G8-Gipfel in L'Aquila Die Erde soll höchstens zwei Grad wärmer werden


Klimaschutz, Atomstreit mit dem Iran, Atomgipfel - die G8 haben in L'Aquila eine Reihe von Beschlüssen gefasst. Mit den Schwellenländern einigten sich die Industriestaaten darauf, die Erderwärmung im Vergleich zur vorindustriellen Zeit auf zwei Grad zu begrenzen - ein Ziel, das auch Kritik auslöste.

Die um ihren globalen Einfluss kämpfende Gruppe der führenden Industriestaaten und Russland (G8) demonstriert im italienischen L'Aquila Handlungsfähigkeit: Dem Iran drohen die G8 wegen des Atomprogramms ultimativ mit Sanktionen, im März 2010 soll auf Initiative von US-Präsident Barack Obama ein Atomgifpel in Washington stattfinden und beim lange vernachlässigten Klimaschutz übernehmen die G8 erstmals eine Führungsrolle.

Den G8-Staats- und Regierungschefs gelang es am Donnerstag, die stark aufkommenden Volkswirtschaften und Schwellenländer China, Indien, Brasilien, Mexiko, Südafrika, Australien, Südkorea und Indonesien für ein wichtiges Klimaziel zu gewinnen. Gemeinsam erklärten die 16 Staaten: "Wir erkennen die wissenschaftliche Erkenntnis an, dass der globale Anstieg der durchschnittlichen Temperatur - im Vergleich zur Zeit vor der Industrialisierung - zwei Grad nicht überschreiten darf." Dänemark ist als Gastgeber der Klimakonferenz im Dezember in Kopenhagen und als 17. Land Teil dieses sogenannten MEF-Prozesses ("MEF - Major Economies Forum").

Während Bundeskanzlerin Angela Merkel von einer guten Entwicklung sprach, die auch den Weg für mittelfristige Klimaschutzziele ebnen sollte, kritisierten die Vereinten Nationen und Umweltschutzorganisationen die Ziele als halbherzig. Die Beschlüsse reichten nicht aus, um gegen den Klimawandel anzugehen, erklärte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon. Dies sei aber eine politische, moralische und historische Pflicht für die Zukunft der Menschheit. Umweltschützer kritisierten die Tatenlosigkeit der G8, den Ausstoß der Treibhausgase kurzfristig zu verringern. Greenpeace nannte die Beschlüsse eine enttäuschende "Einigung auf den allerkleinsten gemeinsamen Nenner".

Auch die Haltung Russland nährte Skepsis am gefundenen Kompromiss. Der Wirtschaftsberater von Präsident Dmitri Medwedew sagte: "Für Russland, Kanada und eine Reihe anderer Länder ist (die Verringerung gefährlicher Treibhausgase bis 2050) um 80 Prozent unannehmbar und einfach unerreichbar. Wir werden dafür nicht unser Wirtschaftswachstum opfern." US-Präsident Barack Obama präsentierte sich bei seinem ersten G8-Gipfel als eine treibende Kraft. Im März 2010 will er einen Atomgipfel in Washington einberufen, um Maßnahmen im Kampf gegen den Nuklearwaffen-Schmuggel voranzubringen. Nach seiner spektakulären Rede am 5. April in Prag über eine atomwaffenfreie Welt präsentierte Obama in der Gipfelrunde nun offiziell seine Ideen für den Weg dahin. Auf dem Atomgipfel soll ein Konzept für die kommenden vier Jahre entwickelt werden, um nukleares Material besser vor Terroristen zu schützen sowie einen Schwarzmarkt - auch für die Technologie - zu verhindern.

"Ich rechne damit, dass diese Konferenz von außerordentlicher Bedeutung ist", sagte Bundeskanzlerin Merkel. "Ich glaube, hier liegt eine der größten Gefahren der Welt."

Im Atomstreit mit dem Iran scheinen die G8 unterdessen die Geduld zu verlieren. Die Staaten, zu denen die vier ständigen UN-Sicherheitsratsmitglieder USA, Russland, Frankreich und Großbritannien sowie Deutschland, Japan, Kanada und Italien gehören, forderten in einer Iran-Resolution die Führung in Teheran erneut auf, über ihr umstrittenes Atomprogramm zu verhandeln. "Wir hoffen sehr, dass der Iran die Gelegenheit nutzt und der Diplomatie eine Chance gibt."

Die G8 setzten dem Iran eine Frist bis September, um eine Lösung zu finden. Merkel hofft dennoch weiter, dass der Iran ohne Strafen einlenkt. "Sanktionen sind das schlechtere Mittel, wir wollen ja eine Lösung des Problems", sagte sie. "Wir werden in Pittsburgh sagen müssen, wie es weiter geht." Dort treffen sich die Staats- und Regierungschefs zum Gipfel der 20 führenden Wirtschaftsmächte (G20) am 24. und 25. September wieder. Als bemerkenswert wurde in vielen Delegationen hervorgehoben, dass sich Russlands Präsident Dmitri Medwedew der harten Gangart gegen den Iran anschloss.

Fortschritte gab es auch beim Thema Welthandel: Die stockende Welthandelsrunde zur Öffnung der Märkte soll nach dem Willen der stärksten Handelsnationen im kommenden Jahr abgeschlossen werden. Merkel rechnet für das kommende Jahr damit, dass sich die internationale Gipfelszene neu ordnet. Die Zahl der Treffen sei zu hoch. Darüber werde auch in Pittsburgh gesprochen. Die Kanzlerin hatte vor dem G8-Gipfel Zweifel geäußert, ob das Treffen der G8 noch zeitgemäß ist. Sie wirbt für eine dauernde Einbeziehung der Schwellenländer wie China, Indien und Brasilien.

mad/DPA DPA

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