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Myanmar-Ticker: UN bitten um 100 Millionen Dollar

Der Wirbelsturm "Nardis" hat in Myanmar für eine Katastrophe ungeahnten Ausmaßes gesorgt. Die Vereinten Nationen schätzen den unmittelbaren Hilfsbedarf auf mehr als 100 Millionen Dollar. stern.de berichtet im Ticker über die neuesten Entwicklungen.

Freitag, 15.43 Uhr: Die Vereinten Nationen beziffern den Hilfsbedarf für Myanmar auf ungefähr 100 Millionen Dollar (65 Millionen Euro). Der stellvertretende Exekutivdirektor des Welternährungsprogramms (WFP), John Powell, sagt der Nachrichtenagentur AP: "Unserer ersten Schätzung nach benötigen wir ein Programm im Umfang von etwa 106 Millionen Dollar." Davon entfielen ungefähr 53 Millionen Dollar auf Lebensmittel, eine weitere große Komponente seien die Logistikkosten. Die UN haben bis Donnerstag Zusagen über Spenden von etwa 50 Millionen Dollar erhalten.

Freitag, 15.14 Uhr: Der Leiter von Malteser International, Ingo Radtke, berichtet über die Erlebnisse eines Erkundungsteams, das die Lage in dem weitgehend verwüsteten Irrawaddy-Delta inspiziert hat: "Da kommt nichts an, es gibt keinen Zugang zu Medikamenten, keine Vorräte." Ein Teilnehmer des Erkundungsteams stimmt zu: "Die Situation dort verschlechtert sich von Stunde zu Stunde, die Menschen brauchen dringend sauberes Trinkwasser und medizinische Versorgung."

Freitag, 14.35 Uhr: Der UN-Koordinator für humanitäre Aktionen, John Holmes, reagierte reserviert auf einen Vorschlag der US-Katastrophenhilfebehörde, ohne Zustimmung der myanmarischen Regierung eine Luftbrücke einzurichten. Die Idee könne "nicht vollständig ausgeschlossen werden", sagte Holmes der französischen Zeitung "Le Monde". Aber es gebe das Risiko einer Konfrontation mit den Streitkräften, Flugzeuge könnten abgeschossen werden. "Das wäre eine sehr große Entscheidung und könnte die Blockade noch verschärfen." +++ +++ +++ +++ +++

Freitag, 14.20 Uhr: Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen hat seine Hilfsflüge nach Myanmar eingestellt. Die letzten beiden Lieferungen im Umfang von 38 Tonnen seien am Flughafen in Rangun festgehalten worden und könnten nicht verteilt werden, sagte WFP-Sprecher Paul Risley in Bangkok. "Die Nahrungsmittel liegen in einem Lagerhaus, sie sind nicht auf Lastwagen und unterwegs zu denen, die sie brauchen", sagte er in einem Interview mit dem BBC-Fernsehen. "Wir haben keine andere Wahl, als weitere Flüge abzusagen, bis die Nahrungsmittel freigegeben werden."

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Freitag, 14.05 Uhr: Trotz der verheerenden Naturkatastrophe hat das Militärregime in Myanmar das für diesen Samstag angesetzte Referendum über die umstrittene neue Verfassung nicht verschoben. Die Generäle ignorierten Appelle aus aller Welt und von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon, sich auf die Opferhilfe zu konzentrieren und das Referendum zu verlegen. Lediglich in den 47 am schlimmsten betroffenen Bezirken im Süden des Landes, darunter in der Hafenmetropole Rangun, soll erst in zwei Wochen abgestimmt werden.

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Freitag, 13.50 Uhr: Nothilfe-Experten des UN-Hilfswerks Unicef dürfen auch weiterhin nicht nach Myanmar einreisen. Eine Sprecherin von Unicef Deutschland sagte in Köln, zwar hätten die 131 zum Teil schon seit vielen Jahren in Birma tätigen Helfer sofort nach dem Zyklon Katastrophenhilfe geleistet und Hilfsgüter verteilen können. "Experten, die UNICEF aber zusätzlich ins Land schicken will, wurden bisher nicht reingelassen."

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Freitag, 13.45 Uhr: Das Militärregime in Myanmar hat nach Angaben der Vereinten Nationen alle bislang ins Land geflogenen Hilfsgüter beschlagnahmt. Die Unterstützung werde deshalb bis auf weiteres ausgesetzt, erklärten die UN in Bangkok. Zuvor hatten die Vereinten Nationen die Weigerung der Junta, auch knapp eine Woche nach dem verheerenden Zyklon "Nargis" keine internationalen Katastrophenhelfer ins Land zu lassen, als beispiellos in der Geschichte der humanitären Arbeit kritisiert.

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Freitag, 12.50 Uhr: Die Militärregierung in Myanmar hindert ausländische Helfer weiter daran, in das vom Zyklon am schlimmsten zerstörte Irrawaddy-Flussdelta vorzudringen. "Weiße dürfen nicht in die Krisengebiete", berichtete Helga Stamm-Berg vom Hilfswerk "World Vision" in einem Telefoninterview aus Rangun der Nachrichtenagentur AP. Die Junta habe Hilfslieferungen von internationalen Organisationen übernommen und versuche nun selbst, deren Verteilung zu organisieren.

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Freitag, 12.35 Uhr: Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) hat wegen der von den Machthabern in Myanmar verweigerten Zusammenarbeit die Einschaltung des UN-Sicherheitsrats gefordert. Es sei nötig, dass "der UN-Sicherheitsrat eine politische Aufforderung an die Regierung und die Junta in Birma richtet", sagte sie in Berlin. Nach Schätzungen seien zwischen 1,5 Millionen und 1,9 Millionen Menschen nach dem Wirbelsturm in einer akuten Notlage.

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Freitag, 12.20 Uhr: Bei den Vereinten Nationen (Uno) wächst die Wut über die Blockadehaltung der Regierung in Myanmar. Er sei "extrem frustriert", dass Hilfsmitarbeiter nicht ins Land gelassen würden, sagte der UN-Koordinator für humanitäre Aktionen, John Holmes, der französischen Zeitung "Le Monde". Er wisse nicht, warum die Behörden ausländischen Helfern und Organisationen den Zugang zur Not leidenden Bevölkerung nicht erlaubten. "Ich verliere die Geduld", zitierte die Zeitung Holmes.

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Freitag, 12 Uhr: Die Bundesregierung wird ihre Soforthilfe für das von einer Flutkatastrophe heimgesuchte Birma von einer auf zwei Millionen Euro aufstocken. Das teilte Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) am Freitag in Berlin mit.

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Freitag, 11.35 Uhr: Nach der Weigerung des Regimes, Ausländer zur Hilfe für hunderttausende Zyklon-Opfer ins Land zu lassen, fordert Bundeskanzlerin Angela Merkel, dass sich der UN-Sicherheitsrat mit dem Thema befasst. Sie will in Kürze mit UN-Generalsekretär Ban Ki Moon telefonieren.

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Freitag, 11.15 Uhr: Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) will mehrere deutsche Experten und eine mobile Trinkwasseranlage in das Katastrophengebiet schicken. Der Transport werde vermutlich am kommenden Donnerstag am Flughafen Berlin-Schönefeld starten, sagte DRK-Sprecherin Svenja Koch der dpa in Berlin. Die Anlage, die das Rote Kreuz in Myanmar angefordert habe, könne täglich bis zu 15.000 Menschen mit Wasser versorgen. "Für uns kann es leicht sein, weil wir vom Roten Kreuz in Birma angefordert werden", sagte Koch.

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Freitag, 11.10 Uhr: Die Weigerung der Militärs in Myanmar, fremde Helfer ins Land zu lassen, stößt weltweit auf völliges Unverständnis. Der australische Ministerpräsident Kevin Rudd nannte das Verhalten der Junta "ekelerregend".

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Freitag, 10.50 Uhr: Die Stiftung von Microsoft-Gründer Bill Gates hat für die Opfer drei Millionen US-Dollar gespendet und unterstützt außerdem eine Datenbank, um die Zusammenführung getrennter Familien zu unterstützen. Die Finanzhilfe hätten drei Hilfsorganisationen erhalten, die sie vor Ort schnellstmöglich weiterverteilen sollten, sagte Gates in einem Interview der Nachrichtenagentur AP. Die Software für eine Datenbank zum Austausch über Informationen zu getrennten Familienmitgliedern sei bereits nach dem Tsunami im Indischen Ozean 2004 und dem Hurrikan "Katrina" verwendet worden.

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Freitag, 10.40 Uhr: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die Militärjunta von Myanmar zur Öffnung des Landes für die internationale Katastrophenhilfe aufgefordert. "In dieser Situation ist es mir vollkommen unverständlich, dass die Armeeregierung in Birma die angebotene, dringend benötigte Hilfe nicht ins Land lässt", sagte die Kanzlerin der Deutschen Presse-Agentur dpa. "Ich appelliere nachdrücklich an die Regierung, ihrer Verantwortung gegenüber ihrer Bevölkerung gerecht zu werden und die internationale Hilfe schnell in das gesamte Katastrophengebiet zu lassen."

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Freitag, 10.10 Uhr: Eine zweite chinesische Hilfslieferung ist in Myanmar eingetroffen. Ein Flugzeug habe Medizin, Zelte, Lebensmittel und Filter für Trinkwasser nach Rangun gebracht, berichtet die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua. Die 60 Tonnen Hilfsgüter sind Teil einer Unterstützung in Höhe von etwa drei Millionen Euro, die China dem Nachbarland zusätzlich zu 650.000 Euro Soforthilfe versprochen hat. Die Güter würden zügig in die Gebiete transportiert, die von dem Zyklon "Nargis" verwüstet worden sind, meldet die Agentur.

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Freitag, 9.45 Uhr: Myanmar wird sich nach Angaben der thailändischen Regierung in Zukunft "flexibler" gegenüber ausländischer Hilfe für die Opfer der Wirbelsturm Katastrophe zeigen. Nach einem Telefongespräch mit seinem myanmarischen Kollegen Nyan Win sagte Thailands Außenminister Noppadon Pattama: "Seine Position wird flexibler. Er begrüßt humanitäre Hilfe."

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Freitag, 9 Uhr: In den Nachbarstaaten Myanmars sitzen hunderte Katastrophenhelfer fest, weil sie keine Einreisegenehmigungen bekommen. Die meisten Hilfsorganisationen gehen davon aus, dass das Militär mit der Aufgabe überfordert ist, die Hilfsgüter vor Ort selbst zu verteilen, und bestehen darauf, diese Aufgabe vor Ort selbst zu übernehmen.

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Freitag, 8.20 Uhr: Die Militärjunta von Myanmar will die Verteilung von Hilfsgütern für die mehr als eine Million Zyklon-Opfer allein übernehmen. Das geht aus einer Erklärung des Außenministeriums hervor, die das Staatsorgan "Neues Licht von Myanmar" veröffentlichte. Hilfslieferungen seien willkommen, aber keine ausländischen Katastrophenmanager oder Reporter. "Myanmar ist noch nicht bereit, Suchmannschaften oder Journalisten aus anderen Ländern einzulassen", hieß es in der Erklärung.

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Freitag, 8.10 Uhr: Das Medikamentenhilfswerk "action medeor" im nordrhein-westfälischen Tönisvorst bereitet sich auf eine große Hilfsgüterlieferung nach Myanmar vor. Im Medikamentenlager stehen bereits Pakete für 150.000 Menschen zur Abholung bereit. "Wir packen nahezu ohne Unterbrechung", sagte "medor"-Sprecherin Susanne Haacker. Die Hilfspakete enthalten unter anderem Antibiotika sowie Mittel gegen Malaria und Durchfallerkrankungen, medizinisches Material und Tabletten zur Wasserentkeimung.

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Freitag, 7.30 Uhr: Der thailändische Regierungschef Samak Sundaravej will die Militärjunta in Myanmar persönlich zu mehr Kooperation mit internationalen Hilfsorganisationen bewegen. Er werde am Sonntag nach Myanmar fliegen, berichtete die "Bangkok Post" in ihrer Online-Ausgabe. Thailand ist der Nachbar des vom Wirbelsturm "Nargis" verwüsteten Landes und unterhält enge Wirtschaftsbeziehungen zu dem abgeschotteten Regime.

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Freitag, 7.20 Uhr: Die ersten Lastwagen mit Notrationen für die Zyklon-Opfer haben die schwer verwüstete Stadt Labutta im Irrawaddy- Delta erreicht. Das berichtete der Programmkoordinator der Hilfsorganisation ADRA, Joakim Cottig, am Freitag in Rangun. Nach Angaben seiner Mitarbeiter sind in der Stadt, die normalerweise 50.000 Einwohner hat, 120.000 Flüchtlinge aus der Umgebung eingetroffen. Lastwagen, die aus Rangun sechs bis acht Stunden unterwegs sind, bringen Reis, Öl, Hülsenfrüchte und Plastikplanen in die Stadt. Insgesamt könne damit rund 20 000 Menschen geholfen werden.

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Freitag, 7.15 Uhr: China und Indonesien haben die Forderung Frankreichs nach verstärktem Druck des UN-Sicherheitsrats auf Myanmar zurückgewiesen. Es gebe bessere Foren, um die Frage von Hilfen für die Opfer der Naturkatastrophe zu diskutieren, sagte der indonesische UN-Botschafter Marty Natalegawa. Auch ein chinesischer UN-Gesandter sprach sich gegen eine Politisierung der Angelegenheit aus.

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Freitag, 7.05 Uhr: Die Vereinten Nationen haben die Zurückweisung internationaler Helfer nach der verheerenden Unwetterkatastrophe in Myanmar durch die dortige Militärregierung scharf kritisiert. Ein Sprecher des Welternährungsprogramms (WFP), Paul Risley, bezeichnete die Visa-Verweigerung für ausländische Experten als "beispiellos" in der Geschichte der Katastrophenhilfe.

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Freitag, 6.30 Uhr: Man sei zwar dankbar für Versorgungsgüter aus dem Ausland, wolle diese aber selbst verteilen, erklärte das Außenministerium in Myanmar. Das Ministerium erwähnte in der Mitteilung, dass am Donnerstag in Rangun ein Flugzeug mit Rettungskräften gelandet sei, die keine Einreisgenehmigung gehabt hätten. Die Maschine sei zurückgeschickt worden.

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Freitag, 6 Uhr: In Myanmar sind nach tagelangen Verzögerungen mehrere Tonnen Hilfsgüter der Vereinten Nationen und des Roten Kreuzes eingetroffen. Allerdings saßen am Freitag noch immer hunderte Logistiker und Katastrophenexperten, die für eine Verteilung des Materials nötig sind, in den Nachbarländern ohne Visum fest.

DPA/AP/Reuters/AFP / AP / DPA / Reuters