WM und Ladenschluss Shop around the clock


Wenn der Ball rollt, fällt auch der starre Ladenschluss: Zur Fußball-WM kann in vielen deutschen Städten auch zu ungewohnten Zeiten eingekauft werden. Doch eine bundesweit einheitliche Regelung gibt es nicht.

Wenn sich die Welt zu Gast in Deutschland einfindet, dann geht es nicht nur um Fußball. Denn die erwarteten Fan-Scharen sollen nicht nur ihren Mannschaften zujublen, sondern auch ihr Geld im Land lassen. Deshalb haben zehn der 16 Bundesländer Sonderregelungen zu den Ladenöffnungszeiten erlassen. Dennoch kann es passieren, dass die kaufwilligen Ball-Fans vor verschlossenen Geschäften stehen - es gibt keine einheitliche Regelung. Niedersachsen, Brandenburg und Sachsen haben den Kommunen die Entscheidung über erweiterte Öffnungszeiten überlassen. Die Geschäfte in Nordrhein-Westfalen und Bayern dürfen an Werktagen rund um die Uhr öffnen. Das Saarland, in dem sich kein WM-Stadion befindet, bleibt bei der bisherigen Regelung. In Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Rheinland-Pfalz sind gesonderte Ladenöffnungen nur mit einer Genehmigung möglich.

Unterschiede auch bei WM-Spielstädten

Auch in den WM-Spielstädten bietet sich deshalb kein einheitliches Öffnungsmuster: In München, Nürnberg, Frankfurt/Main, Hamburg und Köln können Verbraucher während der WM werktags rund um die Uhr einkaufen, wenn Geschäfte die besondere Regelung für sich nutzen. In sechs weiteren Spielorten werden die Ladenöffnungszeiten gelockert. Nur in Hannover bleibt alles beim alten. Auch Hubertus Pellengahr vom Hauptverband des Deutschen Einzelhandels muss einräumen, dass die Lage, wer wann wo öffnet, recht unübersichtlich ist: "Wir bedauern, dass sich Länder und Kommunen nicht einmal auf eine gemeinsame rechtliche Grundlage geeignet haben."

Für den Handel geht es bei der Fußball-WM auch um die Chance auf mehr Umsatz. Insgesamt erwartet der deutsche Einzelhandel durch die WM laut Pellengahr ein Umsatzplus von gut zwei Milliarden Euro. Die gehen aber natürlich nicht in erster Linie auf die verlängerten Öffnungszeiten zurück, sondern beziehen sich vor allem auf den Nachfrageboom in der Unterhaltungselektronik. Deshalb werden nach Einschätzung von Pellengahr auch nur Geschäfte länger öffnen, für die es sich rechnet. Schließlich muss ja für die zusätzlichen Stunden auch Personal bezahlt werden, und das können sich die Inhaber nur bei entsprechend höherem Umsatz leisten. Je kleiner und je ferner der Innenstadt die Geschäfte seien, desto geringer sei allerdings die Bereitschaft, räumt Geschäftsführer Thomas Thienen aber ein.

Kaum Chancen in Kleinstädten

Wenn sich ein Bundesland, bzw eine Kommune zu Sonderregelungen entschlossen hat, dann werden den Geschäften an Werktagen Öffnungszeiten bis Mitternacht sowie an Sonntagen von 14.00 bis 20.00 erlaubt. In den Nebenstraßen der Fußgängerzonen, den Stadtteilen der Metropolen und erst recht kleineren Städten und auf dem Lande dürfte dagegen vielfach alles beim Alten bleiben.

In Ingolstadt bleibt Marktkauf als Unikum während der WM sogar rund um die Uhr offen, doch die meisten Geschäfte in den Großstädten beschränken sich auf eine Verkaufszeit bis 22.00 Uhr. In Berlin, wo nicht nur das Endspiel stattfindet, sondern auch sonst eine Vielzahl von Besuchern erwartet wird, gilt das fast flächendeckend zumindest für die großen Kaufhäuser. Klaus Fischer vom Handelsverband Berlin-Brandenburg rechnet dafür sogar mit Öffnungszeiten bis Mitternacht. In Stuttgart erwartet City-Manager Hans Pfeiffer, dass bis zu 95 Prozent aller Innenstadtgeschäfte an den Werktagen bis 21.00 und nur wenige bis 22.00 Uhr geöffnet haben.

Glück für Dortmund und Gelsenkirchen

Schon in der Verkehrsmetropole

Frankfurt am Main

aber kann der örtliche Einzelhandelsverband nur für die Haupteinkaufsstraße Zeil und die großen Shopping-Zentren die Hand ins Feuer legen. Dort sollen die Geschäfte montags bis samstags bis 22.00 Uhr und sonntags sowie an Fronleichnam bis 20.00 Uhr eingekauft werden können. Die Stadt

München

lässt am Sonntag, 18. Juni, Öffnungszeiten von 12.00 bis 14.00 Uhr zu.

Der Einzelhandelsverband Nordrhein-Westfalen erwartet, dass vor allem die Kaufhäuser in den Zentren größerer Städte bis 22.00 Uhr offen halten. Auch die thüringische Landesregierung hat längere Öffnungszeiten zugelassen - insgesamt 18 Stunden täglich von Montag bis Samstag. In Sachsen-Anhalt und Sachsen gibt es keine landesweite Regelung. In Leipzig, wo vier Vorrundenspiele und ein Achtelfinale ausgetragen werden, gelten an zwei Sonntagen Öffnungszeiten von 13 bis 20 Uhr, werktags bis 22 Uhr.

In

Nürnberg

finden drei von vier Vorrundenspielen und das Achtelfinale an Sonn- und Feiertagen statt. Lediglich Ghana und die USA treffen an einem Werktag aufeinander. Damit hat der Nürnberger Einzelhandel die seltene Gelegenheit, an drei aufeinander folgenden Sonntagen sowie am Feiertag Fronleichnam seine Geschäfte und Kaufhäuser zu öffnen. In anderen WM-Städten gibt es, wenn überhaupt, meist nur einen verkaufsoffenen Sonntag.

Neben den WM-Spielorten wartet vielfach auch der Einzelhandel rund um die Quartiere der einzelnen Nationalmannschaften mit besonderen Aktivitäten auf. So ist ein Einkaufszentrum in Göttingen zur WM ganz auf Mexiko eingestellt, weil deren Mannschaft in der Stadt campiert. Eine Hoffnung auf Kundenströme macht sich der Handel auch, wo öffentliche Leinwandübertragungen der Fußballspiele stattfinden. Ob allerdings der Umsatz die hohen Erwartungen erfüllt, bleibt die große Unbekannte. Offene Ladentüren allein brächten aber noch keinen Schub für das Geschäft, so Pellengahr. Deshalb sei der Umsatz für die Einzelhändler auch nicht das entscheidende Motiv zum Mitmachen: "Wir wollen der Welt eine tolle WM bieten." Doch laut Pellengahr sind Fußballmuffel ebenfalls willkommen: "Es wird auch WM-freie Zonen geben."

Karin Spitra mit AP/DPA DPA

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