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Saugroboter: Für nur 260 Euro saugt Eufy RoboVac 30C auch ganz gut

Muss ein Saugroboter 800 Euro und mehr kosten? Der RoboVac 30C ist viel günstiger, verzichtet auf Schnick-Schnack – doch macht er auch sauber?

Keine Angst vor großen Teppichen

Keine Angst vor großen Teppichen

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Saugroboter werden immer schlauer – aber auch immer teurer. Für die Top-Modelle der bekannten Marken werden Preise von 800 bis 1000 Euro verlangt. Dafür können diese Geräte auch eine ganze Menge. Sie bieten eine solide Staubsaugermechanik, aber das meiste Geld wird für die Cleverness der Geräte ausgegeben.  Sie erfassen alle Räume, erstellen genaue Karten des ganzen Hauses, per Software kann man Begrenzungslinien ziehen und und und ... Doch man darf auch fragen: Muss ein Roboter wirklich so klug sein, er soll doch nur staubsaugen?

Wir haben den "Eufy RoboVac 30C" ausprobiert. Mit einem Ladenpreis von 260 Euro ist er drei bis vier Mal billiger als die Top-Markengeräte. Erste Überraschung: Karton, Verpackung und Zubehör kommen ordentlich und aufgeräumt daher – das kann auch ein Roomba nicht besser. Selbst eine gedruckte Bedienungsanleitung ist dabei. Das Gerät selbst ist kleiner und flacher als die Sauger von iRobot, Neato oder Vorwerk.

Das ist gut, weil der RoboVac 30C noch dort unterschlüpfen kann, wo andere stecken bleiben. Andererseits ist das Gerät auch merklich leichter, was auf weniger solide Bauweise schließen lässt. Was das Design betrifft, muss sich der Billig-Sauger nicht vor den teureren Saugern verstecken. Er sieht definitiv nicht "billig" aus.

Wifi ja, aber kein Mapping

Von den Features her muss man allerdings Abstriche machen. Dieses Gerät hat bereits Wi-Fi – anders als sein Vorgänger, der RoboVac 11S – doch es gibt keine einsehbare Landkarte der Wohnung. Dafür lässt sich das Gerät jetzt per App starten und wenn es irgendwo feststeckt, kann man es Piepen lassen, dann findet man es leichter. Man kann das Gerät sogar per Alexa und Co starten lassen. Die App erleichtert vor allem die Programmierung des Timers. Es liegt zudem eine normale Fernbedienung bei. Nicht ganz unwichtig. Senioren können die Appsteuerung eher als Zumutung, denn als Glücksfall auffassen.

Unsere Meinung: Vieles an den Apps der Marktführer ist Spielerei für Technik-Fans. Ein paar User haben Freude daran, die Saugtouren ihres Roboters auf der virtuellen Karte zu verfolgen. Oder energisch zu rufen "Saug die Küche" und der Roboter spurt. Die meisten Kunden hingegen programmieren eine Uhrzeit ein und lassen den Robbi dann machen. In der Praxis stehen ausgeklügelten Reinigungsplänen – "Flur immer, Schlafzimmer nur Donnerstag" – meist Banalitäten, wie eine verschlossene Tür im Weg. Einziger echter Nachteil des Eufy: Ohne Karte kann man auch keine Zonen virtuell sperren lassen, hier muss man eine magnetische Gummileiste auslegen.

Wie saugt der Billigheimer denn?

Das Navigationssystem kann man mit "dumm und zärtlich" umschreiben. Zärtlich heißt, dass der Sauger die meisten Hindernisse erkennt und etwa 0,5 Zentimeter vor ihnen anhält. Andere Gegenstände erkennt er nicht so gut, aber dann stößt er nur zart gegen sie an. Das kann das Top-Gerät von Roomba besser, aber der Eufy ist auch kein Rabauke, so wie viele Roboter noch vor einigen Jahren, die auf Dauer den Lack von den Fußbodenleisten gerammt haben. Wir fürchten jedenfalls nicht, dass der Eufy überall Spuren hinterlässt.

Dumm bedeutet: Der Sauger saugt nach einem Zufallsprinzip drauf los. Clevere Sauger vermessen zunächst den Raum und beginnen ihn dann systematisch zu reinigen. Das Zusehen macht bei so einem klugen Roboter deutlich mehr Freude: Erst werden die Ränder des Zimmers gereinigt, dann arbeitet er Bahn für Bahn ab. Auf einem langflorigen Teppich kann man, wenn man nach Hause kommt, die exakten Bahnen bewundern. Ein Gerät wie der Eufy arbeitet dagegen chaotisch. Da gibt es keine schicken Bahnen im Flor und wenn man ihn beobachtet, denkt man häufig: "Was macht der denn jetzt?" Aber letztlich reinigen die Chaossauger die Räume eben auch, kann sein, dass ein Cleverer es etwas schneller schafft. Nach einem halben Jahr beobachtet niemand mehr seinen Sauger bei der Arbeit.

Auf den ersten Blick wirkt es nicht so toll, dass Saugöffnung und Rotationswalze wesentlich schmaler als bei Markengeräten sind. Man denkt: Das kann nicht gut für die Saugleistung sein, auch wenn zwei große Rotationsbürsten sich bemühen, den Schmutz Richtung Sauger zu schaufeln.

Tüchtige Saugleistung

Tatsächlich schlägt sich der Eufy aber besser, als man denkt. Er erzielt eine Saugleistung von 1500 Pascal, das ist doch ein erheblicher Unterdruck. Kabelgeräte erzeugen noch einen höheren Unterdruck, den muss man aber meist mindern, damit sich die Bürste nicht am Teppich festsaugt. Die Rotationsbürste des Eufy nimmt Hundehaare gut auf, das Staubfach ist allerdings etwas klein. Natürlich besitzt er einen Hepa-Filter, um den Feinstaub zurückzuhalten. Im Automatik-Modus ist das Gerät angenehm leise. Wie bei allen Robotern sollte man sich von den Werbefotos nicht täuschen lassen: Niemand liest auf der Couch, während ein Roboter um ihn herum saugt. So leise sind sie dann doch nicht.

Überraschend gut kommt der Eufy mit hohen und dunklen Teppichen klar. Viele teure Geräte scheitern an langflorigen Teppichen, der billige Eufy klettert auf sie drauf und saugt sie unbekümmert ab. Auch Türschwellen von etwa zwei Zentimetern nimmt das Gerät klaglos. Die Akkuleistung reicht für etwa 100 Minuten, das ist auch für größere Wohnungen okay.

Die Staub- und Dreckaufnahme des Billigsaugers Eufy RoboVac 30C hat uns positiv überrascht. Hier können wir zwar immer noch einen Unterschied zu den Top-Geräten feststellen, aber die Saugleistung ist auf jeden Fall in Ordnung.

Ob man deren avancierte Mapping-Funktionen insbesondere das Einrichten virtueller Sperrzonen benötigt, muss jeder selbst entscheiden. Wer sein Gerät einfach nur einmal am Tag starten und dann saugen lassen will, wird das kaum vermissen.

Die Spitzengeräte navigieren allerdings etwas feiner. Für den RoboVac 30C mussten wird doch ein paar Stellen mehr in einer zugegeben komplizierten Wohnung entschärfen als für den Roomba oder Neato. Ein Drama ist das aber nicht. 

Aber an eins muss ein Käufer denken: Ein Sauger ohne Mapping weiß selbst auch nicht, wo er gesaugt hat. Bei großen und komplizierten Grundrissen kann es passieren, dass das Gerät vor allem nach dem Neuaufladen immer wieder die gleichen Zonen abfährt, den Rest aber vergisst.

Ein Gerät wie der RoboVac 30C kann eine Fläche bis 70 Quadratmeter regelmäßig reinigen. Kommen noch weitere Räume hinzu, muss er da ab und zu einen Sondereinsatz starten.

Wer eine so große Wohnung auf einer Ebene besitzt, sollte vielleicht doch in ein klügeres Gerät investieren. Die Topgeräte arbeiten zudem berührungsärmer, sie tippen fast nie irgendwo an. Auch hier kommt der RoboVac 30C nicht ganz mit.

Wirklich nervig ist die Hartnäckigkeit der Kleinen: Der RoboVac weiß nicht, wann gut ist. Bekommt er einen dünnen Kabel zu fassen, kann er ihn durchaus durchbürsten. Das passiert nicht mit einem Stromkabel, aber man sollte doch vorsichtig sein. Die besten Geräte sind hier klüger, sie merken, wenn sie sich an Kabeln und Schnürsenkeln verschlucken und halten dann ein.

Nett beim Eufy fällt auf, dass das Verschleißzubehör ebenfalls günstig ist. Für ein Set mit einer Hauptbürste, sechs Seitenbürsten und sechs Hepa-Filtern zahlt man 24 Euro.

Fazit 

Der RoboVac 30C bietet nicht die gleiche Leistung wie ein Gerät, das über 600 oder 800 Euro kostet. Doch er saugt doch ziemlich überzeugend. Wenn das Budget begrenzt ist, macht man bei dem Preis nichts falsch.

Wer auf die Wi-Fi-Anbindung verzichten kann, sollte sich vielleicht sogar den Vorgänger ansehen. Der Eufy RoboVac 11S kann nur mit der Fernbedienung programmiert werden und erzeugt einen etwas geringeren Unterdruck (1300 Pa) – dafür kostet er noch weniger, nämlich 199 Euro.

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