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US-Schlag in Syrien: Die Tomahawk – der Hammer der US-Marine

Sie fliegen knapp über dem Boden, verfehlen nie ein Ziel und sind relativ günstig. Cruise Missiles vom Typ Tomahawk sind die Standardlösung für einen Schlag der USA. Aber diesmal war selbst Donald Trump vorsichtig.

US-Luftangriff: Video zeigt Abschuss der Tomahawk-Raketen auf syrischen Militärflughafen

Der Angriff der auf das Flugfeld von al-Shayrat erfolgte mit 59 BGM-109 Tomahawk-Raketen. Die Cruise Missiles wurden im Mittelmeer von den beiden Raketenzerstörern USS Ross und USS Porter abgefeuert. Ein Schlag mit Cruise Missiles gehört zu den Standardoperationen der US-Streitkräfte. Der Vorteil: Die Raketen können aus große Entfernung abgefeuert werden und Ziele des Feindes genau treffen, ohne eigenes Personal in Gefahr zu bringen.

Tomahawks zählen zu den sogenannten Marschflugkörpern. Ihr Urahn ist die "Wunderwaffe" V1 (Fieseler Fi 103) der deutschen Wehrmacht aus dem Zweiten Weltkrieg. Die Flugbahn trägt eine Tomahawk nicht hoch in die Atmosphäre, der Marschflugkörper fliegt bis zu 2500 Kilometer in geringere Höhe und kann so das gegnerische Bodenradar unterfliegen. Dafür ist die Missile mit 878 km/h relativ langsam. Ein modern ausgerüsteter Gegner hat daher viel Zeit, die Missiles aufzuspüren und abzufangen. Im Prinzip könnte eine Tomahawk sogar von der Bordkanone eines Jets abgeschossen werden. 

Die BGM-109 Tomahawk trägt einen Gefechtskopf von 450 Kilogramm, das entspricht in etwa einer schweren 500-Kilo-Bombe. Inzwischen sind diese Missiles sogar relativ preiswert: Eine Tomahawk kostet etwa 800.000 Dollar - alle 59 haben also etwa 47 Millionen Dollar gekostet.

Erst durch Zielelektronik attraktiv

Marschflugkörper wurden erst durch die moderne Elektronik zu einem attraktiven militärischen Instrument. Als sogenannte Lenkwaffe trifft die Tomahawk ihr Ziel genau und fällt nicht in der Nähe zu Boden. Die 59 Missiles haben also nicht nur das Gebiet des Flughafens getroffen, sie dürften exakt einzelne Einrichtungen und Gebäude anvisiert haben. Ob alle Missiles das Zielgebiet getroffen haben, ist derzeit unklar. Zu erwarten ist, dass Russland alle Fehler des Einsatzes dokumentieren wird.

Moskau war gewarnt

Doch vor dem Schlag wurde der Kreml über Art und Ziel des Einsatzes gewarnt. Schon Stunden vor dem Start haben sich USS Ross und USS Porter auf den Schlag vorbereitet, diese Meldung wurde sofort an die Medien gegeben. Moskau konnte sich entsprechend lang einrichten. Damit sollte verhindert werden, dass russische Soldaten oder Staatsbürger getötet werden. Diese Eskalation wollte der neue US-Präsident offenbar vermeiden. Mannschaften und Flugzeuge konnten wohl weitgehend von dem Flughafen abgezogen werden.  Sechs MIG-23 sollen getroffen worden sein. Zerstört wurden Installationen und Magazine der Basis. Damaskus meldet den Tod von Zivilisten in einem Dorf, das von einem Irrläufer getroffen worden sein soll.

Lange Vorbereitungszeit

Militärisch ist mit Cruise Missiles gegenüber einem halbwegs modern ausgerüsteten Gegner kein Überraschungsschlag möglich. Das ist der größte Nachteil der Cruise Missiles. Die russische Marine im würde bereits den ersten Start einer Missile bemerken. Durch die relativ langsame Geschwindigkeit bleibt fast eine halbe Stunde, um sich auf den Einschlag vorzubereiten. Ein unangekündigter Start hätte eine russische Reaktion zu Folge haben können, die nicht zu kalkulieren wäre. Sollte Moskau bei einem Überraschungsstart glauben, der Raketenschwarm zielte auf eigene Einrichtungen oder die russischen Schiffe in der Region, könnte im östlichen Mittelmeer der Dritte Weltkrieg ausbrechen.

Wie wird Putin reagieren?

So gesehen hat Trump nicht nur Assad gestraft, sondern auch die Reaktion Putins getestet. Bislang hat Russland die Zerstörung des Flughafens seines Verbündeten hingenommen und in der Nacht des Angriffs  keine Maßnahmen gegen die Raketen oder gegen die Starter-Schiffe unternommen. Der Dritte Weltkrieg ist ausgeblieben. Die Logik der Eskalation wird aber dazu führen, dass Putin diesen Übergriff der USA nicht auf sich beruhen lassen kann. Allein um die USA nicht zu ermuntern, weitere Flughäfen auszuschalten, wäre jetzt eine entsprechende Reaktion notwendig.

Als erste Maßnahmen wurden eine Vereinbarung über den syrischen Luftraum beendet und die Raketen-Fregatte Admiral Grigorovich nach Syrien entsandt. Gleichzeitig kündigte der Kreml an, die syrische Luftverteidigung zu stärken. Das russische Verteidigungsministerium verlautbarte außerdem, dass nur 23 von 59 Missiles das Flugfeld erreicht haben sollen. Stimmt das, wäre der Einsatz kein Triumph der US-Wehrtechnik.

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