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Wetter: Rutschpartien und Flugausfälle in ganz Europa

Auf weite Teile West- und Mitteleuropas hat sich am Donnerstag eine dicke Schneedecke gelegt. Von Schottland bis zur Schweiz sorgten Schnee- und Eisglätte für oft chaotische Verkehrsverhältnisse.

Heftiges Schneetreiben hat in weiten Teilen Deutschlands und Europas am Donnerstag chaotische Verhältnisse auf Straßen, Flughäfen und einigen Bahnstrecken verursacht. Bei hunderten Unfällen wurden im Berufsverkehr bundesweit Dutzende Menschen verletzt, Autofahrer saßen stundenlang fest. Binnen weniger Stunden waren bis zu 20 Zentimeter Neuschnee gefallen. Rodelberge und Skipisten erlebten bei Schneehöhen bis zu drei Meter auf den Bergen einen Ansturm. Mancherorts, etwa in Hessen, hatten die Schüler schneefrei.

Wetterumschwung erwartet

Fürs Wochenende sagten die Meteorologen einen Umschwung mit Tauwetter, Sonne in Süddeutschland und Regen im Norden vorher. Am Freitag zieht Tief "Nani" über die Ostsee ab und macht ruhigerem Wetter im Südwesten und Regen im Norden Platz. Auf den Straßen kann es noch einmal glatt werden. Nach Tauwetter am Samstag können sich die Menschen in Süddeutschland auf einen sonnigen Sonntagsspaziergang freuen, im Norden droht Regen.

Lkws sorgten für Riesenstaus

Auf deutschen Autobahnen, etwa der A 1 in Richtung Köln, blockierten am Donnerstagmorgen quer stehende Lastwagen stundenlang den Berufsverkehr und hinderten Räumfahrzeuge am Durchkommen. An Rhein und Ruhr zählte die Polizei mehr als 250 Unfälle, in Hamburg und Schleswig-Holstein krachte es mehr als 100 Mal. Bahnstrecken zwischen Gelsenkirchen und Bochum sowie Hagen und Lüdenscheid wurden vorübergehend gesperrt. Der Zugverkehr war auch in Ostfriesland und vereinzelt in der Schweiz behindert.

Frankfurt: Mindestens 80 Flüge gestrichen

Im baden-württembergischen Alb-Donau-Kreis wurden bei einem Schnee-Unfall ein elfjähriges Kind lebensgefährlich und zwei weitere Menschen schwer verletzt. In Schleswig-Holstein rammte ein Lastwagen auf der Autobahn 24 (Hamburg - Berlin) bei Schwarzenbek ein vorausfahrendes Streufahrzeug - Bilanz: zwei Schwerverletzte. Auf dem Flughafen in Frankfurt/Main fielen mindestens 80 Flüge aus. Ausfälle und Verspätungen gab es auch auf den Flughäfen Stuttgart, Düsseldorf und Köln-Bonn.

Sogar Lindenberg-Tour betroffen

Vielerorts kam es zu besonderen Vorfällen: Im bayerischen Lindenberg musste die Polizei eine festsitzende Narkoseschwester zu einer dringenden Kaiserschnittgeburt bringen. In Wuppertal machte sich ein herrenloser Sattelschlepper, 30 Tonnen schwer, auf glatter Straße selbstständig und krachte direkt in eine Polizeiwache. In Aachen blieb ein Tournee-Lastwagen von Udo Jürgens auf schneeglatter Fahrbahn hängen - allerdings erst nach einem Auftritt des Sängers.

Schneeballschlachten in Paris

In Frankreich hingen Tausende von Lastwagen am Morgen in der Rhône-Alpes-Region an Zahlstellen und auf Parkplätzen fest. Viele Schüler konnten sich über einen freien Tag freuen. Der Winter überzuckerte am Donnerstag auch Paris mit einer ungewohnten Schneeschicht und bremste tausende Pendler aus. In 18 Departements erhielten Lastwagen vorübergehend Fahrverbot, um größere Behinderungen auf den glatten Straßen zu vermeiden. Nördlich der Hauptstadt und in Teilen der Normandie fielen Schulbusse aus. Auch im Süden und Südwesten des Landes lösten die Behörden Schneealarm aus.

Europaweites Chaos

Schneechaos herrschte auch in anderen Ländern. In Belgien bremste der Schnee den Verkehr auf den Straßen und in der Luft. In der Schweiz gab es Staus auf mehreren Autobahnen. Eine Massenkarambolage auf der Autobahn am Zürichsee lief glimpflich ab. Auf dem zentralen Londoner Flughafen Heathrow fielen reihenweise Flüge ins Aus- und Inland aus. Bei zwei Massenkarambolagen auf glatten Straßen in Polen wurden mindestens 17 Menschen verletzt.

Erster Schnee seit 20 Jahren in Portofino

Heftige Winterstürme in der Türkei führten in der Stadt Bursa zu mindestens 70 Vergiftungen durch Kohlenmonoxid aus schlecht ziehenden Öfen. Auch Sizilien erlebte schweres Schneegestöber. Und erstmals seit 20 Jahren schneite es nach Angaben des italienischen Fernsehens in Portofino und La Spezia an der ligurischen Küste.

Rodeln in London

Selbst in London, wo Schneeflocken wegen des nahen Golfstroms eine Seltenheit sind, mussten zahlreiche Flüge gestrichen werden. Bei steigenden Temperaturen entschärfte sich die Situation am Nachmittag in den meisten Regionen. Der Osten der USA, wo seit dem Wochenende mehr als 50 Menschen aufgrund von Schneestürmen gestorben sind, hoffte dagegen weiter vergeblich auf milderes Wetter. Auf den Flughäfen von London wurde der Verkehr schon am Mittwoch erheblich behindert. Die Start- und Landebahnen von Heathrow lagen unter einer zwei Zentimeter dicken Schneedecke, bis Donnerstag wurden 200 Verbindungen gestrichen; hunderte Passagiere saßen fest. Temperaturen unter null Grad sind im Süden der vom Golfstrom verwöhnten Insel selten, und Schulkinder im ganzen Land nutzten die weiße Pracht für Schlittenfahrten und Schneeballschlachten. In Schottland mussten mehrere Straßen gesperrt werden.

Massive Verkehrsprobleme in der Schweiz

Selbst für die Schweiz war der massive Wintereinbruch am Donnerstag ungewöhnlich. Dort war der Schneefall von starkem Wind begleitet, der im Flachland Geschwindigkeiten bis 75 Kilometern pro Stunde, auf den Jura-Höhen Sturmstärke erreichte. So fegten Windböen von rund 200 Kilometern in der Stunde über den Chasseral und den Moleson. Bei Dutzenden Unfällen und einer Massenkarambolage mit 17 Fahrzeugen auf der A3 im Kanton Zürich gab es mehrere Verletzte. Die Autobahn blieb in Richtung Chur rund drei Stunden gesperrt. Auf der Eisenbahnstrecke zwischen Bern und Neuchatel wurden wegen verschneiter Weichen stundenlange Verspätungen registriert. In Eglisau blockierte ein Eisblock eine Weiche.

UNO-Sitz in New York blieb geschlossen

Entlang der Ostküste der USA verschlimmerte ein Schneesturm am Donnerstagmorgen das Verkehrschaos, dass seit dem Wochenende herrscht. Der Hauptsitz der Vereinten Nationen in New York blieb schon am Mittwoch geschlossen, hunderte von Flügen wurden gestrichen, und die Zahl der durch Schnee, Eis und Kälte umgekommenen Menschen zwischen Kansas und Ostküste stieg auf 55. Im Südosten blieben tausende Haushalte wegen unterbrochener Stromleitungen ohne Elektrizität. In vielen Neuenglandstaaten fiel der Unterricht aus, auch für alle 1,1 Millionen New Yorker Schüler. Im Central Park lagen 26,6 Zentimeter Schnee.

DPA