HOME

Stern Logo Geschichte

Drogenhandel: Schön, paranoid und unendlich grausam - Griselda Blanco war die Königin des Kokains

Pablo Escobar war ihr Schüler, ihren eigenen Mann richtete sie in einem Wutanfall hin. Brutalität und Grausamkeit von Griselda Blanco waren legendär. Das Leben der "Schwarzen Witwe" wurde auch verfilmt.

Als junge Frau war Griselda Blanco sehr attraktiv. Daneben: Catherine Zeta-Jones als Drogenbaronin.

Als junge Frau war Griselda Blanco sehr attraktiv. Daneben: Catherine Zeta-Jones als Drogenbaronin.

Ihre Grausamkeit und ihr Hass und ihre unbändige Wut brachten Griselda Blanco von ganz unten an die Spitze der Welt. Die "Reina de la Cocaina" galt als mächtigste und reichste Frau ihrer Epoche, nun wurde ihre Lebensgeschichte gleich zweimal verfilmt. Catherine Zeta-Jones und Jennifer Lopez spielen die Patin aus Kolumbien. Doch vermutlich wird keine Verfilmung dem Furor gerecht, die Griselda durch ihr Leben begleitete. Eins zu eins wäre ihre Biografie schlicht nicht verfilmbar.

Als Teenager schon berüchtigt

Griselda Blanco wurde 1943 in einem Vorort von Medellin geboren. Verfolgt von den Nachstellungen der Männer ihrer gewalttätigen Mutter verbrachte sie ihre Kindheit auf der Straße. Ihre erste bekannte Tat war bereits ein Vorschein des Kommenden: Griselda und ihre Gang entführten ein elfjähriges Kind, um Lösegeld zu erpressen. Als die Eltern nicht zahlen wollten, tötete Griselda den Jungen kurzerhand mit einem Schuss zwischen die Augen.

Damit hatten sie einen Namen, schon als Quinceañera war sie eine furchteinflößende Frau. Die gewalttätigsten Männer begehrten sie. Griselda Blanco führte das wilde Leben eines gesetzlosen und frühreifen Pin-up-Girls. Später lautete ihr Spitzname allerdings "Kartoffel". Sie war klein und wurde im Alter richtiggehend fett. Auf dem dicken Hals thronte ein runder Kopf. Aber ihr Appetit auf Männer war fast genauso groß, wie ihr Hang zur Gewalttätigkeit. 

Höhe des Kokain-Handels

Mit ihrem ersten Ehemann wanderte sie in die USA aus, dort stieg sie in die höchsten Höhen des Drogenhandels auf. "El Tiempo" schrieb, Pablo Escobar sei bei ihr in die Lehre gegangen, später bekämpfte er seine Patin. In den USA sollen mehr als 200 Menschen auf ihr Konto gehen, zahllose davon hat die "Reina de la Cocaina" selbst getötet. Auch in die Geschichte des weltweiten Verbrechens ging die Blanco ein. Ihre Innovation: die Exekution vom Motorrad aus. Ihre Gang hieß die "Cocaine Cowboys". Die Art zu Töten ist bis heute ebenso populär, wie die Exekution per Autobombe, die Mafia zehn Jahre zuvor entwickelt hatte. Ihr eigener Tod war eine Verbeugung vor ihrer liebsten Mordmethode: Als alte Frau wurde Blanco 2012 von zwei Motorradkillern niedergestreckt.

Zugleich hatte Blanco die Idee mittellose junge Frauen von der Straße als Drogenkuriere einzusetzen. Blanco begann, maßgeschneiderte BHs und Gürtel mit versteckten Taschen für das Kokain zu entwerfen. In Medellín gründete sie ein Geschäft für Dessous, in dem die Drogenschmuggelunterwäsche nach Maß hergestellt wurde. In Korsett und BH konnte ein Mädchen etwa vier Kilogramm transportieren. Zeitweise galt Blanco als reichste und mächtigste Frau der Welt.

Die Männer der "Schwarzen Witwe"

Ihre drei Männer bezahlten die Liebe zu Blanco mit dem Leben. Bekannt wurde vor allem der Tod von Ehemann Nummer 2, Alberto Bravo. Das Paar traf sich auf einem Parkplatz. Blanco hatte entdeckt, dass ihr Liebster mit Pablo Escobar zusammen gegen sie arbeitete, außerdem hatte er Millionen Dollar aus dem gemeinsamen Geschäft abgezweigt. Als Alberto sich über ihren Titel "Die Patin" lustig machte, geriet Griselda Blanco mächtig in Wut. Aus dem Stiefel soll sie eine Pistole gezogen haben, Bravo konnte noch zu seiner Uzi greifen, aber da hatte Blanco ihm bereits eine Kugel durch den Kopf gejagt. Selbst schwer verletzt, entkam sie mit ihrem Wagen. Sechs Leibwächter blieben tot auf dem Parkplatz zurück. Nachdem ihre Kämpfer ihr später vom Tod ihres Ehemannes berichteten, soll die Patin selig gelächelt haben. Auch vor Kindern machte sie nicht halt. Als Griselda Blanco 1982 den Killer Jesús Castro aus dem Weg räumen wollte, trafen ihre Männer Castro nicht an. Um bei der Chefin irgendetwas vorweisen zu können, erschossen sie kurzerhand dessen zweijährigen Sohn. Blanco war hochzufrieden, Jesús Castro so gedemütigt zu haben.

Den Sohn, den sie mit ihrem dritten Ehemann, Dario Sepulveda, hatte, nannte das Paar Michael Corleone Blanco. Eine Ehrung für die Rolle von Al Pacino in den "Der Pate"-Filmen. Der gutaussehende Dario Sepulveda soll die große Liebe der "Schwarzen Witwe" – ein weiterer Spitzname von Blanco – gewesen sein. Doch mit fünf Jahren wurde das Kind Michael Corleone Zeuge, wie sein Vater von den Killern der Mutter erschossen wurde. Sepulveda hatte sich zuvor mit Griselda überworfen und den Jungen nach Kolumbien entführt. Obwohl er selbst ein Mörder war, soll er es nicht ertragen haben, dass das Kind bei der zusehends paranoideren Mutter lebte. In dieser Zeit soll Griselda Blanco ununterbrochen eine Kokain Mixtur mit dem Namen "Bazooka" geraucht haben. Das Zeug soll sie noch wilder und misstrauischer gemacht haben, als sie schon von Natur aus war. Anstatt vor Gericht, um das Sorgerecht zu streiten, zog Blanco allerdings die schnelle Lösung vor. Nach dem Tod des Vaters kam der Junge zurück zu ihr.

Die wahre Natur

Die Drogenbehörde DEA nahm Griselda Blanco 1984 fest, als sie auf ihrem Bett in der Bibel las. Sie wurde zu 20 Jahren Haft verurteilt und 2004 nach Kolumbien abgeschoben. Dort lebte sie zurückgezogen von ihrem restlichen Vermögen. Bis irgendjemand acht Jahre später eine offene Rechnung begleichen wollte. Von ihren Kinder hat nur Michael Corleone sie überlebt. "Viele Leute sagen, Blanco musste so gewalttätig sein, weil sie sich als Frau in einer Männerwelt durchsetzen wollte, aber ich glaube das nicht", sagte Al Singleton, ein pensionierter Polizist aus Miami, der gegen die Drogenkönigin ermittelte, in einem Dokumentarfilm. "Ich weiß von Leuten aus ihrer engsten Umgebung, dass diese Grausamkeit eben Griselda Blancos wahre Natur gewesen ist."

Hintergrund

Dokumentarfilm: "Cocaine Cowboys – Die wahre Geschichte hinter Scarface und Miami Vice"

Griselda Blanco: The Cocaine Queen, Henri Dauber