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Absturz von AirAsia-Flug QZ8501: "Der schlimmste Albtraum, den ein Airline-Chef haben kann"

Traurige Gewissheit für die Angehörigen der Passagiere des AirAsia-Flugs QZ8501: Die Absturzstelle wurde gefunden, drei Tote geborgen. Doch schlechtes Wetter behindert die weitere Suche.

Ein Mitglied des indonesischen Militärs schaut während der Suche nach dem verunglückten AirAsia-Flug QZ8501 aus dem Fenster eines Flugzeugs

Ein Mitglied des indonesischen Militärs schaut während der Suche nach dem verunglückten AirAsia-Flug QZ8501 aus dem Fenster eines Flugzeugs

Zwei Tage nach dem Verschwinden von Flug QZ8501 haben sich die schlimmsten Befürchtungen bewahrheitet: Einsatzkräfte bargen am Dienstag südwestlich der Insel Borneo erste Leichen aus dem Meer, nachdem Suchflugzeuge Trümmerteile und den Umriss eines Flugzeugs am Meeresboden gesichtet hatten. Am Startflughafen der AirAsia-Maschine in Surabaya brachen Angehörige der 162 Insassen angesichts der Nachrichten in Tränen aus.

Bislang seien die Leichen zweier Frauen und eines Mannes aus dem Meer geborgen und an Bord des Kriegsschiffes "Bung Tomo" gebracht worden, sagte der Chef des indonesischen Rettungdienstes, Bambang Soelistyo.

Suchflugzeuge hatten zuvor in der Java-See 160 Kilometer südwestlich von Pangkalan Bun auf der Insel Borneo Wrackteile gesichtet, darunter eine Einstiegstür und einen blauen Koffer. Zudem entdeckte die Besatzung einer Luftwaffen-Maschine am Meeresboden einen "Schatten" mit den Umrissen eines Flugzeugs.

Suche wegen schlechten Wetters unterbrochen

Indonesiens Präsident Joko Widodo kündigte für Mittwoch eine groß angelegte Suchaktion per Schiff und Hubschrauber an der Fundstelle an. Drei Kriegsschiffe seien bereits auf dem Weg dorthin. Die geborgenen Trümmerteile und Leichen sollten nach Pangkalan Bun gebracht werden, wo sich der nächstgelegene Flughafen befindet. Für die Nacht wurde die Suche wegen schlechten Wetters unterbrochen. Widodo dankte Singapur, Malaysia und Australien für ihre Hilfe. In Surabaya traf der Präsident Angehörige der Insassen.

In dem Raum in der indonesischen Stadt, in dem Angehörige der Insassen die Nachrichten verfolgten, spielten sich dramatische Szenen ab. Angesichts der Unglücksnachricht brachen Angehörige in Tränen aus, mehrere Menschen wurden ohnmächtig.

Auch AirAsia-Chef Tony Fernandes reiste nach dem Fund der Trümmerteile nach Surabaya. "Das ist eine Erfahrung, mit der ich niemals gerechnet hätte", sagte er. "Das ist wohl der schlimmste Albtraum, den ein Airline-Chef haben kann." Fernandes sprach den Familien sein Beileid aus. "Worte können nicht ausdrücken, wie sehr es mir leidtut", sagte er. Immerhin aber könnten die Familien nun abschließen, fügte er hinzu. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) drückte in einem Kondolenzschreiben an Indonesiens Präsidenten Widodo ihr Mitgefühl aus.

Pilot wollte einem Sturm ausweichen

Flug QZ8501 war am Sonntagmorgen von Surabaya auf der indonesischen Insel Java Richtung Singapur gestartet. Rund 40 Minuten später brach der Kontakt zu dem Airbus A320-200 der malaysischen Billigfluggesellschaft AirAsia ab. In seinem letzten Funkspruch hatte der Pilot gesagt, er wolle einem Sturm ausweichen. Seine Bitte um eine höhere Flugroute lehnte die Flugkontrolle ab, weil dort bereits andere Maschinen unterwegs waren. "Zwei bis drei Minuten später, als der Fluglotse die Genehmigung zu einem Aufsteigen auf 34.000 Fuß erteilen wollte, antworte das Flugzeug nicht mehr", sagte Winsu Darjono von der indonesischen Flugkontrolle.

Es ist bereits der dritte Absturz einer malaysischen Maschine in diesem Jahr. Im März war Malaysia-Airlines-Flug MH370 auf dem Weg von Kuala Lumpur nach Peking mit 239 Menschen an Bord spurlos verschwunden. Die Maschine stürzte vermutlich im südlichen Indischen Ozean ab, wurde aber nie gefunden. Im Juli wurde Flug MH17 von Amsterdam nach Kuala Lumpur mit 298 Menschen an Bord über dem umkämpften Osten der Ukraine vermutlich abgeschossen.

Absturzursache noch unklar

Über die Absturzursache gab es noch keine Informationen. Aus Kreisen der Untersuchungskommission verlautete, die Ermittlungen konzentrierten sich auf die Bitte des Piloten, auf eine größere Flughöhe zu gehen. "Wir wissen, dass in dem Gebiet sehr schlechtes Wetter herrschte, es war Sturm", sagte einer der Ermittler, der namentlich nicht genannt werden wollte. Die Fragen lauteten, warum habe er zu diesem Moment eine höhere Flughöhe beantragt, und hätte er früher steigen sollen? Andere Flugzeuge seien dort an dem Tag deutlich höher geflogen.

Derzeit werden Wetterdaten, Radaraufzeichnungen und der Funkverkehr zum Zeitpunkt des Absturzes analysiert. Die Flugdatenschreiber wurden noch nicht gefunden. AirAsia-Chef Fernandes sagte, es sei zu früh, über die Absturzursache zu spekulieren. In die Besatzung habe er volles Vertrauen. Der Flugkapitän sei mit 20.000 Flugstunden sehr erfahren gewesen.

War das Flugzeug zu langsam?

Nach Angaben von Luftfahrtexperten ist ein Steigflug über ein Gewittergebiet nicht ungewöhnlich. Erfahrene Piloten verwiesen darauf, dass in solchen Höhen aber auch die Gefahr bestehe, dass Sensoren am Flugzeug vereisen und dadurch falsche Daten angeben. Die Piloten könnten deswegen beim Bemühen, das Flugzeug unter Kontrolle zu halten, falsche Entscheidungen treffen.

Einige Experten ziehen Vergleiche zum Absturz eines Airbus A330 der Air France im Jahr 2009. Damals hatten die Instrumente wegen vereister Sensoren eine falsche Geschwindigkeit angezeigt. Der Co-Pilot traf daraufhin Entscheidungen, die zu einem Strömungsabriss an den Tragflächen führten. Die Maschine stürzte in den Atlantik.

In Online-Foren von Piloten wurde bereits zuvor über unbestätigte malaysische Radar-Daten debattiert, nach denen das Flugzeug für die Bedingungen deutlich zu langsam geflogen sei. In der dünnen Luft in dieser Höhe würden die Tragflächen bei der Geschwindigkeit nicht genügend Auftrieb liefern, sagte ein Experte. Die Folge wäre ein Strömungsabriss und damit ein Sturzflug. Flugsicherheitsexperten sagten, der Verlust über die Kontrolle des Flugzeugs, was bei schlechten Wetterbedingungen passieren könne, sei äußerst selten, ende dann aber meist in einer Katastrophe.

mka/AFP/Reuters / Reuters