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Schweinegrippe: Wachsam bleiben - ohne Panik

Die Schweinegrippe ist die erste Grippe-Pandemie seit über 40 Jahren. Das Virus breitet sich beständig aus. Bislang wurden fast 30.000 Infektionen in 74 Ländern registriert. Zwar warnen Experten davor, Panik zu verbreiten. Dennoch, das betonen sie auch, gilt weiterhin: Die Krankheit darf nicht unterschätzt werden.

Nach der Einstufung der Schweinegrippe als Pandemie und Ausrufung der höchsten Alarmstufe 6 durch die Weltgesundheitsorganisation WHO haben Experten vor Panik und Überreaktionen gewarnt. Dennoch dürfe die Krankheit wegen ihres hierzulande meist moderaten Verlaufs nicht unterschätzt werden, sagte der Präsident des Berliner Robert-Koch-Instituts (RKI), Jörg Hacker, im ZDF. Bei erhöhten Fallzahlen werde es auch in Deutschland schwere Verläufe der Grippe geben. In den USA, wo mehrere mit dem neuen H1N1-Grippevirus infizierte Menschen gestorben sind, habe man gesehen, "dass es so sein kann".

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon mahnte, "auf der Hut" zu sein. "Wir wissen nicht, welches Bild sich in den kommenden Monaten entwickelt", sagte Ban am Donnerstag in New York. Bislang sei das Virus vor allem in entwickelten Ländern aufgetreten. "Das dürfte sich bald ändern - und wird Konsequenzen haben", so Ban weiter. In den armen Ländern seien die Gesundheitssysteme schlechter entwickelt und die Menschen würden sich später in medizinische Behandlung begeben. Zudem seien dort auch andere Infektionskrankheiten stärker verbreitet. "Außerdem müssen wir auch daran denken, dass die Grippesaison in der südlichen Hemisphäre jetzt erst beginnt", sagte der UN-Generalsekretär. Zugleich warnte aber auch er vor Überreaktionen.

Laut WHO ist die Schweinegrippe die erste Grippe-Pandemie seit über 40 Jahren - 1968 sollen an der Hongkong-Grippe weltweit mehr als eine Million Menschen gestorben sein. Das Schweinegrippe-Virus breite sich mittlerweile auf mindestens zwei Kontinenten beständig aus, sagte WHO-Generaldirektorin Margaret Chan in Genf. Außer in Nordamerika gibt es auch in Australien fortwährend Ansteckungen von Mensch zu Mensch. Weltweit hat die WHO bislang fast 30.000 Infektionen in 74 Ländern registriert. 144 Patienten sind gestorben.

Für Deutschland werde sich jedoch vorerst "nichts ändern", betonte Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) in Berlin. Deutschland sei "gut vorbereitet". "Ich bin nicht in Panik, aber schon in Sorge und rechne auch damit, dass wir in den nächsten Wochen auch mehr Fälle haben werden", sagte Schmidt.

Für das Robert-Koch-Institut kam die WHO-Entscheidung nicht überraschend. RKI-Sprecherin Susanne Glasmacher betonte, hierzulande gebe es bereits die von der WHO in Alarmphase 6 geforderten Strukturen und Expertengespräche. Auch Bund und Länder stimmten sich bereits regelmäßig ab. "Im Moment haben wir eine Situation, in der wir eine überschaubare Zahl von Erkrankungen haben", sagte die RKI-Sprecherin. Wahrscheinlich werde sich daher in Deutschland auch trotz des Ausbruchs der Schweinegrippe in einer japanischen Schule in Düsseldorf vorerst nichts Wesentliches ändern.

An der Schule haben sich mindestens 46 Kinder mit dem neuen H1N1-Grippevirus angesteckt. Der genaue Infektionsweg ist noch unklar. Die erkrankten japanischen Schüler sowie ihre Familien seien zu Hause unter Quarantäne gestellt worden, sagte der Leiter des Düsseldorfer Gesundheitsamts, Heiko Schneitler. Zu Massentests kamen Eltern und Geschwister in die Schule, in der bis mindestens Ende nächster Woche kein Unterricht stattfindet. Die Krankheitsverläufe bei den betroffenen Kindern beschrieb Schneitler als relativ mild. Mehr als 500 Kinder besuchen die japanische Schule, knapp 50 Lehrer unterrichten dort. Auch in einem Kölner Gymnasium wurde bei acht Schülerinnen aus drei Klassen die Schweinegrippe festgestellt. Das betroffene Irmgardis-Gymnasium bleibt nach Angaben der Stadt zunächst geschlossen.

Auch in Bayern gibt es neue Ansteckungen: Nach den beiden Schweinegrippe-Fällen in einer Münchner Kita ist ein weiteres Kind im Landkreis Traunstein erkrankt. Bei einer Ausbildungsreise in die USA steckte sich außerdem ein 36 Jahre alter Bundeswehroffizier an. Die Zahl der Schweinegrippefälle in Deutschland schnellte damit auf weit mehr als 100.

Unterdessen wurde bekannt, dass der Schweizer Pharmakonzern Novartis offenbar schneller als erwartet einen Impfstoff bereitstellen kann. Das Unternehmen habe die Produktion des ersten Teils eines Influenza A(H1N1)-Impfstoffes wegen einer neuen Technologie Wochen früher als erwartet abgeschlossen, teilte Novartis am Freitag in Basel mit. Auf dieser Basis werde erwartet, zügig einen Impfstoff herstellen zu können und die Produktion hochzufahren. Derzeit lägen Nachfragen von mehr als 30 Regierungen nach diesem Impfstoff vor.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht bisher davon aus, dass ein Impfstoff nicht vor September zur Verfügung steht. Auch Gesundheitsministerin Schmidt schätzt, dass es vor dem Herbst damit nichts werden wird. Sie befürchtet, die Schweinegrippe könne sich im Herbst zusammen mit der normaln saisonalen Influenza ausbreiten udn sich das neue Virus verändern könnte.

DPA/Reuters / DPA / Reuters