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+++ Newsticker zur Lage in Ägypten +++: Militär stürmt Moschee

In Ägypten ist kein Ende der blutigen Proteste in Sicht. Die Regierung erwägt ein Verbot der Muslimbruderschaft. Das Militär hat die belagerten Moschee in Kairo gestürmt. Die Ereignisse im Ticker.

Der von Islamisten ausgerufene "Freitag der Wut" hat in Ägypten eine neue Eskalation der Gewalt heraufbeschworen. Die Zahl der Toten wird mittlerweile mit mehr als 100 angegeben, kann aber nicht überprüft werden. Hunderte wurden verletzt. Nach den Krawallen vom Freitag ist das Land in Angst.

Anzeichen auf Deeskalation gab es nicht. stern.de verfolgt die Ereignisse im Ticker.

17.10 Uhr: Kampf um das Minarett

Die Sicherheitskräfte kämpfen noch darum, die Kontrolle über das Minarett des Gotteshauses im Zentrum der ägyptischen Hauptstadt zu erlangen. Zuvor hatten sie sich heftige Schusswechsel mit bewaffneten Anhängern des gestürzten Präsidenten Mohammed Mursi geliefert.

16.05 Uhr: Al-Fateh-Moschee gestürmt.

Polizisten und Soldaten haben am Samstag die von Demonstranten besetzte Al-Fateh-Moschee in Kairo gestürmt. Kurz zuvor waren die Sicherheitskräfte vom Minarett der Moschee aus beschossen worden und hatten das Feuer erwidert. Das berichteten Reporter ägyptischer Fernsehsender. Während der Schießerei rannten Dutzende der Anhänger von Ex-Präsident Mohammed Mursi in Panik aus der Moschee.

14.52 Uhr: Schüsse an belagerter Moschee

An der von Sicherheitskräften belagerten Moschee in Kairo, in der sich seit Freitag hunderte Islamisten verschanzt hielten, sind zahlreiche Schüsse abgefeuert worden. Über dem Platz vor der Moschee hing Tränengas, wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichtet. Kurz darauf begannen die Sicherheitskräfte mit der zwangsweisen Räumung des Gotteshauses und holten die Menschen einzeln heraus. Die ägyptische Nachrichtenagentur Mena meldete, Bewaffnete hätten aus der Fateh-Moschee das Feuer auf gepanzerte Armeefahrzeuge eröffnet. Im Fernsehen war zu sehen, dass Sicherheitskräfte auf das Minarett schossen.

14.49 Uhr: Militärchef soll Friedensabkommen abgelehnt haben

Wenige Tage vor der jüngsten Gewalteskalation in Ägypten standen die verfeindeten Lager einem Medienbericht zufolge offenbar kurz vor einem Friedensabkommen. Die von den USA und ihren Partnern aus Europa und den Golfstaaten vermittelte Lösung hätte das neuerliche Blutvergießen mit hunderten Toten möglicherweise vermeiden können, berichtete die US-Zeitung "Washington Post" am Samstag. Der inzwischen zurückgetretene ägyptische Vize-Präsident Mohamed ElBaradei habe Militärchef Abel Fattah al-Sisi aber offenbar nicht dazu bewegen können, dem Friedensabkommen zuzustimmen.

14.36 Uhr: Westerwelle nennt Todesfälle "erschütternd und empörend"

Außenminister Guido Westerwelle (FDP) und sein Amtskollege aus Katar, Chalid al-Atija, haben sich bestürzt über die Eskalation der Gewalt in Ägypten gezeigt. "Die neuen Todesfälle erschüttern und empören uns", sagte Westerwelle nach einem Treffen am Samstag in Berlin. Nur ein Dialog und eine stufenweise Abschwächung könnten zu einer Lösung führen. Mit Empörung habe die Bundesregierung auch die erneuten Angriffe auf Christen registriert. Auch al-Atija forderte ein Ende der Gewalt. "Ecksteine" für eine Lösung seien die Freilassung der politischen Gefangenen, weil für Verhandlungen ansonsten einer Seite der Kopf fehle. Den Namen des von den Militärs abgesetzten Präsidenten Mohammed Mursi nannte er nicht.

14.26 Uhr: Ägypten prüft Auflösung der Muslimbruderschaft

Die ägyptische Regierung erwägt die Auflösung der Muslimbruderschaft des abgesetzten Präsidenten Mohammed Mursi. Ministerpräsident Hasem al-Beblawi habe das vorgeschlagen, teilte ein Regierungssprecher am Samstag mit. Der Vorschlag werde nun geprüft. Dafür ist das Sozialministerium zuständig. Die 1928 gegründete Muslimbruderschaft war 1954 von der damaligen ägyptischen Militärregierung verboten wurden. Sie ließ sich im März als Nichtregierungsorganisation registrieren und zog damit die Konsequenz aus Bemühungen ihrer Gegner, sie per Gerichtsverfahren für illegal zu erklären.

14.15 Uhr: Regierung will "mit eiserner Faust" gegen Terror vorgehen

Die ägyptische Regierung hat nach den blutigen Unruhen der vergangenen Tage angekündigt, sie wolle "mit eiserner Faust gegen den Terrorismus vorgehen. Das sagte ein Sprecher der Übergangsregierung am Samstag vor der Presse in Kairo. Seinen Angaben zufolge kamen bei Zusammenstößen mit Demonstranten und Angriffen militanter Islamisten seit dem vergangenen Mittwoch 57 Polizisten ums Leben. 563 Polizisten seien verletzt worden. Im gleichen Zeitraum wurden nach Angaben von Ärzten und Polizisten mehr als 750 Zivilisten getötet.

14.05 Uhr: Polizei nimmt Bruder von Al-Kaida-Anführer Al-Sawahiri in Kairo fest

Die Polizei hat in Kairo einen Bruder des Anführers der Terrornetzwerks Al-Kaida, Eiman al-Sawahiri, festgesetzt. Mohammed al-Sawahiri sei an einer Straßensperre im Bezirk Giza festgenommen worden, hieß es aus Sicherheitskreisen in der ägyptischen Hauptstadt. Mohammed al-Sawahiri gehört einer Bewegung radikaler Salafisten mit Verbindungen zu militanten Gruppen an. Während der Amtszeit des inzwischen entmachteten Präsidenten Mohammed Mursi hatte er angeboten, zwischen militanten Salafisten auf der Sinai-Halbinsel und der Regierung zu vermitteln. Was ihm jetzt konkret vorgeworfen wird, war unklar.

13.52 Uhr: Regierung zählt 173 tote Zivilisten am "Freitag der Wut"

Bei den gewaltsamen Zusammenstößen sind am Freitag 173 Zivilisten getötet worden. Das teilte ein Regierungssprecher in Kairo mit. Sanitäter und Ärzte hätten zudem 1330 Verletzte gezählt. Seit Beginn der Unruhen am vergangenen Mittwoch wurden seinen Angaben zufolge 57 Polizisten getötet. Die Muslimbruderschaft und einige andere Parteien aus dem islamistischen Spektrum hatten landesweit zu Protesten unter dem Motto "Freitag der Wut" aufgerufen. Einige der Zivilisten seien auch bei Gewalt zwischen Demonstranten und aufgebrachten Anwohnern ums Leben gekommen, hieß es.

13.33 Uhr: Sohn von Muslimbrüder-Oberhaupt stirbt bei Protesten

Ein Sohn des Oberhauptes der ägyptischen Muslimbruderschaft, Mohammed Badia, ist bei den blutigen Unruhen in Kairo getötet worden. Das teilte die Partei der Muslimbrüder am Samstag mit. Demnach wurde Ammar Badia während einer "friedlichen Kundgebung" am "Freitag der Wut" auf dem Ramses-Platz erschossen. Am vergangenen Mittwoch war Asmaa al-Beltagi, die Tochter eines anderen führenden Mitgliedes der Islamisten-Vereinigung, bei der gewaltsamen Räumung eines Protestlagers der Muslimbrüder in Kairo ums Leben gekommen.

13.14 Uhr: Friedensnobelpreisträgerin Karman verurteilt Entmachtung Mursis

Die jemenitische Friedensnobelpreisträgerin Tawakkul Karman hat die Entmachtung des ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi durch das Militär als Rückschlag für den Demokratieprozess verurteilt. Der "Putsch gegen Mursi ist ein Putsch gegen die Idee des Arabischen Frühlings", sagte die Menschenrechtsaktivistin dem ZDF-Nachrichtenportal "heute.de". Denn die Entwicklungen in Ägypten hätten Vorbildcharakter für andere Länder: "Wenn der Neuanfang in Ägypten gelingt, dann haben auch die anderen Länder eine Chance; wenn nicht, dann sieht es auch da schlecht aus", sagte Karman. Sie ist eine wichtige Persönlichkeit des Volksaufstands im Jemen, der 2011 im Zuge des Arabischen Frühlings seinen Anfang genommen hatte.

11.32 Uhr: Hunderte verbarrikadieren sich in Fateh-Moschee

Das Kräftemessen konzentriert sich am Samstag vor allem auf die Fateh-Moschee auf dem Ramses-Platz im Zentrum der ägyptischen Hauptstadt. Dort widersetzen sich Hunderte islamistische Demonstranten seit dem Freitagabend der Aufforderung der Polizei, die Moschee zu verlassen. Im Inneren der Moschee hielten sich noch rund 700 Menschen auf, sagten Augenzeugen dem Nachrichtensender Al-Dschasira. Sie hätten Angst vor den Sicherheitskräften und Schlägerbanden. Mehrere Frauen sagten, sie wollten die Moschee nicht verlassen und die Männer allein zurücklassen.

Die Mursi-Anhänger hatten am Freitag tagsüber auf dem Platz vor der Moschee demonstriert. Als am Abend die Ausgangssperre begann, verbarrikadierten sie sich in der Moschee. Bei den Verhandlungen ging es unter anderem darum, ob die Demonstranten anschließend von der Polizei verhört werden sollen oder nicht. Frauen sei im Gegensatz zu den Männern freies Geleit versprochen worden, sagten Demonstrantinnen.

10.23 Uhr: 1004 "Elemente" der Muslimbruderschaft festgenommen

Die ägyptischen Behörden haben nach Angaben der Regierung bei den jüngsten Protesten mehr als 1000 Anhänger des gestürzten Präsidenten Mohammed Mursi festgenommen. 1004 "Elemente" der Muslimbruderschaft seien am Freitag in Gewahrsam genommen worden, teilte das Innenministerium in Kairo am Samstag mit. Mitglieder der Mursi nahestehenden islamistischen Gruppe hätten terroristische Handlungen während der Demonstrationen begangen.

9:46 Uhr: Mubarak-Prozess ohne Mubarak

Der Prozess gegen den früheren ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak, 85, und neun weitere Angeklagte wird aus Sicherheitsgründen ohne Mubaraks Anwesenheit fortgesetzt. Auch seine beiden Söhne Alaa und Gamal sowie Ex-Innenminister Habib al-Adli wurden am Samstag von der Polizei nicht zum Gerichtssaal in der Polizeiakademie von Kairo gebracht. Nur sechs ehemalige Assistenten des früheren Innenministers Al-Adli standen diesmal vor Gericht. Aus Sicherheitskreisen hieß es, die Polizei habe einen störungsfreien Transport Mubaraks zum Gerichtsgebäude aufgrund der angespannten Sicherheitslage nicht gewährleisten können.

Nach der gewaltsamen Räumung ihrer Protestlager in Kairo hatten in Islamisten in den vergangenen Tagen zahlreiche öffentliche Gebäude attackiert und Straßen gesperrt. Langzeitpräsident Mubarak war im Februar 2011 nach tagelangen Massenprotesten von der Militärführung zum Rücktritt gezwungen worden. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, an der Tötung von mehr als 800 Demonstranten während der damaligen Proteste beteiligt gewesen zu sein.

08:34 Uhr: Bundesregierung will Waffenexporte nach Ägypten stoppen

Angesichts der blutigen Zusammenstöße in Ägypten will die schwarz-gelbe Bundesregierung keine neuen Waffenexporte in das Land genehmigen. Die deutsche Rüstungsexportpolitik sei ohnehin restriktiv, sagte Außenminister Guido Westerwelle (FDP) dem Nachrichtenmagazin "Focus". "Und das wird so bleiben, gerade mit Blick auf diese aktuellen Entwicklungen." Dem Bericht zufolge prüft die Bundesregierung derzeit, wie mit bereits genehmigten, aber noch nicht erfolgten Waffenexporten umgegangen werden soll.

"Die Bundesregierung hat alle Entscheidungen über Ausfuhrgenehmigungen für Rüstungsgüter nach Ägypten zurückgestellt", zitiert der "Focus" aus einer Antwort des Wirtschaftsministeriums auf eine Anfrage der Linksfraktion. Im ersten Halbjahr 2013 lieferten deutsche Unternehmen dem Bericht zufolge Rüstungsgüter im Wert von rund 13,2 Millionen Euro an Ägypten. Es habe sich vor allem um Ausrüstungsgegenstände für die ägyptische Marine und um Telekommunikationstechnik gehandelt.

8:16 Uhr: Westerwelle ruft zum Schutz der Christen in Ägypten auf

Angesichts der eskalierenden Gewalt in Ägypten und der Übergriffe auf Kirchen setzt sich Außenminister Guido Westerwelle für die Christen in dem Land ein. "Die christliche Minderheit in Ägypten muss vor Übergriffen geschützt werden", sagte der FDP-Politiker dem Nachrichtenmagazin "Focus". Er betonte, Deutschland stehe in dem Konflikt nicht auf der Seite einer der politischen Kräfte. "Wir stellen uns auf die Seite der Menschen, die auf Freiheit und demokratische Werte setzen und die eine offene Gesellschaft wollen."

7:58 Uhr: Mursi-Anhänger verlassen Moschee

Islamistische Demonstranten haben nach stundenlangen Verhandlungen am Samstagmorgen eine Moschee in Kairo geräumt, die von der Polizei und Hunderten von Zivilisten umstellt worden war. Das meldete die Website der Zeitung "Al-Masry Al-Youm". Die Anhänger des ägyptischen Ex-Präsidenten Mohammed Mursi hatten tagsüber auf dem Platz vor der Moschee demonstriert. Als am Abend die Ausgangssperre begann, verbarrikadierten sie sich in der Moschee. Bei den Verhandlungen ging es unter anderem darum, ob die Demonstranten anschließend von der Polizei verhört werden sollen oder nicht. Ob und wie viele Menschen noch in der Moschee waren, war am Morgen unklar.

cjf/anb/DPA/Reuters/AFP / DPA / Reuters