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Mobile World Congress: Endlich mal was Neues: Warum Smartphones 2019 wieder spannend werden

Das Smartphone galt als aus erzählt, Neuerungen gibt es nur im Detail, wenn überhaupt. Doch dieses Jahr scheint sich das zu ändern - und die Hersteller werden endlich wieder mutiger. 

Hinten Glas, an der Seite einen Metallrahmen, Doppelkamera: Seit Jahren werden Smartphones immer austauschbarer, selbst die Mittel- und Einsteigerklasse könnte man optisch mit den Spitzenmodellen verwechseln. Das Smartphone hat sich auserzählt, hört man immer wieder, es wird nur noch im Detail optimiert. Dieses Jahr scheint sich das zu ändern - weil sich die Hersteller endlich mal wieder etwas trauen.

Betrachtet man die Neuvorstellungen des aktuell in Barcelona stattfindenden Mobile World Congress (MWC), fällt auf: Keines der gezeigten Spitzenmodelle entspricht dem lange etablierten Standard, alle haben mindestens eine ganz neue Idee oder setzen etwas auf ganz eigene Weise um.

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Das Huawei Mate X lässt sich einfach zusammenklappen

Das Huawei Mate X lässt sich einfach zusammenklappen

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Kino-Display und Faltscharnier

Manchmal sind es nur kleinere Neuerungen, wie etwa das Display des Xperia 1, bei dem Sony auf das ungewöhnliche 21:9-Format setzt. So lassen sich Kinofilme ohne Rand anschauen, zudem zeigen Webseiten und Apps mehr Inhalte ohne scrollen zu müssen.

Eine radikalere Idee hatten gleich mehrere Hersteller: Mit dem Galaxy Fold und dem Mate X haben Samsung und Huawei Smartphones vorgestellt, die sich zum Tablet ausklappen lassen. Die Umsetzung ist jedoch bei beiden Modellen völlig unterschiedlich. Während Samsung bei seinem Fold das Display nach innen einklappt und außen einen weiteren Bildschirm verbaut, wölbt sich beim Mate X das Display um das ganze Gerät, es hat dann vorne und hinten einen Bildschirm. Auch die chinesischen Hersteller Oppo und Xiaomi zeigten Konzepte, die so funktionieren.

Einige Modelle gehen einen anderen Weg. Nubia, ebenfalls aus China, vereint in seinem klobigen Modell Alpha ein Smartphone, das sich dank seines flexiblen Displays am Handgelenk tragen lässt. LG setzt bei seinem sonst traditionell aussehenden Smartphone ThinQ G8 auf Gestensteuerung - ohne dabei das Display zu berühren. Und HMD Global verbaut beim Nokia 9 gleich fünf Kameras, deren Einzelfotos dann zu einem einzelnen Bild zusammengerechnet werden.

Der Druck wächst

So viel Innovation gab es in der Branche seit Jahren nicht, in den letzten Jahren waren schmale Display-Ränder und eine Kamera mehr das Höchste der Gefühle. Der einfache Grund hinter dem Innovationsschub dürfte der größere Druck am Markt sein. Reichte es für gute Verkaufszahlen lange aus, die beste Technik in ein schickes Gehäuse zu stecken, ist das längst nicht mehr genug. Die Geräte wurden zwar besser, boten aber kaum Neues. Weil zudem ältere Modelle im Alltag kaum schlechter sind, sehen die Kunden immer seltener einen Grund zum Upgrade. Mit den neuen Ansätzen erhoffen sich die Hersteller also schlicht, die Aufmerksamkeit und die Begeisterung aus dem Anfang des Smartphone-Booms neu anfachen zu können.

Ob das gelingt, wird sich zeigen müssen. Einige Ansätze, wie die faltbaren Smartphones, haben sicher das Zeug dazu. Dem Massenerfolg der Klapp-Smartphones stehen sicher noch die Preise jenseits der 2000-Euro-Marke im Weg. Zudem müssen Kinderkrankheiten und mögliche Probleme der innovativen Modelle gelöst werden. Es wird spannend werden, welches der Konzepte sich im Alltag als praktikabler erweisen wird und welche sich gut verkaufen. Und genau diese Spannung war es ja, die in den letzten Jahren fehlte.

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