Tsunami Nachbeben lassen Flutopfer nicht zur Ruhe kommen


Die Überlebenden der asiatischen Flutkatastrophe werden von zahlreichen Nachbeben in Atem gehalten. Indes ist Bundesaußenminister Fischer in Thailand eingetroffen.

Nachbeben halten die Überlebenden der Flutkatastrophe in Asien weiter in Atem. Ein Beben der Stärke 5,2 auf der Richterskala hat am Samstag die schwer betroffenen Nikobaren in Südindien erschüttert, wie der indische Fernsehsender NDTV am Morgen berichtete. Berichte über Opfer lagen aber zunächst nicht vor.

Eine Serie von Nachbeben hat auch die von der Flutwelle zerstörte indonesische Provinz Aceh erschüttert. Am Freitag und Samstag registrierten indonesische Seismologen mindestens 14 Erdstöße unter dem Indischen Ozean. Das stärkste Nachbeben hatte eine Magnitude von 5,4 und war auch in der Provinzhauptstadt Banda Aceh zu spüren, wie ein Sprecher der Geophysischen Agentur Indonesiens mitteilte.

Unterdessen gehen die Hilfsmaßnahmen für die Überlebenden in den Katastrophengebieten unermüdlich weiter. Die UNO wollte am Samstag in der thailändischen Hauptstadt Bangkok ein Logistikzentrum zur Koordinierung der Hilfsmaßnahmen des Militärs einrichten.

Schuldenaufschub vereinbart

Elf Länder haben ihre Soldaten zur Rettung und Versorgung der Opfer in der Region mobilisiert. Die von der Flutkatastrophe betroffenen Länder erhalten zudem einen Schuldenaufschub. Das Moratorium der G7-Staatengruppe soll den Ländern umgerechnet etwa 4,3 Milliarden Euro an Rückzahlungen pro Jahr ersparen, sagte der britische Finanzminister Gordon Brown am Freitag dem Rundfunksender BBC. Großbritannien hat derzeit den Vorsitz der G7, zu denen auch Deutschland, die USA, Kanada, Frankreich, Italien und Japan gehören.

Das Bundesfinanzministerium begrüßte die Einigung als "großen Schritt nach vorn in den Bemühungen der Staatengemeinschaft um eine substanzielle Hilfe für die von der Flutwelle betroffenen Länder". In Deutschland wurden bislang rund 330 Millionen Euro für die Opfer der Flutkatastrophe gespendet. Das teilte das Deutsche Institut für soziale Fragen (DZI) in Berlin nach einer Umfrage unter den 40 größten Spendenorganisationen am Freitagabend mit. Unterdessen berichtete das indische Fernsehen am Samstag von vereinzelten Fällen von Betrug und Schwarzmarktgeschäften mit Hilfsgütern des Staates.

Viele wollen nicht in ihre alten Wohngebiete zurück

Ein weiteres Problem in Indien ist, dass viele Bewohner der schwer betroffenen Küstenregionen nicht mehr an ihren bisherigen Heimatorten ansiedeln wollen. Vielen graut es davor, ihre Häuser über den verscharrten Leichen ihrer Angehörigen wieder aufzubauen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO ist auch die Seuchengefahr in den Katastrophengebieten noch nicht gebannt. Es gebe aber noch keinen Ausbruch, hieß es. Die Europäische Union einigte sich unterdessen darauf, künftig schneller und wirksamer auf Katastrophen reagieren zu wollen. Bei einem Treffen der Außen-, Entwicklungs- und Gesundheitsminister blieben Einzelheiten noch unklar und umstritten.

Fischer bietet Thailand weitere Hilfe an

Bundesaußenminister Joschka Fischer hat zum Auftakt seiner viertägigen Reise durch die asiatischen Flutregionen Thailand für die Zusammenarbeit während der Krise gedankt. Zugleich bot er am Samstag weitere Hilfe an. "Wir wissen zwar, dass Thailand über eine starke Wirtschaft verfügt, aber lassen Sie uns wissen, wenn Bedarf an zusätzlichen Projekten besteht", sagte Fischer, der den Hinterbliebenen der Katastrophe sein Beileid aussprach.

Der Außenminister und sein thailändischer Kollege Surakiart Sathirathai begrüßten zudem den vorgesehenen Aufbau eines Tsunami- Frühwarnsystems für den Indischen Ozean. Fischer bot Angaben aus Delegationskreisen zufolge an, eine für dieses Jahr geplante UN- Fachkonferenz über solche Systeme in Deutschland abzuhalten. Der Außenamtschef war nach seiner Ankunft in Bangkok von Thailands Ministerpräsident Thaksin Shinawatra am Flughafen abgeholt worden.

In Thailand sind bei der Flutwelle am 26. Dezember nach offiziellen Angaben mehr als 5000 Menschen ums Leben gekommen, davon die Hälfte Ausländer. Am Sonntag fliegt Fischer in das teilweise zerstörte Touristengebiet auf Phuket weiter, das besonders bei Deutschen beliebt war. Immer noch werden etwa 1000 Deutsche vermisst. 7000 Urlauber wurden nach Deutschland zurückgebracht.

DPA/AP AP DPA

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