlichen Argumenten ;-)
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