VG-Wort Pixel

Satirische Aktion begeistert Das russische Kaliningrad soll zu Tschechien gehören – Aktion wird zum Twitter-Hit

Ein U-Boot mit einer tschechischen Fahne mit dem Namen der Sängerin Helena Vondráčková darauf
Twitter zeigt sich kreativ: Ein U-Boot vor Kaliningrad mit tschechischer Fahne und dem Namen der tschechischen Sängerin Helena Vondráčková
© Twitter / @gen_brygady
Eine satirische Aktion in Tschechien sorgt für Begeisterung bei Twitter. Eine Petition fordert, dass Kaliningrad zu Tschechien gehören soll. Begründet wird dies mit der Geschichte, die Tschechien und Kaliningrad verbindet.

Ein tschechischer Flugzeugträger mit dem Namen Karel Gott verlässt seine Basis in Kaliningrad in Richtung Ostsee – ein Tweet, der innerhalb nur eines Tages mehr als 15.000 Likes bekommen hat. Und nur einer von vielen zum russischen Kaliningrad, das in diesen Beiträgen plötzlich zu Tschechien gehört. Der Vorschlag ging viral.

Es gibt eine Parodie-Seite, die Touristen nach Královec, wie Kaliningrad nun heißen soll, einlädt. Dazu die Info, dass nach einem erfolgreichen Referendum 98 Prozent der Bevölkerung dafür gestimmt hätten, nun zur Tschechischen Republik gehören zu wollen. Es wird zum Beispiel für direkte Zugverbindungen aus Prag nach Kaliningrad geworben. Wer genau dahinter steckt, ist unklar, Medien schreiben von tschechischen Aktivisten. Wer auch immer es war, hat sich Mühe gegeben.

Von politischer Seite erhält die scherzhafte Idee Unterstützung von Tomáš Zdechovský, einem tschechischen Abgeordneten im EU-Parlament, der sich mit vielen Memes und Scherzen bei Twitter für Královec stark macht. Auch Persönlichkeiten wie der tschechische Autor Jaroslav Rudiš haben entsprechende Beiträge geteilt. Und davon gibt es einige.

Kaliningrad gehörte im 13. Jahrhundert einige Zeit zum heutigen Tschechien

Neben dem Flugzeugträger Karel Gott macht ein Bild eines U-Boots mit tschechischer Flagge und dem Namen der tschechischen Sängerin Helena Vondráčková die Runde.

Ein Meme zeigt den russischen Präsidenten Wladimir Putin, der sich nach der Situation in Kaliningrad erkundigt und irritiert fragt, warum er da ein "Ahoj" hört – "hallo" auf Tschechisch. Einige der Tweets wurden auf Polnisch geteilt. In Polen scheint die Idee auch durchaus Anklang zu finden. 

Die Stadt und gleichnamige Provinz Kaliningrad liegt an der Ostsee zwischen Polen und Litauen, gehört aber zu Russland. Tatsächlich gibt es eine Online-Petition für ein Referendum über den Anschluss Kaliningrads an die Tschechische Republik – allerdings steckt dahinter eine tschechische Satire-Seite. Rund 14.000 Unterschriften zählt die Petition inzwischen. Darunter sind nach Angaben der Petitionsseite auch welche aus Kaliningrad. Begründet wird die Idee historisch und geht dabei weit zurück: Im 13. Jahrhundert gehörte Kaliningrad unter dem böhmischen König Přemysl Ottokar II. einige Zeit zum heutigen Tschechien. 

Russland wird dabei selbst zum Vorbild genommen: Wie Russland auf der Krim und jetzt im Osten der Ukraine gezeigt habe, sei es völlig in Ordnung, auf dem Territorium eines fremden Staates ein Referendum anzukündigen und es dann zu annektieren.

Die Petition fordert daher die tschechische Regierung dazu auf, Soldaten nach Kaliningrad zu entsenden und ein Referendum anzukündigen, das mit einem Ergebnis von 98 Prozent für den Beitritt zur Tschechischen Republik endet. Anschließend solle Kaliningrad in Královec umbenannt werden. Der Vorschlag verweist auf eine bittere, brutale Realität: Mit einem ganz ähnlichen Prozentsatz waren jüngst die Schein-Referenden in vier ostukrainischen Gebieten ausgegangen (der stern berichtete).

In Tschechien hat jüngst auch eine andere öffentliche Aktion für Aufsehen gesorgt. Mehr als 11.000 Tschechen haben Geld gespendet, um der Ukraine einen Panzer zu kaufen. Es soll ein Geburtstagsgeschenk für Wladimir Putin sein (der stern berichtete). 

Dass Tschechen ihren Humor auch ganz offiziell pflegen, zeigt der letzte Zensus, der im Jahr 2021 durchgeführt wurde. Das Ergebnis der Volkszählung zeigt: Die Zahl der Menschen, die sich den Jedi-Rittern zugehörig fühlen, ist gestiegen. Was es mit diesem Trend auf sich hat, erfahren Sie hier

Quellen: petice.com, irozhlas, TwitterČeská televize, Radio Prague International, visitkralovec.cz, Berliner Zeitung

Mehr zum Thema

Newsticker