HOME
Interview

Rüstungsexport: Darum spaltet der S-400-Deal von Putin und Erdogan die Nato - "Jetzt driftet die Türkei ab"

Bei dem Kauf der russischen S-400 durch die Türkei geht es um weit mehr als um eine Rakete. Die Türkei erhebt sich als Regionalmacht und wendet sich vom Westen ab. Der stern sprach mit dem Miltärstrategen Oberst Schulyok über die Bedeutung des S-400-Deals.

Der Kauf der S-400 ist ein Zeichen für das Bestreben der Türkei, sich zur Regionalmacht zu erheben,

Der Kauf der S-400 ist ein Zeichen für das Bestreben der Türkei, sich zur Regionalmacht zu erheben,

Picture Alliance

Herr Oberst Schulyok, Sie arbeiten für die Abteilung "Militärstrategie" im Bundesministerium für Landesverteidigung in Wien. Die Türkei kauft eine Rakete – zugegeben in Russland – und die Nato steht Kopf. Können Sie uns erklären, woher die Aufregung kommt? 

In wirtschaftlich schweren Zeiten werden fliegende Partnerschaften gebildet. Rüstungsgüter sind dabei einerseits Druckmittel, aber auch den wirtschaftlichen Möglichkeiten und vernetzten Angeboten angepasst. Unter dieser Prämisse muss das russische Flugabwehrsystem S-400 betrachtet werden.

Hier geht es nicht nur um wirtschaftliche Verhältnisse. Es geht doch um mehr, als nur einen entgangenen Auftrag für die Rüstungsindustrie der USA?

Die Türkei ist im Zusammenhang mit dem geplanten Kauf dieses Systems bei den USA in Ungnade gefallen. Die USA sehen eine Unvereinbarkeit mit dem gleichzeitigen Erwerb und Betrieb des amerikanischen Tarnkappenflugzeugs F-35, wo sogar Komponenten in der Türkei gefertigt werden.

In der Vergangenheit haben die Nato-Staaten Griechenland und Bulgarien das Vorgängermodell S-300 eingeführt. Was ist anders mit der S-400?

Das System S-400 hat gegenüber dem System S-300 einen gewaltigen Technologiesprung unternommen, der nun auch westlicher, respektive amerikanischer Technologie gefährlich wird. In den Händen eines wankenden Partners ist das unangenehm.

Ist das System so viel leistungsfähiger als vergleichbare Waffen der USA?

Hier spielt das Verhältnis Technik zu Preis eine Rolle: So hat die S-400 nicht nur besseres Radar (bis 600 km), höhere Reichweite der Flugkörper (bis zu 400 km) sondern ist auch noch um die Hälfte billiger als zum Beispiel das amerikanische Patriot-System (Radar bis 300 km, Reichweite Flugkörper je nach Typus bis zu 160 km). Das neueste amerikanische THAAD-Mobilsystem kostet sogar das Dreifache des Systems S-400.

+++ Weitere Informationen über die S-400 lesen Sie hier: "S-400 Triumf – Putins Rakete, die auch Stealth-Jets vom Himmel holt" +++

Die S-400 soll sogar die "unsichtbaren" Stealth-Jets der USA aufspüren können.

Entscheidend ist diese, zumindest behauptete, überragende Technik der Zielbekämpfungsmöglichkeiten über herkömmliche Systeme hinaus - auch gegen die Tarnkappentechnologie, Überschall, ballistische Flugkörper und weitreichende Radarsysteme (z. B. AWACS).

Die S-400 ist ein Verkaufsschlager des Kremls. Indien, Saudi-Arabien und weitere Staaten wollen die S-400 kaufen. Das gefällt den USA zwar sicher auch nicht, aber diese Länder werden nicht so massiv unter Druck gesetzt wie die Türkei. Wieso?

Das nehmen die USA zähneknirschend zur Kenntnis, aber im Sinne weiterer Zusammenarbeit im jeweiligen Umfeld (Arabischer Raum/Israel gegen Iran) beziehungsweise gegen China wird der Kauf toleriert. Die Türkei besitzt einen besonderen Status wegen ihrer strategischen Position – als Tor nach Asien sowie in den Nahen und Mittleren Osten und im Mittelmeer. Neben der militärischen Stärke war das ein Grund der Aufnahme in die NATO, trotz des bis dato ungelösten Zypern-Konflikts.

Die Lage der Türkei ist in der Tat einzigartig. Sie beherrscht das östliche Mittelmeer, das Schwarze Meer mit der umstrittenen Krim und könnte auch für Chinas Infrastrukturprojekte eine bedeutende Rolle spielen. Während der Westen beziehungsweise die EU die Türkei aus verschiedenen Gründen als gleichwertigen Partner zurückgewiesen hat.

Jetzt driftet die Türkei ab. Sie kooperiert immer enger mit Russland. Diese neue/alte Achse wurde gerade im Syrien-Konflikt offensichtlich, trotz unterschiedlicher Ansichten betreffend Assad. Auch der differenzierte Umgang mit den Kurden im Grenzraum – für die USA enge Verbündete im Kampf gegen den IS, für die Türkei selbst ein erbitterter Gegner – trägt nicht zum Verständnis für eine gemeinsame Linie bei und man ist nur knapp an einer direkten Konfrontation vorbeigeschrammt.

Bei uns wird die Auseinandersetzung um den S-400-Deal vor allem auf der Folie "die NATO gegen Russland" wahrgenommen. Aber der eigentliche Akteur ist doch die Türkei?

Es läuft direkt auf ein Kräftemessen zwischen den auf Rückzug, auf Neuorientierung ausgerichteten USA und der nach lokaler Hegemonie strebenden Türkei hinaus. Russland, wirtschaftlich geschwächt und politisch isoliert, kommt diese "neue" Partnerschaft gelegen. USA sehen indessen ihre Felle davon schwimmen, auch ein angebotener "Sonderdeal" für Patriot-Systeme hat die Türkei nicht umstimmen können.

In Deutschland ist der türkische Präsident Erdogan ziemlich unbeliebt. Aus dem Bauch heraus könnte man sagen: "Lasst die Türkei doch ziehen"…

Alle Druckmittel bis hin zum Entzug der Komponentenproduktion inklusive des Verkaufs der F-35 sind bislang gescheitert. Die USA müssen mehr nachlegen, um die Türkei zurück ins Boot zu holen.

Mit Drohungen ist man nicht weit gekommen. Die NATO kann auf die Türkei nicht verzichten?

Derzeit kann die Türkei die NATO von innen heraus blockieren – dass ist ihr bewusst und macht sie so stark. Dazu kommt das Bewusstsein ihrer strategischen Bedeutung. Das ist ihr Joker.

Die NATO hat ihr 70-jähriges Jubiläum gefeiert. Aber das Bündnis steht vor großen Herausforderungen. Neben den Spannungen mit Russland setzt US-Präsident Trump der NATO zu. Das ist sein brüsker, wenig diplomatischer Stil – dazu kommt sein Verständnis, das Bündnis einer reinen Kosten-Nutzen-Betrachtung zu unterwerfen. Geht die Zeit des unverbrüchlichen Blocks "NATO" zu Ende?

Die Phalanx NATO, die Achse USA – Europa beginnt zu bröckeln. Neuen fliegenden Partnerschaften, Zweckgemeinschaften nach Interessenslage gehören die Zukunft. Dies zu erkennen und eine Neuausrichtung zu suchen - auch im Sinne weitreichender Kooperationen durch NATO, Europa, respektive EU, und den USA - ist eine Chance.

Lesen Sie auch: 

Struna-1 – Russlands Radarfalle gegen unsichtbare Stealth-Jets

So erbeuteten chinesische Hacker Daten über die streng geheime US-Waffe "Sea Dragon"

Dreifache Reichweite und Mach 5  - Chinas Raketen hängen westliche Waffen ab

Chinas Superrakete ist viel zu schnell für den US-Raketen-Schutzschild

Manpads – die gefährlichen Kleinstraketen, die ganze Kriege entscheiden können

Iron Dome - Was leistet Israels Abwehrschirm gegen Hamas-Raketen wirklich?

Kann ich mich auf Geschwindigkeitsanzeige FritzBox verlassen?
Hallo zusammen, erstmal herzlichen Dank für die Leute, die sich Zeit nehmen Fragen zu beantworten oder ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Das ist oft hlifreich, wenn man sich nicht so auskennt. Ich hoffe, dass mir jemand weiterhelfen kann. Die Telekom hat hier nach langer und ersehnter Zeit schnelle Leitungen verlegt. Mitarbeiter waren auch zu Besuch da und auch nett:-) Sie wollten ja auch, dass ich von 1und1 wieder zurück wechsel. Das ist für mich in Ordnung und gehört zum Wettbewerb. Da jedoch die Mitarbeiter mir sagten, dass die Telekom für paar Jahre das Vorrecht hätte, könnte ich schnelles Internet nur über Telekom beziehen. Sprich entweder Telekom und schnelles Internet oder langsames Internet. Da habe ich im Internet recherchiert und rausgefunden, dass das so nicht mehr stimmt. Das war der Grund, warum ich dann bei 1und1 DSL100 abgeschlossen habe, da man mir am Telefon gesagt, dass es ohne Probleme möglich wäre. Nun ist es jedoch so, dass wir gar nicht so merken, dass unser Internet schneller ist. Gerade in der oberen Etage kann man nicht ohne Router surfen oder Sky über Internet Fernsehen. Nun meine Frage: Bei der Fritzbox wird es jedoch angezeigt. Kann ich mich drauf verlassen? Oder wie macht ihr eure Messungen? Ich weiss, dass es Software gibt, aber der feste Rechner ist bereits alt und hat einen alten Internet Explorer drauf. Wenn ich mit einem Laptop im Wlan mich reinhänge, wird sicher die Geschwindigkeit sowieso niedriger und nicht verwertbar sein, oder? Vielen Dank für die Antworten.