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MÜCKENPLAGE: Attacke der gierigen Quälgeister

In Millionen deutscher Betten will zurzeit kein rechter Schlaf aufkommen. Das feuchte Wetter und die Hitzewelle haben zu einer Mückenplage geführt, wie sie vor allem der sonst kühle Norden lange nicht erlebt hat. Bislang auf die Tropen beschränkte Seuchen werden zu einer realen Gefahr.

Das Geräusch ist nervtötend - ein durchdringendes, jaulendes Kreischen wie von einer winzigen Kettensäge unter Vollgas. Überfallartig aus dem Nichts kommt das gemeine Sirren, und noch bevor der unsanft Geweckte weiß, wie ihm geschieht, sinkt die Tonhöhe des dünnen Heulens auf bedrohliche Weise - Hilfe! Stechmückenalarm!

In Millionen deutscher Betten will zurzeit kein rechter Schlaf aufkommen. Übernächtigte Opfer der heimtückischen Attacken kratzen, von Juckreiz gequält, in Büros, Bars und Behörden ihre Stichquaddeln und bejammern ihre Heimsuchung. Moskitosprays, Räucherspiralen und Schnakenschutzmilch sind in vielen Drogerien knapp oder ausverkauft. Das feuchte Wetter und die Hitzewelle haben zu einer Mückenplage geführt, wie sie vor allem der sonst kühle Norden lange nicht erlebt hat.

Die Blutsaugerpest ist wohl nur ein Vorgeschmack auf Schlimmeres. Jahrhundertflut und tropische Temperaturen haben den geflügelten Quälgeistern paradiesische Vermehrungsbedingungen beschert, sodass bald Milliardenschwärme der Minivampire über Süd- und Ostdeutschland und die Nachbarstaaten herfallen werden - was auch aus einer Warnung des Robert-Koch-Instituts hervorgeht. »Wann genau die Plage ihren Gipfel erreicht, kann man wegen der unterschiedlichen Entwicklungszyklen der verschiedenen Mückenarten nicht vorhersagen«, erklärt der Arzt Christian Schönfeld vom Institut für Tropenmedizin der Berliner Charité, »aber zwei bis drei Wochen nach Beginn von Überschwemmungen wird es schlimm. Die Mücken werden in Massen angesaust kommen - sehr, sehr hungrig!«

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1000 Mückenlarven pro Liter Wasser sind nichts Ungewöhnliches

An der Schnakenfront am Oberrhein kommt Norbert Becker schon jetzt kaum noch aus dem Hubschrauber. Von früh bis spät fliegt der wissenschaftliche Leiter der »Kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Stechmückenplage« (KABS) über Altwässer und Auwälder und versprüht das aus dem Bacillus thuringiensis israelensis gewonnene natürliche Gift BTI, das die Darmwände der Moskitos zerstört.

Ohne die Bio-Keule, so schätzt Becker, trieben im Einsatzgebiet der KABS zwischen Mannheim und Rastatt bereits in einem »normalen« Sommer mindestens 50 Milliarden Schnaken ihr Unwesen. Lasse man die Parasiten unbehelligt, seien 1000 Mückenlarven pro Liter Wasser nichts Ungewöhnliches. Somit könnten sich in einem unscheinbaren Auentümpel von einem Hektar Oberfläche und zehn Zentimeter Tiefe eine Milliarde Schnaken entwickeln. Mit Hilfe von BTI kann Biologe Becker die Stechmückenzahlen lokal um rund 90 Prozent drücken.

Die KABS wurde 1976 gegründet, weil der Leidensdruck für einige Gemeinden am Oberrhein unerträglich geworden war. Zur Zeit der großen Schnakenplage Anfang der 70er Jahre waren die Moskitos in vielen Gegenden so zahlreich und aggressiv, dass es etwa den Germersheimern und Philippsburgern fast unmöglich wurde, die Häuser zu verlassen. Und im Katastrophenjahr 1987 zählte man bei Stockstadt innerhalb von zwei Minuten bis zu 1000 Attacken auf eine Testperson. Heute gehören der KABS rund 100 Gemeinden an.

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Bis Mitte des 19. Jahrhunderts war Deutschland Malariagebiet

Während die Deutschen bislang nur unter Schlafentzug und Juckreiz leiden, verbreiten die fiesen Stecher andernorts unsägliches Leid. Rund um den Globus erkranken über 600 Millionen Menschen pro Jahr an von Moskitos übertragenen Seuchen. Die mit Abstand grausamste von ihnen ist die Malaria. Jahr für Jahr infizieren sich fast eine halbe Milliarde Menschen neu mit dem Wechselfieber, bis zu drei Millionen sterben. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts war Deutschland Malariagebiet; die Rhein-Städtchen Germersheim und Philippsburg waren gefürchtet als Brutstätten des Fiebers.

Wie viele Menschen an den anderen Mückenpestilenzen leiden und sterben, etwa an Dengue-Fieber, Gelbfieber, West-Nil-Fieber, Rift-Valley-Fieber, Enzephalitis (Hirnentzündung) und Elephantiasis, wird unzureichend erfasst. Die meisten Opfer haben weder Geld noch Einfluss.

Die Mücken mit dem zerbrechlich wirkenden Körper und den sechs filigranen Stelzenbeinen sind für Menschen um Dimensionen gefährlicher als sämtliche Raubtiere, Haie, Nilpferde, Piranhas, Schlangen, Spinnen und anderen Gifttiere zusammengenommen, weil die Moskitoweibchen - Männchen stechen nicht - ständig nach eiweißreichem Blut für die Eireifung gieren. Von den rund 3500 Stechmückenarten, die alle Kontinente und sogar Grönland besiedeln, haben sich viele auf den Menschen spezialisiert.

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Nicht jeder wird gestochen – das Bukett muss stimmen

Um an unseren Lebenssaft heranzukommen, haben sie erstaunlich leistungsfähiges Ortungsgerät entwickelt. Der Insektenforscher Martin Geier von der Universität Regensburg hat die »Wirtsfindung« der Gelbfieber- und Dengue-Mücke Aedes aegyptii erforscht. Ihm zufolge bedienen sich die sirrenden Quälgeister bei der Beutesuche einer komplexen Duftnavigation. Sie suchen mit ihrer »Nase«, die auf einer Antenne oder den Mundwerkzeugen sitzt, nach erhöhten Kohlendioxidwerten. Das für den Menschen geruchlose Gas fasziniert sie dann besonders, wenn es »gepulst«, also in Schüben auf ihre speziellen CO2-Sensoren trifft - wie die von einem lebenden Wesen stoßweise ausgeatmete CO2-reiche Luft.

»Wenn die Mücken eine CO2-Quelle entdeckt haben, ändern sie sofort den Kurs und fliegen gegen den Wind - also auf den Ursprung des Gases zu«, sagt der Forscher. »Verlieren sie den CO2-Reiz, kreuzen sie in Schleifen quer zur Windrichtung, um die Fährte wieder aufzunehmen.« Ihre Ortungsorgane ermöglichen es den Schnaken, einen Menschen schon aus rund 70 Meter Entfernung aufzuspüren.

In der Nähe des Opfers »schnüffeln« die Angreifer weitere Menschendüfte, vor allem Milchsäure, einen Bestandteil des natürlichen Säureschutzmantels unserer Haut. Diese Substanz erlaubt es ihnen auch, Menschen von Tieren zu unterscheiden, deren Balg kaum Milchsäure produziert. Weitere Schlüsselreize für anfliegende Moskitos sind Fettsäuren, Ammoniak, Wärmestrahlung und Feuchtigkeit.

Aber nicht jeder wird gestochen, selbst wenn er schwitzt und ihn eine besonders milchsäurereiche Duftfahne umwabert. »Nur wenn das von der Mücke gesuchte Bukett genau stimmt, also die richtigen Duftstoffe in der richtigen Zusammensetzung angetroffen werden, klappt die Mustererkennung«, sagt Geier.

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Weder Parfüm, Vitamin B, Knoblauchorgien noch fleischlose Kost helfen

Wessen olfaktorische Aura vom Ideal des Minivampirs abweicht, der hat Glück und kommt ohne Pikser davon - bis ein Exemplar der nächsten Mückenart auftaucht, die ganz andere Vorlieben hat. Wessen Ausdünstungen dagegen das Wohlgefallen des Angreifers finden, dem helfen weder Parfüm, Vitamin B, Knoblauchorgien noch fleischlose Kost - er ist dran. »Bei einem unserer Tests hatten wir zwei Vegetarier im Team«, berichtet Geier. »Den einen verschlangen die Biester förmlich, den anderen verschmähten sie total.«

Dass selbst alte Volksweisheiten hungrige Mücken nicht vom Stechen abhalten können, musste vor zwei Jahren Sat 1 erkennen. Der TV-Sender wollte beweisen, dass Moskitos das »süße Blut« der Frauen dem der Männer vorziehen. Man mietete in einem Basler Hotel eine Luxussuite und warf ein leicht bekleidetes Modell-Pärchen 300 Hausmücken der Art Culex pipiens zum Fraß vor, die Mückenpapst Werner Rudin vom Schweizerischen Tropeninstitut eigens gezüchtet hatte. Resultat: Der Tontechniker rannte fluchend und quaddelübersät vom Set. Die Frau erlitt 20 Stiche, der Mann 61.

Der lange Stechrüssel, mit dem die Mücke ihre Opfer anbohrt, besteht aus einem Bündel von sechs miteinander verwachsenen Stechborsten. Diese lanzettförmigen, teils mit Widerhaken versehenen Sägezähne haben sich aus den Oberkiefern und anderen Mundteilen des Insekts gebildet. In dem Stachel, dessen Spitze einer Injektionskanüle gleicht, verläuft in der rohrförmig verlängerten ehemaligen Innenlippe der Speichelgang, durch den die Mücke ein Sekret in die Wunde pumpt, das Blutgerinnung verhindert und die Immunreaktion - und damit den verräterischen Juckreiz - kurzzeitig blockiert. Der Moskitospeichel enthält jedoch häufig Malaria-Plasmodien oder andere Krankheitserreger, die das Insekt als Zwischenwirt und Transportmittel nutzen und gestochene Menschen und Tiere befallen.

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50 bis 750 Eier legt ein Moskitoweibchen nach Begattung

Knapp über dem Speichelgang liegt das Saugrohr, quasi der »Strohhalm«, mit dem die Mücke das Blut schlürft. Der ganze Stechrüssel ist in eine Gleitrinne eingebettet, die aus der ehemaligen Unterlippe gebildet wird. Viele Moskitos können in ihrem stark verdickten Hinterleib das Zwei- bis Dreifache ihres Körpergewichts an Opferblut davonschleppen.

Wenige Tage nach Blutmahlzeit und Begattung legt das Moskitoweibchen je nach Art 50 bis 750 Eier ab, meist im Wasser oder an überschwemmungsgefährdeten Ufern. »Als Kinderstube genügt auch eine weggeworfene Coladose, ein Joghurtbecher oder eine Regentonne«, sagt der Kraichtaler Landarzt und Parasitologe Dieter Hassler. »Die Gärtner sollten endlich ihre Wasserfässer abschaffen. Aus jedem kommen ein paar Tausend Culex-Mücken raus - genügend Plagegeister für ein ganzes Wohnviertel!«

Je nach Mückenart dauert es 24 Stunden oder einige Tage, bis die Jungen aus den Eiern schlüpfen. Nach einer Woche verpuppen sich die Larven, und schon ein paar Tage später schwirren die fertigen Stechmücken los. Bereits nach zwei Tagen sind sie geschlechtsreif. Weil das alles ruck, zuck vonstatten geht, können sich bei uns in einem langen und heißen Sommer bis zu sieben Generationen in die Lüfte schwingen. So vermag ein einziges Weibchen von Culex pipiens, das aus dem Vorjahr überwintert hat, Milliarden von Nachkommen in die Welt zu setzen.

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West-Nil-Virus auf dem Vormarsch

In Deutschland treiben etwa 20 wichtige Stechmückenarten ihr Unwesen. Die meisten gehören drei Gattungen an: Aedes (Wald- und Wiesenmücken), Culex (Hausmücken) und Anopheles (Malaria-Mücken). »Bei 20 wird es aber nicht bleiben«, befürchtet Privatdozent Hassler. »Nachdem alle Ausrottungskampagnen gescheitert sind, befinden sich die Stechmücken weltweit wieder auf dem Vormarsch. Einige unangenehme neue Arten sind uns schon dicht auf den Pelz gerückt.«

Dazu gehören Martin Geiers Aedes aegyptii und der Tiger-Moskito Aedes albopictus. Dieser hat sich in zehn Jahren von Südostasien über Japan - wo er sich an kühlere Witterung gewöhnte - und die USA schon bis nach Venedig und zum Gardasee ausgebreitet. Reisevehikel des Überträgers von Dengue-Fieber waren alte, als »Wertstoff« gehandelte Autoreifen - laut Hassler »ein perfektes Mücken-Habitat. Die Dinger sind bestens klimatisiert, frei von Fraßfeinden und halten eingedrungenes Wasser lange. Die Weibchen legen ihre Eier hinein, und die Larven schlüpfen, wenn sich Regenwasser in den Pneus sammelt«.

Weit gefährlicher ist der dritte ungebetene Gast, das West-Nil-Virus. Der Erreger von Hirnhautentzündung hat in den vergangenen drei Jahren die Ostküste der USA erobert und wird sich wohl noch in diesem Jahr über den Westen ausbreiten. Er hat bereits in Rumänien und Israel Menschen getötet und grassiert auch in Frankreich. Bei bestimmten Wetterlagen wehen kräftige Winde Vögel aus der bereits befallenen Camargue in die Rheinebene. »Sind diese Vögel Träger der Epidemie, kann sie auch bei uns ausbrechen«, sagt Parasitologe Dieter Hassler. Denn ihr Überträger, die Mücke Culex pipiens, sticht sowohl Vogel als auch Mensch - eine gefährliche Transfusion.

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1997: Malaria-Alarm in Duisburg

Auch Culex? übel beleumundeter Verwandter Anopheles, die Malaria-Mücke, lebt in unseren Breiten. Die meisten Insektenforscher glaubten jedoch, dass ihre einheimischen Varianten nicht in der Lage seien, den tödlichen Erreger zu verbreiten. Doch das war ein Fehlschluss. 1997 ging in Duisburg eine Art »Seuchen-Generalprobe« über die Bühne. In einem Krankenhaus der Stadt infizierten sich zwei Mädchen mit Malaria tropicana, der schwersten Form des Wechselfiebers. Der Vorgang war mysteriös. Einziger Anhaltspunkt der Ärzte war eine junge Mitpatientin aus Angola, die chronisch an der Tropenseuche litt. Hatten deutsche Mücken die Malariaerreger übertragen?

Insektenforscher Andreas Krüger vom Hamburger Tropeninstitut kraxelte tagelang durch ein Buchenwäldchen am Hospital und nahm Proben aus wassergefüllten Baumlöchern. Schließlich fand er den Übeltäter: die Stechmücke Anopheles plumbeus, eine deutsche Verwandte der tropischen Killermoskitos.

Gerd Schuster

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Tipps & TricksDas Angebot an Ratschlägen und Hilfsmitteln für die Mückenbekämpfung ist groß. Nur wenige sind wirklich gut

Allerorten tauschen die Zerstochenen Tipps gegen die piksenden Plagegeister aus: mit Nelken gespickte Zitrusfrüchte und Duftkerzen im Zimmer verteilen. Apfelessig und Lavendelöl auf die Haut schmieren. Knoblauchzehen kauen und Vitamin-B1-Tabletten schlucken, Anti-Mücken-Armbänder anlegen oder die Biester einfach mit Haarspray erledigen. Mehrere Radiosender und ein Computerprogramm versprechen, mit einem »Anti-Mücken-Ton« im Ultraschallbereich die Miniblutsauger zu vertreiben. Die Liste der Hausrezepte, Kräuteressenzen und High-Tech-Apparaturen, die die Schmarotzer in die Flucht schlagen sollen, ist lang. Doch in seriösen Tests haben sich nur wenige Mittel bewährt.

In einer Untersuchung der Stiftung Warentest (test 7/2000: 7/2001) schnitten nur drei der geprüften Lotionen, Mückenpiepser und Elektroverdampfer mit der Note »gut« ab: die Bayrepelhaltige »Autan Family«-Milch (ca. 6,40 Euro pro 100 ml) und zwei Elektroverdampfer, von denen allerdings nur noch einer im Handel ist, das »Paral Mücken-Mobil« (ca. 12,75 Euro). Verdampfer sollten jedoch nur in Notfällen eingesetzt werden, zum Beispiel wenn ein ganzer Mückenschwarm das Zimmer bevölkert. Die Dämpfe könnten womöglich Kranken und Säuglingen schaden, so die Experten.

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Der Effekt der getesteten Duftkerzen und -öle, Mückenpiepser mit Ultraschall und Armbänder, für die bis zu 12,50 Euro verlangt werden, war gleich null: Die sirrenden Biester griffen unbeeindruckt weiter an. Und von den viel beschworenen Hausmitteln bekam lediglich Lavendelöl das Qualitätsurteil »ausreichend« - die anderen wirkten überhaupt nicht.

Ein gutes Repellent - so nennt man eine Substanz zum Auftragen auf die Haut, die die Insekten abwehrt - halte vier Stunden, sagt Werner Rudin, Mückenspezialist vom Schweizerischen Tropeninstitut in Basel. »Wenn die Hersteller ihre Produkte damit anpreisen, dass sie zwölf Stunden schützen, ist das Irreführung.« In Rudins Institut stecken leidensbereite Probanden ihre Arme, mit unterschiedlichen Mitteln präpariert, in Gaze-Käfige voller ausgehungerter Stechmücken und warten, bis sie attackiert werden. Um sich selbst zu schützen, würde Rudin ein Repellent mit dem Wirkstoff DEET verwenden: Diethyltoluamid (DEET), das bereits 1946 für die amerikanischen Armee patentiert wurde und auch von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zum Schutz vor Mücken empfohlen wird.

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Dieser Anti-Mücken-Klassiker schnitt auch in einer wissenschaftlichen Untersuchung zweier amerikanischer Dermatologen, die im Juli dieses Jahres veröffentlicht wurde, am besten ab: Ein Präparat mit 23,8 Prozent DEET-Anteil verdarb den Insekten am längsten den Appetit, nämlich fünf Stunden. Gegenüber moderneren Repellents hat DEET allerdings Nachteile. So löst es zum Beispiel Plastik. FKK-Anhänger, die von Kopf bis Fuß mit DEET-Präparaten eingesalbt waren, sollen Schwierigkeiten gehabt haben, sich wieder von der Brille ihres Campingklos zu lösen.

Einer der erfolgreichsten Mückenjäger der Welt, der Biologe Norbert Becker aus Ludwigshafen, weiß einfache Tricks, um die Schmarotzer-Invasion rund ums Haus einzudämmen: Wasserbehälter wie Regentonnen mit Gaze abdecken, voll gelaufene Pflanzenkübel und Vogeltränken regelmäßig leeren oder ganz beseitigen, weil sie als Brutstätten dienen. »So kann man den Entwicklungkreislauf der Mücken unterbrechen, die ihre Eier im Wasser ablegen«, sagt Becker, der Berater der Weltgesundheitsorganisation in Stechmücken-Fragen ist.

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Der Experte hat bereits Billionen der Quälgeister auf dem Gewissen. Fünfmal am Tag sprühen er und seine Mitarbeiter vom Hubschrauber aus kiloweise Eisperlen mit einem für Mückenlarven tödlichen Eiweiß des Bacillus thuringiensis israelensis (BTI) über die exakt kartographierten Brutstätten am Oberrhein. Dieses System funktioniert auch für den Hausgebrauch: Beckers Sohn Olaf vertreibt per Internet »Culinex«-Sprudeltabletten mit dem BTI-Wirkstoff, mit denen Gartenbesitzer den Blutsaugernachwuchs im Regenfass ausmerzen können.

Alle Experten sind sich einig: Das hundertprozentige Mittel gegen Mücken gibt es nicht. Neben Repellents empfehlen sie Moskitonetze (zwischen 15 und 100 Euro) für Bett und Kinderwagen (Maschenweite nicht mehr als zwei Millimeter), Fenstergaze (ab fünf Euro) oder eine simple Fliegenklatsche, die in jedem Supermarkt erhältlich ist.

Der gewiefte Insekten-Totschläger verwendet die gehobene Ausführung: Klatschen, deren Oberfläche genoppt ist. Das vermeidet Flecken auf der Tapete. Auf jeden Fall ist Eile geboten: Die Nachfrage nach Mückenmitteln aller Art ist in diesem Jahr bis zu fünfmal höher als im vergangenen.

Anika Geisler

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