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Musik digital: Hören für Fortgeschrittene

MP3-Player und Internetshops revolutionieren Umgang und Geschäft mit der Musik.

Von Ulf Schönert

Ein Septemberabend in der Londoner "Progress"-Bar: Auf dem Tisch, wo normalerweise der DJ seine Plattenspieler aufgebaut hat, liegt nur noch das lose Ende eines weißen Kabels. Dann geht es los: Der erste Kandidat kommt auf die Bühne, stöpselt ein kleines, weißes Spielzeug an - und schon ist er der DJ, schon läuft nur noch seine Musik. 15 Minuten lang, dann ist der Nächste dran. Das Publikum johlt oder buht, am Ende entscheidet eine Jury. Wer die besten Songs mitgebracht hat, gewinnt einen Preis.

So wie in London lassen auch Clubs in Manchester, New York und Tokio immer häufiger ihre Gäste die eigene Musik mitbringen - nicht in schweren Taschen voller Vinylschallplatten oder CDs, sondern auf Abspielgeräten im Hosentaschenformat. "Playlist" nennen sich solche Partys, "NoWax" oder "iParty" - weil das so ähnlich klingt wie iPod. So nämlich heißt der derzeit populärste Musikmacher, und er schickt sich an, die Hörgewohnheiten der Welt dramatisch umzuwälzen.

Vordergründig betrachtet kann der iPod gar nicht so viel: Er speichert Musik und spielt sie ab, ähnlich wie ein Walkman. Sensationell ist aber, mit wie viel Musik man ihn füllen kann: Bis zu 10.000 Songs passen auf eine eingebaute Festplatte, wie sie früher nur in Computern steckte. Hintereinander abgespielt würde die auf ihm gespeicherte Musik etwa 20 Tage dudeln - und dabei ist der iPod kaum größer als eine 90-Minuten-Tonbandcassette.

Hörgewohnheiten ändern sich

Wer einen iPod hat, hört Musik, wie er sie nie zuvor gehört hat. CDs werden damit überflüssig, denn die komplette Musiksammlung ist nun immer und überall dabei. Die Reihenfolge der Songs wird nicht mehr von der ursprünglichen Abfolge auf dem Album diktiert, sondern vom Hörer in "Playlisten" selbst zusammengestellt. Oder der "Shuffle"-Modus des Geräts wählt zufällig aus, welche Lieder aufeinander folgen.

Der iPod spielt die Musik über Kopfhörer ab, man kann ihn aber auch an die Hi-Fi-Anlage im Wohnzimmer anschließen, ans Autoradio oder an Computerboxen. Er ist eine Jukebox im Jackentaschenformat, er ist CD, CD-Player, CD-Wechsler und CD-Regal in einem. Vor allem aber ist er Accessoire, Statussymbol, Visitenkarte, Lebenseinstellung. Die Beckhams schmücken sich mit einem, David Bowie, Thomas Gottschalk, Robbie Williams und Jude Law ebenso. Karl Lagerfeld hat sich angeblich gleich 40 Stück gekauft. Eine "kulturelle Ikone", die "das Leben verändert", nennt das US-Magazin "Newsweek" den Nachfolger des Walkman, von einer "iPod-Revolution" spricht der "Guardian". Für die "FAZ" ist er ein "Klassiker", das "erste massentaugliche Statussymbol des 21. Jahrhunderts".

Weniger besungen, genau so begehrt

Weniger besungen, aber kaum weniger begehrt sind die Geräte anderer Hersteller. Manche haben ein eingebautes Mikrofon, einen Kartenleser oder ein Farbdisplay, auf dem man Fotos oder Videos anschauen kann (hat der iPod alles nicht), viele sind ebenso cool, die meisten preiswerter als der iPod. Dazu kommen Dutzende kleinere Flash-Player, die sich sogar noch besser verkaufen als die Festplatten-geräte. Flash-Player speichern die Musik ähnlich wie Digitalkameras auf Speicherchips, die zwar nicht so viel Platz bieten wie eine Festplatte, aber wesentlich preiswerter sind. Man kriegt Flash-Player schon ab etwa 50 Euro, und selbst auf die kleinsten passen Dutzende Songs. Manche sind winzig wie eine Streichholzschachtel, die ersten werden in Armbanduhren, Sonnenbrillen und sogar Halsketten eingebaut. Im Handy wird der Musikspieler bald ebenso normal sein wie heute eine integrierte Kamera.

Die Nachfrage ist derzeit so groß, dass es schon Lieferschwierigkeiten gibt. Fast vier Millionen Mal ist allein Apples iPod bislang weltweit verkauft worden, und alle Prognosen besagen, dass der eigentliche Boom noch bevorsteht. US-Marktforscher IDC geht von 50 Millionen ausgelieferten Abspielgeräten im Jahr 2008 aus.

Festplatte statt CD

Trifft dies zu, wird sich die Art, wie wir Musik kaufen, sammeln und hören, nachhaltig verändern. Sie wird nicht mehr von CDs kommen, sondern von Festplatten. Die werden nicht nur in mobilen Geräten stecken, sondern auch in Wohnzimmer-PCs oder Servern, die über Datenleitungen in die einzelnen Zimmer senden. Musik wird nicht mehr auf CD-Hüllen in Regalen feilgeboten, sondern nur noch auf kleinen beleuchteten Displays.

Der Musikkauf der Zukunft verlagert sich ins Internet: Bei Musicload, Popfile oder im iTunes Music Store gibt es schon jetzt keine CDs mehr, sondern nur noch Dateien zum Herunterladen. Eine Million Songs werden allein in Deutschland jeden Monat auf diese Weise erworben - zu Preisen zwischen 99 Cent und 1,79 Euro pro Lied, für große Mengen und komplette Alben gibt es Rabatt. Gerade hat der Verband der Plattenindustrie die ersten deutschen Download-Charts gestartet, auch in die Errechnung der CD-Hitparaden werden die Internetverkäufe schon einbezogen.

Besonders Anfänger tun sich beim Online-Einkauf allerdings oft noch schwer, wie eine aktuelle Studie der Bedienbarkeitsforscher von "Sirvaluse" zeigt. Hinzu kommt, dass sich die Anbieter bewusst voneinander abgrenzen, um ihren Marktanteil zu sichern: Songs, die man im iTunes Music Store gekauft hat, lassen sich nur auf den iPod kopieren, nicht aber auf Geräte der Konkurrenz. Umgekehrt bekommt man Lieder, die man zum Beispiel bei musicload.de heruntergeladen hat, nicht auf den iPod. Außerdem haben alle Online-Läden digitale Beschränkungen in die Dateien eingebaut, um sich vor Raubkopierern zu schützen.

Auch die Lücken im Repertoire sind nach wie vor groß. Zwar will der iTunes Music Store 700.000 Songs im Angebot haben; Konkurrent OD2, Lieferant für zahlreiche Portale wie karstadt.de oder mtv.de, verspricht demnächst ein 1,3-Millionen-Song-Angebot. Doch kann das niemand wirklich nachprüfen. Tatsache ist, dass selbst populäre Titel oft noch fehlen, weil die Plattenfirmen oder die Künstler die Rechte für den Online-Verkauf nicht freigegeben haben.

Doch die Zeit drängt. In den vergangenen Jahren ist der Umsatz der Musikindustrie mit CDs und anderen Tonträgern in Deutschland um etwa 40 Prozent zurückgegangen. Für Musik Geld auszugeben gilt unter Jugendlichen fast als altmodisch: Sie sind es gewohnt, sich CDs zu brennen oder kostenlos über Online-Tauschbörsen aus dem Netz zu ziehen - auch wenn das illegal ist.

Made in Germany

Möglich gemacht hat all das eine Erfindung aus Deutschland: MP3. Die Abkürzung steht für ein Verfahren, digitale Musik ohne nennenswerten Qualitätsverlust auf ein Zehntel ihrer ursprünglichen Größe zu komprimieren. Musik übers Internet verschicken und herunterladen, sie auf winzige Abspielgeräte kopieren: Das geht nur mit MP3 oder verwandten Kompressionsformaten. Wer CD-Sammlungen auf den neuen Taschenspieler übertragen will, muss sie erst einmal mit Hilfe eines Computers in Dateien umwandeln ("rippen").

Das hört sich komplizierter an, als es ist: Jedem Gerät liegt eine Software bei, die das regelt und die auch von Computer-Unkundigen bedient werden kann. Übers Internet holt sich die Software die Titelinformationen für die einzelnen Songs, damit man sie später auf dem Display des Players wiederfindet. Schließlich sortiert sie nach Interpret, Album und Genre - so lassen sich selbst große Sammlungen leicht überblicken. Über ein mitgeliefertes Kabel wird die Musik dann auf das schicke neue Spielzeug übertragen.

Auf die gleiche Weise kann man es auch mit MP3-Dateien bestücken, die man aus dem Internet heruntergeladen hat. Viele decken sich noch immer bei Tauschbörsen wie Edonkey, Kazaa oder Soulseek ein, wo nahezu alles angeboten wird, was die Musikgeschichte hervorgebracht hat. Doch das wird riskanter: Inzwischen hat es die ersten Hausdurchsuchungen bei Tauschbörsen-Teilnehmern gegeben.

Wer aber Musik nicht übers Internet, sondern allein im privaten Kreis kopiert, ist schwerer zu packen. Besitzen erst einmal genügend Menschen mobile Musikplayer, verschärft sich das Problem für Polizei und die Fahnder der Musikindustrie: Dann wird der Inhalt von Festplatten auf Partys oder auf dem Schulhof einfach hin- und hergeschoben - wer wollte das noch kontrollieren können?

Nichts bleibt unkopiert

Schon jetzt ist das CD-Tauschen auf dem Schulhof ein größeres Problem als das Kopieren übers Internet. Mit Geräten wie dem iPod lassen sich aber nicht mehr nur einzelne CDs weitergeben, sondern ganze Festplatten voll Musik - und das in Minutenschnelle. Und alle Kopierbeschränkungen, so zeigt die Erfahrung, werden früher oder später geknackt. Das neue Programm "Tunebite" zum Beispiel spielt geschützte Musik einfach einmal ab, nimmt sie dabei auf und speichert sie dann neu als MP3-Datei ab - ungeschützt und fertig zum Weiterkopieren, in akzeptabler Qualität.

So ist es womöglich nur eine Frage der Zeit, bis jeder Musikinteressierte alle jemals aufgenommenen Songs auf seiner Festplatte hat - und keiner mehr etwas kauft.

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Kann ich mich auf Geschwindigkeitsanzeige FritzBox verlassen?
Hallo zusammen, erstmal herzlichen Dank für die Leute, die sich Zeit nehmen Fragen zu beantworten oder ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Das ist oft hlifreich, wenn man sich nicht so auskennt. Ich hoffe, dass mir jemand weiterhelfen kann. Die Telekom hat hier nach langer und ersehnter Zeit schnelle Leitungen verlegt. Mitarbeiter waren auch zu Besuch da und auch nett:-) Sie wollten ja auch, dass ich von 1und1 wieder zurück wechsel. Das ist für mich in Ordnung und gehört zum Wettbewerb. Da jedoch die Mitarbeiter mir sagten, dass die Telekom für paar Jahre das Vorrecht hätte, könnte ich schnelles Internet nur über Telekom beziehen. Sprich entweder Telekom und schnelles Internet oder langsames Internet. Da habe ich im Internet recherchiert und rausgefunden, dass das so nicht mehr stimmt. Das war der Grund, warum ich dann bei 1und1 DSL100 abgeschlossen habe, da man mir am Telefon gesagt, dass es ohne Probleme möglich wäre. Nun ist es jedoch so, dass wir gar nicht so merken, dass unser Internet schneller ist. Gerade in der oberen Etage kann man nicht ohne Router surfen oder Sky über Internet Fernsehen. Nun meine Frage: Bei der Fritzbox wird es jedoch angezeigt. Kann ich mich drauf verlassen? Oder wie macht ihr eure Messungen? Ich weiss, dass es Software gibt, aber der feste Rechner ist bereits alt und hat einen alten Internet Explorer drauf. Wenn ich mit einem Laptop im Wlan mich reinhänge, wird sicher die Geschwindigkeit sowieso niedriger und nicht verwertbar sein, oder? Vielen Dank für die Antworten.