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LA Autoshow 2006: Go West, Young Gun!

Liegt's an der Sonne? An einer Handvoll durchgeknallter Weltkrieg 2-Piloten? Oder gar an Steven Spielberg? stern.de-Autor Helmut Werb fand heraus, warum Los Angeles der Nabel der Car Designer-Welt ist.

Die Los Angeles Autoshow schloss gerade ihre Pforten, und die Showcars und Concept Cars und all die schicken Studien wurden wieder eingepackt und nach Hause geschickt. Weit hatten sie’s meistens nicht, denn der Nabel der Welt liegt im Westen, jedenfalls wenn es um Autodesign geht. In Los Angeles, um genau zu sein.

Acuras bahnbrechender (und gewöhnungsbedürftiger) Advanced S stammt aus Southern California, genau wie der revolutionäre Mazda Nagare, der die Zukunft der Limousinen einläuten soll. Hondas lustiger StepBus stammt aus dem kalifornischen Designstudio unter Ben Davidson und ist eigentlich nur eine Neu-Interpretation des vom Audi/Volkswagen Design Workshops unter Derek Jenkins und Alex Earle entwickelten Volkswagen Micro-Busses (der wiederum ist eine Neu-Einspielung des klassischen VW Busses), und der von allzu zögerlichen Vorständen im kalten Wolfsburg in den unzeitgemässen Vorruhestand geschickt worden war. Hyundais Designer Jöl Piaskowski entwarf den Hellion, eine moderne Variante des Surfer Buggies, unter der Sonne Kaliforniens.

Innovation mit Tradition

Das hat alles Tradition. Chryslers bahnbrechender 300 stammt aus Southern California. Mazdas Miata, der im Alleingang eine neue Epoche der Roadster einläutete, ist das Baby kalifornischer Surfer-Dudes mit Oktan-Addiction. Audis revolutionärer Ur-TT, seiner Zeit weit voraus, entstand in Los Angeles, genau wie BMWs genialer Z4. John Cupit entwarf den sensationellen 350Z in Nissans Design America Studio in La Jolla bei San Diego. Der Volkswagen Beetle, der in den USA lief und lief und lief (und in Europa leider nur unter "ferner.."), erblickte das Licht der Autowelt im VW-eigenen Design Center in Simi Valley nördlich von Los Angeles. Hondas Element und der Toyota Scion xB, rollende Schuhkartons mit enormem Sex-Appeal - allesamt California Cars.

Die Piloten sind an allem Schuld

Das geht noch weiter zurück, meint Freeman Thomas, Sohn deutsch-amerikanischer Eltern und Chef von Fords Strategic Design Division in Orange County, zwei starke Verkehrsstaus südlich von Los Angeles. "Angefangen hat es eigentlich mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs", sagt Mr Thomas, Anfang der 50er Jahre als amerikanische Piloten, zurück von ihren Einsätzen über Wolfsburg, Stuttgart und München, die kalifornische HotRod-Kultur begründeten, indem sie handzahme US-Limousinen bis zum Geht-Nicht-Mehr aufmotzten, und damit die Wüsten und Boulevards der Gegend unsicher machten. "Danach wurde Los Angeles zum Geburtsort der Car Customizers", erklärt Derek Jenkins das Phänomen jener Auto-Verrückten, denen die Familienschlitten nicht exotisch genug waren und die in den 50ern und 60ern lauwarme Chrom-Kutschen in den bombastisch-individualistischen Ausdruck der eigenen Persönlichkeit verwandelten.

Sounds familiar?

"Von da an", stimmt Geoff Wardle zu, Professor für Transportation Design am Pasadena Art Center, der Designer-Schmiede am Platz, "war’s bis zu MTVs ‚Pimp Up My Ride’ nicht mehr weit." Damals, in den 70er Jahren, so erinnert sich Geoff Wardle, galt das Pasadena Art Center als Nabel der Welt, was Automobil-Design betraf.

CA macht die Trends

"Die Leute hier sind "early adopters", Trendsetters. Und Los Angeles ist Auto-Kultur", sagt Frank Saucedo, der seit seiner Zeit bei Opel in Rüsselsheim gebrochen Hessisch spricht und heute Leiter von General Motors Design Werkstatt im hässlich-industriellen North Hollywood ist, einer der Designer, die der kommenden Generation des Chevy Camaro die dramatische Architektur eines futuristischen Muscle Cars verpasste. "Nirgendwo hat das Auto diesen Stellenwert wie in Los Angeles. Schau dir doch die Autos hier an! Alle polieren an ihren Wagen rum, alle Autos sind frischgewaschen, Kalifornien ist einfach Auto-verrückt."

"In Südkalifornien werden die Trends geboren, hier sind die Einflüsse da. Hier ist alles möglich, alles ist optimistisch, hier gibt es keine kreativen Grenzen", sagt Gordon Wagener, trotz des amerikanischen Namens ein Deutscher und Leiter des Mercedes Benz Advanced Design Centers in Irvine, und steht stolz vor dem Entwurf eines surrealistischen Luxus-Dreirads mit einer veritablen Weinbar im Fond und dem prestige-trächtigen Maybach Logo auf der Nase. Maybach und Dreirad, frage ich verwundert. "Sowas geht eben nur hier. Das ist eben diese Phantasie." Wagener war massgeblich am Design des SLK und der F400-Studie beteiligt, dessen Modell das riesige Besprechungszimmer des Design Centers schmückt, und versucht heute - ziemlich erfolgreich -, gründlich deutsches Ingenieurwesen mit den kreativen Freiflügen seiner Designer zu vereinen.

Keine Mühe wird gescheut

"Hier geht es mehr ums Grosse und Ganze, ums Globale, darum, grosse Idee und Konzepte voranzutreiben", erklärt Verena Kloos die Attraktivität des Kreativ-Standorts Los Angeles. Kloos, eine der wenigen Frauen, die sich in der Y-Chromosonen-Domaine des Automobil-Designs ganz weit oben etabliert haben, ist Chefin des renommierten BMW Designworks USA, das neben Autos noch so diverse Produkte entwirft wie Nokia’s Communicator, Addidas Schuhe oder Unterschenkelprothesen. "In Europa wird manchmal nicht genügend Aufwand getrieben, um Ergebnisse zu erreichen - davor scheut man hier traditionell nicht zurück. Und in Sachen Professionalität kann man den Amerikaner sowieso nichts vormachen." Dann fügt sie lächelnd hinzu. "Ausserdem lebe ich gerne hier."

"Kreative lieben Südkalifornien einfach, deshalb zieht es sie hierher", stimmt John Cupit zu, Chef-Designer bei Nissan in La Jolla, ein freundlicher, junggebliebener Motorrad-Fan in über-modernen Running Shös. "SoCal ist Lifestyle! Hier wird alles ausprobiert, neu erfunden. Sport. Freizeit. Selbst der Arbeitsplatz. Du schaust auf einen Berg, und überlegst dir, was du da anfangen könntest. Und dann das Wetter. Du lebst hier, als seist du ständig im Urlaub. In New York zum Beispiel hast du zwar auch die Motivation, den kreativen Input, aber wo in der Welt kannst du das ganze Jahr über im Cabrio durch die Gegend fahren?" In Detroit?

Sonne, Style und Lebensqualität

Franz von Holzhausen (trotz des deutschen Namens Amerikaner), der aussieht, als würde er seinen Morgen lieber auf einem Surf-Brett verbringen als an einem Design-Computer, gibt Cupit recht. . "Wirklich wahr!", murmelt er versonnen und blickt auf den Nagare, dessen atemberaubendes Design deutliche Southern California-Syil-Elemente trägt. "Die Sonne! Wenn die Sonne hier auf Autos strahlt, sehen sie einfach besser aus. Der Lifestyle hier macht deinen Kopf frei."

Concept Cars wie das knuffelige Modell eines grundlegend neuen SUVs auf der Basis der Mercedes A-Klasse, der in strahlendem Blau und mit dem Fahrzeugboden eines Turnschuhs in Gordon Wageners Büro steht, strahlen "Southern California" aus, als gäbe es kein Sindelfingen und ganz bestimmt kein Dearborn. Und trotzdem besteht jeder der Designer darauf, dass es einen typischen SoCal-Design-Style nicht gibt. "Es stimmt zwar, dass die Umgebung bestimmt, was du machst", sagt Wagener, "aber ich kann keinen definitiven Stil erkennen, der nur aus Kalifornien stammen könnte."
"Design ist global geworden", meint auch GMs Saucedo. "Deshalb gibt es keinen für Kalifornien typischen Stil. Wenn überhaupt, dann ist er mehr verspielt."
"Jede Company hat ihren eigenen Stil", sagt John Cupit versonnen. "Für uns ist der 350Z und der Quest Minivan die ‚Signature’. Aber einen Design-Stil, der typisch ist für Südkalifornien? Gibt es nicht." Dann lächelt er vehalten und fügt leise hinzu: "mehr."

Es ist alles Entertainment

Viel wichtiger seien die Verbindungen zur Film- und Musik-Industrie Hollywoods und dem Flugzeugbau, der traditionell in Los Angeles angesiedelt ist. "Wir sind wie Drehbuchautoren", sagt Freeman Thomas allen Ernstes. "Wir designen mit unseren Studien Stories, wir erfinden Cars wie Filme. Wir stellen uns vor, welches Auto Leonardo diCaprio gerne fahren würde." Da kratzt Freeman grade mal an der Oberfläche: Designer sind Style-Junkies, die Telefone, Rasenmäher, Flugzeuge, Ski Boots und eben auch Autos so sexy machen wollen, dass wir sie einfach haben müssen – und da kann man viel vom Star-Rummel der Filmemacher lernen. Die Verbindung zwischen der Movie Industry und Auto-Designern sei viel inniger, als man sich das denken würde, erklärt Professor Geoff Wardle. "Die Einflüsse sind gewaltig. Es ist die Atmosphäre hier. Nicht nur, dass es hier alles gibt, was man zum Erschaffen von Illusionen benötigt, von der Special Effects-Software, die heute im Car Design verwendet wird, bis zu HiTech-Materialien, die woanders erst viel später auftauchen. Wir schauen uns an, was Spielberg in seinen Filmen macht, und dann schaust du einfach vorbei und redest mit dem Art Director. Die Designer in Los Angeles werden von den Filmemachern beeinflusst, sind so viel freier in ihrer Phantasie." "Alles, was wir hier tun, hat eine Verbindung zum Filmgeschäft", sagt auch GMs Frank Saucedo. "Aber nicht nur das Show Bizz ist wichtig für uns. Wir arbeiten zum Beispiel auch eng mit Firmen wie Apple und Nike zusammen." Und Verena Kloos von BMW meint: "Wo früher Technology die Richtung bestimmt hat, wird heute Design von andren Faktoren bestimmt wie zum Beispiel auch Mode oder eben der Entertainment Industrie."

Im großen Wandel

Was aus den kalifornischen Kreativ-Läden dann rauskommt, ist überraschend, manchmal schockierend, aber immer seiner Zeit voraus. "Werden wir in der Zukunft noch ein Auto fahren?", fragt Geoff Wardle. "Ja, aber es wird nicht nur anders aussehen, sondern wir werden es vielleicht nicht mehr besitzen. Dafür gibt es vielleicht die Möglichkeit, mehrere Autos zu benützen – eine sparsame Mini-Box für den Weg zur Arbeit, einen fetten SUV für den Urlaub in den Bergen und einen sexy Sportwagen zum Fun!"

Helmut Werb/Los Angeles

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.