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17. August 2007, 10:26 Uhr

25 Jahre und ein bisschen leise

Der Abgang war ein Auftakt: Mit Abbas letztem Album "The Visitors" begann die technische Revolution - im August 1982 kam die erste Compact Disc auf die Welt und verdrängte die LP. Ein Vierteljahrhundert später droht die CD selbst ein Auslaufmodell zu werden.

© Nigel Treblin/ddp

Die letzten Songs der schwedischen Superstars Abba waren die ersten, die 1982 bei der Philips-Tochter Polygram auf die CD "The Visitors" gepresst wurden. Das war die Geburtsstunde der digitalen Ärä im Musikgeschäft. Auch die Klassik war bei der Revolution ganz vorn dabei: Zum gleichen Zeitpunkt spielte Herbert von Karajan die "Alpensinfonie" ein, während Claudio Arrau Walzer von Chopin bevorzugte. Und Sony, mit Philips gemeinsam an der Entwicklung der CD beteiligt, brachten zum Start ihres ersten CD-Players Billy Joels Album "52nd Street" auf den Markt. Zu kaufen waren die ersten Silberlinge allerdings erst im November - natürlich nur im technikverrückten Japan. Europa und die USA mussten sich noch bis zum Frühjahr 1983 gedulden. Zusammen mit den ersten 150 CDs kamen dann auch die ersten CD-Player auf den Markt.

Kein lästiges Umdrehen mehr

Am 17. August 1982 begann in Langenhagen bei Hannover erstmals in Europa die industrielle Fertigung von zwölf Zentimeter großen und 1,1 Millimeter dünnen, silbernen Scheiben. Ein Laserstrahl rast im Tiefflug über den sechs Kilometer langen Laufstreifen hinweg und liest über eine Milliarde Informationen pro CD optisch aus. Die CD versprach digitale Klangqualität ohne lästiges Umdrehen sowie Rausch- und Knisterfreiheit. Staub und Dreck können einfach abgewischt werden. Vor allem für die Freunde der klassischen Musik war das eine Verheißung. Trotzdem konnte die CD in den ersten Jahren nur mühsam gegen die etablierte Langspielplatte aus Vinyl Fuß fassen. Musik-Experten kritisierten ihren sterilen Klang, viele DJs greifen noch heute lieber zum Vinyl. Die ersten silbernen Scheiben waren zudem deutlich teurer als die LP - ganz zu schweigen von der ersten Generation der CD-Spieler, die im Oktober 1982 auf den Markt kam. Am 1. Oktober 1982 brachte der Elektronikkonzern Sony in Japan den ersten Audio-CD-Player auf den Markt. Das Gerät hieß schlicht CDP-101, wobei 101 den Aufbruch in die digitale Welt der Einsen und Nullen versinnbildlichen sollte. Der Kostenpunkt des Geräts lag bei 168.000 Yen, was damals über 1000 Mark entsprach.

Vom Mauerblümchen zum Top-Model

Noch 1984 äußerten sich die Musikverleger sehr pessimistisch über die Zukunft des neuen Tonträgers. Dass die CD einen Marktanteil von 50 Prozent erreichen werde, sei wohl Wunschdenken ihrer Erfinder, ätzte ihr Verband. Doch die Kritik verstummte bald, und in den Plattenläden begann das große Umräumen. 1990 - acht Jahre nach ihrem Start - hatte die CD bereits die Platzhirschen LP, Single und Musik-Kassette überholt. 1994 wurden doppelt so viele CDs verkauft wie alle übrigen Tonträger zusammengenommen. Die Preise für CD-Spieler sanken in den Keller und waren bald preiswerter als herkömmliche Plattenspieler. Seit 1982 wurden nach Angaben des Phonoverbands, dem Zusammenschluss der deutschen Musikindustrie, weltweit rund 35 Milliarden Musik-CDs verkauft. Das ist mehr als die doppelte Anzahl je verkaufter Schallplatten. Zusätzlich zu den allein in Deutschland im Jahr 2006 verkauften 150 Millionen Musik-CDs kommen noch fast 500 Millionen CD-Rohlinge, von denen die Mehrzahl ebenfalls mit Musik bespielt wird.

Entwickelt wurde die Compact Disc von den Elektronikriesen Philips und Sony - der Grundstoff, ein Polycarbonat, kam vom Chemiekonzern Bayer aus seinem Werk in Krefeld-Uerdingen. Die Industrieriesen gewannen für ihr neues Produkt einen Fürsprecher der ersten Stunde: Star-Dirigent Herbert von Karajan wollte sein Werk möglichst schnell digital konserviert und auf den Markt gebracht sehen. Wie die CD zu ihrem Durchmesser von zwölf Zentimetern kam, darüber gibt es eine Legende mit mehreren Varianten: Ludwig van Beethovens "Neunte" sollte vollständig auf den neuen Tonträger passen - in ihrer 74-minütigen längsten Version entspricht das zwölf Zentimetern - obwohl eigentlich zehn Zentimeter geplant waren, was besser in die Hosen- und Anzugtaschen gepasst hätte.

Karajan bestimmt Format

Welcher Beethoven-Liebhaber sich mit seinem Wunsch durchsetzte, darüber gehen die Meinungen auseinander: Mal soll es Maestro von Karajan selbst gewesen sein, dann der Sony-Chef - mehrere Quellen sagen hingegen, es sei die Frau des Japaners gewesen, die den Weltstandard der CD auf diese Weise definierte. Einigkeit herrscht bei einem anderen Maß der CD: Für ihr Loch in der Mitte legten die Tüftler bei Philips einfach die holländische Zehn-Cent-Münze als Maßstab an.

Verschwindet die CD?

War die Welt zum 20. Jubiläum der CD noch in Ordnung und ihre Stellung schien unangreifbar, wackelt ihr Thron inzwischen deutlich. Mit dem Dateiformat MP3 emanzipiert sich die Musik von ihrem Speichermedium, kann auf beschreibbare CDs ebenso wie auf Festplatten geladen werden - aus dem Internet und ohne CD. Mit dem iPod wird der CD endgültig der Kampf angesagt - Festplatte gegen CD. Viele Jugendliche verzichten für ihre Musiksammlung heute auf die in die Jahre gekommenen Silberlinge - die sie allenfalls noch für die Sicherungskopien ihrer Computerprogramme brauchen.

Mit Material von DPA/AP

Thomas Soltau
 
 
KOMMENTARE (2 von 2)
 
bernie-abg (18.08.2007, 02:35 Uhr)
Ich hab ...
...noch meinen ersten CD-Player (Phillips cd130) vor 22 Jahren vom Ferienjobverdienst gekauft, meine Eltern hielten mich damals für verrückt und sagten CDs hätten ja doch keine Zukunft.
Das Gerät funktioniert immer noch!
Ich werd noch ganz nostalgisch (grins!)
S-achte (17.08.2007, 22:54 Uhr)
Ich will ja nicht nörgeln,
aber wenn das so kommt so lange ich noch lebe, daß die Musik, die ich haben will und auch gerne kaufe, nicht mehr auf CD zu haben sein wird, dann stelle ich meine Sammlung ein zweites mal um! Und das würde mich schon heftig sauer machen! Das letzte Mal ist nämlich auch ein Haufen Material einfach unter den Tisch gefallen!
Wer braucht das eigentlich und warum konzentriert sich die Musikindustrie nicht einfach darauf, gute Musik zu produzieren? Irgendwie nur ein Mechanismus, das Gleiche mehrfach zu vergolden?
Wenn jetzt der Vorschlag käme: 'Reich mir Deine CD und Du bekommst das Gleiche auf MP3, für umme', wär das Engagement wahrscheinlich kurz vor 0!
Ach und nochwas: Es gibt doch Qualitätsunterschiede! Ich höre immer noch einige Aufnahmen lieber auf Vinyl, weil die Dynamik einfach besser ist. Und es gibt eklatante Unterschiede bei CD-Compilationen! Das schafft MP3 nicht!
Grüßle
Roland
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