Rezessionsangst Deutsche halten ihr Geld zusammen


Kein Auto, kein Urlaub: Der Wirtschaftsabschwung wirkt sich deutlich auf den Konsum der Bundesbürger aus. Laut einer Umfrage wollen fast 50 Prozent größere Anschaffungen zurückstellen. Das Ergebnis spielt den Befürwortern von Konsumgutscheinen in die Hände.

In der Rezession verzichten immer mehr Deutsche auf geplante Autokäufe, Restaurantbesuche und teuren Urlaub. Laut einer repräsentativen Umfrage der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young unter 3000 Verbrauchern verändern die Bürger angesichts der Wirtschaftskrise zum Teil drastisch ihr Konsumverhalten. 47 Prozent der Befragten wollen größere Anschaffungen wie einen Autokauf verschieben, ergab die am Donnerstag in Stuttgart vorgestellte Studie.

Angst um den Arbeitsplatz

Jeder Dritte verzichtet häufiger auf den Gang ins Restaurant oder knappst Geld beim Urlaub ab. 20 Prozent fürchten zudem um ihren Arbeitsplatz. Krisengewinner seien besonders Discounter und Anbieter im Niedrigpreissegment, sagte Ernst & Young-Partner Peter Schommer.

Die Umfrage dürfte der Debatte um die Ausgabe von Konsumgutscheinen neue Nahrung verschaffen. Während ein solches Konzept in Teilen der SPD auf Zustimmung stößt, hat sich die Union bislang einstimmig gegen die Verteilung von Gutscheinen zur Ankurbelung der Binnennachfrage ausgesprochen.

Die Erwartung der Bundesbürger wird laut der Ernst & Young-Umfrage besonders für 2009 immer pessimistischer: 61 Prozent der Befragten geht davon aus, dass sich die Wirtschaftslage in Deutschland verschlechtert. Angesichts der drohenden tiefsten Rezession seit Gründung der Bundesrepublik erwartet jeder Dritte der Befragten, dass sich auch die eigene wirtschaftliche und finanzielle Situation negativ entwickelt. Nur noch 48 Prozent halten ihren Arbeitsplatz für "sehr sicher".

"Die Finanzkrise ist zu einer realen Wirtschaftskrise geworden, die die Industrie mit großer Wucht getroffen hat - die Arbeitnehmer stellen sich darauf ein, dass dies auch Auswirkungen auf die Beschäftigung haben wird", sagte Schommer. Die größten Sorgen um ihren Job machen sich Geringverdiener und Singles sowie kinderlose Paare. Fast jeder dritte Arbeitnehmer mit einem Einkommen von unter 25.000 Euro sieht seinen Arbeitsplatz gefährdet - von den Personen, die mehr als 50.000 Euro pro Jahr verdienen, sorgt sich nur jeder 13. um die Sicherheit seines Arbeitsplatzes.

Die Zukunftsängste führen zu deutlichen Sparanstrengungen: Zwei von drei Verbrauchern achten laut der Umfrage stärker auf den Preis, und 45 Prozent kaufen häufiger bei Discountern. "Vor allem Familien mit Kindern und Personen mit niedrigen bis mittleren Einkommen wollen insgesamt den Gürtel enger schnallen und kaufen verstärkt bei Discountern ein", heißt es in der Studie. Trotz aller Sorgen will aber die Hälfte der Befragten nicht auf gelegentlichen Luxus verzichten.

Die Daten wurden auf Basis einer telefonischen Befragung durch das Marktforschungsinstitut Valid Research aus Bielefeld im November 2008 ermittelt. Befragt wurden 3000 Verbraucher über 18 Jahre aus ganz Deutschland.

DPA DPA

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