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"Atlantis"-Mission: "Kuss im All" geglückt

Thomas Reiter hat Besuch: Die Raumfähre "Atlantis" hat an der Internationalen Raumstation ISS angedockt. Durch ein spektakuläres Flugmanöver erhoffen sich die Astronauten neue Erkenntnisse über den Zustand der ISS.

Die amerikanische Raumfähre "Atlantis" hat am Montag nach zweitägigem Flug an der Internationalen Raumstation ISS angekoppelt. Das Manöver, das auch "Kuss im All" genannt wird, verlief nach Angaben der US-Raumfahrtbehörde Nasa in rund 350 Kilometern Höhe über dem Pazifik westlich von Chile reibungslos. Für die sechsköpfige "Atlantis"-Crew gab es kein Verschnaufen. Sie bereitete sofort den für Dienstag geplanten ersten von drei Außenbordeinsätzen vor, bei denen große Sonnensegel an der Raumstation angebracht werden sollen.

Spektakuläres Flugmanöver

Der deutsche Astronaut Thomas Reiter und die beiden anderen beiden Mitglieder der Langzeitbesatzung auf der ISS, Pawel Winogradow und Jeff Williams, begrüßten und umarmten die "Atlantis"-Besatzung herzlich. Zuvor hatte die "Atlantis" mit zwei Minuten Verspätung angekoppelt. Die mehr als 100 Tonnen schwere Raumfähre näherte sich bei dem Ankopplungsmanöver senkrecht und mit einer für das Weltall ganz langsamen Geschwindigkeit von 1,8 Metern pro Minute.

Bei ihrem Anflug an die ISS vollführte Kommandant Brent Jett ein spektakuläres Flugmanöver. Mit einem Looping brachte er den Orbiter in rund 200 Metern Entfernung vor der ISS so in Position, dass Winogradow und Williams den Unterboden fotografieren konnten. Die Aufnahmen wurden sofort zum Kontrollzentrum nach Houston (Texas) übertragen, das bis zum sechsten Flugtag am Donnerstag klären will, ob die Außenhaut oder der Hitzeschild beim Start beschädigt worden sind.

Zeitdruck für die Nasa

Die Nasa steht bei der Montage der neuen Sonnensegel unter erheblichem Zeitdruck. Die "Atlantis" kann keinen zusätzlichen Tag im All bleiben, weil am 20. September bereits die russische Sojus-Sonde mit der neuen Langzeitbesatzung und einer Weltraumtouristin an der ISS andocken soll. Deshalb veränderte die Nasa ihr bisheriges System für Außenbordeinsätze, um jeweils eine Stunde Vorbereitungszeit einzusparen. Am Dienstag werden die US-Astronauten Joe Tanner und Heide Stefanyshyn-Piper erstmals ins All aussteigen.

Die "Atlantis" war am Samstag vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral in Florida gestartet und hat zum ersten Mal seit Oktober 2002 wieder an der Raumstation angekoppelt. Die Nasa hatte nach dem tödlichen Unglück der Raumfähre "Columbia" vom 1. Februar 2003 alle Flüge zur ISS gestoppt. Mit der "Atlantis" hat die US-Raumfahrtbehörde wieder die regulären Transportflüge zum Ausbau des Außenpostens der Erde aufgenommen. Die ISS soll bis zum Jahr 2010 ihre endgültige Größe erreichen. Danach werden die Raumfähren ausgemustert.

DPA / DPA