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+++ Liveticker zum Aufruhr in der arabischen Welt +++: Offenbar neue Angriffe auf Misrata

Die libyschen Rebellen haben in der Nacht den umkämpften Ort Adschdabija zurückerobert. Aus Misrata werden neue Luftangriffe gemeldet. Verfolgen Sie die Ereignisse im Live-Ticker.

+++ 14.28 Uhr: Neue Proteste in syrischer Stadt Daraa +++

In der südsyrischen Stadt Daraa sind am Samstag nach Angaben der Opposition erneut tausende Menschen auf die Straße gegangen, um demokratische Reformen zu verlangen. Nach Angaben der oppositionellen Facebook-Seite "Youth Syria for Freedom" wurde der örtliche Sitz der herrschenden Baath-Partei von Demonstranten niedergebrannt. Darüber hinaus liefen in Daraa stationierte Armee-Offiziere zu den Regimegegnern über. Durch andere Quellen konnten diese Angaben zunächst nicht bestätigt werden.

Am Vortag hatten Sicherheitskräfte in der nahe gelegenen Ortschaft Al-Sanamien 23 Demonstranten erschossen. Daraa ist der Brennpunkt der seit einer Woche laufenden Proteste in Syrien. Nach Angaben von Amnesty International haben die syrischen Sicherheitskräfte in dieser Zeitspanne dort insgesamt 55 Menschen getötet. Am Freitag war es erstmals auch in anderen Städten des Landes zu größeren Kundgebungen für Freiheit und Reformen gekommen. Auch dabei wurden nach Oppositionsangaben bis zu 17 Menschen getötet.

Offenbar hat es am Samstag weitere Luftangriffe von Kräften der westlichen Allianz in der Umgebung der von den Rebellen gehaltenen Stadt Misrata gegeben. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf einen Rebellen-Sprecher.

+++ 12.45 Uhr: Libysches Fernsehen spricht von Vielzahl von zivilen Opfern +++

Laut einem Bericht des libyschen Staatsfernsehens sind bei einem Bombenangriff auf die Stadt Sabha "eine Vielzahl an unschuldigen Zivilisten" getroffen worden. Dazu wurden Bilder von verletzten Menschen aus einem Krankenhaus gezeigt.

+++ 11.07 Uhr: Rebellen kontrollieren Zufahrten nach Adschdabija +++

Beide Zufahrten zur Stadt Adschdabija befinden sich nach Berichten von Zeugen in der Hand von Rebellen. Die Soldaten von Machthaber Muammar Gaddafi zögen sich in Richtung der Ölstadt Brega zurück.

+++ 11.00 Uhr: Obama: Gaddafi muss zur Verantwortung gezogen werden +++

US-Präsident Barack Obama will, dass der libysche Gewaltherrscher Muammar al-Gaddafi für das brutale Vorgehen gegen die Zivilbevölkerung zur Verantwortung gezogen wird. Zugleich mahnte er Gaddafi, die Angriffe auf Zivilisten zu stoppen. "Diejenigen, die für Gewalt verantwortlich sind, müssen haftbar gemacht werden", forderte Obama am Samstag in seiner wöchentlichen Rundfunkrede.

Gaddafi müsse seine Truppen von den belagerten Städten zurückziehen und humanitäre Hilfe zulassen. Die internationale Militäraktion zeige "wichtige Fortschritte", betonte Obama. "Gaddafi hat das Vertrauen seines Volkes sowie die Rechtmäßigkeit zur Herrschaft verloren." Obama fügte hinzu: "Die Hoffnungen des libyschen Volkes müssen verwirklicht werden."

+++ 10.59 Uhr: Aktivisten rufen zu neuen Protesten in Syrien auf +++

Aktivisten der syrischen Demokratiebewegung haben am Samstag einen Tag nach der blutigen Unterdrückung ihrer Proteste zu neuen Kundgebungen aufgerufen. "Wir werden heute und jeden weiteren Tag friedlich auf die Straße gehen, bis wir unsere Freiheit erhalten", hieß es in einem Eintrag der Seite "Syrian Revolution 2011" auf der Internet-Plattform Facebook.

Am Freitag waren in mehreren syrischen Städten Dutzende Demonstranten getötet worden, als die Sicherheitskräfte in die unbewaffneten Menschenmengen geschossen hatten.

+++ 10.56 Uhr: Justizminister warnt vor Gaddafi-Rache +++

Der britische Justizminister Kenneth Clarke hat vor einem Racheanschlag des libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi im Stil des Lockerbie-Attentats gewarnt. Großbritannien habe "einen guten Grund", Gaddafi nicht mehr an der Macht sehen zu wollen, sagte Clarke in einem Interview mit der britischen Zeitung "The Guardian" (Samstagsausgabe). "Die Menschen in Großbritannien haben einen Grund, sich an den Fluch Gaddafis zu erinnern - Gaddafi zurück an der Macht, der alte Gaddafi, der Rache sucht; wir haben großes Interesse daran, das zu verhindern."

Bei dem Attentat auf einen Pan Am-Jumbo über dem schottischen Ort Lockerbie 1988 waren 270 Menschen ums Leben gekommen. Bis heute ist dafür nur der Libyer Abdel Bassit Ali Mohammed al-Megrahi verurteilt worden. Er war 2009 wegen einer Krebserkrankung aus der Haft in Schottland entlassen worden und durfte nach Libyen heimkehren.

+++ 10.37 Uhr: Jemen: Machtwechsel vielleicht schon am Samstag +++

Nach wochenlangen Massenprotesten im Jemen mehren sich die Zeichen für einen Machtwechsel an der Spitze des arabischen Landes. Er hoffe, dass noch am Samstag eine Vereinbarung gefunden werde, sagte der amtierende Außenminister Abubakr al-Kirbi der Nachrichtenagentur Reuters. Präsident Ali Abdullah Saleh sei bereit, sämtliche Möglichkeiten in Betracht zu ziehen. Alle Seiten seien sich einig, dass ein Kompromiss gefunden werden müsse. Der Zeitrahmen für einen Wechsel sei Verhandlungssache. Am Vortag hatte Präsident Saleh gesagt, er sei unter bestimmten Bedingungen zu einem Rückzug bereit, um weiteres Blutvergießen zu verhindern. In Sanaa hatten Zehntausende Salehs sofortigen Rücktritt gefordert.

+++ 10.36 Uhr: Adschdabija nur noch eine Geisterstadt +++

Libysche Rebellen haben die strategisch wichtige Stadt Adschdabija im Osten des Landes von Regierungstruppen zurückerobert. Soldaten von Machthaber Muammar Gaddafi hielten am Samstag lediglich noch das westliche Stadttor in ihrer Gewalt. Vier Panzer der Gaddafi-Truppen wurden zerstört. Ein Rebellensprecher bezeichnete den Ort als Geisterstadt. "Alles wurde von unseren Kräften vergangene Nacht zerstört", sagte er. "Nun sind nur noch Leichen in der Stadt zu sehen und Familien, die nicht wissen, wohin sie sollen."

+++ 10.00 Uhr: USA erwägen womöglich Waffenlieferungen an Rebellen +++

Die USA und ihre Verbündeten erwägen einem Zeitungsbericht zufolge, die libyschen Aufständischen mit Waffen zu versorgen. US-Präsident Barack Obama sei der Ansicht, dass die UN-Resolution zur militärischen Durchsetzung der Flugverbotszone in Libyen eine solche Unterstützung der libyschen Opposition ermögliche, berichtete die "Washington Post" am Samstag unter Berufung auf Regierungsvertreter aus den USA und Europa. Frankreich unterstütze überdies Überlegungen, die Gegner von Libyens Machthaber Muammar el Gaddafi militärisch auszubilden und auszurüsten. Der aus Tripolis abgezogene US-Botschafter für Libyen, Gene Cretz, sagte dem Bericht zufolge, die Regierung erörtere "die volle Bandbreite" möglicher Hilfsangebote an die libysche Opposition. Eine Entscheidung sei jedoch noch nicht gefallen, schrieb die "Washington Post".

+++ 08.58 Uhr: Rebellen kontrollieren offenbar Adschdabija +++

Die umkämpfte ostlibysche Stadt Adschdabija ist seit Samstag wieder unter Kontrolle der Rebellen. Das berichteten Korrespondenten der Nachrichtenagentur AFP aus der strategisch wichtigen Öl-Stadt. In den vergangenen Tagen hatten französische und britische Kampfflugzeuge die Truppen des libyschen Machthabers Muammar al Gaddafi bei Adschdabija attackiert. Am Freitag gab es in der Nähe der Stadt mehrere schwere Explosionen. Die Rebellen standen nach eigenen Angaben bereits kurz vor der Rückeroberung. Zahlreiche Einwohner flohen vor den Kämpfen. Adschdabija liegt etwa 160 Kilometer südlich der Rebellenhochburg Bengasi.

+++ 02.36 Uhr: Jordanien kündigt hartes Vorgehen an +++

In Jordanien hat die Regierung nach gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften angekündigt, chaotische Zustände nicht länger zu tolerieren. "Was heute passiert ist ganz sicher der Beginn von Chaos. Das ist inakzeptabel und ich warne vor den Konsequenzen", sagte Ministerpräsident Maruf al-Bachit am Freitag. Für die Demonstrationen für Reformen und eine Begrenzung der Macht des Königs machte Al-Bachit Islamisten verantwortlich. Diese würden auch aus Ägypten gesteuert. Bislang hatte sich die Regierung bei den wochenlangen Protesten zurückgehalten. Am Freitag gingen Sicherheitskräfte in Amman jedoch mit Schlagstöcken und Wasser vor. Ein Mann starb. Der TV-Sender Al Dschasira berichtete von einem weiteren Toten. Dutzende Menschen wurden verletzt. Ein Reuters-Kameramann wurde von Pro-Monarchisten und Sicherheitskräften verprügelt.

+++ 01.16 Uhr: Offenbar 20 weitere Tote in Syrien +++

In Syrien sind am Freitag bei erneuten Protesten gegen die Regierung zahlreiche Menschen getötet worden. In der Stadt Sanamein seien 20 Menschen bei einem Protestmarsch nach Deraa erschossen worden, sagte ein Augenzeuge der Nachrichtenagentur AFP. Auch in der Stadt Deraa, die im Zentrum der seit Tagen andauernden Proteste gegen Präsident Baschar al-Assad steht, wurden laut Augenzeugen erneut Menschen getötet. Sicherheitskräfte hätten das Feuer auf einen Protestmarsch aus der Stadt Sanamein eröffnet, sagte ein Menschenrechtsaktivist. Nach Angaben eines Zeugen warfen die Demonstranten Steine auf das Hauptquartier der militärischen Sicherheitskräfte, worauf die Soldaten das Feuer eröffneten. Ein hoher Behördenvertreter, der anonym bleiben wollte, sprach von zehn Toten. Zum Hergang der Gewalt machte er keine Angaben.

+++ 01.00 Uhr: Zollitsch stellt sich hinter Libyen-Einsatz +++

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, hat sich hinter den internationalen Militäreinsatz gegen Libyens Machthaber Muammar al Gaddafi gestellt. "Wenn die Truppen des Diktators Gaddafi tatsächlich kurz davor standen, im Osten Libyens ein Blutbad anzurichten, ist ein Militäreinsatz auf der Grundlage eines Mandats zum Schutz der Zivilbevölkerung grundsätzlich vertretbar", sagte Zollitsch dem "Hamburger Abendblatt". Er könne daher die Gründe derer nachvollziehen, die sich für das militärische Eingreifen entschieden hätten. Zudem ermögliche der Militärschlag dem libyschen Volk vielleicht die Möglichkeit, sich auf den "Weg zu einer freien und demokratischen Gesellschaft" zu machen. Zugleich warnte der Erzbischof von Freiburg, die Bedenken gegen das militärische Engagement sollten "nicht gering geachtet werden". Es wisse doch niemand, ob aus dem "humanitär begründeten Ad-hoc-Schlag" am Ende nicht eine "lang anhaltende Verstrickung mit unkalkulierbaren Folgen" werde.

+++ 00.12 Uhr: Obama kündigt Rede zu Libyen an +++

US-Präsident Barack Obama will am Montag eine Rede zum Konflikt in Libyen halten. Das kündigte das Weiße Haus an. Ziel der Rede in einer Militär-Universität in Washington sei es, die Amerikaner über die Lage in dem Unruheland und das internationale militärische Eingreifen zum Schutz der Bevölkerung zu informieren. Die Rede ist für 1.30 Uhr Dienstag MESZ geplant. Zuvor war Obama in die Kritik geraten, Parlament und Öffentlichkeit nicht genügend über die Libyen-Mission zu informieren. Unter anderem habe er die konkreten Ziele des Militäreinsatzes nicht deutlich gemacht, monieren Kritiker.  Am Freitag sprach Obama mit Kongressführern.

fgüs/DPA/AFP/Reuters / DPA / Reuters