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Nichtraucherschutz: In der Raucherzone

Fast überall in Europa werden die Nichtraucher vor Zigarettenqualm geschützt. Nur bei uns trauen sich die Politiker nicht, das Rauchen in Gaststätten zu verbieten. Ein Frontbesuch an deutschen Tresen und Tischen.

Von Jürgen Steinhoff

Als 2005 in Italien das totale Rauchverbot für ausnahmslos Ê alle Gaststätten in Kraft trat, ÊÊÊkonnte sich in Deutschland kein Mensch vorstellen, dass die Italiener es auch wirklich einhalten. Sie tun es aber. Bis hinauf in die abgelegenste Dorfbar in den Abruzzen raucht dort seit fast zwei Jahren keiner mehr - ohne Volksaufstand, ohne jedes Theater.

Und daher mochten es die Italiener kaum glauben, dass ausgerechnet das Parlament der disziplinierten Deutschen einen Antrag auf ein ähnliches Rauchverbot vertagte. Der "Corriere della Sera" vermutete ironisch, Deutschlands Politiker hätten wohl Angst davor, die Minderheit der Raucher zu diskriminieren, weil "die erste Anti-Raucher-Kampagne seinerzeit von den Nazis gemacht wurde".

Warum schafft Deutschland nicht, was fast alle anderen zivilisierten Länder mühelos hinkriegen: die Nichtraucher vor dem gefährlichen Qualm der rauchenden Minderheit zu schützen?

Rund um Deutschland herum gibt es Gesetze zum Schutz der Nichtraucher: in England, Schottland, Finnland, Irland, Island, Norwegen, Schweden; in Frankreich, Spanien, Italien. Und sogar im einstigen Ostblock. Laut einer Tabelle der Weltgesundheitsorganisation, die Europas Länder nach ihren Schutzmaßnahmen für Nichtraucher bewertet, liegt Deutschland im unteren Drittel, noch hinter Ländern wie Polen, Ungarn, Bulgarien oder Tschechien.

Nachdem die Italiener ihr Gesetz verabschiedet hatten, lamentierten Deutschlands Wirte, im Süden könne man die Raucher allein schon wegen des besseren Wetters problemlos vor die Tür schicken. Stimmt.

Aber auch in Norwegen müssen Raucher zum Rauchen raus. Selbst im Winter bei Temperaturen von 15 Grad minus. Die stehen dann, eingemummt wie Michelin-Männchen, draußen unter Heizstrahlern, mitunter sogar auf angewärmten Gehwegplatten, unter denen die Wirte Heizschlangen verlegt haben.

Im Nachbarland Schweden müssen die Süchtigen nicht zwangsläufig in die Kälte; sie dürfen rauchen - allerdings nur, wenn sie das in einem luftdicht vom Gastraum abgetrennten Extraraum tun. Dort jedoch darf nicht bedient werden. Nichtraucherschutz gilt schließlich auch für Kellner. Bei den gastfreundlichen Italienern dagegen ist Bedienung in solchen Raucherräumen erlaubt. Weil aber die meisten Restaurants zu klein sind, um Räume abzutrennen, stellen die Wirte Stühle vor die Tür - und aufgeständerte Aschenbecher daneben. Kein Gast meckert.

Und in Deutschland? Was deutsche Wirte denken, sagt unverblümt Rudolf Päffgen, Besitzer der mit 450 Plätzen größten Kölner Kölschkneipe: "He weed zick över hundert Johr jequalmp! Bei uns es alles volljequalmp - de Wängk sin verqualmp, et Holz es verqualmp, alles es verqualmp. Zu jede jode Wetshus jehöt och ördentlich Qualm. Ohne Qualm fählt einfach de Jemötlichkeit." Basta.

Auf diesem Standpunkt stand bis vor einem Jahr auch der Deutsche Hotel- und Gaststätten-Verband, kurz DeHoGa. Das ist die Interessenvertretung für die insgesamt 245 000 gastronomischen Betriebe in Deutschland, von denen allerdings nur ein Drittel dem DeHoGa angehört. Weil aber rund um Deutschland ein Land nach dem anderen Rauchverbote verhängt, hat sich der Verband angesichts eines drohenden Verbotes vom Gesundheitsministerium zu einer "freiwilligen Zielvereinbarung" drängen lassen. Darin verpflichtet er sich, bis März 2008 dafür zu sorgen, dass mindestens 90 Prozent aller Wirtshäuser mindestens die Hälfte ihrer Plätze Nichtrauchern vorbehalten. Allerdings ohne räumliche Trennung von den Rauchern.

Für Nichtraucherschützer ist das ein Witz. Nichtraucher in einem Raum mit Rauchern, höhnen sie, sei wie ein Schild im Schwimmbad mit der Aufschrift: "Das Urinieren im Becken ist nur auf den Bahnen eins bis drei gestattet."

Jahr für Jahr fragt die Gesellschaft für Konsumforschung 2000 Deutsche, ob sie für oder gegen ein Rauchverbot in Gaststätten sind. Die Zustimmung steigt drastisch. 2005 waren 53 Prozent dafür. In diesem Jahr sind es 64 Prozent. Das entspricht annähernd dem Zahlenverhältnis von Nichtrauchern und Rauchern, sowohl "draußen im Lande" als auch im Deutschen Bundestag.

Warum, um Himmels willen, können sich Deutschlands Politiker zu diesem Schritt nicht aufraffen? Die medizinischen Beweise für die Schädlichkeit des Zigarettenqualms für Passivraucher sind erdrückend. In den USA, wo den Rauchern der Wind wie nirgends sonst ins Gesicht bläst, hat sich die Zahl der Raucher seit 1965 halbiert.

Bei den Rauchverboten im Ausland hat es natürlich auch Probleme gegeben. In den Pubs von Irland und Schottland, wo viel getrunken wird, sind die Umsätze zurückgegangen. An den Piazze in Italiens Innenstädten gibt es Beschwerden über den Lärm am späten Abend, wenn die Raucher nach den Antipasti, dann nach den Nudeln, nach dem Hauptgang und noch einmal nach dem Dolce mit der Zigarette vor die Tür strömen und palavern. Irische Wirte klagen, dass seit dem Rauchverbot die Polizei spätabends nur noch durch die Straßen fahren muss, um zu sehen, wo die Sperrstunde überschritten wird - überall dort, wo die Raucher nach dem Rauchen wieder reingehen statt nach Hause.

Ähnliche Probleme, insbesondere den Verlust von Einnahmen, fürchten nun deutsche Gastronomen, sollte ein Rauchverbot bald auch in Deutschland gelten.

Der Wirt von "Auerbachs Keller" in Leipzig, 700 Plätze, glaubt, dass seine Gäste nicht mehr so lange blieben wie bisher, dass dadurch der Pro-Kopf-Umsatz sinke und er infolgedessen 6 seiner 90 Kellner entlassen müsse.

Der Wirt von Deutschlands berühmtestem Gasthaus, dem "Hofbräuhaus" in München mit 3000 Plätzen, bangt um seine urbayerischen Stammtischgäste. Wenn die nicht mehr kämen, weil sie nicht mehr rauchen dürften oder in einen Raum nur für Raucher und ohne Bedienung umquartiert würden, befürchtet er, dann kämen irgendwann auch die eigentlichen Geldbringer nicht mehr, nämlich die Touristen aus aller Welt, die gerade auf diese Ziereinheimischen in Lederhosen und mit Gamsbärten am Hut scharf seien.

Der Wirt des noblen Hamburger "Fischereihafenrestaurants" könnte im Falle eines totalen Rauchverbots seine Gäste zum Rauchen nicht einmal an die Bar bitten: Bedienung verboten. Die Herrschaften müssten eine lange Treppe hinunter auf die Straße - und hinterher wieder hoch.

Der Wirt des 170 Plätze großen Berliner Promi-Lokals Borchardt, bei dem vor allem Politiker und Journalisten einkehren, verweist auf seine leistungsstarke Belüftungsanlage. Dort, wo die Frischluft einströmt, sitzen die Nichtraucher, dort, wo der Mief abgesaugt wird, sitzen die Raucher. Alle Gäste seien damit hochzufrieden, versichert er.

Doch jede deutsche Gaststätte ist anders. Mal sind die Räume ineinander verschachtelt. Mal ist der Einbau von Belüftungen problematisch. Außerdem und vor allem: Viele Inhaber sind für solche Investitionen eigentlich zu klamm. Probleme über Probleme also. Wie immer in Deutschland.

Aber: Die Wirte in Italien, Irland, Schweden führten ähnliche Klagen. Warum klappt es dort mit dem totalen Rauchverbot in den Kneipen trotzdem?

Weil dort schlicht und einfach ausnahmslos und nirgends mehr geraucht werden darf. Und weil jeder, der dagegen verstößt, egal, ob Gast oder Betreiber, meist empfindlich teuer bestraft wird. Dem Wirt, der seine Kunden trotzdem rauchen lässt, droht häufig gar Lizenzentzug.

Unisono fragen deutsche Wirte: Ist es nicht schrecklich, dass in Deutschland alles reglementiert werden muss? Nein. Es ist weder typisch deutsch noch schrecklich. Die Nachbarländer reglementieren auch, weil die Nikotinsucht hartnäckiger und deshalb schwerer entwöhnbar ist als die Sucht nach Alkohol und sogar die nach Kokain. Sucht bleibt Sucht, ob in Deutschland, Italien oder Irland. Wer rauchen kann, wo immer er darf, der tut es auch.

In Spanien kostet das Rauchen in Nichtraucherzonen bis zu 600 Euro. Davor ist nicht einmal Ministerpräsident Zapatero sicher. Ihn hat jemand verpetzt, weil er beim Aktenstudium in seinem Dienstzimmer heimlich geraucht hat. Das Quarzen am Arbeitsplatz ist verboten. Ab 2007 müssen dort sogar die Räume für Zigarettenpausen verschwinden.

Englands Kneipen sind ab Sommer kommenden Jahres rauchfrei. Total. Premier Tony Blair, der das verhindern wollte und deshalb einen ähnlich hasenfüßigen Kompromiss anstrebte, wie ihn jetzt die Große Koalition in Deutschland auskungeln will, musste am Ende entgegen seiner eigenen Gesetzesvorlage für das Totalverbot stimmen. Andernfalls hätte er eine Abstimmungsniederlage erlitten.

Die Grosskoalitionäre in Berlin wollen sich drei Wochen Zeit nehmen, um einen "maßvollen" Kompromiss auszuhandeln. Sind demzufolge Politiker in Italien, Irland oder Schweden maßlos und blöd?

Den Zauderern im Bundestag ist ein Urlaub in Italien anzuraten. Den hat in diesem Sommer Michael Schnitzler aus Düsseldorf gemacht. Schnitzler ist Bierbrauer und zugleich Wirt vom "Uerige", der bekanntesten Altbierkneipe der Stadt mit täglich bis zu 400 Gästen. Welche Sorgen hat er bei einem Rauchverbot in Deutschlands Kneipen? "Keine. Seit ich erlebt habe, wie problemlos das in Italien läuft, mache ich mir darüber keinen Kopf mehr. Das würde auch in Deutschland funktionieren."

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kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(