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Harley-Davidson: Goldene Geschäfte mit dem wilden Leben

Krise? Die Motorradmarke Harley-Davidson kennt dieses Wort nicht. Diese Bikes sind in Deutschland Kult - bei Männern im besten Alter und mit besten Einkommen. Und sie werden nicht allein zum Fahren gekauft.

Von Peter Ilg

Harley-Davidson, das sind zwei Zylinder, viel Chrom und ohrenbetäubender Lärm. Die Kultmotorräder aus Amerika stehen noch immer für den Traum vom wilden Leben wie im Film "Easy Rider". Einen Traum, den sich - Krise hin, Krise her – immer mehr Deutsche erfüllen.

Eigentlich verlief die Saison 2008 für die Motorradindustrie in Deutschland schlecht. Der Absatz von Krafträdern ging in den ersten neun Monaten des Jahres gegenüber dem Vergleichszeitraum 2007 um 7,4 Prozent zurück. Nur Harley-Davidson konnte durchstarten. Von Januar bis September wurden 20 Prozent mehr Harleys an den Biker gebracht als im gleichen Zeitraum 2007. Nach BMW, Honda, Suzuki und Yamaha belegt der frühere Nischenanbieter Harley-Davidson nun Platz fünf im Ranking der am meisten verkauften Maschinen in Deutschland. Bernhard Gneithing, Marketing Direktor bei Harley-Davidson in Deutschland, kennt den Grund für den Erfolg der Marke: "Unsere Motorräder sind mehr Weltanschauung als Transportgerät."

Jungbrunnen in der Lebensmitte

Einer der Harley-Fans ist der Geschäftsführer der Kölnmesse, Oliver P. Kuhrt. Der 46-jährige gesteht: "In mir schlummerte der Wunsch, die Jugend aufleben zu lassen, und ich wollte als Motorradfahrer die europaweit größte Motorradmesse Intermot nach Köln zurückholen", begründet er den Kauf seiner Softail Deluxe. Das berufliche Kalkül ist aufgegangen. Die Messe war nach München abgewandert und findet nun wieder in Köln statt. Seine Softail präsentierte der Manager an Ostern seiner Frau. Dass Kuhrts bessere Hälfte über den dem Metall gewordenen Jugendtraum des Ehemannes nicht sonderlich glücklich war, hat Kuhrt nicht überrascht: "Wir haben zwei Töchter, zwei und drei Jahre alt. Und wenn sich der Vater in seiner Freizeit aufs Motorrad setzt, trägt das nicht gerade zur Euphorie bei. Die Gattin denkt da zuerst an die Gefahren auf zwei Rädern."

Weil eine Harley-Davidson aber eher für gemütliches Cruisen als Rasen gebaut wird, war die dicke Luft rasch verflogen. "Inzwischen ist meine Frau sogar schon einige Male mitgefahren", freut sich Kurth. Im Image der Motorradmarke "Harley" schwingt immer der Rockerkult mit, in Wirklichkeit ist eine Harley aber alles andere als ein "Bad Bike". Im Vergleich mit dem Kult um extreme Hochgeschwindigkeitsmotorräder steht ihr gemütliches Blubbern für risikoarme Freizeitgestaltung.

Solide und zuverlässig

Zusätzlich sitzt man auf einem der zuverlässigsten Zweiräder der ganzen Welt. Ein Dauertest der Fachzeitschrift "Motorrad" hat das Vorurteil widerlegt, eine Harley-Davidson sei ein Schrauber-Motorrad, dessen Technologie sehr anfällig und unzuverlässig ist. Ursprünglich waren die Harleys grundsolide und fast unzerstörbar, daher sind sie auch weltweit bei der Polizei im Einsatz. "Unseren schlechten Ruf haben wir uns in den 1970er Jahren eingehandelt, als Harley-Davidson dem Mischkonzern AMF angehörte, der sich mit Motorrädern nicht auskennt", sagt Marketingmann Gneithing. "Seit 1981 ist die Marke wieder eigenständig, und die Qualität steigt seitdem permanent an." Ihren Höhepunkt erreichte sie im 50.000-Kilometer-Dauertest von "Motorrad". Hier erzielte eine Road King das beste Ergebnis aller Dauertests und setzte sich vor die Mitbewerber in Sachen Verschleiß, Zuverlässigkeit und ganz besonders bei der Fahrfreude.

Wertanlage "Motorrad"

Ein Lied, dass auch Oliver P. Kuhrt anstimmt: "Es gibt nichts schöneres, als mit offenem Visier durchs bergische Land zu cruisen und die Stimmung mit allen Sinnen aufzunehmen", schwärmt er. Seit er selbst auf einer Harley-Davidson unterwegs ist,hat er mitbekommen, wie viele Bekannte dieselbe Marke fahren. "Durch die Maschine rutscht man in eine Gemeinschaft rein, mit der man vorher nichts zu tun hatte oder sie nicht wahr nahm. Plötzlich steht man vor einem Geschäftskollegen oder einem Nachbarn und staunt: Ach, Sie fahren auch eine?" Für Kuhrt war es die einzig richtige Entscheidung, eine Harley-Davidson zu kaufen. Seine Alternative wären Aktien gewesen. "Das Geld wäre jetzt futsch. Wenn ich aber meine Maschine ordentlich pflege, steigt sie sogar im Wert." Auch darin unterscheidet sich das Kult-Bike deutlich von anderen Motorrädern.

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