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Online-Dating: Nicht in deiner Liga! Alle wollen online einen Traum-Partner finden

Beim Online-Dating investieren Frauen und Männer viel Energie bei der Jagd nach Traum-Partnern, die weit attraktiver sind, als sie selbst. Das kann frustrierend sein, aber manchmal wird die Ausdauer belohnt.

Ein Mann und eine Frau tippen auf ihren Handys

Wer will, dass andere auf sein Dating-Profil anspringen, muss schon etwas anbieten

Greif nach den Sternen, das scheint das Motto der Online-Dater zu sein. Das ist das Ergebnis der Studie "Aspirational pursuit of mates in online dating markets" erschienen in "Science Advances". Mit dem Spatz in der Hand scheint sich niemand zufriedenzugeben, gesucht wird die Taube auf dem Dach. "Es gibt viele Volksweisheiten über das Daten, aber sehr wenig wissenschaftliche Beweise. Eine der Gemeinsamkeiten dieser Spruchweisheiten ist, dass man beim Daten außerhalb der eigenen Liga sucht", sagte Elizabeth Bruch, die Verfasserin der Studie. "Wir wollten nun wissenschaftliche Grundlagen schaffen. Die Daten des Online-Datings geben uns einen Einblick in die Strategien, mit denen Menschen Partner finden."

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Für die Studie wurden die Daten von fast 200.000 Usern aus , Boston, Chicago und Seattle aus dem Januar 2014 untersucht. Der Name der Datingplattform bleibt aber geheim.

In einem ersten Schritt wurde der Beliebtheitswert jeder Person ermittelt. Dazu wurde herangezogen, wie viele User mit ihm oder ihr Kontakt aufgenommen haben und wie beliebt diese User selbst waren.

Jäger im Online-Dschungel

Herausgekommen sind die Jagdstrategien auf einer Plattform, die Dates wie auf einem Markt vergibt. Die meisten Personen gehen clever vor. Sie haben offenbar eine gute Selbsteinschätzung des eigenen Marktwertes. Im ersten Schritt werden Personen kontaktiert, die einen vergleichbaren Beliebtheitswert haben. Dazu wird aber versucht, die Aufmerksamkeit von Personen zu erringen, die weit attraktiver sind als man selbst.

23 Prozent der Kontaktanfragen von Frauen zielen nach oben, bei Männern sind es 26 Prozent. Der Unterschied ist leicht erklärt: "Frauen haben viel höhere Antwortquoten auf ihre Nachrichten als : Die durchschnittliche Antwortquote der Männer liegt bei etwa 17 Prozent, während Frauen oft auf mehr als die Hälfte ihrer Nachrichten eine Antwort erhalten. Frauen können es sich also leisten, etwas ehrgeiziger zu sein."

Cupido verschießt seine Pfeile nicht gerecht. Die begehrteste Person des Dienstes war eine 30 Jahre alte New Yorkerin, sie bekam jede halbe Stunde eine Nachricht - Tag und Nacht. Die Strategie, viel Energie in die begehrtesten Personen zu investieren, produziert jede Menge Frustration. Die begehrte New Yorkerin wird sich vielleicht über den Strom an Anfragen gefreut haben, aber natürlich wird sie nur die wenigsten beantworten. Da die meisten Benutzer einen guten Anteil ihrer Nachrichten "nach oben" schicken, bleiben viele ihrer Nachrichten unbeantwortet. "Es ist eine allgemeine Klage, dass die User glauben, dass sie keine Antworten erhalten." Doch Ausdauer wird belohnt: "Das kann entmutigend sein. Aber auch wenn die Rücklaufquote niedrig ist, zeigt unsere Analyse, dass 21 Prozent der Menschen, die sich nach oben orientieren, doch Antworten von einem User erhalten, der außerhalb ihrer Liga rangiert. Ausdauer zahlt sich also aus."

Selbstdarstellung und Wirklichkeit

Interessante Ergebnisse gibt es in Bezug auf das Alter. Während die Beliebtheit von Frauen zwischen 18 und 60 Jahren mit zunehmendem Alter kontinuierlich abnimmt, steigt die von Männern um 50 deutlich an, um danach aber wieder abzuflachen. In den Ergebnissen spiegelt sich das knallharte Attraktivitätsranking in den USA – wo man dazu neigt, jede Person in einer Skala von 0 bis 10 einzusortieren. Auch darin spiegelt sich die Sehnsucht, eine glatte 10 zu erobern – auch wenn man selbst nur eine schwache 7 ist. Wie sich die Beliebtheit in einer Dating-App bildet, wurde nicht im Detail untersucht. In der Welt des -Datings gibt es ohnehin das Problem, dass die Selbstdarstellung der Suchenden häufig geschönt ist und niemand die Angaben überprüft.

Schreibt nicht so lang

Wie es nach einem Treffen weitergeht, wissen die Forscher nicht. Einen Tipp hat Elisabeth Bruch allerdings für alle Online-Dater: "Wir können uns viel Arbeit ersparen, wenn wir keine längeren Nachrichten schreiben."

Wer Kontakt zu einem besonders begehrten User aufnimmt, neigt nämlich dazu, sehr lange Nachrichten zu senden. Das führt aber zu keiner besseren Antwort-Quote: "Einer der Gründe könnte sein, dass Menschen, die so begehrt sind, so viele Nachrichten in ihrem Posteingang haben, dass sie die meisten von ihnen gar nicht lesen. Diese liebevoll gestaltete Botschaft, an der sie zwei Stunden lang gearbeitet haben, kann einfach ungelesen bleiben."

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