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60 Jahre Israel: Das Judentum A bis Z

Ist der Rabbi nun ein Priester oder ein Gelehrter? Wo genau ist diese Diaspora? Und was hat es mit dem Sabbat-Aufzug auf sich? Das Judentum, ob liberal oder orthodox, ist eine komplexe aber auch sehr pragmatische Religion - stern.de verschafft einen Überblick.

Von Niels Kruse, Jerusalem

Aufzüge

Fahren wie überall auf der Welt von oben nach unten. Nur am Schabbat, von Freitagabend bis Samstagabend, halten sie in jedem Stock. Der Grund: Am jüdischen Ruhetag darf kein elektrischer Funke durch menschliche Hand ausgelöst, also auch kein Schalter bedient werden. Um Aufzüge trotzdem benutzen zu können, sind sie vorprogrammiert, automatisch in jedem Stockwerk zu halten, so das gläubige Juden keine Knöpfe drücken müssen.
(siehe auch Elektrizität und Schabbat)

Bier

Natürlich ist Juden Alkohol erlaubt. Wein ist wichtiger Bestandteil vieler religiöser Feste. Aber Israelis sind im Allgemeinen keine großen Trinker. Auch weil Bier recht teuer und zur Pessach, dem großen Familienfest des Jahres, sogar verboten ist. Der Grund: Dann ist jede Form von Gesäuertem tabu. Zum dem auch der Gerstensaft gehört.
(siehe auch Pessach)

Cholent

Weil gläubige Juden am Schabbat nicht arbeiten also auch nicht kochen dürfen, essen viele Cholent - einen dicken Eintopf, der bis Freitagmittag vorgekocht wird
(siehe auch Koscher und Schabbat)

Diaspora

Seit mehr als 2000 Jahren leben Juden in der Diaspora, in der "Zerstreuung", also außerhalb des Gelobten Lands. Bereits 587 v. Chr. wurden die ersten von ihnen versklavt und nach Babylon verschleppt. Es folgten Jahrhunderte, in denen sie unfreiwillig von einem Reich ins nächste fliehen mussten, zumeist, weil sie nicht von der jeweiligen Gesellschaft assimiliert werden wollten. Nachdem sich das Christentum in Europa ausbreitete, wurden die Juden fast überall unterdrückt. Es drohten ihnen Zwangstaufen oder sie durften nur Arbeiten verrichten, die zwar verachtet aber notwenig waren - wie etwa der Geldhandel.

Erstmals ab dem 7. Jahrhundert genossen die spanischen Juden unter islamischer Herrschaft relativ lange große Freiheiten. Ab Ende des 15. Jahrhunderts wurden sie von der iberischen Halbinsel vertrieben und flüchteten nach Osteuropa, vor allem nach Polen sowie in Mittelmeerländer wie Italien, Marokko und Griechenland. Nach den Pogromen von 1881/82 in Russland emigrierten viele Juden in die USA. Um die Jahrhunderte lange Verfolgung und Unterdrückung der Juden, die verstreut auf der Welt lebten, zu beenden, organisierte der ungarische Journalist Theodor Herzl den ersten zionistischen Kongress. Dort wurde für alle Juden, die "Rückkehr nach Zion", also ins Gelobte Land gefordert. Heutzutage leben rund sieben Millionen Juden in Israel selbst, fünf Millionen in der Diaspora. Nicht wenige US-Juden bezahlen bis zu 50.000 Dollar dafür, um am Jerusalemer Tempelberg begraben zu werden - ohne je in Israel gelebt zu haben. (siehe auch Zionismus)

Elektrizität

Elektrizität darf am Ruhetag Schabbat nicht in Gang gesetzt werden. Für streng Gläubige sind deshalb Fernsehen, Internet, Telefonieren, Autos und öffentliche Verkehrsmittel verboten. Auch künstliches Licht und Herdplatten müssen aus bleiben. Allerdings ist es lediglich untersagt, mit elektrischen Schaltern in Berührung zu kommen. Daher benutzen viele Zeitschaltuhren, die automatisch Licht oder den Fernsehen einschalten. Ebenfalls erlaubt ist es, elektrische Geräte frühzeitig anzustellen und über den Schabbat einfach laufen zu lassen.
(siehe auch Aufzüge, Feuer und Schabbat)

Feuer

Der Grund für den komplizierten, aber auch pragmatischen Umgang mit elektrischen Geräten ist das Verbot, am Ruhetag elektrische Funken auszulösen und Feuer anzuzünden. Elektrizität wird als moderne Form des Feuers betrachtet und dessen Benutzung deshalb ebenfalls untersagt.
(siehe auch Elektrizität, Feuer und Schabbat)

Getreide

Mit den Essen machen es sich die Juden wirklich nicht gerade leicht. Das gilt auch fürs Getreide. Nur fünf Sorten sind im Grunde erlaubt (Weizen, Roggen, Gerste, Hafer und Dinkel). Verschiedene orthodoxe Gruppen verbieten am Pessachfest auch den Genuss von daraus hergestellten Nudeln, Kuchen und Gebäck. Auch Bier und Schnaps sind zu Pessach verboten, weil das Getreide darin vergoren und alles Gesäuerte tabu ist. Deshalb dürfen religiöse Juden zu Pessach auch kein mit Sauerteig oder Hefe gebackenes Brot essen. Traditionell wird dann Mazze-Brot gereicht. Das wiederum muss innerhalb von 18 Minuten gebacken worden sein. (siehe auch Bier, Koscher und Pessach)

Haredin

Die "Gottesfürchtigen" oder ultraorthodoxen Juden. Sie fordern ein Leben nach den in Tora und Talmud festgelegten Ge- und Verboten - wobei darüber gestritten wird, wie weit sie ausgelegt werden dürfen. Auch der Staat Israel wird von einigen radikalen Juden abgelehnt, weil es allein dem Messias vorbehalten sei, die Juden aus der Diaspora ins Gelobte Land zu führen. Viele Haredim hingegen siedeln sich in den besetzten Gebieten im Westjordanland, auf den Golanhöhen (und früher auch im Gazastreifen) an. Sie orientieren sich dabei weniger am Völkerrecht, sondern am in der Bibel beschriebenen "Eretz Israel", dem "Land Israel", das bis zum Jordan geht. Weil Ultraorthodoxe wegen des Talmud-Studiums nicht arbeiten, leben viele von Ihnen von Sozialhilfe. Oft muss auch die Frau den Lebensunterhalt verdienen - neben der Kindererziehung. (siehe auch Mea Schearim, Waffen, Yitzack Rabin und Zionismus)

Internet

Israel ist ein Hightechland, entsprechend verbreitet ist auch das Internet. Allerdings ist die unbegrenzte Vielfalt der Informationen nicht jedermanns Sache. Für streng gläubige Juden gibt es deswegen das "Koschernet", das auf die Bedürfnisse eines frommen Lebens ausgerichtet ist. Dort lässt sich der Rabbi online Fragen stellen, finden sich koschere Rezepte, es gibt die Wochenabschnitte der Tora zu lesen genauso wie Information über den jüdischen Mystizismus oder zum Missionierungsverbot. Nackte Frauen oder auch Männer allerdings sind dort nicht zu finden. (siehe auch Koscher und Rabbi)

Jahwe

Gott. Das Alte Testament erzählt im Exodus von der Berufung Moses durch Gott, der ihm mit auf den Weg gibt: "Ich werde sein, der ich sein werde. So sollst Du den Israeliten sagen: Der Herr, der Gott Eurer Väter, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks, der Gott Jakobs hat mich zu Euch gesandt. Das ist mein Name auf Ewig, mit dem man mich aufrufen soll." Aus der Wortfolge wurde Jahwe und im Mittelalter fälschlicherweise Jehova.

Koscher

Ja, auch bei McDonalds gibt es koschere Burger. Eine der wichtigsten Regeln in der Tora lautet: "Du sollst das Böcklein nicht in der Milch seiner Mutter kochen." Das bedeutet: Fleisch- und Milchspeisen müssen getrennt voneinander zubereitet als auch gegessen werden. Cheeseburger sind also alles andere als koscher. Wobei es die Israelis damit auch nicht immer so genau nehmen. In einigen US-Schnellimbissketten gibt es sie, in anderen nicht, vor allem nicht im frommen Jerusalem. Nach der Regel untersagt sind auch Milchkaffee oder Cappuccino nach dem Fleischgericht zum Mittag- geben tut es sie natürlich trotzdem. Und viele Juden umgehen das Verbot, indem sie einfach Sojamilch verwenden.

Ebenso wie die Muslime essen gläubige Juden kein Schweinefleisch. Das Tier gilt als das unkoscherste überhaupt. Dennoch kommt es auf den Tisch, unter der Bezeichnung "weißes Fleisch", womit auch Geflügelfleisch bezeichnet wird. Erlaubt sind laut Tora eigentlich nur Wiederkäuer-Tiere mit gespaltenen Hufen: also vor allem Rind, Ziegen und Schafe. Sie gelten aber auch nur dann als koscher, wenn sie vorher geschächtet wurden: Dabei schneidet der Schlachter den Tieren mit einem einzigen Schnitt in die Halsschlagader und lässt sie ausbluten - eine Praxis, die vor allem Tierschützer empört. Fische wiederum sind nur erlaubt, wenn sich die Schuppen leicht ablösen lassen und sie eine oder mehrere Flossen haben. (siehe auch Bier, Cholent, Getreide, Internet, Pessach und Schabbat)

Likud

Konservative Partei Israels, zum Teil sehr nationalistisch und zionistisch. Betreibt oft eine sehr siedlerfreundliche Politik und nimmt Verstöße gegen das Völkerrecht in Kauf. Einer ihrer Vertreter, Ariel Sharon, der wegen eines schweren Schlaganfalls im Koma liegt, hatte als Ministerpräsident trotz Verbots den Tempelberg besucht und galt so als Mitauslöser für die zweite Intifada. (siehe auch Haredin, Tempelberg und Zionismus)

Mea Schearim

Das ultraorthodoxe Viertel ("Hundert Tore") in Jerusalem, ist am Schabbat für Autos gesperrt. Das Verbot wurde von den Bewohnern gewaltsam erzwungen. Es soll auch schon vorgekommen sein, dass ultraorthodoxe Juden vorbeifahrende Krankenwagen im Einsatz mit Steinen beworfen haben. In Mea Schearim kleiden sich die Menschen wie zu Zeiten des ausgehenden 18. Jahrhunderts: Die Männer tragen lange schwarze Mäntel und auch im Hochsommer Pelzmützen. Frauen bedecken ihre Köpfe den religiösen Vorschriften zufolge mit Kopftüchern oder Perücken. Besucher werden dringend darum gebeten, sich möglichst vollständig zu bekleiden. Öffentliche Liebesbezeugungen jedweder Art zwischen Unverheirateten sind absolut nicht gern gesehen. (siehe auch Haredin, Tempelberg, Unfall, X-rated Movies und Zionismus)

Noah

Die alttestamentarische Figur soll 950 Jahre alt geworden sein und ist der Vater von Sem, Ham und Jafet, deren Namen für die den Hebräern damals bekannten Völker stehen: Sem für die Semiten, Ham für Hamiten (die dunkelhäutigen Afrikaner) und Jafet für die Jafetiten. Laut der Genesis verflucht Noah die Nachfahren seines Sohnes Ham - womit die Christen später die Versklavung der Afrikaner rechtfertigten. Noah ist der erste Ackerbauer und Winzer. Der Talmud leitet aus der Bibel die Noachidischen Gebote ab. Hält sich ein Nichtjude an sie, gilt er in der kommenden Welt als Jude. Aus diesem Grund halten es Juden nicht für nötig, Andersgläubige zu missionieren.

Osteuropa

Osteuropa war im 15. und 16. Jahrhundert Zufluchtsstätte für Juden aus Spanien. Vor allem Polen, wo Kazimierz der Große ihnen Exil angeboten hatte. Es war der ungarische Journalist Theodor Herzl, der das Standardwerk "Der Judenstaat" schrieb und den ersten zionistischen Kongress in Basel organisierte. Die noch heute bevorzugte Kleidung orthodoxer Juden hat ihre Wurzeln im osteuropäischen Schtetl, den Dörfern und Stadtteilen mit überwiegend jüdischer Bevölkerung, die religiös sehr konservativ geprägt waren. (siehe auch Diaspora, Mea Schearim und Zionismus)

Pessach

Das Pessachfest gehört zu den wichtigsten jüdischen Festen. Es erinnert an den Auszug der versklavten Juden aus Ägypten und den langen Weg in die Freiheit. Es ist das Familienfest der Juden. Es beginnt zum Vollmond im März/April statt. Auch sehr liberale Juden, also die meisten Israelis, feiern mit. Es dauert sieben Tage (in der Diaspora acht) und wird bei den liberalen oder nichtreligiösen Juden hauptsächlich genutzt, gut zu essen und Verwandte wiederzutreffen. Zu Pessach ist der Verzehr von Getreide verboten, ausgenommen das ungesäuerte Mazze-Brot. Meistens ist in dieser Woche auf den Autobahnen die Hölle los, weil jeder Israeli unterwegs ist. Pessach war übrigens der Grund, warum sich Jesus auf den Weg nach Jerusalem gemacht hat, wo er dann schließlich gekreuzigt wurde. (siehe auch Diaspora, Getreide und Koscher)

Qumran

Sind die ältesten je gefundenen Schriften mit bis dahin teils unbekannten Teilen des Alten Testaments. Ein palästinensischer Junge hatte sie 1947 in Tonkrügen entdeckt. Die Rollen liegen heute im Jerusalemer Museum "Shrine of the book".

Rabbiner

Auch Jesu soll ein Rabbi gewesen sein - so heißt es jedenfalls in der Bibel. Ein Rabbiner ist kein Priester, dem allein bestimmte Tätigkeiten erlaubt wären, wie das Abhalten von Gottesdiensten etwa. Es ist ein Ehrentitel für diejenigen, die sich besonders gut mit dem Talmud - den jüdischen Gesetzen - auskennen. Früher durften sie nicht arbeiten, mittlerweile schon. Rabbis kümmern sich um die Seelsorge, sind aber auch Vorbeter in der Synagoge oder lesen während des Gottesdienstes aus der Tora. Im liberalen Judentum dürfen auch Frauen Rabbis werden, im orthodoxen hingegen nicht. Konservative Juden erwarten übrigens, dass der Rabbi verheiratet ist und Kinder hat.

Schabbat

Das Wochenende im Judentum. Schabbat beginnt freitagabends nach Sternenaufgang und endet samstagabends. Laut Bibel habe Gott befohlen am siebten Schöpfungstag (bei den Juden der Samstag) nicht zu arbeiten. Stattdessen solle der Gläubige sich keine Sorgen machen und auf das Wohlwollen Gottes vertrauen. Daraus ergibt sich eine Reihe von Geboten: So darf kein Feuer entzündet werden, weshalb streng gläubige Juden auch nicht rauchen. Wegen des Feuerverbots darf auch nicht gekocht werden. Weil Elektrizität als modernes Feuer gilt müssen alle elektrischen Geräte ruhen: Vom Telefon, über die Herdplatte bis zu Autos. Der Besuch eines Gottesdienstes dagegen gehört zur Pflicht. Sex am Schabbat ist zwar nicht Pflicht, zeugt aber durchaus von Frömmigkeit. (siehe auch Aufzüge, Cholent, Elektrizität, Feuer, Koscher und X-rated Movies)

Tempelberg

Auf dem Hügel in der Altstadt von Jerusalem steht der berühmte Felsendom (der nach Mekka und Medina wichtigste Ort für Muslime) sowie die Al-Aksa-Moschee. Juden ist der Zugang zum Tempelberg verboten. Extrem rechte Israelis aber erheben Besitzansprüche auf ihn, weil hier der erste und zweite Tempel standen. An der Westseite befindet sich der Rest des zweiten Tempels, der von den Römern zerstört wurde: die Klagemauer, sie ist die heiligste Stätte der Juden. Männer und Frauen beten hier getrennt. Einmal im Jahr wird die Klagemauer übrigens von den berühmten Zetteln, die in ihren Ritzen stecken, "gereinigt". Das Papier wird nicht entsorgt, sondern rituell beigesetzt. (siehe auch Likud)

Unfall

Sollte man nicht am Schabbat haben. Zumindest nicht in ultraorthodoxen Vierteln. Nach dem Verständnis der Fundamentalisten nämlich, dürfen dann keine Autos fahren - also auch keine Krankenwagen. (siehe auch Haredin und Mea Schearim)

Vielfalt

Israel ist ein Einwanderungsland. Und jeder Jude hat das Recht sich hier niederzulassen. Weil Juden aus allen Ecken der Welt ins Gelobte Land kommen, gibt es, bis auf die USA, wohl kein anders auf der Welt, wo so viele unterschiedliche Menschen zusammenleben: Schwarze mit blonden Locken gehören genauso zum Straßenbild wie Dunkelhäutige mit roten Haaren und blauen Augen sowie Dunkelhaarige mit heller Haut oder Blonde mit dunkeln Augen. Jeder hat sein eigenes jüdisches Verständnis mitgebracht, so dass die einen nichts gegen Schweinefleisch haben, die anderen, wie die eine Million Russen, die seit Anfang der 90er Jahre nach Israel immigriert sind, gerne Wodka in Massen trinken, und wiederum andere, wie extrem Linke wie extrem Konservative, den Staat Israel ablehnen. Kurzum: In Israel ist vieles verboten - aber auch fast alles erlaubt. Das Judentum ist auch eine sehr pragmatische Religion. (siehe auch Diaspora, Schabbat und Zionismus)

Waffen

Sind an jeder Ecke zu sehen, wenn auch kein jüdisches Phänomen. Nicht nur die allgegenwärtigen Soldaten tragen ihre Maschinengewehre zur Schau, sondern auch viele jüdische Siedler. Selbst beim Bummel durch Jerusalem. Gerade die extrem rechten Juden aus dem Westjordanland versuchen sich damit gegen eventuelle Übergriffe von Palästinensern zu wehren, demonstrieren aber damit gleichzeitig, wer Herr in diesem Land sein will. (siehe auch Likud und Zionismus)

X-rated Movies

Also Pornos, sind im Judentum nicht sonderlich verbreitet- heißt es. Manchen Gruppen ultra-orthodoxer Juden ist es sogar untersagt, den Ehepartner nackt zu sehen. Beim Sex sind bei ihnen sowohl Mann als auch Frau bekleidet. Ansonsten gibt es den Buchstaben X im Hebräischen nicht. (siehe auch Schabbat)

Yitzack Rabin

Rabin war ein israelischer Politiker, (erst Verteidigungsminister, später Ministerpräsident), der am 4. November 1995 in Tel Aviv vom jüdischen Rechtsextremisten Jigal Amir erschossen wurde. Rabin hatte sich für die Aussöhnung von Juden und Palästinensern eingesetzt und dafür zusammen mit PLO-Chef Jassir Arafat 1994 den Friedensnobelpreis erhalten. (siehe auch Haredin und Zionismus)

Zionismus

1896 schrieb der ungarische Journalist Theodor Herzl das bahnbrechende Standardwerk "Der Judenstaat" und formulierte darin die Idee, dass alle Juden der Welt einen eigenen Staat bekommen sollten. Kurz darauf organisierte er den ersten zionistischen Kongress in Basel. Der sollte die jahrhundertelange Verfolgung und Unterdrückung der Juden, die verstreut auf der Welt lebten, beenden. Dort wurde für alle Juden die "Rückkehr nach Zion", also ins Gelobte Land gefordert. In zwei Einwanderungswellen siedelten sich daraufhin Juden in Palästina an, oft beseelt von einer sozialistischen Lebensweise. Als erster diplomatischer Erfolg der Zionisten gilt die Balfour-Erklärung von 1917, ein Brief des damaligen britischen Außenministers, in dem er dem Zionisten Lord Rothschild die "Errichtung eines jüdischen Nationalheims in Palästina" zusicherte.

In Folge des Schreibens immigrierten immer mehr Juden ins Gelobte Land. 1948 wurde auf dem Gebiet Palästinas der Staat Israel gegründet und mit ihm das Recht für jeden Juden in den Staat einzuwandern. Was allerdings das Rückkehrrecht der aus Palästina vertriebenen Palästinenser ausschloss. Mittlerweile wird der Zionismus unterschiedlich interpretiert. Einige verstehen darunter, dass das gesamte Land bis zum Jordan jüdisch besiedelt werden soll, andere wiederum verstehen darunter nur die Einwanderung nach Israel in den Grenzen bis 1967. Auch die Unterstützung Israels und/oder die Anerkennung des Existenzrechts des Landes bezeichnen einige als Zionismus. (siehe auch Diaspora und Vielfalt)